HS 2014

Jennifer Reinhard
Lernen

Jennifer Reinhard
Diese Lernkarten bieten einen tiefen Einblick in die gesellschaftlichen und literarischen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts, insbesondere in Deutschland und der Schweiz. Sie beleuchten zentrale Themen wie die Rolle der Frau, die Veränderungen in der Gesellschaft, die Machtstrukturen und die literarischen Figuren, die diese Prozesse widerspiegeln. Besonders hervorgehoben werden die Werke von Theodor Fontane und andere Autoren, die die komplexen Dynamiken zwischen Geschlechtern, Klassen und sozialen Bewegungen darstellen. Diese Karteikarten eignen sich ideal für Studierende der Germanistik und Literaturwissenschaft, die ein vertieftes Verständnis der gesellschaftlichen und literarischen Zusammenhänge dieser Epoche erlangen möchten.
Karten
121
Lernende
1
Sprache
Deutsch
Kategorie
Literatur
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
29.12.2014 / 06.01.2015

Lernkarten

Liberalisums

• Weltanschauliche Richtung
• Persönliche Freiheit jedes Menschen
– Aufklärung, Franz. Revolution, engl. Verfassungsentwicklung,
 amerk. Unabhängigkeiterklärung
• Höchstmass an individueller Entfaltung
• Glaubens-, Versammlungs- u. Pressfreiheit
• Gewaltenteilung
• Teilnahme an Gesetzgebung und Staats
• Abbau wirtschaftlicher Hemmnisse 

konservativismus

Erhaltung der traditionellen, überlieferten,
gesellschaftlichen Ordnung
• eingeschränkte Reformen und Veränderungen nicht
ausgeschlossen
• Kirche, Monarchie, Ständeordnung, Familie, Eigentum von
hoher Bedeutung
• Militär
• konservatives Handel: Interesse des Adels 

arbeiterbewegung

Politische Mittel:
• Arbeitervereine
• Bildungsvereine
• Parteigründungen 

arbeitervereine

• gewaltfreie Veränderungen bewirken
• Bildung vermitteln
• Klassenbewusstsein entwickeln und stärken
• Solidarität
• Gesetze herbeiführen
– Wahlrecht anstreben
– Sozialgesetzgebung 

sozialismus vs kommunismus

• Eigentumsbegriff
– Aufhebung des
Privateigentums an allen
Produktionsmitteln
• Herrschaftsbegriff
– reformerischer Prozess
– Reformen

Komm
– Aufhebung des
Privateigentums an allen
Wirtschaftsgütern
– revolutionärer Prozess
– Revolution 

grossstadt - allgemeine entwicklung

• Kapitalismus und Industrialisierung als entscheidende
Faktoren für die Entstehung von Grossstädten
• Mittelalterliche Marktflecken weiten sich aus
• Vom organisierten städt. Handwerk zur umfangreichen
Fabrikproduktion 

industriestadt im 19. jh

• Kapitalistische Spekulation
• Industrielle Ausbeutung
• Nützlichkeitsdenken- und streben
• Produktive Anstrengungen
• Gieriger Konsum
• Fabrikherren als „Despoten“

städtebau

• zu Beginn des Wachstums keine klaren Konzepte
• Gebäude und Flächen mussten bereit gestellt werden
• Improvisation und Notbehelf
• Mathematische „starre“ Erweiterung (schachbrettartig)
oder (chaotisch) sog. organische „pulverisierte“
Erweiterung 

stadtlandschaft

 geprägt durch Transportmittel und Fabriken
– eiserne Schienen, Staub, Dreck, Abfall, Lärm, Rauch
usw.
• Fabriken entlang der Gleise
• Ausbeutung der Natur
• schlampiger und rücksichtsloser Umgang mit der Umwelt 

armenviertel

 Pauperismus
• Neubauten, „Mietskasernen“, Block an Block
• Katastrophale hygienische Verhältnisse
• Krankheiten 

handwerker und angestellte in der stadt

 Kleine Einfamilienhäuser (z. B. Reihenhaus,
Doppelhäuser)
• etwas Garten
• Quartiere mit spezifischer sozialer Struktur entstehen 

bürgertum

 grosszügige Wohnungen „Belle Etage“ mit DienstbotenEingängen
und - Zimmern
• Villen
• Gärten und Parks
• Nachahmen eines aristokratischen Stils 

frau jenny treibel

theodor fontane, 1892

frau jenny treibel - kulisse

 

 Grossstadt als Kulisse
• Gründerzeit, Hauptstadt
• Fabrikanten, Bourgoise
• Neureiche Aufsteiger
• Ironie, Typensatire, versteckte Kritik 

jenny - bürgerlichket

• Kleinbürgerlich: Frau Schmolke
• Gehobene Kleinbürgerlichkeit: Professor Willibald Schmidt
• Grossbürgerlich: Frau Kommerzienrätin Jenny Treibel
• (Feine) gesellschaftliche Trennungen
• Kontrast: Bildung vs. Kommerz 

jenny - frau schmolke

 Witwe eines Polizisten, der im Rotlichtmilieu stationiert
war
• Herz am rechten Fleck, ehrlich, menschlich, hilfsbereit
• führt den Haushalt
• für Corinna fürsorglich, liebe- und verständnisvoll
• für Schmidt unentbehrlich, er ist wertschätzend
• für Jenny nur Dienstbotin 

jenny - willibald schmid

• Kontrast zu Treibels
• Gymnasiallehrer
– gebildet, aber schlecht bezahlt
– Verehrung der alten Griechen, der Antike
• Wohnung nicht repräsentativ, sondern wohnlich,
persönlich, bequem für Schmidt
• hat seine Tochter alleine erzogen
• Männerrunde „Die 7 Waisen Griechenlands“
• Wertschätzung von Frau Schmolke 

jenny - familie treibel

• Besitzbürgertum
• Fabrikbesitzer in 3. Generation „Berliner Blau-Fabrik“
• Repräsentation und Äusserlichkeit
• Villa an der Spree (Baustil an adligem Gutshof orientiert)
mit kleinem Vordergarten und parkartigem Hintergarten,
auf dem Fabrik gelände

Einrichtung: Vorderzimmer, Esszimmer, Blick auf Park mit
Springbrunnen, inkl. Kakadu
• Bekanntenkreis: Kontakte mit dem Hof (Ziegenhals, von
Bomst), mit der Kunst (Adolar Krola), mit der Bildung
(Schmidts)
• „Landauer“, Gesellschafterin, Schosshündchen

jenny treibel

 Jenny dominant; Überkompensation ihrer Herkunft
• mehr Schein als Sein, „das Poetische“
• schwärmerisch, schwülstig
• krampfhafte Statuswahrung, ja Ausbau (Verheiratung
Leopolds mit Hildegard) 

jenny - treibel sen.

 Treibel jovial, gemütvoll, grosszügig, entspannter als
Jenny, aber auch opportunistische Züge
– Kandidatur für die Konservativen, obwohl liberal
– Versteckt das liberale „Berliner Tagblatt“ unter dem
konservativen„Deutschen Tagblatt“

jenny - treibel jun

 Otto und Helene (Hamburgerin), Lizzi
• Erziehung ist Dressur, autoritäre Vorstellungen (Lizzi,
Fräulein Honig, Hund)
• Otto „brav“
• Leopold „unreif“, „Grünschnabel“

rückblick - zusammenleben

16./17. Jahrhundert:
• Mehrgenerationenfamilie, sozial hoch integriert
• Haushalt ist ein Wirtschaftsbetrieb
• religiös-moralische Ordnung
• Liebe war Passion, kein Gefühl 

soziale rollen ändern sich - gender

18./19. Jahrhundert
• Wandel im Zusammenleben beginnt
• Übergang zur modernen Gesellschaft
• Familie sichert nicht mehr den Status des Individuums
• Innerfamiliär werden Gefühle wichtig (Intimität)
• Empfindsamkeit, Sympathie, Sensibilität, Sentiment auch
zwischen Mann und Frau 

rolle der frau

 Unterschiede zwischen Stadt, Land und Stand
• Handwerkerfrau (Meisterin) in den Produktionsbetrieb
integriert
• Bäuerin mit eigenen Aufgaben
• einfache Hausfrau (Klein- und Mittleres Bürgertum)
– beschränkt auf den Innenbereich
– Kinder zur Welt bringen
– Nahrungsmittel besorgen, Wäsche
– Ausbeutung als unbezahlte Kraft 

 im Bürgertum
• Mutterschaft, Madonna, Engelhafte, Anmut,
Unterwürfigkeit, Schönheit
• Organisation des Haushaltes
• ohne politische, oft auch ohne gesetzliche Rechte 

rolle des kindes

 Kind wird Mittelpunkt der Familie
• Stammhalter
– Soldat, Fortbestand der Nation
• Erziehungsmethoden
– Körperliche Züchtigung
• Investition in die Zukunft
– Ausbildung gewinnt an Bedeutung 

brigitta

untypische Kindheit:
• nicht schön wie die anderen Geschwister
• „verdurstet“, „Augenrollen wie wilde Knaben es tun“
,
„Fremde junge Pflanze“
• lag am Boden lesend
• schlank, stark, fast Manneskraft
als junge Frau:
• näht sich selber Kleider, macht sich Hüte
• eigenes Schlafzimmer ohne Dienstmädchen
• zögert als sie sich verliebt „...weil ich keine andere Liebe
fordern kann, als die allerhöchste ...“

als (Ehe-) Frau und Mutter:
• Alleinerziehend
– fordernd und liebend gegenüber Gustav
• Leitung eines Gutes
– moderne Methoden in der Landwirtschaft
– Respektsperson für ihre Bauern
• Wiederaufnahme der Ehe
– Bekenntnis zu Murai „... ich habe gefehlt ...“
• unkonventionell, innovativ, gebildet und selbstständig
• kein Luxusgeschöpf
• bedingungslos - anspruchsvoll in der Liebe 

Nettchen

„Nettchen war ein hübsches Fräulein, äusserst prächtig,
etwas stutzerhaft gekleidet und mit Schmuck reichlich
verziert.“
„Lieblich“, „ ein holdes Erröten“, „abenteuerlich
reizend frisierten Kopf“
• Tochter des Amtrats, Halbwaise
• wird mütterliches Vermögen erben
• Kleinstädterin
• konventionelle Liebesgeschichte 

„stolz und zornig“
• Aufbruch mit Pferd und Wagen
• Rettung des Geliebten
• organisiert und fordert Aussprache
• Bekenntnis zum geliebten Mann trotz Skandal
„Ich will dich nicht verlassen! Du bist mein, und
ich will mit dir gehen trotz aller Welt!“
• wird Geschäftsfrau und mehrfache Mutter
autonomes Handeln gegen gesellschaftliche
Erwartungen

Frau Jenny treibel

„Musterstück einer Bourgoise“
• geb. Bürstenbinder, Vater Kolonialwarenhändler,
„liebäugeln“ mit Willibald, heiratet Kommerzienrat Treibel,
sorgt für standesgemässe Heirat der Söhne
• Aristokratische Allüren
• Bildung vs. Wohlstand (Intelligenz vs. Geldadel)
• Scheinbar gefühlvoll, sentimental
• Klare Berechnung
•
„Aber sie hat nur ein Herz für das Ponderable, für alles ,
was ins Gewicht fällt und Zins trägt ...“
Prototyp sozialer Aufsteigerin im Kapitalismus 

corinna

traditionell:
• Existenzsicherung durch Heirat
• Flirt und Koketterie als Mittel und aus Spass
• Direkte und indirekte leicht erotische Anspielungen
modern:
• Reize einsetzen, spielen, nicht demütig auf Eroberung
warten, Bewusstsein für Weiblichkeit (Frausein)
• sehr offene Kommunikation zwischen zukünftigen
Ehepartnern 

bewegung im frauenbild

• kompetente Berufstätigkeit
• alleinerziehend
• Selbstbwusstsein, Selbstwert ohne Mann
• sozialer Aufstieg
• Sicherung und Ausbau der Existenz
• bewusster Einsatz von Weiblichkeit
• „alternative“ Kommunikationsformen 

rolle des mannes

• Mann als Galionsfigur der bürgerlichen Gesellschaft
• Macht im Staat
• Macht im Haus
• Macht im Beruf
• Macht in moralischen Fragen
• Vater als höchste Version männlicher Macht
 Veränderungen der Vaterrolle:
− Erbrecht
− Gesetzgebung zu väterlichen Rechten und Pflichten, Recht auf
Vaterschaftsermittlung, Verfolgung von Vergewaltigung,
Entführung usw.
• Frauenrechtsbewegung 

militär

„Zucht und Ordnung“
− staatstragend und -prägend
− Familie
− Wirtschaft
− politische Kultur 

stephan murai, der major

 kultivierter Mann
• „manches Mädchenherz“ ist gefährdet
• verliebt, verlobt, verheiratet, Ehebruch, Ende
(„ ... Weib, ich hasse dich unaussprechlich, ich hasse dich
unausprechlich ... “)
• idealer Gastgeber
• neue Technologien in der Landwirtschaft
•
„ ... irgendeine Trauer ..., die sich ... bei einem Manne nur durch
Ruhe und Ernst ausdrückt. ...“

• kennt alle Knechte, Bauern, seine Hirten
• herrscht auf dem Landgut wie ein Fürst
− „Lebt wohl, Kinder!“
• Pater familias, leitende Vaterfigur
• Macht, Gewalt, Gefolgschaft
• feudale Struktur (Grundherrlichkeit)
kein Ansatz moderner Perspektiven
Prototyp des konservativen Landadligen 

wenzel strapinski

• „armes Schneiderlein wandert auf der Landstrasse“, wenig
gewandt und wenig selbstbewusst
• Staffage: Verwechslungsgeschichte zum polnischen Graf
• Fluchtversuche, ehrliche Bemühungen
• Lügengeschichte als er sich verliebt
• „verliert den Verstand und gewann das Glück“

 Enttarnung, darauf wortlose Flucht
• fast Tod durch Erfrieren (Suizid?)
„Verzeih mir! Verzeih mir!“
„Ich bin ein armer Narr ... Genugtuung ... nicht lange mehr
am Leben sein!“
• Mutterbeziehung - Mentorin - Erinnerungen
• erfolgreich mit Hilfe von Nettchen (Liebe, Kapital) und
seinem Fleiss „rund und stattlich“
• Geschäftsmann, Spekulant, Aufsteiger 

die drei gerechten kammmacher als personen

 keine spezifische Identität
• blinder Arbeitseifer, keine Bildung, ähnliche Verhaltensweisen
• Ausbeutung ohne Widerstand
• (fast) Klassenbewusstsein
• Objekte 

willibald schmidt

 Kontrast zu Treibels
• Gymnasiallehrer
− gebildet, aber schlecht bezahlt
− Verehrung der alten Griechen, der Antike
• Wohnung nicht repräsentativ, sondern wohnlich, persönlich,
bequem für Schmidt
• hat seine Tochter alleine erzogen
• Männerrunde „Die 7 Waisen Griechenlands“
• Wertschätzung von Frau Schmolke 

 humorvoll, abwartend, konfliktscheu, abgekärt
• „das Schmidtsche“ ist selbstironisch
• scharfer Beobachter (vgl. Urteil über Jenny)
• gute Menschenkenntnis
• vertraut mit Neffen und Kollegen Marcell
•
„ ...ihr macht es untereinander ab; ich bin auch mit der Zeitung
noch nicht ganz fertig, und ein Dritter geniert bloss, ...“

Otto treibel

brav

• erfolgreicher, selbstständiger Geschäftsmann
• Holzhandel, Kontakte nach England
• seit 8 Jahren verheiratet mit der Hamburgerin Helene Munk
• Vater einer Tochter Lizzi
• vorbildliche Manieren
trotz „Leistungsausweis“ ohne lebendiges Profil 

leopold treibel

unreif, grünschnabel

• wohnt bei den Eltern
• arbeitet beim Bruder
• Militärkarriere nicht geglückt - Kränkung für die Familie
• Bevormundung, wohin ich nur sehe 

 Heiratsantrag durch Corinna provoziert
• Konfrontation mit Jenny „Ja, Mutter.“
• Jenny arrangiert Verlobung mit Hildegard
• Leopold schreibt immer nur Briefe an Corinna
• Schmolke zu Schmidt: „... Dass er (Leopold) keine rechte
Courage hat, un dass seine Furcht vor der Mama noch
grösser is, als seine Liebe zu ihr (Corinna). ...“ 

marcell wedderkopp

• Gymnasiallehrer wie sein Onkel und väterlicher Freund
Willibald Schmidt
• mit Corinna aufgewachsen
• Bildung und Charakter
• eifersüchtig
• Frau Schmolke: „Marcell ist ein Schatz, ein Juwel ...“

• Gymnasiallehrer wie sein Onkel und väterlicher Freund
Willibald Schmidt
• mit Corinna aufgewachsen
• Bildung und Charakter
• eifersüchtig
• Frau Schmolke: „Marcell ist ein Schatz, ein Juwel ...“

das männerbild verharrt

• Patriarch
• Hochstapler und aufsteigenden Handwerker
• dumpfe Arbeitstiere
• erfolgreicher Kapitalist und Opportunist
• profillosen Jungunternehmer
• Muttersöhnchen
• selbstironischen konfliktscheuen Lehrer
• eifersüchtigen Lehrer und Sittenhüter 

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