Kapitel 2: Aggregation
WuS Teil 2 Modul der Wiso Nürnberg
WuS Teil 2 Modul der Wiso Nürnberg
-
- 1 / 18
-
Lernkarten
Aggregation von Information: Problem und Alternativen
Problem:
- Informationen ex-ante beim Entscheidungsträger nicht vollständig vorhanden
- Informationen eher auf Individuen verteilt
- Abstimmungen/ Wahlen aggregieren verteilte Informationen
Alternative Institutionen/ Organisationen:
- Bevölkerungsumfragen (Politbarometer)
- Expertengremien
- Internetforen, Crowdsourcing
- Märkte (z.B. Wahlbörsen)
Condorcet-Jury-Theorem (Vorteile einer demokratischen Entscheidung)
- effiziente Politik für jeden Zustand der Welt
- Information über wahren Zustand dezentral auf Vorstände verteilt
- Abstimmungen berücksichtigen alle vorhandenen Informationen
- Wahrscheinlichkeit effiziente Politik zu wählen: größer bei Mehrheitsentscheidung als wenn einer alleine entscheidet
- steigende Anzahl an Entscheidenen: steigende Effizienz
--> Mehrheitsentscheidung ist aggregationseffizient für Informationen
Annahmen des Condorcet-Jury-Theorems
- 2 gleichwahrscheinliche zukünftige Zustände
- zustandsspezifische effiziente Politiken
- dezentral, identisch und unabhängig verteilte Informationen: jeder Bürger erhält informatives privates Signal mit Wahrscheinlichkeit p über den wahren Zustand
- Mehrheitswahl bei Erwartungsnutzenmaximierung und homogenen Präferenzen von rationalen Entscheidern
- identische zustandsspezifische Nutzendifferenzen
Aggregation von Präferenzen; Für wen und wie?
Präferenzen von Gruppen:
Privathaushalt, Freundeskreis, Mitgliederversammlung, Aufsichtsrat, Regierung, Nation, Weltgemeinschaft
Verfahren:
Wahlen/ Abstimmungen, "Auswertung" von Befragungen
Condorcet-Paradoxon
Voraussetzung: mehrgipflige Präferenzen
drei Individuen mit folgenden Präferenzen für Alternativen A,B und C:
- Individuum 1: A>B>C
- Individuum 2: B>C>A
- Individuum 3: C>A>B
--> Bei paarweiser Abstimmung mit Mehrheitswahl entsteht ein Abstimmungskreislauf, kein eindeutiger Gewinner, Zyklus: A>B>C>A
Im Bundestag: Stabilität statt Chaos
- Status-quo bei fehlender Einigung
- vorherige Einigung mittels Kompromissen in Ausschüssen
- Präsidium definiert Abstimmungsreihenfolge
- Fraktionszwang sichert Führung der Mehrheitsfraktionen die Auswahl
Annahmen des Arrow-Unmöglichkeitstheorems
I : Unabhängigkeit von irrelevanten Alternativen = weitere Alternative ändert kollektive Reihung zweier Alternativen nicht
N : Nichtdiktator-Eigenschaft = Gruppenpräferenz nicht durch ein Individuum bestimmt
P : Pareto-Eigenschaft = wenn alle Individuen eine Alternative vorziehen, dann sollte dies die Gruppe auch tun
U : Universalität der Präferenzen = sämtliche transitiven individuellen Präferenzen möglich
T : Transitivität der Gruppenpräferenz
--> individuelle Präferenzordnungen über mehr als 2 Alternativen können nicht zu einer kollektiven Präferenzordnung aggregiert werden, sodass die Bedingungen erfüllt sind.
Was ist gemäß Arrow-Theorem ein ideals Wahlverfahren?
Ein ideales Wahlverfahrenfür beliebig viele Alternativen (>2) und beliebig viele Abstimmende (>2) und beliebige Präferenzordnungen würde keine der INPUT-Bedingungen verletzen.
--> Aber: Nichtexistenz eines idealen Verfahrens, jedes Verfahren verletzt mindestens eine der Annahmen
--> Auswahl eines Wahlverfahrens: normatives Urteil über akzeptable Abschwächung einzelner Annahmen
Einstimmigkeitsregel
Ein Vorschlag ist nur dann angenommen, wenn alle Abstimmungsberechtigten zustimmen (Entscheidung im Konsens) --> Vetorecht
Einstimmigkeit erfordert:
- Stimmentausch (Vereinbarung zur gegenseitigen Unterstützung) bzw. Bündelung von Abstimmungen
- Ausgleichszahlungen
Bewertung der Einstimmigkeitsregel
Pro: Ergebnis pareto-optimal
Contra:
- hohe Entscheidungskosten
- Erpressbarkeit
- Begünstigung des juristischen Status-quo (Veränderung erfordert Vorteile für jeden)
- Anpassung an unvorhergesehene Änderungen der Rahmenbedingungen schwierig
Optimale Zustimmungsquote
- unterschiedliche Mehrheiten: einfache Mehrheit (50%), 2/3-Mehrheit, Einstimmigkeit (100%)
- Entscheidungskosten: steigen mit Zahl der Zustimmungspflichtigen
- Externe Kosten: sinken mit Zustimmungspflichtigen (erwartete Kosten einer Niederlage)
--> Optimale Zustimmungsquote: minimiert Summe aus externen Kosten und Entscheidungskosten
Optimalität der einfachen Mehrheit
- nur Zustimmungsquoten >50% führen zu konsistenten Ergebnissen, da eine Alternative A und deren Negation nicht simultan mehr als 50% erzielen können
- sprunghaftes Sinken der Entscheidungskosten bei 50%
- einfache Mehrheit bei nicht zu stark fallenden externen Kosten optimal
Annahmen des Medianwählertheorems
- ungerade Anzahl der Abstimmungsberechtigten
- Eindimensionalität = Alternativen können in eindimensionalen Politikraum geordnet werden, Ausgabenverteilung vorab festgelegt
- Eingipfligkeit = Unimodalität, Präferenzen haben nur ein lokales Maximum, Medianwähler nicht mit Sicherheit bestimmbar
--> wenn alle erfüllt: gewinnt die präferierte Alternative des Medianwählers gegen alle anderen Alternativen
Hinweis: bei gerader Anzahl der Wähler kann kein Medianwähler verlieren
--> auch auf indirekte Demokratie bei stimmenmaximierenden Parteien anwendbar: Ausrichtung der Parteienprogramme auf Medianwähler
Grenzen des Medianwählertheorems
- Multidimensionalität = Medianwähler i.d.R. nicht bestimmbar, z.B. bei finanzpolitischen Entscheidungen (Aufteilung eines Budgets auf mehrere Verwendungsmöglichkeiten, Menge und Qualität eines öffentl. Gutes)
- Präferenzen hier oft mehrgipflig = Budget für öffentl. Schulen etc.
Alternative Abstimmungsverfahren
- Borda-Verfahren = jeder Wähler ordnet die n Alternativen nach seinen Präferenzen und vergibt in absteigender Reihenfolge Punkte: n, n-1,... --> Gewinner: Alternative mit den meisten Punkten -->Verletzt Unabhängigkeit von irrelevanten Alternativen
- Zustimmungsverfahren (Approval Voting) = jeder Wähler gibt die k von ihm am höchsten bewerteten Alternativen an, mit 1<k<n, die Höhe k bestimmt jeder selbst (akzeptable Alternativen) -->Gewinner: Alternative mit meisten Nennungen --> verletzt Pareto-Eigenschaft
- Abstimmung mit Stichwahl (Runoff Voting) = jeder gibt der am meisten präferierten Alternative einen Punkt, wenn eine Alternative mehr als 50% hat dann hat sie gewonnen, andernfalls Stichwahl zw. den 2 mit den meisten Punkten --> verletzt Unabhängigkeit von irrelevanten Alternativen
--> keine gesicherte Auswahl des Condorcet-Gewinners
Condorcet-Effizienz
Wahrscheinlichkeit, dass keine Alternative gewählt wird, die mehr als 50% der Wähler schlechter als eine andere Alternative finden, in Simulationen hoch bei Borda-Verfahren
--> Anreiz zum strategischen Wählen bei allen Verfahren
Stimmentausch
= "Logrolling", Bündelung von Abstimmungen
- indirekte Form des verbotenen Stimmenkaufs bzw. Ersatz für Kompensationszahlungen
- Probleme bei Umsetzung: Zeitinkonsistenz, Anreiz zur Präferenzverschleierung, Instabilität von Koalitionen
--> Stimmentausch hat bei Zustimmungsquote <100% negative Auswirkung auf Dritte
--> Vorteilhaftigkeit hängt von Größe der Koalition und der Bedeutung dieser für andere ab
Unsichere Reforminzidenz
= wer profitiert von der Maßnahme bzw. wer leidet darunter? = unsichere Betroffenheit
Mögliche Erklärungen bei Unsicherheit über Verteilung der Gewinne und Verluste:
- Risikoaversion, da Verluste schwerer wiegen als Gewinne
- fehlende Möglichkeit sich ex-ante zu Transferzahlungen ex-post zu verpflichten