Humangeographie Teil A
Teil A von Backhaus
Teil A von Backhaus
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Cartes-fiches
Struktur
= virtuelle Ordnung transformatorischer Relationen
* Strukturen haben keine materielle Substanz
* Strukturen existieren nur bei Handlungen
* In jeder Handlung werden Strukturmomente wirksam
= Regeln und Ressourcen
* Regeln konstituieren Sinn und Sanktionierung sozialer Handlungen
* Strukturen haben zwei Seiten: Zwang und Ermöglichung
* Mit jeder Handlung werden Strukturen interpretiert
Regel
Soziale Handlungen liegen dem Sinn von Regeln zugrunde und werden durch diese in Grenzen gehalten.
*Normen: sind Sanktionsregeln (Verhaltensmuster), welche auf eine bestimmte
Handlung überall die gleiche (ähnliche) Reaktion auslöst.
Wenn jemand jemanden umbringt, dann ist er ein verachteter Mörder.
* tacit knowledge: stark verinnerlichte Regeln welche historisch gewachsen oder religiös geprägt worden sind.
Eine Frau oder ein Mann darf jeweils nur einen Mann bzw. eine Frau haben --> biologisch dumm.
Wissen als
Ressource
Wissen kann als autoritative Ressource verstanden werden
* Jede Praktik enthält Know How bezüglich des Verstehens, Wollens und Fühlens
Wissen kann auf verschiedenen Bewusstseinsebenen vorhanden sein
* Diskursives Bewusstsein
Wissen bzw. Erinnerungsformen, die man sprachlich zum Ausdruck bringen kann
* Praktisches Bewusstsein
Wissen bzw. Erinngerungsformen, die uns zugänglich sind, ohne dass wir sagen können,
was wir eigentlich darüber wissen
* Unbewusstes (≠ Unterbewusstsein)
Kein direkter Zugriff möglich, da Barrieren dies verhindern (Traumata, Verdrängtes, Vergessenes)
Durée
= Fluss von Handlungen, die sich aufeinander beziehen à Begrüssungsritual
Die Rolle des Körpers
* Praktik = routinisierte körperliche Aktivität, Bewegungen des Körpers
* Soziale Praxis = Produkt vom Training des Körpers in bestimmter Weise mehr als nur den Körper als Mittel verwenden
* Körperliche Aktivitäten geben der menschlichen Welt ihre sichtbare Ordnung
* Der Körper ist eine Brücke zwischen Innen- und Aussenwelt
Die Rolle des Geistes
* Soziale Praktiken sind auch mentale Praktiken
* Körper und Geist sind untrennbar
* Mentale Aktivitäten implizieren routinisierte Wege, die Welt zu verstehen, Dinge zu wollen, Wissen wie man etwas tut, Emotionen…
Die Rolle der Dinge
* Dinge sind wichtig und werden oft in routinisierter Weise verwendet
* Wenn sie relevant sind, sind sie auch Orte des Sozialen
* Das Soziale wird reproduziert
Routinen
Routinen lösen in der modernen Gesellschaft die Traditionen ab
* Traditionen bestimm(t)en darüber, was wahr ist und was nicht und wie Dinge getan werden müssen
* Traditionen werden über Rituale in Erinnerung gerufen und von „HüterInnen“ bewahrt
* Routinen beziehen sich auf Gewohnheiten bzw. Strukturen
Routinen geben ein Gefühl des Vertrauens
* Die damit verbundenen Handlungen sind meist im praktischen Bewusstsein verankert
ontological security
Das Alltagsleben gründet auf Seinsgewissheit (ontological security)
* Dinge sind so wie sie einem erscheinen
* In kritischen Situationen bricht die Seinsgewissheit zusammen
Habitus
In der Theorie der Praxis von Pierre Bourdieu verwendet (≠ Anthony Giddens)
* Habitus = Erscheinungsbild und Auftreten einer Person
* Persönlicher Verhaltensstil, der gesellschaftlich geprägt ist (Habitus = strukturierte und strukturierende Struktur)
* Ergebnis einer Dialektik von objektiven und einverleibten Strukturen
(Habitus ist nicht festgelegt, Zusammenhang zwischen sozialer Position und Lebensstil einer Person)
* Sozialer Raum als Erweiterung des marxistischen Klassenbegriffs
* Erweiterung des Kapitalbegriffs
Erweiterung des Kapitalbegriffs
* ökonomisches Kapital
materieller Besitz von Geld und Eigentum
* kulturelles Kapital
- über Familientradition auch vererbbar, v.a. Bildungskapital
- Inkorporation = Aneignung, die von jedem Individuum neu vollzogen werden muss
- Objektivierung = «Vorführung» kulturellen Kapitals (z.B. Kauf von Gemälden)
- Institutionalisierung, v.a. in Form von schulischen Titeln
* soziales Kapital oder symbolisches Kapital (= immateriell)
Kreditwürdigkeit im weitesten Sinne, Mittel zur Distinktion
Feld
(Bourdieu)
* Wirtschaftliches Feld
Arbeit, Einkommenschancen, Austausch von Gütern und
Dienstleistungen, Geld
* Soziales Feld
Soziale Herkunft, Beziehungen zu anderen Menschen, Insider/Outsider, Solidarität
* Kulturelles Feld
Erwerb von Bildung, Zertifikaten, Titeln sowie Kleidung, Lebensstil, Essen und Geschmack
In jedem Feld erwirbt man Kapitalien die dann den Habitus ausmachen:
Wirtschaftliches + soziales + kulturelles Kapital = symbolisches Kapital («Ruf»)
Relationaler Raum
Raum muss relational gedacht werden, wenn man ihn mit einem handlungs- oder praxistheoretischen Hintergrund betrachtet
* Es geht um Beziehungen von Dingen und Bedeutungen innerhalb und ausserhalb eines Raumausschnittes
* «Stories so far» und «Throwntogetherness»
* Baut auf dem Raum der Konstruktion auf, geht aber weiter
Territorium
* (Natürliches) Habitat einer Gruppe von Menschen oder Tieren
* Ergebnis sozialen Verhaltens, wenn eine Gruppe einen Raum für sich beansprucht und ihn anderen verwehrt (z.B. Fankurven)
* Gebiet, über welches politische Herrschaft beansprucht wird. Wichtiges Konstitutionselement für Nationalstaaten.
place/locale
* Strukturiert die Lebenswege in Raum und Zeit
* Institutionen (die Teil sind von places/locales) haben einen Einfluss auf Interaktionsmöglichkeiten
* Hauptarena, in welchen Interaktionen stattfindet
* Stellt die Strukturen für alltägliche Routinen her
* Hauptschauplatz von Sozialisationsprozessen
* Ein vertrauter Ort, meist positiv konnotiert
Region vs. Gebiet
* Ein Gebiet kann z.B. über Koordinaten festgelegt, von einer Anhöhe eingesehen oder über Google Earth bestimmt werden, es ist einfach ein Raumausschnitt
* Eine Region besteht nicht an und für sich, sie ist ein Konstrukt, bei dem einem (konkreten oder imaginären) Gebiet eine Bedeutung zugewiesen wird
* Regionen sind das Ergebnis von Bedeutungszuweisungen auf ein Gebiet, sie können allgemein bekannt sein oder individuell
Regionalisierung
= Prozess der Herstellung und Definition einer Region
* Konsequenz unseres alttäglichen Handelns
* Festlegung der Grenzen und Gesetze & Akzeptanz derselben (Kantonsgrenze)
* Kenntnisnahme und Verbreitung der Studie, Kolportage (Image)
* wiederholte Wahrnehmung/Antizipieren von bedrohlichen Situation (Unterführung)
Physische
Raumaneignung
* körperliche Anwesenheit im Raum ➙ temporäre Aneignung
* physische Abgrenzung eines Gebietes (z.B. Einzäunung)
* Umgestaltung von physischen Aspekten des Raums
Raumenteignung
explizites Verbot, sich einen Raum anzueignen
* z.B. Apartheidsregimes, Grenzbestimmungen, Verbotstafeln
* z.B. gesellschaftliche oder individuelle Vorstellungen, einen Raum nicht betreten zu können/dürfen (Quartiere, Lokale, religiöse Einrichtungen)
Raumentfremdung
Räume können nicht den Bedürfnissen entsprechend angeeignet werden
* z.B. Jugendliche, die den öffentlichen Raum nicht gesellschaftskonform aneignen (Skaten, Abhängen, Trinken…)
Mentale Raumaneignung
* Deutung von Räumen bzw. physisch-materieller Objekte
* Resultat sind Vorstellungen der Welt (bzw. Ausschnitten) und darüber…
- was sie bedeuten
- was von ihnen zu erwarten ist
- wie man sich darin verhalten kann und soll
* Die mentale Raumaneignung bedarf keiner physischen Präsenz im Raum
* Physische Raumaneignung setzt im Prinzip immer eine mentale voraus, aber nicht umgekehrt
Raumaneignung vs.Regionalisierung
* Die Raumaneignung kann als eine Form der Regionalisierung gesehen werden
* Regionalisierung und Raumaneignung können sowohl physisch als auch mental sein
* Regionalisierung betont das Produkt «Region» und sein Entstehen
* Raumaneignung legt den Schwerpunkt auf Deutung und Inbesitznahme von Gebieten
Aneignungen sind Konstruktionen
* Aneignung ist eine Verinnerlichung von Gegenstandsbedeutungen
* Aneignungskonzept ist ein Versuch, zwischen der physischen Welt und der Welt der Bedeutungen zu vermitteln
- Bedeutungen vergegenständlichen sich durch
Handlungen
- Bedeutungen der sie umgebenden Welt werden von den
Menschen angeeignet
* Gegenstände haben keine immanente Bedeutung
- Bedeutungen werden konstruiert, wie z.B. bei einem
angeeignetem Raum
- Bedeutungen werden sozial geteilt und reproduziert
- Bedeutungen werden auf ähnliche Objekte übertragen
Kolonisation
bezeichnet im Kern einen Prozess der Landnahme
Kolonie
= speziell politisch-gesellschaftlicher Personenverband
Kolonialismus
bezeichnet ein Herrschaftsverhältnis
Hauptformen der Expansion
*Totalmigration ≠ Kolonisierung
* Massenhafte Individualmigration ≠ Kolonisierung
* Pflanzstädte als wirtschaftlich weitgehend abhängige Brückeköpfe
* Reichsbildende Eroberungskriege
* Stützpunktvernetzung
Beherrschungskolonien
* Resultat militärischer Eroberungen, autokratisches „Mutterland“
* wirtschaftliche Ausbeutung, strategische Sicherung, Prestige
* keine Siedler, nur Verwaltungspersonal und Soldaten
Stützpunktkolonien
* Resultat von Flottenaktionen
* kommerzielle Erschliessung des Hinterlandes (ohne Eroberung)
* Kontrolle des Seehandels, maritime Machtentfaltung
Siedlungskolonien
* militärische flankierter Kolonisationsprozess
* Nutzung billigen Landes und billiger Arbeitskräfte
* koloniale Siedler à frühe Ansätze zur Selbstregierung
formal empire
* Absetzung einheimischer Machthaber und Ersetzung durch eigene Leute
* Auswärtige Beziehungen werden monopolisiert
informal empire
* schwächerer Staat bleibt als selbstständiges Gemeinewesen erhalten
* Druck des „Big Brother“ v.a. in wirtschaftlichen Belangen
* ein Land kann durchaus mehrere „Big Brother“ haben.
Imperialismus
* ist nicht nur Kolonialpoloitik, sondern auch Weltpolitik
* wird nicht von Kolonialbehörden, sondern von Aussen – und Kriegsministern geplant und geführt.
* in der marxistischen Geschichtstheorie als besondere Entwicklungsstufe des Kapitalismus bezeichnet.
Warum Europäisierung?
(nicht Afrikanisierung oder Asianisierung)
* Überlegenheit des dynamischen Kapitalismus unter Wirkung der protestantischen Ethik
* Besonderheiten des europäischen Mittelalters
* Herrschafts- und gesellschaftsstrukturelle Unterschiede
* und weil China es nicht getan hat, es aber gekonnt hätte.
Rolle der CH im Sklavenhandel
Direkte oder indirekte Involvierung im transatlantischen Sklavenhandel
* Lieferung von Waren zur Ausrüstung von Sklavenschiffen oder zum Eintausch gegen Sklaven
* direkte Beteiligung an Sklaverei-Expeditionen
* Produktion von Waffen für den Dreieckshandel am Ort der Absatzmächte durch ausgewanderte Textilarbeiter, Händler sowie durch Investitionen in den Sklavenhandel involvierter Schweizer Kaufleute und Financiers
* Sklaven haltende Schweizer Plantagenbesitzer und Kaufleute
* Beamte und Söldner im Dienst der britischen, niederländischen und französischen Kolonialbehörden
Postkoloniale Theorie
* es existieren weder eindeutige (Kultur-) Räume noch exklusive (kulturelle) Identität
* Identität ist nicht etwas essentialistisches sondern wird viel mehr durch Differenz konstruiert.
* Durch die Anerkennung von Differenz und somit einer Vielfalt von Positionen werden eurozentrische Denkmuster und Wissensstrategien kritisiert und in Frage gestellt.