Humangeographie Teil B und C

Teil B und C von anderen Dozenten

Teil B und C von anderen Dozenten


Nadja Imhof
Diese Lernkarten behandeln die Humangeographie auf Universitätsniveau, mit Fokus auf Waldnutzung, institutionelle Regelungen und politische Prozesse. Sie beleuchten die Bedeutung von Ressourcen, Zugang und Nutzung, sowie die Rolle von Institutionen und Gruppen in der Waldwirtschaft. Besonders relevant für Studierende der Geographie, die sich mit politischen Ökologie und nachhaltiger Ressourcennutzung auseinandersetzen.
Flashcards
95
Students
2
Language
German
Category
Geography
Level
University
Created / Updated
01.05.2013 / 04.01.2018

Lernkarten

Verbessertes Wissen zur Waldnutzung fördert die Nachhaltigkeit

 

Wissenschaftlich fundierte Vorschriften zur Holznutzung:  

Inventarisierung des Holzbestandes zur Definition des zulässigen Holzschlages (Nachhaltigkeitsprinzip)   

Markieren zu fällender Bäume durch Förster 

 – Verbot von Kahlschlag

 – Zusage von Bundessubventionen

 – Forstpolizeiliche Funktion 

Vierte Phase: Veränderung in den letzten Jahrzehnten

 

 * Weitere Abnahme der Holznachfrage

 *Mehr Naturschutzinteressen --> auch unter Einfluss von Naturschutzverbänden (Zivilgesellschaft)  

* Mehr Erholungsinteressen 

 

Neues Bundesgesetz 1993 mit neuen Leitgedanken:
    – Multifunktionalität der Wälder 
    – Mitwirkung auch nichtforstlicher Kreise bei Aushandlung von  Regeln der Waldnutzung (Waldentwicklungsplanung) 
    – Neuorientierung der Subventionen: für naturnahe Waldpflege

 

Zwischenbilanz  Am Beispiel der Schweizer Waldgeschichte gesehen

 

Produktion und Reproduktion von institutionellen Regelungen:
    – unterschiedliche Akteursgruppen; z.B. Lokalbevölkerung  (stratifiziert !); Staat, Verbände 
    – unterschiedliche Inwertsetzungen (Bündel von Ressourcen) 
    – unterschiedliche Einflussmöglichkeiten (Zugriff auf Mittel der  Macht, und Möglichkeiten diese einzusetzen)
    – Aushandlungsprozesse und entsprechende Mechanismen  
    – formale, z.B. Initiative, Vernehmlassungsverfahren
    – informelle, z.B. Protest 

Beispiel verweist auf Leitgedanken aktueller Humangeographie

 

-->  hier in Politischer Oekologie mit Bezug auf Strukturationstheorie

* Institutionen „strukturieren“ unser Handeln  
* sie „ermöglichen“ und „behindern“ unser Handeln 
* Viele institutionelle Regelungen befolgen wir unbewusst; wir  haben sie internalisiert; Routinen  
* Bedeutung der Sozialisation 
*  Institutionen sind geleitet von (dominanten) gesellschaftlichen Werten
* Institutionen haben unterschiedliche Reichweiten (zeitlich; räumlich)
*  (Alle) Menschen haben an sich die Macht, routinisierte institutionelle Regelungen zu verändern
*  Unterschiedliche soziale Gruppen haben aber hierzu unterschiedliche Möglichkeiten, d.h.
    – Zugang zu Mitteln der Machtausübung (in Strukturationstheorie; siehe Teil A, Backhaus: allokative und autoritative Ressourcen)
    – und Möglichkeiten diese Mittel einzusetzen
*  Diese Prozesse erforschen über Analyse der sozialen Praxis

 

Moderne Waldwirtschaft als global dominanter Diskurs --> vergleiche Schweiz und viele andere Länder   

 

Beruht auf drei Pfeilern:

* Nachhaltigkeit – Nicht mehr Holz  schlagen als nachwächst

* Staatliche Hohheit  

* Waldnutzungstechniken 

de jure

gemäss Regeln

de facto

in Realität

Zur Legitimation von Regelungen

 

* Bedeutung der sozialen Akzeptanz von Regeln 
* Soziale Akzeptanz reduziert Differenz zwischen de jure und de facto

 

Unterschied de jure - de facto im Falle der Waldnutzung in Pakistan

 

* De jure:
  Waldnutzung in Pakistan entspricht dem modernen globalen  Diskurs; mit der Nachhaltigkeit verpflichteten Institutionen, mit  ausgebildeten Förstern (z.B. Försterschule); etc. 

* De facto:
   – Grosse Umsetzungsschwierigkeiten 
   – Weiterhin (illegaler) Holzschlag 
   – Umwandlung von Wald in Agrarland und Waldweide

Diskurs

 

Erklärungen, Begründungen, Argumentationen, die in sich stimmige Konstrukte ergeben, sich klar von anderen abgrenzen.

Zur Reichweite von Institutionen

 

• Zeitliche Reichweite (Institutionen sind meist längerfristig  wirksam) 
• Räumliche Reichweite: 
    – von lokal (z.B. Burgergemeinde) 
    – bis global (z.B. WTO)

Rechtpluralismus = Vieldeutigkeit von Institutionen

 

„Mit dem Begriff Rechtspluralismus wird angedeutet, dass in einer  sozial politischen Einheit mehrere Rechtssysteme oder rechtlich  geregelte Institutionen ko-existieren, die parallele (und oft  gegensätzliche) Regelungen gesellschaftlicher und politischer  Lebensverhältnisse auf der Basis unterschiedlicher  Legitimationsgrundlagen beinhalten.“  (Benda-Beckmann 2001) 

Zum Beispiel: am gleichen Ort ... 
    – Institutionen des modernen Nationalstaates 
    – traditionell überlieferte Regelungen (Gewohnheitsrecht) 
    – religiöse Ordnungen

 

Probleme mis Rechtspluralismus in Pakistan bezüglich der Waldnutzung

 

Lokalbevölkerung beruft sich auf traditionelle Regelungen: 
    – Wald als common property der Eigentumsberechtigten  (alteingesessene Landeigentümer)
    – Nutzungsrechte an allen Komponenten des Ressourcenbündels (Holz, Waldweide, schneiteln, Walderde, etc). 
    – Nicht-Landeigentümer haben beschränkte Nutzungsrechte 

 

(1) Rechtspluralismus – unterschiedliche diskursive Legitimationen
(In Bezug auf Waldnutzung in Pakistan) 

 

* Staat beruft sich 
    – auf seine Pflicht (im Namen der Gesellschaft) 
    – auf wissenschaftlich abgestützten globalen Diskurs  

* Lokalbevölkerung beruft sich 
    – auf Probleme des staatlichen Rechts (grenzt lokale Nutzung der  Wälder ein, z.B. Verbot der Waldweide; verkompliziert Zugang  zu Waldressourcen)
    – auf traditionelle Rechtsordnung (gewährt diesen Zugang) 
    – auf Tatsache dass ihre Region erst seit 1969 Teil des  „modernen Staates“ ist (vorher eigener Staat, Fürstentum) 
    – dass sie bei der Integration in den Staat nie gefragt wurden

 

(2) Rechtspluralismus – unterschiedliche diskursive Legitimationen
(In Bezug auf Waldnutzung in Pakistan) 
 


Problem: Das Forstgesetz vom Statt wurde nicht auf den traditionellen Gesetzen des Volkes erbaut sondern ignorierte diese komplett und führte neue Regeln ein, die nun für das Volk nicht nachvollziehbar und unfair waren und deshalb auch nicht eingehalten wurden. Ausserdem sind diese Modernen Regelungen v.a. auf Holznutzung und Oekologie ausgerichtet , aber in einem Land wie Pakistan gibt es arme Bevölkerung die auf den Wald als Ressource angewiesen ist (ökonomische Notwendigkeit).
Rechtspluralismus führt hier zu Rechtsunsicherheit und damit zu einer open access-Situation. Es entstand eine "timber mafia" also eine "Holz-Mafia" welche illegal die Wälder abholzt.

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