LE I.3 Sich bewegen - Thrombose- und Thromboseprophylaxe
Krankenpflegeausbildung, Unterkurs
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Lernkarten
Definition Thrombose
Vollständiger oder teilweiser Verschluss von Arterien oder Venen sowie der Herzhöhlen durch intravasale Blutgerinnung mit Bildung von Blutkoageln aus Thrombozytenaggregaten und Fibrin.
Virchow-Trias
folgende als Virchowtrias bezeichnete Faktoren begünstigen eine Thrombose:
- verlangsamte Blutströmung
- Gefäßwandschäden
- erhöhte Gerinnungsneigung
für venöse Thrombosen: vorallem Gerinnungsneigung und langsamer Blutfluss
für arterielle Thrombosen: Gefäßwandschäden
Beobachtungsmaßnahmen Thrombose
- Schmerzen
- DMS- Überprüfung in regelmäßigen Abständen (Durchblutung - Motorik - Sensibilität der betroffenen Extremität)
- Wundsekretbeobachtung
- regelmäßige Verbandskontrolle
- bei Fixateur externe: Entzündungszeichen, Verklebungen, Verkrustungen
- Temperaturkontrolle
Einteilung der venösen Thrombosen
- distale Thrombosen: am häufigsten, wachsen nach proximal
- proximale Thrombosen: hohes Embolierisiko, wachsen nach distal
- Thrombosen, die von der Oberfläche über Vv. perforantes in tiefe Venen wachsen
1. und 3. haben ein geringes Embolierisiko, das jedoch zunimmt wenn sie nach proximal vorgewachsen sind
Risikofaktoren/Risikogruppen Thromboseentstehung
- hohes Lebensalter über 65 Jahre
- Übergewicht
- während und nach der Schwangerschaft
- schmerzbedingte Schonhaltung
- Bettlägerigkeit
- regelmäßiger Nikotin- und Alkoholabusus
- Flüssigkeitsmangel
- Krebserkrankungen
- Thrombosen in der Vergangenheit
- Sepsis und schwere Infektionserkrankungen
Symptome der Thrombose
- Rötung bei oberflächlichen Venen
- Schwellung, Wärme der betroffenen Extremität
- Temperaturanstieg
- Pulsanstieg
- zunehmende Druckempfindlichkeit der befallenen Gefäße
- Schmerzen bei leichter Stauung des Gefäßes
- starke Schmerzen
Diagnose einer Thrombose
- Ultraschall (Dopplersonographie)
- Phlebographie (Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel)
Lokalisierung von Thrombosen
- tiefe Venenthrombosen an den Waden- oder Beinvenen
- Beckenthrombose seltener, gefährlicher und häufig bei Schwangeren
- oberflächliche Thrombophlebitis häufig an den Beinen, seltener an den Armvenen (durch Venenkatheter)
medikamentöse Prävention
- Heparinisierung: per Injektion, hemmt die Bildung von Fibrin
- Cumarine: z.B. Marcumar, hemmen die Gerinnung durch Hemmung von Vitamin K in der Leber, schlecht steuerbare Dauerbehandlung
- Thrombocytenaggregationshemmer: verhindern das Aneinanderheften von Thrombocyten und das Verklumpen
mögliche Folgen einer Thrombose
- Absterben des Gewebes (Nekrose)
- Gangrän
- Ödeme
- Ulcus cruris
- Krampfadern
verlangsamte Blutströmung als Risikofaktor zur Thromboseentstehung
je langsamer das Blut fließt desto leichter lagern sich Thrombozyten an die Gefäßwand an
verlangsamte Blutströmung bei: Immobilität, Lähmung, Gipsverband, Schienenlagerung, schmerzbedingter Schonhaltung, Herzinsuffizienz, CVI
Bewegungsmangel und venöse Insuffizienz beeinträchtigen die Muskelpumoe und vermindern dadurch den venösen Rückfluss
Gefäßwandschäden als Risikofaktor zur Thromboseentstehung
Schädigung der Intima löst Thrombocytenaggregation aus
Ursachen für Intimaschädigung:
- traumatisch durch Verletzungen, Quetschungen, Frakturen und Operationen
- degenerativ durch altersbedingte Veränderung der Beinvenen, Krampfaderleiden
- entzündlich durch Venenentzündung (Phlebitis)
erhöhte Gerinnungsneigung als Risikofaktor zur Thromboseentstehung
im normalen Blut Gleichgewicht zwischen Blutgerinnselauflösung und Blutgerinnung
Überwiegen der Butgerinnung bei folgenden Ereignissen:
- Flüssigkeitsdefizit, z.B durch Diarrhoe, Erbrechen, großflächigen Verbrennungen oder Einnahme von Diuretika
- pathologische Zellvermehrung
- Vermehrung der Blutgerinnungsfaktoren, z.B. nach großen Operationen, Verletzungen mit erheblicher Gewebsverletzung oder Verbrennungen
- Einnahme bestimmter Medikamente (Ovulationshemmer, Kortison)
Einschätzung eines Thromboserisikos
- gezielte Frage nach Risikofaktoren
- Inspektion der Beine (Varizen, Ödeme, livide Verfärbungen)
- Hinweise auf Vorerkrankungen durch ärztliche Anamnese
- Assessmentinstrumente: Skalen von Frowein und Müller (keine empirische Sicherung - dennoch für eine erste Orientierung geeignet)
Bausteine der Thromboseprophylaxe - (Früh)-Mobilisation
eine Mobilisation nur in den Stand ist nicht sinnvoll, da die rückstromfördernde Muskelpumpe erst beim Gehen aktiviert wird (zumindest auf der Stelle treten)
CAVE: bei Patienten mit einer Phlebothrombose (TVT) ist vor der Mobilisation Rücksprache mit dem Arzt zu halten (evtl. Bettruhe)
Bausteine der Thromboseprophylaxe - Rückstrom-fördernde Gymnastik
auch neben der Physiotherapie sollte ein bettlägeriger Patient selbst aktiv werden
durch Aktivierung der Wadenmuskelpumpe kann der venöse Rückfluss um mindestens 30% gesteigert werden
Maßnahmen, die im Bett durchführbar sind:
- Füße kreisen, beugen und strecken
- Zehen auseinanderspreizen und einkrallen
- Anspannen der Oberschenkelmuskulatur
- Drücken der Fußsohlen gegen das Bettende (Sekretbeutelkonstruktion)
- Bettradfahren
Bausteine der Thromboseprophylaxe - Lagerung
Hochlagern der Beine fördert venösen Rückstrom
Kontraindikation: arterielle Durchblutungsstörung (Hochlagerung würde Minderdurchblutung der Extremitäten verstärken)
Bausteine der Thromboseprophylaxe - Ausstreichen der Venen
Anwendung bei bettlägerigen und immobilen Patienten
Beschleunigung des venösen Rückstroms um das vierfache
Verbindung der Maßnahme gut mit Körperpflege zu verbinden
Ausstreichen ausgehend von der Ferse bis oberhalb des Knies (bei angehobenem Bein) mit sanftem Druck und gleichmäßigem Tempo in Richtung Herz (Wdh. des Vorgangs 3-5mal)
Kontraindikation: bei ausgeprägten Varizen, V.a. Phlebothrombose
Bausteine der Thromboseprophylaxe - Venenkompression
entscheidend für Auswahl der Venenkompression sind Risikofaktoren
- primäre Prophylaxe: keine Venenerkrankung, aber andere Risikofaktoren
- sekundäre Prophylaxe: leichte Venenerkrankungen mit subjektiven Beschwerden
- Therapie: ausgeprägte Varikosis, venöse Insuffizienz, Ulcus cruris, Ödeme (Therapie erfolgt hauptsächlich mit individuell angepassten Kompressionsstrümpfen)
zwei Möglichkeiten der prophylaktischen Venenkompression: MTS, Kompressionsverband (nach Fischer)
Phasen der Bettlägerigkeit
- Instabilität: Probleme beim Gehen, Bewegung mit Hilfsmittel, Einschränkung des Bewegungsradius
- Ereignis: Klinikaufenthalt oder Sturz führt zu einer dramatischen Verschlechterung der Beweglichkeit
- Immobilität im Raum: zunehmende Bewegungseinschränkung (wenig Gehen, auch tagsüber im Bett)
- Ortsfixierung: kein selbständiger Ortswechsel (z.B. Sofa-WC) mehr möglich, auf Hilfe angewiesen
- Bettlägerigkeit