Humangeographie Teil B und C
Teil B und C von anderen Dozenten
Teil B und C von anderen Dozenten
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Cartes-fiches
Verbessertes Wissen zur Waldnutzung fördert die Nachhaltigkeit
Wissenschaftlich fundierte Vorschriften zur Holznutzung:
– Inventarisierung des Holzbestandes zur Definition des zulässigen Holzschlages (Nachhaltigkeitsprinzip)
– Markieren zu fällender Bäume durch Förster
– Verbot von Kahlschlag
– Zusage von Bundessubventionen
– Forstpolizeiliche Funktion
Vierte Phase: Veränderung in den letzten Jahrzehnten
* Weitere Abnahme der Holznachfrage
*Mehr Naturschutzinteressen --> auch unter Einfluss von Naturschutzverbänden (Zivilgesellschaft)
* Mehr Erholungsinteressen
Neues Bundesgesetz 1993 mit neuen Leitgedanken:
– Multifunktionalität der Wälder
– Mitwirkung auch nichtforstlicher Kreise bei Aushandlung von Regeln der Waldnutzung (Waldentwicklungsplanung)
– Neuorientierung der Subventionen: für naturnahe Waldpflege
Zwischenbilanz Am Beispiel der Schweizer Waldgeschichte gesehen
Produktion und Reproduktion von institutionellen Regelungen:
– unterschiedliche Akteursgruppen; z.B. Lokalbevölkerung (stratifiziert !); Staat, Verbände
– unterschiedliche Inwertsetzungen (Bündel von Ressourcen)
– unterschiedliche Einflussmöglichkeiten (Zugriff auf Mittel der Macht, und Möglichkeiten diese einzusetzen)
– Aushandlungsprozesse und entsprechende Mechanismen
– formale, z.B. Initiative, Vernehmlassungsverfahren
– informelle, z.B. Protest
Beispiel verweist auf Leitgedanken aktueller Humangeographie
--> hier in Politischer Oekologie mit Bezug auf Strukturationstheorie
* Institutionen „strukturieren“ unser Handeln
* sie „ermöglichen“ und „behindern“ unser Handeln
* Viele institutionelle Regelungen befolgen wir unbewusst; wir haben sie internalisiert; Routinen
* Bedeutung der Sozialisation
* Institutionen sind geleitet von (dominanten) gesellschaftlichen Werten
* Institutionen haben unterschiedliche Reichweiten (zeitlich; räumlich)
* (Alle) Menschen haben an sich die Macht, routinisierte institutionelle Regelungen zu verändern
* Unterschiedliche soziale Gruppen haben aber hierzu unterschiedliche Möglichkeiten, d.h.
– Zugang zu Mitteln der Machtausübung (in Strukturationstheorie; siehe Teil A, Backhaus: allokative und autoritative Ressourcen)
– und Möglichkeiten diese Mittel einzusetzen
* Diese Prozesse erforschen über Analyse der sozialen Praxis
Moderne Waldwirtschaft als global dominanter Diskurs --> vergleiche Schweiz und viele andere Länder
Beruht auf drei Pfeilern:
* Nachhaltigkeit – Nicht mehr Holz schlagen als nachwächst
* Staatliche Hohheit
* Waldnutzungstechniken
de jure
gemäss Regeln
de facto
in Realität
Zur Legitimation von Regelungen
* Bedeutung der sozialen Akzeptanz von Regeln
* Soziale Akzeptanz reduziert Differenz zwischen de jure und de facto
Unterschied de jure - de facto im Falle der Waldnutzung in Pakistan
* De jure:
Waldnutzung in Pakistan entspricht dem modernen globalen Diskurs; mit der Nachhaltigkeit verpflichteten Institutionen, mit ausgebildeten Förstern (z.B. Försterschule); etc.
* De facto:
– Grosse Umsetzungsschwierigkeiten
– Weiterhin (illegaler) Holzschlag
– Umwandlung von Wald in Agrarland und Waldweide
Diskurs
Erklärungen, Begründungen, Argumentationen, die in sich stimmige Konstrukte ergeben, sich klar von anderen abgrenzen.
Zur Reichweite von Institutionen
• Zeitliche Reichweite (Institutionen sind meist längerfristig wirksam)
• Räumliche Reichweite:
– von lokal (z.B. Burgergemeinde)
– bis global (z.B. WTO)
Rechtpluralismus = Vieldeutigkeit von Institutionen
„Mit dem Begriff Rechtspluralismus wird angedeutet, dass in einer sozial politischen Einheit mehrere Rechtssysteme oder rechtlich geregelte Institutionen ko-existieren, die parallele (und oft gegensätzliche) Regelungen gesellschaftlicher und politischer Lebensverhältnisse auf der Basis unterschiedlicher Legitimationsgrundlagen beinhalten.“ (Benda-Beckmann 2001)
Zum Beispiel: am gleichen Ort ...
– Institutionen des modernen Nationalstaates
– traditionell überlieferte Regelungen (Gewohnheitsrecht)
– religiöse Ordnungen
Probleme mis Rechtspluralismus in Pakistan bezüglich der Waldnutzung
Lokalbevölkerung beruft sich auf traditionelle Regelungen:
– Wald als common property der Eigentumsberechtigten (alteingesessene Landeigentümer)
– Nutzungsrechte an allen Komponenten des Ressourcenbündels (Holz, Waldweide, schneiteln, Walderde, etc).
– Nicht-Landeigentümer haben beschränkte Nutzungsrechte
(1) Rechtspluralismus – unterschiedliche diskursive Legitimationen
(In Bezug auf Waldnutzung in Pakistan)
* Staat beruft sich
– auf seine Pflicht (im Namen der Gesellschaft)
– auf wissenschaftlich abgestützten globalen Diskurs
* Lokalbevölkerung beruft sich
– auf Probleme des staatlichen Rechts (grenzt lokale Nutzung der Wälder ein, z.B. Verbot der Waldweide; verkompliziert Zugang zu Waldressourcen)
– auf traditionelle Rechtsordnung (gewährt diesen Zugang)
– auf Tatsache dass ihre Region erst seit 1969 Teil des „modernen Staates“ ist (vorher eigener Staat, Fürstentum)
– dass sie bei der Integration in den Staat nie gefragt wurden
(2) Rechtspluralismus – unterschiedliche diskursive Legitimationen
(In Bezug auf Waldnutzung in Pakistan)
Problem: Das Forstgesetz vom Statt wurde nicht auf den traditionellen Gesetzen des Volkes erbaut sondern ignorierte diese komplett und führte neue Regeln ein, die nun für das Volk nicht nachvollziehbar und unfair waren und deshalb auch nicht eingehalten wurden. Ausserdem sind diese Modernen Regelungen v.a. auf Holznutzung und Oekologie ausgerichtet , aber in einem Land wie Pakistan gibt es arme Bevölkerung die auf den Wald als Ressource angewiesen ist (ökonomische Notwendigkeit).
Rechtspluralismus führt hier zu Rechtsunsicherheit und damit zu einer open access-Situation. Es entstand eine "timber mafia" also eine "Holz-Mafia" welche illegal die Wälder abholzt.