Husten

Expektoranzien, Antitussiva

Expektoranzien, Antitussiva


N. K.
Diese Karteikarten bieten einen umfassenden Überblick über die Ursachen und Behandlungen von Husten, insbesondere im universitären Kontext. Sie behandeln verschiedene Wirkstoffe wie Codein, Morphin und Opioide, deren Applikation und Affinität zu Rezeptoren. Zudem werden Mukolytika, Surfactant und deren Rolle bei der Behandlung von Atemwegserkrankungen wie Mucoviszidose und Atemnotsyndrom bei Frühgeborenen detailliert erklärt. Medizinstudenten und Fachkräfte profitieren von den detaillierten Informationen zu Symptomen, Therapieansätzen und spezifischen Medikamenten.
Karten
25
Lernende
4
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
01.08.2016 / 03.12.2025

Lernkarten

Wirkstoffe zur Behandlung des Husten

Husten: Ursache etc

• Symptom (keine Krankheit an sich)

• willkürlich oder aufgrund Hustenreflex ausgelöst

• bronchopulmonaler Clearance-Mechanismus

• durch vagale Nervenreizung ausgelöst

• über 300 verschiedene Ursachen:

- häufig virale Infektion bzw. grippaler Infekt

- Arzneistoffe (z.B. ACE-Hemmer)

- psychisch bedingt

- Erkrankungen des Herzens oder Magens

Ansätze der Hustentherapie

- spezifisch (Beseitigung der Ursache: Rauchen, ACE-Hemmer)

- unspezifisch (Behandlung des Symptoms „Husten“)

- zu unterscheiden: unproduktiver (trockener) Husten ↔ produktiver (verschleimter) Husten

Hustenentstehung (molekularer WM)

Antitussiva

• indiziert bei unproduktivem Husten
• Unterdrückung des Hustenreflexes durch:
a) Dämpfung der reflektorischen Erregbarkeit des Hustenzentrums im Stammhirn
b) Blockade sensibler Hustenrezeptoren im Bronchialtrakt
 

 

Antitussive Wirkstoffklassen und jeweils Beispiele

Morphin- und Morphinan-Derivate

• Codein

• Dihydrocodein

• Hydrocodon

• Noscapin


Pethidin- und und Methadon-Verwandte

• Dextromethorpahn

• Clobutionol

• Dropropizin (Levodropropizin)


Verschiedene

• Pentoxyverin

• Benproperin

• Natriumdibunat

Antitussiva: Morphin-Derivate

Morphin: amphoter (tert. Amin und phenol. OH-Gruppe)

Codein: basisches tert. Amin (therap. meist als Phosphat)


Unterscheidung:

- Morphin ist leicht oxidierbar (Pseudomorphin), Codein nicht.

- Löslichkeit in Lauge.

- UV-Spektrum: Codein macht keine bathochrome Verschiebung in Lauge.


Codein hat hohe Affinität zu µ-Rezeptor aber nur geringe Affinität zu anderen Opioid-Rezeptoren, eventuell auch Hustendämpfung via 5-HT1-Rezeptoren

Metabolismus von Codein: bis zu 15% Demethylierung zu Morphin Codein und ASS: Acetylierung von Codein

Noscapin

ideales Antitussivum bei ACE Husten

• keine Affinität zu Opioid-Rezeptoren, nicht analgetisch wirksam!

• Angriff am Bradykinin-Kallikrein-System: nichtkompetitiver Antagonist am Bradykininrezeptor B2
• Bradykinin: pro-inflammatorisches Peptid

Noscapin Wirkung

Dextromethorphan

Antitussivum: Opioid (Morphinan-Derivat)

rechtsdrehend, methyliert: Antitussivum (vollsynthetisch aus Cyclohexanon etc. darstellbar)

• geringe Affinität zu µ-Rezeptor

• Wirkung über NMDA- und Sigma-Rezeptoren (?)

Expektoranzien

Erleichterung oder Beschleunigung des Transportes von Schleim aus Bronchien und Trachea.

Klassen an Expektoranzien

- Sekretolytika

- Sekretomotorika

- Mukolytika

Sekretolytika WM

- Steigerung der Sekretion => Verflüssigung des Schleims.

- Direkt wirkende: Angriff an schleimproduzierender Zelle der Lunge z.B. Kaliumiodid, Ammoniumchorid).
- Indirekt wirkende: reflektorische Sekretion durch lokale Erregung sensorischer Nerven des Magens z.B. Emetin, Cephaelin (CAVE: Übelkeit u. Erbrechen).

Sekretomotorika WM

- Stimulation der Zilientätigkeit => Schleimtransport. z.B. ätherische Öle, β2-Sympathomimetika

Mukolytika 

- Herabsetzung der Schleimviskosität (Abbau des Gelgerüsts). z.B. Bromhexin, Ambroxol, N-Acetylcystein

Bromhexin

Mukolytikum

bei produktivem Husten

Ambroxol

Mukolytikum

bei produktivem Husten

• Metabolit des Bromhexin

• aktiver als Bromhexin

• blockiert spannungsabhängige Na+-Kanäle (lokalanaesthetisch!)
• im Tier: verstärkte Ausscheidung von Surfactant
• stimuliert Flimmerepithel

Peganin

Mukolytikum

bei produktivem Husten

Bromhexin Metabolisierung

N-Acetylcystein: Applikation, WM, Indikation

Mukolytikum: Thiol

bei produktivem Husten

p.o., inhalativ. => Wirkmechanismus: Reduktion von Disulfidbrücken und damit Verkleinerung der Glykoproteine (??? in Sekreten der Atemwege nach p.o. Applikation nicht nachweisbar!)

Carbocistein: Applikation

Mukolytikum

bei produktivem Husten

p.o., nicht reduzierend! Wirkmechanismus unklar (Angriff an Mucussynthese?)

Thiole WM

Mukolytika

Colfosceril-Palmitat: Indikation etc.

Surface Active Agents

• Colfosceril-Palmitat = synthetisches, sog. Surface Active Agent (Surfactant)

• zur Behandlung des Infant Respiratory Distress Syndrome (IRDS, Atemnotsyndrom Frühgeborener).

• natürliches Surfactant: Gemisch aus Proteinen und Lipiden:

- Phospholipide mit 2 Palmitinsäureanteilen

- Surfactant-assoziierte Proteine (SAPs):

SAP A: 28 – 36 kDa

SAP B: 9,5 kDa

SAP C: 1 – 2 kDa

Surfactant Funktion

Surfactant überzieht Epitheloberfläche der Luftwege bis zu den Alveolen als monomolekularer Film:

• verhindert Kollabieren der Lungenbläschen beim Ausatmen durch Erniedrigung der Oberflächenspannung der Lungenbläschen.

• unterstützt Entfaltung der Alveolen beim Einatmen

• verhindert Austrocknung der Alveolen

• erleichtert Gasaustausch der Lungenmukosa und alveoläre Ventilation

Wirkstoffe zur Behandlung der Mucoviszidose (= zystische Fibrose)

angeborene Stoffwechselerkrankung; Absonderung von zähem Schleim
Therapie: inhalative Applikation rekombinanter humaner Desoxyribonuklease I

- sog. Dornase alfa

- Glykoprotein, 35 kDa

- spaltet extrazelluläre DNA und verflüssigt damit den zähen Schleim

Lernen