KDD (Kap 1&2: Einführung und Grundlagen)
Lernkarteien zur "Knowledge Discovery in Databases (KDD)" Vorlesung bei Herrn Prof. Sattler, WS 2012/13 - TU Ilmenau. Dies ist das Einführungs- und Grundlagenkapitel (Kap. 1&2).
Lernkarteien zur "Knowledge Discovery in Databases (KDD)" Vorlesung bei Herrn Prof. Sattler, WS 2012/13 - TU Ilmenau. Dies ist das Einführungs- und Grundlagenkapitel (Kap. 1&2).
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Flashcards
Was ist KDD?
Knowledge Discovery in Databases (KDD) ist der Prozess der (semi-) automatischen (mit Nutzeraktion) Extraktion von Wissen aus Datenabnken, das gültig (im statistischen Sinne), bisher unbekannt (nicht explizit vorhanden, kein Allgemeinwissen) und potenziell nützlich (für gegebene Anwendung) ist.
Definition von KDD? (nach Fayyad, Piatetsky-Shapiro & Smyth)
Knowledge Discovery in Databases (KDD) ist der Prozess der (semi-) automatischen Extraktion von Wissen aus Datenbanken, das gültig, bisher unbekannt und potentiell nützlich ist
Ziele von KDD im kommerzieller Bereich
Erfassung und Speicherung großer Datenmengen
•Artikeldaten, Lagerbestände, Warenbewegungen, Lieferantendaten
•Kaufvorgänge, Kreditkartentransaktionen
•Kundenbefragungen
Datenauswertung mit dem Ziel
•Optimierung der Prozesse
•Verbesserung des Service
•Senkung der Kosten
Ziele von KDD im wissenschaftlicher Bereich
automatisierte Beobachtung und Erfassung
•Himmelsteleskope
•Simulationsmodelle (Wetter, Erdbeben, . . . )
•Microarrays in der Genforschung
Produktion riesiger Datenbestände (GB/Stunde)
•manuelle Aufbereitung und Auswertung kaum möglich
Ziele einer Analyse
•Klassifikation / Segmentierung der Daten
•Erstellung von Hypothesen
KDD:
• Grundidee der Wissensentdeckung: Wissen aus Daten
• Einordnung: KDD ist iterativer Prozess, in welchem die Hypothesen des Data-Mining-Schritts verifiziert und/oder interpretiert werden
Data Mining
Data-Mining ist also ein bestimmter Teil von KDD. Es ist der Prozess der Entdeckung von bedeutungsvollen neuen Korrelationen, Pattern (Muster) und trends durch die Durchsuchung von großen Datenmengen aus Repositories mithilfe von Mustererkennungstechnologien als auch statistischen und mathematischen Techniken.
- keine Verifikation statistischer Annahmen
- „selbständige" Generierung von Hypothesen
KDD: Abgrenzung
Was sind aufgaben des KDD und was nicht? (Beispiele)
KDD-Aufgaben
•Produkte, die häufig gemeinsam gekauft wurden
•Kriterien für Kreditwürdigkeit von Kunden
•Sterne oder Galaxien mit ähnlichen Merkmalen
•. . .
keine KDD-Aufgaben
•Suche bei google
•Verkaufszahlen einer CD im letzten Monat
•. . .
Was sind die wesentlichen Schritte beim KDD. Beschreiben Sie die Aufgaben während der einzelnen Schritte.
=>iterativer Prozess
○ Selektion: Auswahl von Daten einer Datenbasis
○ Vorverarbeitung: Störungen wie Datenfehler oder Unvollständigkeit suchen und entfernen (entfällt beim Data Warehousing)
○ Transformation: Quantität verringern
-> Attribute ohne oder mit geringem Vorkommen in der Datenbasis entfernen
-> in geeignete Analyseform umformen
○ Data Mining: Aufgabenspezifikation bestimmt das Data Mining Verfahren
○ Interpretation und Verifikation
Wesentlichen Schritte beim KDD: Erkläre "Fokussieren"!
„File Mining"
•Daten meist in Datenbanksystem (DBS)
•Data Mining bisher auf speziell vorbereiteten Files
Integration des Data Mining mit DBS
•Vermeidung von Redundanzen und Inkonsistenzen
•Nutzung der DBS-Funktionalität (z.B. Indexstrukturen)
Basisoperationen zum Data Mining
•Standard-Operationen für eine Klasse von KDD-Algorithmen
•effiziente DBS - Unterstützung
•schnellere Entwicklung neuer KDD-Algorithmen
•bessere Portabilität der Algorithmen
Wesentlichen Schritte beim KDD: Erkläre "Vorverarbeitung"!
Integration von Daten aus unterschiedlichen Quellen
•einfache Übersetzungen von Attributnamen, z.B. KNr => KundenSchl
•Nutzen von Anwendungswissen um ähnliche Daten zusammenzufassen (z.B. regionale Zuordnung von Postleitzahlen)
Konsistenzprüfung
•Test anwendungsspezifischer Konsistenzbedingungen
•Bereinigung von Inkonsistenzen
Vervollständigung
•Ersetzen von unbekannten Attributwerten durch Defaults
•Verteilung der Attributwerte soll i.A. erhalten bleiben!
Wesentlichen Schritte beim KDD: Erkläre "Transformieren"!
Diskretisierung numerischer Attribute
•unabhängig von der Data-Mining-Aufgabe z.B. Aufteilung des Wertebereichs in Intervalle gleicher Länge
•abhängig von der Data-Mining-Aufgabe z.B. Aufteilung in Intervalle so, dass der Informationsgewinn in Bezug auf die Klassenzugehörigkeit maximiert wird
Erzeugen abgeleiteter Attribute
•durch Aggregation über Mengen von Datensätzen z.B. von einzelnen Verkäufen zu „Tagesumsatz, Wochenumsatz, Monatsumsatz"
•durch Verknüpfung mehrerer Attribute z.B. Umsatzänderung = Umsatz 2005 - Umsatz 2004
Attribut-Selektion
•manuell:
•wenn Anwendungswissen über die Bedeutung der Attribute und über die gegebene Data-Mining-Aufgabe bekannt ist
•automatisch:
•Bottom-Up (ausgehend von der leeren Menge jeweils ein Attribut hinzufügen)
•Top-Down (ausgehend von der Gesamtmenge der Attribute jeweils ein Attribut entfernen) z.B. so, dass die Diskriminierung der Klassen optimiert wird
Wesentlichen Schritte beim KDD: Erkläre "Transformieren" (2)! Was sind die Probleme?
Problem
•zu viele Attribute führen zu Ineffizienz und evtl. Ineffektivität des Data Mining
•manche Transformationen können durch OLAP-Systeme realisiert werden
Wesentlichen Schritte beim KDD: Erkläre "Data Mining"!
Data Mining ist die Anwendung effizienter Algorithmen, die die in der Datenbank enthaltenen Muster liefern
Prediktive Verfahren (Vorhersage):
-Nutzung von Merkmalen (Variablen) zur Vorhersage unbekannter oder zukünftiger Werte anderer Merkmale
-Beispiel: Klassifikation
Deskriptive Verfahren (Beschreibung):
-Extraktion von durch Menschen interpretierbare Muster, die die Daten beschreiben
-Beispiele: Assoziationsregeln, Clustering
Wesentlichen Schritte beim KDD: Erkläre "Evaluation"!
Präsentation der gefundenen Muster: häufig durch entsprechende Visualisierungen
falls schlechte Bewertung (durch Benutzer):
•erneutes Data Mining mitanderen Parametern, anderem Verfahren, anderen Daten
falls gute Bewertung (durch Benutzer):
•Integration des gefundenen Wissens in die Wissensbasis
•Nutzung des neuen Wissens für zukünftige KDD-Prozesse
Bewertung der gefundenen Muster
•Vorhersagekraft der Muster
•Verwendete Daten sind Stichprobe aus der Grundgesamtheit aller Daten.
•Wie gut lassen sich die in diesen „Trainingsdaten" gefundenen Muster auf zukünftige Daten verallgemeinern?
•Vorhersagekraft wächst mit Größe und Repräsentativität der Stichprobe.
Interessantheit der Muster
•Muster schon bekannt?
•Muster überraschend?
•Muster für viele Fälle anwendbar?
(K2) Erkläre die Unterschiede zwischen Deskriptiver Statistik, Explorativer Statistik und Induktiver Statistik!
Deskriptive Statistik
• beschreibende und graphische Aufbereitung von Daten (Mittelwert, Streuung)
• auch zur Validierung der Daten (Entdecken inkonsistenter Daten)
• Beispiel: „Nettomiete / Wohnfläche für Mietspiegel"
Explorative Statistik (hypothesen-generierende Statistik)
• Suche nach (unbekannten) Strukturen und Besonderheiten, wenn die Wahl eines geeigneten statistischen Modells unklar ist
• Was ist an einer Verteilung eines Merkmals bemerkenswert oder ungewöhnlich?
• keine Wahrscheinlichkeitsrechnung
Induktive Statistik (schließende Statistik)
• zieht aus den beobachteten Daten Schlüsse auf umfassendere Grundgesamtheiten
• Wahrscheinlichkeitstheorie liefert Grundlagen für Schätz- und Testverfahren
• Beispiel: „Wie gut kann man mit der durchschnittlichen Nettomiete aus einer Stichprobe die Durchschnittsmiete aller mietspiegelrelevanten Wohnungen vorhersagen?"
(K2) Zähle die verschiedenen Merkmale/Attributtypen und ihre Unterscheidungsmerkmale auf!
nominal: Unterscheidung von Werten
• Bsp.: ID, PLZ, Geschlecht
• Operationen: =, ≠
ordinal: Festlegung einer Ordnung für Werte
• Bsp.: Zensur, Rang, Rating
• Operationen: =, ≠, <, >
Intervall: Differenz von Werten
• Bsp.: Datum, Zeit
• Operationen: =, ≠, <, >, +, −
Ratio/Verhältnis
• Bsp.: Menge, Anzahl, Länge
• Operationen: =, ≠, <, >, +, −, *, /
(K2) Zähle die verschiedenen Merkmale/Attributtypen und ihre Unterscheidungsmerkmale auf! (2)
Diskrete vs. stetige Attribute
diskrete Attribute
• endliche bzw. abzählbar unendliche Wertemenge
• Datentyp: meist integer
• Bsp.: Anzahl, Menge, PLZ, . . .
stetige bzw. kontinuierliche Attribute
• reellwertiger Wertebereich
• werden jedoch meist mit endlicher Anzahl von Stellen repräsentiert
• Datentyp: float, double, decimal
• Bsp.: Preis, Masse, Temperatur
(K2) Datenqualität: Benenne verschiedene Probleme in der Datenqualität, welche zu verfälschten Ergebnissen beim Data Mining führen können!
Rauschen (noise)
• zufällige Störungen der Daten in einem (meist) uniformen Spektrum
Fehlende Werte
• Fehlen von Daten auf unterschiedlichen Ebenen
• Instanzebene: Werte, Datensätze, Teilrelationen, . . .
• Schemaebene: Attribute, . . .
• Probleme speziell auf Instanzebene:
• Behandlung von Nullwerten: fehlender Wert, Defaultwert oder nicht anwendbarer Wert?
• Verwerfen oder Ersetzen (bei Erhaltung der Verteilung)
Ausreißer
• Ausreißer: Wert, der nicht in eine erwartete Messreihe passt
• Aspekte:
• Erkennung: Verteilung, „Geometrie", Zeitreihe
• Interpretation: Mess- bzw. Datenfehler oder echtes Ereignis?
Duplikate
• Duplikate: Datenobjekte, die das gleiche Real-Welt-Objekt repräsentieren
• exakte Duplikate: in SQL trivial
select distinct ... from ...
Nennen Sie typische KDD-Aufgaben.
- Klassifikation
- Zuordnung v. Objekten zu verschiedenen vorgegebenen Klassen, d.h. Vorhersage von Merkmalen (Klassenzuordnung) anhand anderer Merkmale
- Assoziationsregeln
- Aufdeckung statistischer Zusammenhänge zw. Variablen (Modell: Ass.regeln oder "Frequent ItemSets"; Bsp: Warenkorbanalyse)
- Clustering
- Einordnung ähnlicher Objekte in neu gebildete Gruppen, sodass a) Ähnlichkeit innerhalb einer Gruppe möglichst groß und b) Ähnlichkeit zwischen Gruppen möglichst gering
- Sequenzanalyse
- Suche nach häufig auftretenden Episoden oder Ereignisfolgen in Datenbeständen mit (zeitlicher) Ordnung (Bsp: zeitliches Kaufverhalten, wie Harry Potter DVD -> Harry Potter Buch)
- Graph Mining
- Analyse sozialer Netzwerke: Freundschaftsbeziehungen in sozialen Netzen wie Facebook, Twitter-Follower...; auffinden von Communities: Gruppen mit starken innerem Zusammenhang + Identifizieren von Autoritäten (wichtige Knoten/Peers im Netzw.)
- Stream Mining
- Analyse von kontinuierlichen, mit der Zeit variierenen und potenziell unbeschränkten Folgen von Datensätzen
- Spatio-Temporal Mining
- Analyse von Daten mit räumlichem und/o. zeitlichem Bezug (zB Stauzonen in Verkehrsnetzen)
(K2) Was ist Data Cleaning?
Erkennen & Beseitigen von Inkonsistenzen, Widersprüchen und Fehlern in Daten mit dem Ziel der Qualitätsverbesserung
(K2) Welche Datenarten lassen sich im Rahmen von KDD unterscheiden?
- satzorientierte Daten (Menge von Sätzen (Records) mit fester Attributmenge)
- Dokumentdaten (Dokumentrepräsentation als Vektor)
- Transaktionsdaten (spezielle Form satzorientierter Daten - Datensatz entspricht Transaktion aus Transaktions-ID und Menge von Elementen (Items))
- Graphdaten (Graphstruktur, zB Web-Dokumente mit HTML-Links)
- Ordnungsbasierte Daten (geordnete Folge von Elementen, zB Alarmmeldungen, Weblogs, Gensequenzen..)