Humangeographie Teil A

Teil A von Backhaus

Teil A von Backhaus


Nadja Imhof
Diese Lernkarten bieten eine grundlegende Einführung in die Humangeographie, mit Fokus auf Themen wie Handlung, Raum und Struktur. Sie beleuchten die Bedeutung von Individuen und sozialen Beziehungen in der Raumaneignung und -gestaltung, sowie die Rolle von Routinen und Akteuren in verschiedenen Gebieten. Die Karteikarten eignen sich besonders für Studierende und Lehrkräfte, die sich mit den Grundlagen der Humangeographie vertraut machen möchten, um ein tieferes Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen Menschen und ihrer Umwelt zu entwickeln.
Karten
77
Lernende
4
Sprache
Deutsch
Kategorie
Geographie
Stufe
Grundschule
Erstellt / Aktualisiert
01.05.2013 / 04.01.2018

Lernkarten

Positivismus

*nur die Erfahrung, beobachtbare Phänomene sind   Gegenstand der Forschung
* Nur Tatsache als Basis für wissenschaftliche Erkenntnis
* soziale Welt existiert, objektiv gegeben

Konstruktivismus
& Realität

 

* Welt existiert im Bewusstsein

*Realität ist konstruiert durch Gedanken und Sprache
* ein angepasster K. negiert jedoch die phys. Rahmenbed. von Handlungen nicht 

Sampling

Auswahl der Untersuchungsobjekte

Naturwissenschaften
vs.
Sozialwissenschaften

 

* NW muss reproduzierbar sein

* NW erforscht kausale Zusammenhänge
* SW ist nicht reproduzierbar, da Menschen ihre Meinung ändern können

* SW erforscht Nachvollziehbarkeit und Plausibilität von Aussagen und Argumenten

Quantitative
Forschung

 

* lineares Forschungsdesign

*standardisierte Fragenkataloge und mathematisch-statistische Analyse

* repräsentativ für eine bestimmte Grundgesamtheit

*Hypothese wird zu verifiziert oder falsifiziert

Qualitative
Forschung

* zirkuläres Forschungsdesign
* stetige Änderung, Anpassung (Leitfadeninterview)
* Extremfälle, Einzelmeinung und Ausnahmen sind wichtig (Meinungsspektrum)
* Vorannahmen statt Hypothese (am Schluss Erklärungshypothese)

segmentierte
Gemeinschaften

traditionelle Stammesgesellschaft:
*geringe hierarchische Differenzierung
*geringe funktionale Differenzierung

Stratifizierte
Gesellschaften

traditionelle Stammesgesellschaft:
*geringe hierarchische Differenzierung
*geringe funktionale Differenzierung

funktional diff.
Gesellschaft

Moderne Gesellschaft(en)
* mittlere hierarchische Differenzierung (Meritokratie statt Vererbung)
* grosse funktionale Differenzierung (z.B. Wissenschaft, Kunst, Politik, Religion etc. )

Horde

*wenige Dutzende Personen aus einer oder mehreren Grossfamilien (keine Fremden)
* Entscheidungen werden durch persönliche Gespräche getroffen
* keine formelle politische Führung, geringe Wirtschaftliche Spezialisierung
* wenig Privatbesitz

Stamm

* mehrere Hundert Individuen, mehrere Dutzend Grossfamilien (keine Fremden)
* „Grosser Mann“ als (eher schwache) Führungsgestalt
* relativ egalitäre Stellung, schwache wirtschaftliche Spezialisierung

Häuptlings- oder
Stammesfürstentum

 

* tausende bis zehntausende von Angehörigen mit gemeinsamer Ideologie/Identität
* Häuptling trifft Entscheidungen und geniesst anerkannte Autorität
* Bürokratie, die ernährt werden muss --> wirtschaftliche Spezialisierung und Überschussproduktion für die Umverteilung

Freunde

* Mitglieder der gleichen Horde, des gleichen Stammes bzw. Stammesfürstentum
* Nachbarn, mit denen man friedliche Beziehungen hat

Feinde

Nachbarn mit denen man keine friedlichen Beziehungen hat

Fremde

 

Unbekannte deren Zugehörigkeit man nicht kennt
*potenziell gefährlich
* wenn im eigenen Territorium, dann Wahrscheinlichkeit für schlechte Absichten (Mord, Brautraub, Ressourcenraum) gross.

Standardisierungen

*Logistik (Transport von Gütern mit grösstmöglicher Geschwind. in gesamter Warenkette
    --> Paletten, Lastwagen auf Schiene, Container)
* McDonaldisierung (gleiche Produkte, Angebot, Aufbau, Arbeitsteilung -->  Erfolgsrezept)
* Bildung (Globale Angleichung der Bildungssysteme -->  Konsequenz: gesteigerter
    Wettbewerb, zurückdrängen von Orchideenfächer, Anglisierung
* Statistik (ISO= International Organisation of Standardisation, gesteigerte Nachfrage nach
 Vergleichsmöglichkeiten, Basis zur Bewertung von Prozessen)
* Naturschutz (Naturschutzkategorien, Management durch IUCN --> Konsequenz:
    westliche Konzepte angewandt auf Kulturen, Menschenvertreibung aus Schutzgebieten)
* Tourismus (Transport-, Buchungs- und Zahlungssysteme, Hotelmanagement und Info)

Fragmentierung
(durch Opposition
gegen Homogeni-
sierungsprozesse)

* Slow Food
* Minarettverbot
* Islamismus
* Gated Communities
* Landwirtschaftspolitik

Fragmentierung
durch Ausgrenzung

 

*aufgrund Nationalität
* keine Zugang zu Bildung
* kein Zugang zu ökonomischer Entwicklung
*Ausgrenzung aufgrund ideologischer Einstellung (Religion)

Max Weber

„Soziales Handeln heisst jedes Handeln eines oder mehrerer Handelnder, das aufgrund seines subjektiv gemeinten Sinnes auf Handeln von anderen ausgerichtet ist und das sich in seinem Verlauf an diesem Handeln orientiert.“

symbolischen Interaktionismus

* Handlungen sind sinnbezogen und selbst sinnhaft
* Handlungen können wie oder als Symbole interpretiert werden.

Verhaltenstheorie

*Handlung ist Reaktion auf Reiz
* Handlung hat keine Intentionalität oder Sinnfindung (Automatismus)
* fokussiert auf Individuum mit naturwissenschaftlichem Ansatz (Psychologie) 

Handlungstheorie

* es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Handlung
* Handlungen haben immer ein Ziel
* freie Entscheidung ob Handlung stattfindet oder nicht

zweckrationale
Handlungstheorie

* Optimierung des Eigennutzens, Gewinnmaximierung als Handlungsprinzip
* homo oeconomicus --> rational choice
* kleinste Einheit = Handlung/ Aktion
50.- teilen oder nicht --> nicht teilen, da Nutzen am grössten

normorientierter
Handlungstheorie

* Orientierung an Gesellschaftsnormen
* homo sociologicus
* kleinste Einheit = Norm
50.- an Obdachloser geben, denn der hat gar nichts. Keine Nutzen für mich.

verständigungsorientierte Handlungstheorie

* Verständnis für Handlungen --> Was ist für Handelnde relevant?
* Warum tut jemand etwas?
50.- behalten oder dem Obdachlosen geben. Was sind Beweggründe?

Handlung

* Definition: jedes menschliche Tun oder Unterlassung eines Tuns, das von einem
   Akteur mit einem subjektiven Sinn verbunden wird.
* Handlungen haben immer eine Ziel und einen Akteur als Handulngsträger

Prozesssequenzen
einer Handlung

1. Handlungsentwurf
2. Situationsdefinition
3. Auswahl konkreter Aktivitäten und spezifischer Mittel
4. Handlungsvollzug
5. Handlungsfolgen
6. Reflexion über die Handlungsfolgen

1. Handlungsentwurf


* gedankliche Vorwegnahme der gewünschten Situation
* Rechtfertigung der angestrebten Ziele vor dem Hintergrund bestehender Wertestrukturen
Ich habe Hunger und muss etwas essen.

2. Situationsdefinition


* Prüfung der Grundlagen und Vorrausetzungen der möglichen Handlungsschritte
* Abwägen von Alternativen
Wo gibt es etwas zu essen? Was brauche ich, um es zu bekommen? Was tun?

3. Auswahl konkreter Aktivitäten und spezifischer Mittel

Auswahl konkreter Aktivitäten und spezifischer Mittel
* physisch-materielle Dinge wie Werkzeug, Verkehrsmittel etc.
* sozial-definierte Mittel wie Gepflogenheiten, Konventionen, Institutionen
* es wird versucht, Zwänge und Hinderungsfaktoren zu erkennen und schliesslich werden die Konsequenzen der Handlung bedacht.
Ich nehme meine Auto (Verkehrsmittel) fahre zu McDonalds (Institution) und kaufe 30 Cheeseburger mit Geld (Werkzeug). Ich tue das, weil mein Freund auch Hunger hat (Zwänge). Es könnte Stau haben (Hinderungsfaktor) und ich werde wahrscheinlich fett (Konsequenz).

4. Handlungsvollzug


*  Folge einzelner, aufeinander bezogener Teilschritte
* Eventuell werden dabei Sinnbezüge oder Handlungsziele variiert, umgedeutet oder neu entworfen
Ich gehe doch nicht in den McDonalds sondern in den Burger King, weil der näher ist. Ausserdem kaufe ich 40 anstatt 30 Cheeseburger, weil ich jetzt mehr Hunger habe. 

5. Handlungsfolgen

 


* Jede Handlung hat Folgen, beabsichtigte (intendierte) und unbeabsichtigte (nicht intendierte), physisch-materielle und soziale Folgen

* Vor allem die unbeabsichtigten Folgen können Probleme bereiten, wenn sie nicht einkalkuliert wurden.

Mein Freund ist nicht mehr hungrig (intendiert) aber auch sauer auf mich (nicht intendiert), weil ich nicht wie gesagt in den McDonald ging sondern in den Burger King (nicht einkalkuliert).

6. Reflexion über die Handlungsfolgen


* Lernen aus den beabsichtigten und unbeabsichtigten Folgen und Einschätzen der
    Angemessenheit der Handlung.
Nächstes Mal gehe ich dahin wo ich ihm gesagt habe, dass ich hingehe.

Kritik an der Handlungstheorie

 

Positiv:
* Wichtigste Grundlage aktueller sozialgeographischer Forschung

* Forschungsobjekte werden als eigenständige Akteure angesehen

* Gesellschaftliche Strukturen werden nicht ausgeblendet, sie werden über die Akteure bzw. deren Handlungen sichtbar

* Die Rolle von Forschenden als ebenfalls eigenständig handelnde Akteure ist plausibel und nachvollziehbar

* Raumbezug ist über Wahrnehmung und Handlungen gegeben

 

Negativ:
* Schwergewicht auf Umfeld, Motivation und Situation gelegt, weniger auf  Inhalt der Handlungen

* Unklar: was ist bereits eine Handlung und was nicht mehr

* Unklar: Verbindung von Mikroebene auf Makroebene

* Körper selbst wird weitgehend ausgeblendet bzw. als Rahmenbedingung für Handlungen gesehen

Dreifache
Subjektivierung

* subjektiv-eingeschränkte Wahrnehmung der Ausgangsituation
* subjektiv-räumliche Zielvorstellungen und Interesse der Akteure
* bewusste subjektive Verzerrung räumlicher Strukturen zum Zweck der Durchsetzung der eigenen Ziele

Individuum
& Gesellschaft

 

1.       Das Individuum handelt eigenständig, Gesellschaft als solche existiert nicht.

2.        Die Gesellschaftssystem bestimmt individuelle Handlungen, Individuen können gar nicht eigenständig handeln.

3.       Das Individuum handelt weitgehend eigenständig, es gibt zwar ein Gesellschaftssystem, doch ist es nicht bestimmend.

 4.      Das Gesellschaftssystem beeinflusst das Individuum in seinen Möglichkeiten in starkem Masse.

Graphik von Zusammenhang
Individuum, Gesellschaft, Kultur und Natur

Bild

Blinde Flecken

 

* kognitiv-symbolische Strukturen (z.B. Sprache) reproduzieren soziale Ordnung,

   auch wenn kein normativer Konsens existiert

* unausgesprochenes Wissen (tacit knowledge) wird nicht erfasst

* unbewusster Teil von Wissen bleibt unberücksichtigt

* Körperlichkeit der Handelnden bleibt ausgeblendet

Praxis

 

Praktik = routinisierter Typ des Verhaltens

* Formen körperlicher, mentaler Aktivitäten

* Gebrauch von Dingen

* Anwendung von Hintergrundwissen und -verständnis

* Know How

* Emotionen

 

Individuen sind TrägerInnen der Praktiken

* Praxis ist verständlich für Beobachter (der selben Kultur)

Grundzüge der Theorie der Strukturierung von Anthony Giddens

 

* Versuch, Mikroebene (Individuum) mit Makroebene (Gesellschaft/Struktur) zu

    verbinden

* Ausgangspunkt: Individuum

 

* Strukturen sind Teil jeder Handlung (Dualität von Struktur und Handlung)

* Routinen sind wichtig für unser Alltagsleben

 

Lernen