Humangeographie Teil B und C
Teil B und C von anderen Dozenten
Teil B und C von anderen Dozenten
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Lernkarten
lat. cultura
= Bearbeitung, Pflege (des Körpers und des Geistes), Ackerbau
Kultudefinition UNESCO
Die Kultur kann in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen, geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Die schliesst nicht nur die Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen.
Kulturdefinition Giddens
„Kultur besteht aus Werten, welche Mitglieder einer bestimmten Gruppe haben, den Normen, denen sie folgen und den materiellen Gütern, die sie kreieren.“
Normen
= definitive Prinzipien oder Regeln, welche die Mitglieder einer Kultur beachten sollen.
Institutionen
„… the rules of a game in a society, or, more formally … the humanely devised constraint that shape human interaction.
Materielle Güter bzw. Artefakte
sind materielle Manifestationen der Kultur = materielle Kultur
Symbole
sind Übermittler von Kultur
Stereotype
Vorgeformte Bilder über andere Personen, soziale Gruppen, Regionen oder Sachverhalte im Sinne von sozial geteilten, änderungsresistenten, rigiden Urteilen. Stereotypen stellen eine starke simplizierte, klischeehafte Repräsentation der wahrgenommenen Wirklichkeit dar.
Vorurteile können als abschätzige konnotierte Sonderform des Stereotyps aufgefasst werden.
* Autostereotype: Bilder über die eigenen Gruppe
* Heterostereotype: Bilder über eine fremde Gruppe
Images
Vorstellungsbilder oder Meinungen die spontan und vornehmlich assoziativ über Regionen, Menschen oder Sachen gebildet werden, unabhängig von einer Überprüfung an der “ Realität“.
Kulturelle Identität
= kollektive Identität von Gesellschaften und sozialen Gruppen
4 Codes zur Bildung
von kultureller Identität.
Die Bildung von kultureller Identitäten geschieht durch 4 Codes mit zunehmenden Reflexionsniveau:
1. Gruppenzugehörigkeit wird als naturgegeben betrachtet.
2. Kulturelle Identität wird durch Traditionen und Ursprungsmythen begründet.
3. Religiöse oder transzendentale Bezugsgrössen wie Gott, Vernunft, die Idee des Fortschritts.
4. Kritik und Brechung der Codes 1 bis 3; soziale und kulturelle Inhalte des Alltagslebens wie Geschmack, materielle Werte oder Privilegien.
Kulturelle Identität
(Essentialismus, Primordialismus)
Kultur und kulturelle Identität basiert auf einer gemeinsamen Wesenheit, einer „wirklichen“, substantiellen Gemeinsamkeit (z.B. durch Geburt, durch Aufwachsen in einer bestimmten Gesellschaft etc. )
Kulturelle Identität
(Konstruktivismus)
Kultur und kulturelle Identität ist nicht etwas vorgegebenes sondern wird durch gesellschaftliche Prozesse geschaffen und bildet somit ein soziales Konstrukt.
Rasse
* biologischer Ausdruck zur Klassifizierung von Lebewesen derselben Spezies.
* Rassen sind Populationen, die sich aufgrund ihres Phänotyps von einer anderen Population der gleichen Spezies unterscheiden.
Ethnizität
Ethnie von lat. ethnos – Volk, Volkszugehörigkeit
Sozialer Tatbestand, der ein allgemeines und grundlegendes Charakteristikum menschlicher Vergesellschaftung zu sein scheint; der Glaube an eine gemeinsame Herkunft, Gemeinsamkeiten der Kultur und darauf beruhende Solidargefühle strukturieren die Beziehungen zwischen Menschen und wirken gruppenbildend.
Belonging
bezeichnet die Zugehörigkeit oder das Zugehörigkeitsgefühl zu einem Ort oder zu einer sozialen Gruppierung
* Räumliche Zugehörigkeit
* Soziale Zugehörigkeit
Othering
bezeichnet die Differenzierung und Distanzierung der Gruppe, der man sich zugehörig fühlt (Eigengruppe), von anderen Gruppen. Meistens differenziert sich ein ‘übergeordnete’, mächtige Gruppierung von einer ‘untergeordneten’.
--> Abgrenzung (Othering) von anderen Gruppierungen führt wiederum zu einer eigenen Zuteilung zu einer Gruppe und Zugehörigkeit (Belonging)
Ethnozentrismus
Übertragen eigener kultureller Werte und Normen auf andere
* geht häufig mit einer Hierarchisierung von Werten und Normen einher (eigene Werte stehen über anderen)
* die Einbindung in Wert- und Denkgrundlagen der eigenen Lebenswelt – also kontextualisierten Werten und Normen (unvermeidlich für die alltägliche Handlungsfähigkeit)
* entsprechend ist das Ziel Interkultureller Erziehung und Bildung ein, aufgeklärter Ethnozentrismus‘, ein Bewusstsein für die Eingebundenheit der Wert- und Denkgrundlagen der eigenen Lebenswelt, wie auch derjenigen anderer Menschen und ein reflektierter Umgang damit
cultural turn
Kultur ≠ Hochkultur der Eliten, sondern alltägliche Praxis
Kulturgeographie
(klassischer Ansatz)
* Beschreibung der von Volk zu Volk, von Land zu Land, von Landschaft zu Landschaft enormen kulturellen Unterschiede; materielle Ausdrucksformen der Kultur stehen im Vordergrund
* Deutung und Erklärung von räumlichen Verbreitungsmustern àin Bezug auf (natur)räumliche Voraussetzungen
Neue Kulturgeographie
*Untersuchung sozialer Beziehungen in kultureller Hinsicht:
Fragen der Identität (national, postkolonial, regional, personal; Geschlechterrollen, Klasse, race, Ethnizität) à Betonung der Pluralität und Hybridität von Lebensformen
*Untersuchung von kulturellen Repräsentationen:
z.B. Unterschiede von Konsumentenkulturen, Zeigewert von Konsumgütern (Milieus)
*Untersuchungen von Alltagspraktiken als kulturelle Ausdrucksformen:
Aufdeckung der verborgenen Muster der sozialen Praxis, Symbolordnungen und Logik
Bruchlinienkonflikt
entlang kultureller Grenzen (z.B. Balkan)
Kernstaatenkonflikt
zwischen Kernstatten verschiedener Kulturkreisen (Indien und Pakistan)
Kritik an der Kulturerdteil/ Zivilisations-These
dominierendes geopolitisches Leitbild der Gegenwart polarisiert die Welt durch sprachliche Raum-Macht-Koppelungen
* durch die Verkoppelung und Pauschalisierung soziokultureller Eigenschaften und geographischen Territorien
* durch eine hegemoniale Argumentation der Überlegenheit gewisser Kulturen über andere
* Unterschiede innerhalb der identifizierten Kulturen/Zivilisationen sind oftmals grösser, als diejenigen zwischen den Kulturen
--> Liefert(e) Demagogen der Bush-Administration ebenso wie Osama Bin Laden „diskursives Futter“ für ihre polarisierende und konfrontative Argumentation
Ensemble von Kulturelementen bildet die kulturelle Identität einer „Gemeinschaft“
* territoriale Zugehörigkeit, Gebundenheit an eine Lokalität, Region, Land
* Gebundenheit an eine soziale Gruppe, Milieu, Nation
* gemeinsame Geschichte
* gemeinsame Sprache
* gemeinsame Weltanschauung und Religion
* gemeinsame Werte und Normen
Sprache
Sprache ist ein Ausdrucks- und Kommunikationsmittel zur Vermittlung von Ideen und Gefühlen anhand eines konventionalisierten Systems von Zeichen, Gesten oder stimmlich artikulierten Lauten.
Kommunikation
Kommunikation basiert auf Symbolen, auf allgemein verstandenen Bedeutungen von Zeichen und Lauten.
Dialekte
Innerhalb von Standardsprachen gibt es regionale und lokale Varietäten – Dialekte. Diese entstehen und heben sich voneinander ab durch räumlich zuordenbare Unterschiede durch Grammatik, Aussprache (Lautverschiebungen) und Wortschatz.
Sprachfamilie
Gruppe verwandter Sprachen, von denen man annimmt, dass sie auf einen gemeinesamen Ursprung zurückgehen.
Isolierte Sprachen
Japanisch, Koreanisch, Baskisch, Burushaski etc
Pidgin-Sprachen
setzen sich aus einer dominanten Sprache, z.B. Sprache der Kolonialherren, und Teilen lokaler oder anderer nicht-dominanter Sprachen zusammen
Handels-Pidgin-Sprachen
dienen der Verständigung im Handel
Kreolsprachen
Viele Pidginsprachen entwickeln sich im Laufe weniger Generationen zu grammatisch voll ausgebildeten Kreolsprachen.
z.B. Haitianisch (mit französisch-basiertem Wortschatz) oder Jamaika-Kreolisch (mit englisch-basiertem Wortschatz)
Nicht-theistische Konzepte
Animismus
* Glaube, dass Naturobjekte und -phänomene ‚beseelt‘ sind. Menschen könne diese positiven oder negativen Kräfte (Geister) durch Opferdarbietung günstig stimmen.
Schamanismus
* Ritualspezialisten (Heiler) sind Mittler zwischen den Menschen und den positiven und negativen Kräften.
Totemismus
* Einem Totem (z.B. einer Pflanzen- oder Tierart), das rituell verehrt wird, werden übernatürliche Kräfte zugeschrieben.
Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus
* ethische Religionen, Gottheiten werden nicht verehrt
* Bezug auf ethische Grundsätze, die den Gläubigen die Zusammenhänge und die Einheit des Universums verdeutlichen sollen.
Monotheistische Religionen
Judentum
* Geht auf die Zeit um 1000 v.Chr. zurück. Seine Propheten (aus dem Volk der Hebräer) proklamierten den Glauben an einen allmächtigen Gott. Die Juden lebten für lange Zeit in der Diaspora
* erst 1948 entstand mit Israel ein Staat, dessen Religion das Judentum ist
Christentum
* Jesus war orthodoxer Jude und das Christentum begann eigentlich als ‚Sekte‘ des Judentums. Jesus‘ Jünger sahen in ihm den Messias
* heute die am weitesten verbreitete Religion Islam
Islam
*beruft sich auf die Lehren des Propheten Mohammed, der um 700 n.Chr. lebte
Polytheistische Religionen
Hinduismus
* Ursprünge des Hinduismus lassen sich bis 4000 v.Chr. zurückdatieren
* Viele verschiedene Richtungen
* Grosses Götter-Pantheon
Diaspora
griech. Zerstreuung
*Erzwungene oder freiwillige Migration einer Gemeinschaft ins Exil und der Versuch eine neue “Heimat” aufzubauen
* Exil und Wunsch nach Rückkehr
Säkularisierung
= Verweltlichung
* sozialer Bedeutungsverlust von Religion
* Prozess der Trennung von religiöser Organisation (Kirche) und Staat
In modernen westlichen Gesellschaften besteht seit langem ein Trend zur Säkularisierung, d.h. Religion und Religiosität verlieren ihren Einfluss.
Hinduismus
*Komplexe alte Religion ohne heilige Schrift
* Es gibt ein Absolutes (Brahman), dies hat aber verschiedenste Ausprägungen (Gottheiten)
* Hindus wählen sich ihre Gottheiten aus
* Komplexe Vorstellung von Wiedergeburt; guter Lebensführung
* (Deshalb) wichtig sind Rituale; weniger wichtig sind gemeinsame Predigten
Kaste
Beruht auf hinduistischen Konzepten
* jati (sich einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlend, mit gemeinsamem Ursprung; von „Geburt her sich gegen andere Gruppen abgrenzen)
* varna (soziale Gruppierung nach Pflichten)
Wichtig: jede der “Kasten” (jati-varna-Konstellationen) hat spezifische Eigenschaften
* Guna; diese können sich wie Substanzen übertragen, z.B. durch Berührung;
* höhere “Kasten” haben “bessere” Eigenschaften (also will man “rein” bleiben)