Leitsymptom Lahmheit Pferd_Oli Nussbaum
Wichtigste Punkte
Wichtigste Punkte
-
- 1 / 47
-
Flashcards
In welche Ursachenkomplexe lassen sich Lahmheiten grundsätzlich einteilen?
- Lahmheiten infolge Schmerzen an den Gliedmassen, z.B. Hufabszess, Sehnenzerrung, Arthritis, etc.
- Lahmheiten infolge mechanischer Behinderung der Gliedmassenbewegung, z.B. bei Ankylose, Patellarfixation, etc.
- Lahmheiten infolge Lähmung von Nerven, z.B. Radialis- oder Supraskapularisparesen/ -paralysen.
Lahmheitsgrade beim Pferd
Grad 1: Undeutlich geringgradige Lahmheit
=nicht permanent sichtbare, geringgradige Lahmheit
Grad 2: Deutlich geringgradige Lahmheit
=permanentsichtbare, geringgradige Lahmheit
Grad 3: Mittelgradige Lahmheit
= deutlich ausgeprägte Lahmheit sofort zu erkennen
Grad 4: Hochgradige Lahmheit
= Zehenspitzenfussung, Pferd kaum trabbar
Grad 5: Höchstgradige Lahmheit
= vollständige Entlastung der Gliedmasse, Pferd nicht trabbar
Mögliche Ursachen für Hangbeinlahmheit
- habitueller Patellafixation
- fibrotischer Myopathie
- Hahnentritt (Zuckfuss, Schrittkrankheit der Hintergliedmassen, eine/beide Gliedmassen gebeugt, Streckung beim Abstellen erfolgt abrupt)
- Entzündung der Bursa bicpitalis
Wie an Hinterhand Lahmheit beurteilen?
Becken erreicht höchtsten Punkt beim Auffussen der erkrankten Gliedmasse. Es sinkt dann während der Stützphase des kranken Beines nur wenig ab, weil das Pferd die Belastung der schmerzhaften Gliedmasse vermeiden will.
Absenken der Glutealmuskulatur: Da dieses Absenken beim lahmen Bein aus einem während der Stützbeinphase höheren Niveau erfolgt, ist die Amplitude der Kruppenbewegung beim lahmen Bein ausgeprägter als beim gesunden Bein.
Ablauf der Lahmheitsuntersuchung
- Anamnese
- Adspektion
- Vorführen des Pferdes
- Provokationsproben
- Spezielle Adspektion und Palpation
- ggf. Longieren
- Diagnostische Anästhesien
- Verdachtsdiagnosen, Differentialdiagnosen, Diagnosen
- Bildgebende Diagnostik: Röntgen, Ultraschall, Thermographie, Szintigraphie, Computertomographie oder MRI
- ggf. selektive diagnostische Anästhesien
- Therapie und Prognose
Wie funktioniert die Brettprobe?
--> was wird belastet?
Hierbei wird ein Vorderbein auf ein Brett gestellt, das Gegenbein locker aufgehoben und das Brett anschliessend progressiv vorne angehoben. Hierdurch wird vor allem der Hufrollenapparat belastet. Zeigt das Pferd nun eine schmerzhafte Reaktion im Sinne einer reproduzierbaren Zurückverlagerung des Körperschwerpunkts und einen schmerzhaften Gesichtsausdruck, so wird diese Probe als positiv befundet.
Was versteht man unter der Beugeprobe?
Wir verstehen darunter das eineinhalb Minuten lange Abbeugen einer Gliedmasse und das anschliessende Vortraben des Pferdes. Beugeproben müssen immer mit der kontralateralen Beugeprobe verglichen werden. Beim Lostraben nach der Beugeprobe darf das Pferd physiologischerweise die ersten Schritte unregelmässig gehen – anschliessend sollte das Gangbild aber wieder dem Zustand vor der Beugeprobe entsprechen.
Was am belasteten Bein beobachten/palpieren?
- Wärme der Hufe
- Arterienpulsation der Digital- und/oder Mittelfussarterien
- Knöcherne Zubildungen (Schalen) im Kron- und Fesselbereich
- Spannung/Kontur der beiden Beugesehnen sowie des M. interosseus medius
- Gallen (d.h. vermehrt gefüllte synoviale Strukturen) z.B. Fessel/Karpus/Tarsus
- Überbeine
DD bei positiver TPA Hufknorpel
• Trachtenquetschung und andere Probleme der Huflederhaut
• Podotrochlose (entzündlich-degenerative Erkrankung von Strahlbein, Beugesehne und Hufrollenschleimbeutel)
• Hufbeinastfraktur
• Hufgelenksarthrose
• (Krongelenksarthrose)
• Insertionsdesmopathie TBS
• Aber auch Fesselbeinfissur, Gleichbeinfissur, wegen dem lymphatischen Abtransport
Eine Tiefe Palmarnervenanästhesie auf Höhe proximale Fesselbeuge vorne links eliminiert die
geringgradige Lahmheit. Welche Strukturen werden
mit dieser Anästhesie erfasst?
N. digitalis palmaris und dessen Ramus dorsalis --> Sitz der Anästhesie prüfen: Hautsensibilität mittels spitzem Gegenstand testen oder Zangenprobe --> dorsal am Huf
--> Hufgelenk und Krongelenk, distale Gleichbeinbänder, kompletter Huf, Seitenbänder Hufgelenk dist. Fesselbein
Welche Sedativa in welcher Dosis?
--> was bei jungen Patienten?
--> was wenn ganz unruhig?
Detomidin (wirkt länger, 0.01-0,02mg/kg), Xylazin (0,5-1mg/kg, kombiniert mit Opioiden z.B. Butorphanol (0,02-0,04mg/kg, kein BTM, viel zuverlässiger, Pferde schlagen weniger aus --> weil sie weniger erschrecken) --> bei ganz jungen + kranken Fohlen aufpassen mit Alpha-2-Agonisten --> initial Hypertension, dann Hypotension, Bradykardien --> Alternative erste 2-4 LW: Benzodiazepine
--> Wenn ganz unruhig und i.v. unmöglich: Detomidin als sublinguale Paste oder Detomidin i.m. (min. doppelt dosiert)
Bockhuf: Verkürzung der tiefen Beugesehne; es handelt sich wahrscheinlich nur um eine relative
Verkürzung, weil das Röhrbein vielleicht zu rasch gewachsen ist. Die Sehne ist relativ zu kurz und kann sich auch infolge des Unterstützungsbandes nicht dehnen. Man spricht daher auch von einer Kontraktur der tiefen Beugesehne. Dadurch entsteht eine Beugung im Bereich des Hufgelenkes.
Unterschiedliche Formen des Bockhufes --> Auswirkungen auf Therapie?
Unterscheide zwischen dem angeborenen und erworbenen Bockhuf. Der angeborene Bockhuf spricht in der Regel gut auf Verbände und Schienen an, während beim erworbenen fast immer eine Operation erforderlich ist.
konservative Therapie Bockhuf
--> wann trotzdem OP?
- Futter reduzieren
- Mineralsalz korrigieren: Ca-P Verhältnis muss stimmen
- Hufkorrektur: die Trachten müssen stark gekürzt werden
- Hufschutz: Der Huf muss im Bereich der dorsalen Sohlenregion unbedingt mit einem
Hufschutz versehen werden, weil sonst eine aseptische oder septische Huflederhautentzündung entsteht --> Halbmondeisen, Dallmerschuh oder 2-Komponenten-Kleber - Feste Verbände: führt zu einer gewissen Sehnenerschlaffung
- Tetrazyklinjektionen: 3 g OTZ / Fohlen / Tag an drei aufeinanderfolgenden Tagen; das OTZ muss in einem Liter Glukoselösung verdünnt über ca. 1 Stunde verabreicht werden.
- Kontrollierte Bewegung auf hartem Boden
- NSAIA, falls die Belastung schlecht ist
--> Ab ca. 5 Monaten, wenn Winkel mehr als 90° und wenn nach 4 Wochen konservativer Therapie keine Besserung beobachtet werden kann, soll das Fohlen operiert werden.
Komplikation, wenn Bockhuf zu lange ohne Erfolg konservativ behandelt wird
Chirurgische Therapie des Bockhufes
Desmotomie des Unterstützungsbandes der tiefen Beugesehne --> von lateral, am Uebergang vom proximalen zum mittleren Drittel des Metakarpus: Proximal ist die Grenze wesentlich deutlicher als distal, aber das Risiko, dass die Sehnenscheide eröffnet wird, ist auch grösser
Wie können Veränderungen am Hufbein radiologisch noch besser dargestellt werden? Wie heisst diese Technik?
--> Winkel Strahlengang?
DD zum Bockhuf
- Sehnenstelzfuss (Kontraktur der oberflächlichen Beugesehne)
- Bockhuf als Symptom von zugrundeliegendem Problem (durch Kontrakturen im Rahmen einer Entlastungshaltung bei Schmerzen und orthopädischen Problemen --> i.d.R. einseitig)
Was unbedingt palpieren bei Patient mit steilen Hufen?
alle Sehnen palpieren (v.a. Beugesehnen und M. interosseus) im Stand der Ruhe und bei forcierter Extension
Unterschiedliche Grade des Bockhufes
- Grad 1: Winkel zwischen Boden und vorderer Zehenwand zwischen 60 und 90°
- Grad 2: >90°
Pathogenese Bockhuf
Zu schnelles Wachstum Röhrbein (Metacarpus) an distaler Fuge --> Tiefe Beugesehne relativ zu kurz und Unterstützungsband zu unnachgiebig --> Schmerzhafter Zug auf Sehne und Kontraktur M. flexor digitalis profundus --> Huf kippt und wird dorsal mehr abgenutzt
Unterschied Bockhuf/Sehnenstelzfuss
- Bockhuf: Kontraktur TBS, Kongenital oder erworben (in ersten 4 Lebensmonaten)
- Sehnenstelzfuss: Kontraktur OBS, Kongenital oder erworben (10.-18. Lebensmonat)
Was post op machen?
- Verband für 2-3 Wochen: schützt die Wunde und begünstigt eine Sehnenerschlaffung
- Trachten kürzen: 1. und 2. Woche: alle 3 Tage; 3. und 4. Woche 1/Woche; Anschliessend Kontrolle alle 2 Wochen
- Hufschutz nach 3 und weiteren 4 Wochen erneuern; bei guter Hornstruktur sowie guter Stellungskorrektur nach der Operation ist kein Hufschutz erforderlich
- NSAID und Bewegung auf hartem Boden
Prognose Grad 1 bei OP im 5. Lebensmonat
Sehr gut: Bei korrekter Therapie gute Korrektur möglich, Unterstützungsband wächst wieder zusammen, physiologische Stellung von Huf und Gelenken kann erzielt werden
Durchtrittigkeit: Abnorme Laxizität der Beugemuskeln bzw. Sehnen zu schwach
--> v.a. bei prä-/dysmaturen oder kranken Fohlen
--> konservative Therapie: Hufschuh mit Verlängerung nach palmar/plantar & kontrollierte Bewegung
Beugesehnenkontrakturen
---> kongenital: evt. intrauterine Malposition, genetisch oder toxische Substanzen während Trächtigkeit
--> konservativ: NSAID, i.v. Oxytetrazyklin, kontrollierte Bewegung, verlängerte Zehe, Verband/Schiene/Cast
Sehnenstelzfuss (Kontraktur OBS), im Alter von 10-18 Monaten (=nach Phase des schnellen Wachstums von Radius)
--> Therapie ähnlich wie Bockhuf: Konservativ oder Durchtrennung Unterstützungsband oberflächliche Beugesehne + evt. auch der tiefen
Strecksehnenruptur (z.B. des M. extensor digitalis communis) --> kongenital, oft bei unreifen Fohlen
--> Schwellung dorsolateral am Karpus, Überköten
--> Schienenverbände, dann feste hohe Verbände, dann Röhrenverbände + Boxenruhe
Welche drei Ursachenkomplexe können zu Achsenfehlstellung beim Fohlen führen?
- Inkomplette Ossifikation der kleinen Karpal- und Tarsalknochen
- Laxizität der periartikulären Strukturen
- Asymmetrische Knochenentwicklung, unausgewogene Diät, Verknöcherungsstörungen oder irgendwelche Überbelastung/Trauma auf Fugen, die zu ungleichem Wachstum an Fugen führen
In welchen der folgenden anatomischen Strukturen ist der für die Achsenfehlstellung asymmetrische Wachstum auf einem Röntgenbild am häufigsten zu erkennen? Ordnen nach absteigender Häufigkeit
Metaphyse/Diaphyse, Epiphyse, Apohpyse, kleine Tarsal- bzw. Karpalknochen
Epiphyse > kleine Tarsal- bzw. Karpalknochen > Metaphyse/Diaphyse > Apophyse (=Knochenfortsatz)