Humangeographie Teil A

Teil A von Backhaus

Teil A von Backhaus


Nadja Imhof
Diese Lernkarten bieten eine grundlegende Einführung in die Humangeographie, mit Fokus auf Themen wie Handlung, Raum und Struktur. Sie beleuchten die Bedeutung von Individuen und sozialen Beziehungen in der Raumaneignung und -gestaltung, sowie die Rolle von Routinen und Akteuren in verschiedenen Gebieten. Die Karteikarten eignen sich besonders für Studierende und Lehrkräfte, die sich mit den Grundlagen der Humangeographie vertraut machen möchten, um ein tieferes Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen Menschen und ihrer Umwelt zu entwickeln.
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Allemand
Catégorie
Géographie
Créé / Mis à jour
01.05.2013 / 04.01.2018

Cartes-fiches

Struktur

 

 

= virtuelle Ordnung transformatorischer Relationen
* Strukturen haben keine materielle Substanz
* Strukturen existieren nur bei Handlungen
* In jeder Handlung werden Strukturmomente wirksam

= Regeln und Ressourcen
* Regeln konstituieren Sinn und Sanktionierung sozialer Handlungen
* Strukturen haben zwei Seiten: Zwang und Ermöglichung
* Mit jeder Handlung werden Strukturen interpretiert

Regel

 

Soziale Handlungen liegen dem Sinn von Regeln zugrunde und werden durch diese in Grenzen gehalten.
*Normen: sind Sanktionsregeln (Verhaltensmuster), welche auf eine bestimmte

  Handlung überall die gleiche (ähnliche) Reaktion auslöst.

  Wenn jemand jemanden umbringt, dann ist er ein verachteter Mörder.
* tacit knowledge: stark verinnerlichte Regeln welche historisch gewachsen oder religiös geprägt worden sind.

   Eine Frau oder ein Mann darf jeweils nur einen Mann bzw. eine Frau haben --> biologisch dumm.

Ressource

 

 

* Erst die Kontrolle macht die Ressource

 

* Ressourcen = Formen des Vermögens zur Umgestaltung

* Ressourcen können eine materielle Komponente (allokative) haben oder immateriell (autoritativ à Wissen, Personen) sein

Wissen als
Ressource

 

Wissen kann als autoritative Ressource verstanden werden
* Jede Praktik enthält Know How bezüglich des Verstehens, Wollens und Fühlens

 

Wissen kann auf verschiedenen Bewusstseinsebenen vorhanden sein

* Diskursives Bewusstsein
Wissen bzw. Erinnerungsformen, die man sprachlich zum Ausdruck bringen kann

* Praktisches Bewusstsein
Wissen bzw. Erinngerungsformen, die uns zugänglich sind, ohne dass wir sagen können,

    was wir eigentlich darüber wissen
* Unbewusstes (≠ Unterbewusstsein)
Kein direkter Zugriff möglich, da Barrieren dies verhindern (Traumata, Verdrängtes, Vergessenes)

Durée

= Fluss von Handlungen, die sich aufeinander beziehen à Begrüssungsritual

Die Rolle des Körpers

 

* Praktik = routinisierte körperliche Aktivität, Bewegungen des Körpers

* Soziale Praxis = Produkt vom Training des Körpers in bestimmter Weise mehr als nur den Körper als Mittel verwenden

* Körperliche Aktivitäten geben der menschlichen Welt ihre sichtbare Ordnung

* Der Körper ist eine Brücke zwischen Innen- und Aussenwelt

Die Rolle des Geistes

 

* Soziale Praktiken sind auch mentale Praktiken

* Körper und Geist sind untrennbar

* Mentale Aktivitäten implizieren routinisierte Wege, die Welt zu verstehen, Dinge zu wollen, Wissen wie man etwas tut, Emotionen…

Die Rolle der Dinge

 

* Dinge sind wichtig und werden oft in routinisierter Weise verwendet

* Wenn sie relevant sind, sind sie auch Orte des Sozialen

* Das Soziale wird reproduziert

Routinen

 

Routinen lösen in der modernen Gesellschaft die Traditionen ab
* Traditionen bestimm(t)en darüber, was wahr ist und was nicht und wie Dinge getan werden müssen

* Traditionen werden über Rituale in Erinnerung gerufen und von „HüterInnen“ bewahrt

* Routinen beziehen sich auf Gewohnheiten bzw. Strukturen


Routinen geben ein Gefühl des Vertrauens
* Die damit verbundenen Handlungen sind meist im praktischen Bewusstsein verankert

ontological security

 

Das Alltagsleben gründet auf Seinsgewissheit (ontological security)
* Dinge sind so wie sie einem erscheinen

* In kritischen Situationen bricht die Seinsgewissheit zusammen

Habitus

 

In der Theorie der Praxis von Pierre Bourdieu verwendet (≠ Anthony Giddens)
* Habitus = Erscheinungsbild und Auftreten einer Person
* Persönlicher Verhaltensstil, der gesellschaftlich geprägt ist (Habitus = strukturierte und strukturierende Struktur)

* Ergebnis einer Dialektik von objektiven und einverleibten Strukturen
(Habitus ist nicht festgelegt, Zusammenhang zwischen sozialer Position und Lebensstil einer Person)

* Sozialer Raum als Erweiterung des marxistischen Klassenbegriffs

* Erweiterung des Kapitalbegriffs

Erweiterung des Kapitalbegriffs

 

* ökonomisches Kapital
   materieller Besitz von Geld und Eigentum

* kulturelles Kapital

   - über Familientradition auch vererbbar, v.a. Bildungskapital

   - Inkorporation = Aneignung, die von jedem Individuum neu vollzogen werden muss

   - Objektivierung = «Vorführung» kulturellen Kapitals (z.B. Kauf von Gemälden)

   - Institutionalisierung, v.a. in Form von schulischen Titeln

* soziales Kapital oder symbolisches Kapital (= immateriell)
   Kreditwürdigkeit im weitesten Sinne, Mittel zur Distinktion

Feld
(Bourdieu)

 

* Wirtschaftliches Feld
   Arbeit, Einkommenschancen, Austausch von Gütern und
   Dienstleistungen, Geld

* Soziales Feld
   Soziale Herkunft, Beziehungen zu anderen Menschen, Insider/Outsider, Solidarität

* Kulturelles Feld
   Erwerb von Bildung, Zertifikaten, Titeln sowie Kleidung, Lebensstil, Essen und Geschmack

In jedem Feld erwirbt man Kapitalien die dann den Habitus ausmachen:
Wirtschaftliches + soziales + kulturelles Kapital = symbolisches Kapital («Ruf»)

Relationaler Raum

 

Raum muss relational gedacht werden, wenn man ihn mit einem handlungs- oder praxistheoretischen Hintergrund betrachtet
* Es geht um Beziehungen von Dingen und Bedeutungen innerhalb und ausserhalb eines Raumausschnittes

* «Stories so far» und «Throwntogetherness»

* Baut auf dem Raum der Konstruktion auf, geht aber weiter

Territorium

 

* (Natürliches) Habitat einer Gruppe von Menschen oder Tieren

* Ergebnis sozialen Verhaltens, wenn eine Gruppe einen Raum für sich beansprucht und ihn anderen verwehrt (z.B. Fankurven)

* Gebiet, über welches politische Herrschaft beansprucht wird. Wichtiges Konstitutionselement für Nationalstaaten. 

place/locale

 

* Strukturiert die Lebenswege in Raum und Zeit

* Institutionen (die Teil sind von places/locales) haben einen Einfluss auf Interaktionsmöglichkeiten

* Hauptarena, in welchen Interaktionen stattfindet

* Stellt die Strukturen für alltägliche Routinen her

* Hauptschauplatz von Sozialisationsprozessen

* Ein vertrauter Ort, meist positiv konnotiert

Region vs. Gebiet

 

* Ein Gebiet kann z.B. über Koordinaten festgelegt, von einer Anhöhe eingesehen oder über Google Earth bestimmt werden, es ist einfach ein Raumausschnitt

* Eine Region besteht nicht an und für sich, sie ist ein Konstrukt, bei dem einem (konkreten oder imaginären) Gebiet eine Bedeutung zugewiesen wird

* Regionen sind das Ergebnis von Bedeutungszuweisungen auf ein Gebiet, sie können allgemein bekannt sein oder individuell

Regionalisierung

 

= Prozess der Herstellung und Definition einer Region
* Konsequenz unseres alttäglichen Handelns
* Festlegung der Grenzen und Gesetze & Akzeptanz  derselben (Kantonsgrenze)
* Kenntnisnahme und Verbreitung der Studie, Kolportage (Image)
* wiederholte Wahrnehmung/Antizipieren von bedrohlichen Situation (Unterführung)

Physische
Raumaneignung

 

* körperliche Anwesenheit im Raum ➙ temporäre Aneignung

* physische Abgrenzung eines Gebietes (z.B. Einzäunung)

* Umgestaltung von physischen Aspekten des Raums

Raumenteignung

 

explizites Verbot, sich einen Raum anzueignen

* z.B. Apartheidsregimes, Grenzbestimmungen, Verbotstafeln

* z.B. gesellschaftliche oder individuelle Vorstellungen, einen Raum nicht betreten zu können/dürfen (Quartiere, Lokale, religiöse Einrichtungen)

Raumentfremdung

 

Räume können nicht den Bedürfnissen entsprechend angeeignet werden

* z.B. Jugendliche, die den öffentlichen Raum nicht gesellschaftskonform aneignen (Skaten, Abhängen, Trinken…)

 

Mentale Raumaneignung

 

* Deutung von Räumen bzw. physisch-materieller Objekte

* Resultat sind Vorstellungen der Welt (bzw. Ausschnitten) und darüber…

     - was sie bedeuten

     - was von ihnen zu erwarten ist

     - wie man sich darin verhalten kann und soll

* Die mentale Raumaneignung bedarf keiner physischen Präsenz im Raum

* Physische Raumaneignung setzt im Prinzip immer eine mentale voraus, aber nicht umgekehrt

 

Raumaneignung vs.Regionalisierung

 

* Die Raumaneignung kann als eine Form der Regionalisierung gesehen werden

* Regionalisierung und Raumaneignung können sowohl physisch als auch mental sein

* Regionalisierung betont das Produkt «Region» und sein Entstehen

* Raumaneignung legt den Schwerpunkt auf Deutung und Inbesitznahme von Gebieten

 

Aneignungen sind Konstruktionen

 

* Aneignung ist eine Verinnerlichung von Gegenstandsbedeutungen

* Aneignungskonzept ist ein Versuch, zwischen der physischen Welt und der Welt der Bedeutungen zu vermitteln

     - Bedeutungen vergegenständlichen sich durch
       Handlungen

     - Bedeutungen der sie umgebenden Welt werden von den
       Menschen angeeignet
 

* Gegenstände haben keine immanente Bedeutung

     - Bedeutungen werden konstruiert, wie z.B. bei einem
       angeeignetem Raum

     - Bedeutungen werden sozial geteilt und reproduziert

     - Bedeutungen werden auf ähnliche Objekte übertragen

Kolonisation

bezeichnet im Kern einen Prozess der Landnahme

Kolonie

= speziell politisch-gesellschaftlicher Personenverband

Kolonialismus

bezeichnet ein Herrschaftsverhältnis

Hauptformen der Expansion

*Totalmigration ≠ Kolonisierung
* Massenhafte Individualmigration ≠ Kolonisierung
* Pflanzstädte als wirtschaftlich weitgehend abhängige Brückeköpfe
* Reichsbildende Eroberungskriege
* Stützpunktvernetzung

Beherrschungskolonien

* Resultat militärischer Eroberungen, autokratisches „Mutterland“
* wirtschaftliche Ausbeutung, strategische Sicherung, Prestige
* keine Siedler, nur Verwaltungspersonal und Soldaten

Stützpunktkolonien

* Resultat von Flottenaktionen
* kommerzielle Erschliessung des Hinterlandes (ohne Eroberung)
* Kontrolle des Seehandels, maritime Machtentfaltung

Siedlungskolonien

* militärische flankierter Kolonisationsprozess
* Nutzung billigen Landes und billiger Arbeitskräfte
* koloniale Siedler à frühe Ansätze zur Selbstregierung

formal empire

* Absetzung einheimischer Machthaber und Ersetzung durch eigene Leute
* Auswärtige Beziehungen werden monopolisiert

informal empire

* schwächerer Staat bleibt als selbstständiges Gemeinewesen erhalten
* Druck des „Big Brother“ v.a. in wirtschaftlichen Belangen
* ein Land kann durchaus mehrere „Big Brother“ haben.

Imperialismus

 

* ist nicht nur Kolonialpoloitik, sondern auch Weltpolitik

* wird nicht von Kolonialbehörden, sondern von Aussen – und Kriegsministern geplant und geführt.

* in der marxistischen Geschichtstheorie als besondere Entwicklungsstufe des Kapitalismus bezeichnet.

Warum Europäisierung?
(nicht Afrikanisierung oder Asianisierung)

* Überlegenheit des dynamischen Kapitalismus unter Wirkung der protestantischen Ethik
* Besonderheiten des europäischen Mittelalters
* Herrschafts- und gesellschaftsstrukturelle Unterschiede
* und weil China es nicht getan hat, es aber gekonnt hätte.

 

Rolle der CH im Sklavenhandel

Direkte oder indirekte Involvierung im transatlantischen Sklavenhandel
* Lieferung von Waren zur Ausrüstung von Sklavenschiffen oder zum Eintausch gegen Sklaven
* direkte Beteiligung an Sklaverei-Expeditionen
* Produktion von Waffen für den Dreieckshandel am Ort der Absatzmächte durch ausgewanderte Textilarbeiter, Händler sowie durch Investitionen in den Sklavenhandel involvierter Schweizer Kaufleute und Financiers
* Sklaven haltende Schweizer Plantagenbesitzer und Kaufleute
* Beamte und Söldner im Dienst der britischen, niederländischen und französischen Kolonialbehörden

 

Postkoloniale Theorie

* es existieren weder eindeutige (Kultur-) Räume noch exklusive (kulturelle) Identität
* Identität ist nicht etwas essentialistisches sondern wird viel mehr durch Differenz konstruiert.
* Durch die Anerkennung von Differenz und somit einer Vielfalt von Positionen werden eurozentrische Denkmuster und Wissensstrategien kritisiert und in Frage gestellt.

Étudier