Humangeographie I, Teil 3, Gesellschaft und Entwicklung, HS 2013

Begriffe für die Abschlussprüfung GEO 112 Humangeographie I an der Uni Zürich

Begriffe für die Abschlussprüfung GEO 112 Humangeographie I an der Uni Zürich


Andri Zehnder
Diese Lernkarten behandeln die Urbanisierung und Bevölkerungsdynamik auf Universitätsniveau. Sie beleuchten Themen wie Urbanisierungstrends, Stadtentwicklung in Entwicklungsländern, informellen Sektor, Gentrifizierung und Gated Communities. Die Karteikarten analysieren auch die Bevölkerungsstruktur, -dynamik und -politik, einschließlich Malthusianischer Hypothesen und demographischer Transformationen. Sie richten sich an Studierende der Geographie, die sich mit globalen und regionalen Bevölkerungs- und Urbanisierungsphänomenen auseinandersetzen möchten.
Karten
101
Lernende
12
Sprache
Deutsch
Kategorie
Geographie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
30.10.2013 / 04.01.2020

Lernkarten

Urbanisierungstrends

Industrieländer: (2)

  • Grossraum New York dehnte sich zwischen 1966 und 1991 um mehr als 60 % aus, die Einwohnerzahlen aber nahmen in diesen Jahren nur um 5 % zu

  • Speckgürtel, der sich um alle grossen Metropolen wie Tokyo, London oder Paris legt, drängt immer weiter ins Land hinaus 

 

Global Cities

  • Zentrale Standorte für hochentwickelte Dienstleistungen und Telekommunikationseinrichtungen, die für die Durchführung und das Management globaler Wirtschaftsaktivitäten erforderlich sind

  • In ihnen konzentrieren sich tendenziell Konzernzentralen, insbesondere von Unternehmen, die in mehr als einem Land tätig sind

– Command- and Control-Funktion (Headquarter-Ökonomie), FIRE-Sektor (Finance, Insurance, Real Estate)

  • Weltumspannendes Netzwerk bestehend aus verschiedenen Städten (z.B. New York, London, Tokio, Paris, Frankfurt, Zürich, Amsterdam, Sydney, Hongkong, Singapur, Sao Paulo etc.)

⇒ Megacities sind nicht zwangsläufig Global Cities! 

 

Global Cities

Auswirkungen (3)

  • Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: hochspezialisierte Dienstleistungsökonomie verlangt in erster Linie nach hochqualifizierten Arbeitskräften; Arbeitsplätze in anderen (weniger Gewinn bringenden) Wirtschaftssektoren gehen verloren

  • Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt: Firmen ziehen sich aus dem Wohnungsbau für niedere und mittlere Einkommen zurück und konzentrieren sich auf den Wohnungsbedarf der hochqualifizierten Fachleute (Grundstückpreise steigen markant)

  • Verstärkte Polarisierung zwischen den Bevölkerungsgruppen: hochqualifizierte Arbeitskräfte auf der einen Seite und schlecht bezahlte Arbeitskräfte (überwiegend im informellen Sektor) auf der anderen Seite 

 

Besonderheiten der Stadtentwicklung in verschiedenen regionalen Kontexten (2)

  • Städte sind zum einen der Ausdruck globaler Prozesse. Zum anderen sind sie aber immer auch Produkte bestimmter gesellschaftspolitischer Systeme.

  • In verschiedenen (gross)regionalen Kontexten mit unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Systemen haben sich darum unterschiedliche Städtesysteme herausgebildet. 

 

Welche Faktoren beeinflussen die Art und Weise der Urbanisierung?

Als (externe) Determinanten von städtischen Systemen werden unterschieden: (4)

  • sozio-politische Systeme

  • normative Prinzipien des Städtebaus, welche über die Stadtplanung und auch vom politischen System bestimmt werden;

  • Technologien des Bauens und des Verkehrs;

  • Entwicklungsstand der nationalen Ökonomie, Stand der Arbeitsteilung

 

Stadtentwicklung in Europa und Nordamerika (3)

  • In den sozialen Wohlfahrtsstaaten Westeuropas hat der Pluralismus von Gesellschaft und Wirtschaft zu spezifischen Formen der räumlichen Organisation geführt: Die Struktur auf dem Boden- und Wohnungsmarkt ist diversifiziert

  • Eine wesentliche Unterscheidung zur Situation in den USA ist die weitgehende Übernahme der technischen Infrastruktur und der soziokulturellen Infrastruktur durch die öffentliche Hand

  • Es obliegt den Städten weitgehend selbst, welche Planungskonzepte sie verfolgen. 

 

Problemfelder post-industrieller Städte

Verschärfung der innerstädtischen Disparitäten (2)

 

  • Tertiarisierung der Wirtschaft führt einerseits zu einem Abbau an Industriearbeitsplätzen und andererseits zur Herausbildung einer neuen wirtschaftlichen Qualifikationsstruktur

  • Post-industrielle Stadt zerfällt in "zwei Lager":

    –  Stadt der international wettbewerbsfähigen Unternehmen und ihrer hochqualifizierten Beschäftigen

–  Stadt der zunehmend aus sozialen Zusammenhängen Ausgegrenzten, der Arbeitslosen, der Armen, der Asylbewerber -> Konzept der A-Stadt! (z.B. Frey 1996; Häusermann, GR 1999; Odermatt 1999 

 

Aktuelle Trends in Zürich (5)

  • Die Vorstellung einer sozial abgewerteten A-Stadt ... ist heute nicht mehr gültig.
  • Insbesondere die Innenstadt ist zum Wohnen auch für statushohe Personen wieder attraktiv.

  • Die Stadtbewohner/-innen unterscheiden sich jedoch in Bezug auf ihren Lebensstil von den typischen Umlandbewohnerinnen und - bewohnern.

  • Das traditionell- bürgerliche Familienmodell lebt in der Kernstadt insbesondere bei den Schweizerinnen und Schweizern nur eine Minderheit.

  • Die typischen A-Stadt-Phänomene verlagern sich heute zunehmend an den Stadtrand, ins Limmattal und in die Flughafenregion.

 

Räumliche Trends USA (4)

  • Randwanderung von Bevölkerung und Arbeitsplätzen
  • wohlhabende und mittelstädtische Schichten ziehen an den Rand der Städte und in Vorortsgemeinden

  • ärmere Schichten bleiben in den Innenstädten zurück

  • Anhaltende Suburbanisierung

 

Trends USA

Housing Subdivision (4)

 

  • Einzel- oder Reihenhäuser, von einem Investor einheitlich geplant und gebaut

  • ausschliesslich Wohnfunktionen, z. T. Freizeiteinrichtungen

  • Selektion nach Lebensstilen (Lifestyle Communities)

  • Automobil ist unerlässliches Fortbewegungsmittel 

 

Trends USA

Gated Communities (3)

 

– Autarke, geschützte Enklaven

–  Enklaven des gehobenen Lebensstils

–  2001: 4 Mio. Haushalte USA in Gated Communities 

 

Trends USA und Westeuropa (2)   

  • Verschärfung der Segregation nach sozio-ökonomischen und ethnischen Merkmalen der Bevölkerung

  • Herausbildung von Ghettos 

 

Hyperghetto (3)

  • The term Hyperghetto, born with the theory of Post-Colonialism, refers to the ghettos, slums, favelas, social hot spots, etc. (L. Wacquant)

  • Ghettos enormen Ausmasses
    (Bsp. Atlanta: mehr als die Hälfte des Stadtgebietes)

  • banlieue – Frankreichs Vorstädte 

 

Gentrifcation (3)

  • Prozess, bei dem in einem Wohngebiet eine statusniedrige Bevölkerung durch eine statushöhere Bevölkerung ausgetauscht wird; z.B. in citynahen Wohngebieten mit historischer Bausubstanz: Luxussanierungen, soziale Umschichtung

  • erstmals in GB, seit 1970er Jahren in den USA; Schweiz und anderen europäischen Ländern Anfang 1980er Jahre

  • „gentry“ = Landadel, feine Leute

 

Stadtentwicklung in Entwicklungsländern (3)    

  • Entwicklungsländer sind eine heterogene Gruppe von Ländern, die sehr verschiedene Entwicklungsstränge aufweisen

  • Stadtentwicklung in den meisten Entwicklungsländern ist stark geprägt durch den Kolonialismus

  • In der Kolonialzeit kam es einerseits zur Neugründung von Kolonialstädten und andererseits entstanden sogenannte „bipolare Stadtstrukturen“ (z.B. traditionelle Stadt und koloniale Neugründung)

 

Planungskonzept Islamabad (5)

  • Dynametropolis (Expansion möglich)

  • Hierarchisierung von communities

“Every large and important synthesis of Islamic culture is based on pure geometry” (Doxiadis 1960)

  • streng geometrische Viertelbildung in quadratische Blöcke -> Sektoren
  • Sektoren: selbstständige Wohn- und Wirtschaftseinheiten (Durchmischung von Wohnen, Versorgung und Arbeiten) 

- Befriedigung der regelmässigen und episodischen Bedürfnisse

- Spezialsektoren für bestimmte Funktionen (z.B. Regierungsviertel, Blue Area - Business)

- Ausstattung aller Sektoren mit Moscheen unterschiedlicher Bedeutung

  • Schneisen: zwischen den Sektoren für Verkehr 

- orientiert an PWs, mit Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h sollten die Achsen durchquert werden können!

- In Quartieren für die unteren Schichten, Fortbewegung zu Fuss vorgesehen; preiswerte öffentliche Verkehrsmittel wurden verbannt (Ochsenkarren, Rikschas etc. verboten)

Trends und Probleme in Städten der

Entwicklungsländer (2)

  • Beschleunigtes Wachstum, urban spawl

  • Sozio-ökonomische Fragmentierung: ungleich entwickelte Standorte mit einer starken sozialen Segmentierung 

 

Trends und Probleme in Städten der 

Entwicklungsländer

Zwei Extreme (2)

  • Abgekoppelte, marginale Gebiete

  • Bildung von Gated Communities

– Sicherheit, gute Infrastruktur

 

Informeller Sektor Informalität (2)

  • besteht aus wirtschaftlichen Aktivitäten, die sich der staatlichen Kontrolle entziehen; z.B.:

- Kleinbetriebe, die einfache Konsumgüter produzieren

- ambulanter Kleinhandel und Dienstleistung (z.B. Schuhputzer)

- Erbringung einfacher Dienstleistungen (z.B. Müllsammler) 

  • Wichtigster und grösste Sektor in Entwicklungsländerstädten! 

 

Lernziele 

Bevölkerung: Bewegung, Entwicklung, Struktur, Dynamik, Politik

  • Grundbegriffe und Kennziffern (z.B. Säuglingssterblichkeit) der Bevölkerungsgeographie kennen.

  • Aussagekraft von Kennziffern beurteilen können.

  • Mobilität anhand von räumlicher und sozialer Mobilität erklären.

  • Unterschiede zwischen den regional verschiedenen Sexualproportionen erklären.

  • Phänomen der fehlenden Frauen kennen.

  • Grundformen der Bevölkerungspyramiden kennen, darstellen und Beispiele dazu nennen.

  • Bevölkerungsdynamik in Stichworten skizzieren (Rückblick und Prognose).

  • Räumliche Disparitäten der Weltbevölkerung kennen.

  • Demographisches Transformationsmodell skizzieren, unterschiedliche Phasen markieren, beschriften und stichwortartig beschreiben.

  • Malthusianische Hypothese aufzeigen (ev. mit Skizze).

  • Malthusianische Hypothese mit Ester Boserups Hypothese in Zusammenhang stellen, Boserups Hypothese aufzeigen und die anschliessenden Revolutionen im westlichen Kulturkreis kennen.

  • Skizzieren der wichtigsten räumlichen Kontraste in der Bevölkerungsdynamik.

  • Gründe der disparitären Bevölkerungsentwicklung aufzählen. 

 

Lernziele

Urbanisierung – ein globaler Prozess

 

  • Qualitative und quantitative Aspekte der Urbanisierung aufzeigen.

  • Die Begriffe Suburbanisierung, Agglomeration, Metropolitanisierung, Counterurbanization und Reurbanisierung beschreiben.

  • Urbanisierungstrends in verschiedenen Grossregionen vergleichen.

  • Das Phänomen „Global Cities“ beschreiben.

  • Die Stadtentwicklung in Europa mit der Stadtentwicklung in den USA vergleichen.

  • Verschiedene Formen der Stadtentwicklung in Entwicklungsländern aufzeigen (bipolare Strukturen, Trends und Probleme)

  • Die Begriffe Hypergettho, Gentrification, Gated Communities erklären.

  • Informellen Sektor beschreiben, Beispiele dazu aufzeigen, die Relevanz des informellen Sektors in EL aufzeigen. Chancen und Probleme des informellen Sektors skizzieren.

  • Aufzeigen was unter sozioökonomischer Fragmentierung einer Stadt verstanden wird. Beispiele dazu machen. 

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