Kurs 03414: Motivation, Volition, Emotion, Handlung III.Volition
Kurs 03414: Motivation, Volition, Emotion, Handlung III.Volition
Kurs 03414: Motivation, Volition, Emotion, Handlung III.Volition
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Lernkarten
Libet, Gleason, Wright und Perl, 1983
Libet, Gleason, Wright und Perl, 1983
- Vp sollten ein Ziffernblatt mit einem kreisenden Punkt einmal pro Runde (je 2,56sek.) den Finger zu einem selbstgewählten Zeitpunkt drücken
- Per EEG wurde gemessen, wann die Bereitschaft dafür einsetzte
- Ergebnis: 200ms vor Tastendruck trafen die Vp die Entscheidung, aber bereits 550ms vor Tastendruck setzte das Bereitschaftspotential ein
- Einschränkungen dieses Experiments: die Personen waren ohnehin willentlich in einer Bereitschaft, entsprechende Reaktionen auf Reize zu zeigen
Kritik an den Versuchen zur Willensfreiheit
Kritik an den Versuchen zur Willensfreiheit
- Fundamentalfehler der Attribution: Ereignisse werden deutlich bevorzugt internal attributiert
- Es gibt Befunde, dass das Gehirn die Effekte von Handlungen vorausberechnet und mit den tatsächlich wahrgenommenen Effekten vergleicht
Drei zentrale Fragen der Klassische Willenspsychologie
Drei zentrale Fragen der Klassische Willenspsychologie
1. Warum reagieren Personen je nach Anweisung auf denselben Reiz unterschiedlich (keine Konstanzannahme)?
2. Wie kann man auf ferne Ziele ausgerichtetes Handeln erklären (Frage der Persistenz)?
3.Wie setzten sich gefasste Absichten gegen innere Widerstände durch (Frage der Willensstärke)?
- Konstanz, Persistenz, Willensstärke
Achs Theorie der determinierenden Tendenzen
Achs Theorie der determinierenden Tendenzen
- wird als Nachwirkung einmal gesetzter Zielvorstellungen definiert
- Deterministische Tendenz umso stärker je größer die Assoziationen zwischen Reiz und Aufgabe
- Funktion der deterministischen Tendenz: innere Widerstände zu überwinden
- Experiment:
- Vpn übten Wortsilbenkombinationen ein
- Dann Änderung der Aufgabenbedingung
- Statt Untersuchung des Assoziationslernens Untersuchung des Willensaufwands beim Paradigmenwechsel
- Die neuen Aufgaben liefen den eingeübten Assoziationen zuwider
- Primärer Willensakt: gegen eingebübte Assoziationen zu handeln
- Ach sah die Aufgabenauswahl nicht als Teil der Willenspsychologie
Vier Auswirkungen des Willensaktes nach Ach
Vier Auswirkungen des Willensaktes nach Ach
- „Gegenständliches Moment“; die Zielvorstellung
- „aktuelles Moment“; die Einsicht, dass man das Ziel wirklich erreichen möchte
- „anschauliches Moment“; physiologische Spannungsempfindungen
- „zuständliches Moment“; gesteigerte Anstrengung
Achs Annahmen
Achs Annahmen
- Unterscheidung zwischen assoziativ gelernten und determinierenden Prozessen
- Auswirkungen von Zielsetzungen auf kognitive und perzeptuelle Prozesse
- Hindernde Wirkung bereits eingeübter Verhaltensweisen
- Je konkreter ein Ziel, desto schneller und sicherer läuft die Zielerreichung ab
Automatische vs. bewusste Prozesse
Automatische vs. bewusste Prozesse
- Automatische Prozesse: unbewusst gewordene, einstmals bewusste Prozesse = erworbene Fähigkeiten
- Prozesse nicht gleich Handlungen -> Viele Handlungen bestehen aus Kombinationen bewusster und unbewusster Prozesse
- Hat der Willen Einfluss auf automatisierte Prozesse? Ja.
- → der Wille erhöht oder bildet die Bereitschaft, auf Reize mit z.T. vorher gelernten Reiz-Reaktion-Schemata zu reagieren
- Umgekehrt wirken sich diese unbewussten Prozesse dann wieder auf das Verhalten aus
Gegenüberstellung bewusster und unbewusste Prozesse
Gegenüberstellung bewusster und unbewusste Prozesse
- Bewusst: ausgelöst durch Intentionen, Ablauf – Bewusst, Kognitive Belastung – Hoch
- Unbewusst: ausgelöst durch Reize, Ablauf – Unbewusst, Kognitive Belastung – Niedrig
Stroop-Test
Stroop-Test
- Grundform aller Stroop-Aufgaben: Vorgabe von Reizen mit konkurrierenden Merkmalen, z.B. das rotgeschriebene Wort „grün“; Vp müssen entweder den dominanten oder den nicht dominanten Aspekt des Reizes benennen, d.h. entweder „grün“ vorlesen oder die Farbe rot benennen → meist extreme Reaktionsverlangsamung
Schemata als Wenn-Dann-Regeln
Schemata als Wenn-Dann-Regeln
- Norman und Shallice
- Ein Schema ist z.B. eine „Wenn-Dann-Regel“, die Bewegungsabläufe und dazugehörige kognitive Tätigkeiten steuert
- Zusammensetzung aus starren Reaktionsmustern und flexiblen Variablen
- Aktivierung der Schemata hängt ab, inwieweit ihre Auslösebedingungen erfüllt sind
- Schemata sind hierarchisch organisiert
- Übergeordnete sind die Auslöser für untergeordnete
- Zudem werden gleichzeitig andere Schemata gehemmt
SAS / Supervisory Attentional System / Aufmerksamkeitsüberwachungssystem (Norman und Shallice)
SAS / Supervisory Attentional System / Aufmerksamkeitsüberwachungssystem (Norman und Shallice)
- Verhaltensmodell als Wenn-Dann-Regeln würde Mensch zum Sklaven der (Schema-) Gewohnheiten machen -> immer Bottom-Up-Verarbeitung
- Modulation der Aktivierung von Schemata entsprechend übergeordneter Ziele, aktiviert kongruente und hemmt inkongruente
- → „Top-Down-Verarbeitung“
- Diese kommt bei 5 Anlässen ins Spiel:
- Planungs- und Entscheidungsprozesse
- Probleme bei der Zielverfolgung
- Neue Handlungen
- Gefährliche Handlungen
- Interferenzen (angelernt, emotional, sonstige)
Was kann das SAS Modell erklären?
Was kann das SAS Modell erklären?
- Handlungen im Modell können durch äußere als auch innere Faktoren ausgelöst werden, von aktuell getroffenen Entscheidungen und von vor langer Zeit getroffenen motiviert werden
- Im Rahmen dieses Modells können auch Handlungsfehler erklärt werden: Ist die kognitive Beteiligung unzureichend, können unpassende erlernte Schemata aktiviert werden
Wie nehmen Ziele Einfluss? (SAS)
Wie nehmen Ziele Einfluss? (SAS)
- Laut des Modells nicht direkt, sondern durch eine Modifikation der Schemaauswahl
Die Theorie gibt keine Antwort auf die Frage, woher das System „weiß“, wann es eingreifen muss
Rubikonmodell der Handlungsphasen
Rubikonmodell der Handlungsphasen
- beschreibt vier Handlungsphasen
- insbesondere Übergang zwischen erster (Abwägen) und zweiter (Planen) Phase wird als bedeutsam angesehen
- Abwägungsphase: nicht alle Folgen und Handlungskonsequenzen einzelner Ziele werden bedacht, Lediglich eine zur Entscheidung drängende „Fazit-Tendenz“, die umso stärker wird, je länger die Phase andauert
- Intentionsbildung: wie eine Zäsur, Übergang von einer abwägenden in eine planende Bewusstseinslage, Aufmerksamkeit liegt auf der Bildung von Durchführungsintentionen
- Handlungsphase: setzt ein sobald sich Möglichkeit zur Realisation bietet, bei Schwierigkeiten Anstrengungssteigerung und Initiierung volitionaler Kontrollprozesse
- Bewertungsphase: Vergleich der Handlungsergebnisse mit den Zielen, Ursachen des (Miss-)Erfolgs werden analysiert, entsprechende Konsequenzen werden gezogen
Zentral im Rubikonmodell
Zentral im Rubikonmodell
- Übergang zwischen Abwägung und Planung, denn hier ändert sich die Bewusstseinslage am deutlichsten
Abwägende Bewusstseinslage - Rubikonmodell
Abwägende Bewusstseinslage - Rubikonmodell
- In der Abwägungsphase sind gedankliche Prozesse wichtig, die als Ziel eine rationale, realitätsorientierte Entscheidung haben
- Bewusstsein muss offen sein für eine Vielzahl potentieller Ziele und möglicherweise relevanter Informationen, diese evaluieren und neutral deren Valenz und Realisierbarkeit einschätzen
Planende Bewusstseinslage - Rubikonmodell
Planende Bewusstseinslage - Rubikonmodell
- Planungsphase: realisierungsorientierte Bewusstseinslage
- Es geht nicht mehr darum das rational beste Ziel auszuwählen, sondern das gesetzte Ziel zu verfolgen
- Damit verbunden: auf die Realisierung fokussierte selektive Wahrnehmung und Verarbeitung, gleichsam die Ausblendung möglicher Alternativziele und eine positiv eingefärbte Einschätzung der Valenz und Realisierbarkeit des gewählten Ziels.
Empirische Belege für den Einfluss der Bewusstseinslage - Rubikonmodell
Empirische Belege für den Einfluss der Bewusstseinslage - Rubikonmodell
- Gollwitzer, Heckhausen, Steller: Vp produzierten abhängig von der eigenen Bewusstseinslage mehr Zielerreichungs- oder Zielabwägungsgedanken
- Gollwitzer und Kinney: fanden die positive Einfärbung der Bewusstseinskontrolle: Vp schätzten sich in der Planungsphase zu 57% als kontrollierend, nur zu 23% kontrollierend in der Abwägungsphase; Kontrollgruppe: 46%
Die Durchführungsintention – Rubikonmodell
Die Durchführungsintention – Rubikonmodell
- Sie ist detaillierter als eine Zielintention, dient als selbstregulierende Strategie
- positive Wirkung konkreter Durchführungsintentionen auf das Handlungsergebnis wurde vielfach bestätigt
- Ebenso, dass sie zu einer selektiveren Reizwahrnehmung führen
- Durchführungsintention (nach Gollwitzer) sorgt für permanente Aktivierung assoziativer Verbindungen zwischen Ausführgelegenheiten und intendierten Handlungen, wodurch geeignete Gelegenheiten zur Zielerreichung häufiger erkannt werden
Die Handlungskontrolltheorie
Die Handlungskontrolltheorie
- Kuhl, unterteilt ähnlich wie Ach den Handlungsprozess in motivationalen der Zielsetzung und volitionalen der Zielrealisierung
- Ergründet, wie es möglich ist, verschiedene Ziele zu haben, die im Gedächtnis zwischenzulagern und bei Gelegenheit zu verfolgen
- f Dabei bestehen die Gedächtnisinhalte der Ziele aus dem Zielzustand → einem im unterschiedlichen Maße elaborierten Handlungsplan und eine ungefähre Ausführbedingung für die Durchführung
- Werden die Ausführbedingungen erfüllt, wird sich mit einer von verschiedenen Faktoren abhängenden Wahrscheinlichkeit an das Vorhaben erinnert und entsprechend gehandelt
- Zu diesen Faktoren gehört unter anderem, ob es sich bei dem Vorhaben um eine Selbstverpflichtung bzw. bindenden Absicht handelt, oder lediglich eine unver- bindliche Zusage
Absichtsüberlegenheitseffekt - Handlungskontrolltheorie
Absichtsüberlegenheitseffekt - Handlungskontrolltheorie
- Lewin
- unerledigte Aufgaben können verstärkt aus dem Gedächtnis abgerufen werden
Interferenzprävention
Interferenzprävention
- Goschke und Kuhl
- den Effekt, dass kürzlich bearbeitete Aufgaben schlechter abgerufen werden können – was auf eine Interferenzprävention hindeutet.
Kontrollstrategien – Handlungskontrolltheorie
Kontrollstrategien – Handlungskontrolltheorie
- Aufmerksamkeitskontrolle
- Emotionskontrolle
- Enkodierungskontrolle
- Motivationkontrolle
- Umweltkontrolle
Aufmerksamkeitskontrolle – Handlungskontrolltheorie
Aufmerksamkeitskontrolle – Handlungskontrolltheorie
- Lenkung der Aufmerksamkeit auf realisationsförderliche Informationen. Beispiel: Aufmerksamkeit auf Lehrtext richten, statt aus dem Fenster zu schauen.
Emotionskontrolle – Handlungskontrolltheorie
Emotionskontrolle – Handlungskontrolltheorie
- Sich selbst in einem der Realisation dienlichen Gefühlszustand versetzen. Beispiel: Nach Misserfolgen „abschalten“, um nicht davon belastet zu werden.
Enkodierungskontrolle – Handlungskontrolltheorie
Enkodierungskontrolle – Handlungskontrolltheorie
- Bevorzugte Enkodierung von realisationsrelevanten Informationen. Läuft in der Regel automatisch ab.
Motivationkontrolle – Handlungskontrolltheorie
Motivationkontrolle – Handlungskontrolltheorie
- Positive Zielanreize bewusst beachten, Alternativ- ziele abwerten. Beispiel: „Immerhin kann ein Leseabend mit dem Prüfungsstoff auch entspannend sein und Geld sparen im Vergleich zu einer Feier.“
Umweltkontrolle – Handlungskontrolltheorie
Umweltkontrolle – Handlungskontrolltheorie
- Herstellung von Bedingungen, die die Zielerreichung erleichtern. Beispiel: Freunden mitteilen, wann man keine Zeit hat, um ungestört zu lernen.
Handlungs- und Lageorientierung
Handlungs- und Lageorientierung
- Kontrollzustände
- Handlungsorientierung dient der Realisierung von Intentionen
- Lageorientierung: Zustand, in dem de Initialisierung von Handlungen benachteiligt ist, entweder durch eine fehlende Zielbindung (prospektive Lageorientierung) oder aus Furch vor Misserfolg und den damit einhergehenden Emotionen (misserfolgsbezogene Lageorientierung)
- Sie sind sowohl „state“ als auch „trait“ im Unterschied zum Rubikonmodell
Generell zur Lageorientierung neigende Menschen...
Generell zur Lageorientierung neigende Menschen...
- setzen weniger von ihren Zielen in die Tat um
- Sie wechseln seltener von einer unattraktiven in eine attraktive Handlung
- Sie verpassen häufiger den Zeitpunkt der angedachten Tätigkeitsinitiierung
- Sind ineffizienter darin, Handlungsalternativen auszuschließen
- Neigen zu komplexeren Abwägungen
Emotionale Modulation
Emotionale Modulation
- Ergänzung Kuhls zu seiner Theorie: Interaktion affektiver und kognitiver Systeme („Person-System-Interaction“)
- Emotionen spielen nicht nur bei der Willensbildung eine Rolle, sondern beeinflussen nachhaltig, ob zur Lage- oder Handlungsorientierung geneigt wird
- Positive Affekte steigern die Tendenz zur Handlungsorientierung, Reduktion positiver Affekte hemmt jene Tendenz („erste Affektmodulationshypothese“)
- Die fehlende Fähigkeit, negative Affekte herabzuregeln führt dazu, dass eigene Bedürfnisse, Wünsche und implizite Motive gehemmt werden → das Verhalten wird eher fremdbestimmt sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen der Lageorientierung (zweite Affektmodulationshypothese)
- Für beide Thesen gibt es empirische Hinweise