Humangeographie I, Teil 3, Gesellschaft und Entwicklung, HS 2013

Begriffe für die Abschlussprüfung GEO 112 Humangeographie I an der Uni Zürich

Begriffe für die Abschlussprüfung GEO 112 Humangeographie I an der Uni Zürich


Andri Zehnder
Diese Lernkarten behandeln die Urbanisierung und Bevölkerungsdynamik auf Universitätsniveau. Sie beleuchten Themen wie Urbanisierungstrends, Stadtentwicklung in Entwicklungsländern, informellen Sektor, Gentrifizierung und Gated Communities. Die Karteikarten analysieren auch die Bevölkerungsstruktur, -dynamik und -politik, einschließlich Malthusianischer Hypothesen und demographischer Transformationen. Sie richten sich an Studierende der Geographie, die sich mit globalen und regionalen Bevölkerungs- und Urbanisierungsphänomenen auseinandersetzen möchten.
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Allemand
Catégorie
Géographie
Niveau
Université
Créé / Mis à jour
30.10.2013 / 04.01.2020

Flashcards

Bevölkerungsgeographie, Demographie (4)

  • •  Beschreibung räumlicher Bevölkerungsverteilungen und -strukturen

  • •  Erklärung dieser Verteilungsmuster

  • •  Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung

  • •  Dynamik der Bevölkerungsentwicklung

 

Statistik des Bevölkerungsstandes (3)

  • •  Zahl, Zusammensetzung und räumliche Verteilung der Bevölkerung an einem Stichtag

  • •  Offizielle Volkszählung (Zensus), turnusmässige Durchführung (gewöhnlich alle 10 Jahre -Totalerhebung)

  • •  Mikrozensus untersucht eine repräsentativeBevölkerungsgruppe

 

Statistik der Bevölkerungsbewegungen    

  • Veränderungen durch Geburten, Sterbefälle und Wanderungen
  • Voraussetzung sind ein Geburten- und Sterberegister (Personenmeldeamt)

  • Fortschreibung und Mikrozensus dienen der Aktualisierung der Volkszählungsdaten

  • Fortschreibung: Zahl der Geborenen und Zugezogenen wird addiert, Zahl der Verstorbenen und Weggezogenen subtrahiert

 

Demographische Grundgleichung    

Pt+n = P+ Bt,t+n - Dt,t+n + It,t+n - Et,t+n

Pt+n = Bevölkerung zum Zeitpunkt

Pt = Bevölkerung zum Zeitpunkt t

Bt,t+n = Zahl der Geburten zw. t und t+n

Dt,t+n = Zahl der Sterbefälle zw. t und t+n

It,t+n = Zuwanderung zw. t und t+n 

Et,t+nAbwanderung zw. t und t+n

 

Bei einem gegebenen Bevölkerungsstand für einen beliebigen Zeitpunkt t errechnet sich die Bevölkerung für den Zeitpunkt t+n (Zeitspanne) aus dem Zuwachs durch Geburten und Zuwanderungen sowie der Abnahme durch Sterbefälle und Abwanderungen

Grundzüge der Bevölkerungsbewegung

Grundbegriffe (5)

  • Absolutes Bevölkerungswachstum, d.h. Zuwachs der Bevölkerung um einen bestimmten Betrag

  • Wachstumsrate = relative Zunahme, und zwar die durchschnittliche jährliche Zunahme in Prozent (%)

  • Bevölkerungswachstum oder -zunahme: positive Änderung der Einwohnerzahl

  • Bevölkerungsrückgang oder -abnahme: negative Änderung der Einwohnerzahl

  • Nullwachstum: konstante Einwohnerzahl

 

Grundbegriffe Bevölkerungswachstum (4)

  • Die Bevölkerung wächst exponentiell -wie Zins und Zinseszins!

  • Wenn die Wachstumsrate ansteigt, verringert sich der Verdoppelungszeitraum rasch

  • Bei1% Zuwachsrate verdoppelt sich eine Bevölkerung innerhalb von 70 Jahren

  • Bei 2% Zuwachsrate innerhalb von 35Jahren  

⇒ Zinseszinsrechnung!! 

 

Grundbegriffe (Raten Bevölkerung) (3)

 

Allgemeine (rohe) Raten / Ziffern (crude rates)

  • Messergebnisse, die weder an die Alterstruktur noch an das Geschlecht gebunden sind

Spezifische Raten / Ziffern

  • sind auf spezifische Faktoren (z.B. auf das Alter, Geschlecht) bezogen

Mittlere Gesamtbevölkerung

  • durchschnittliche Zahl der während des Jahres in betreffendem Gebiet (z.B. Land) lebenden Bevölkerung

 

Grundbegriffe Bevölkerungsbewegung (2)

Unterscheide:

  • natürliche Bevölkerungsbewegung:
    ergibt sich aus der Bilanz von Geburten und Sterbefällen

  • räumliche Bevölkerungsbewegung:
    ergibt sich aus der Bilanz von Zu- und Abwanderung

 

Mortalität / Sterblichkeit

Allgemeine (rohe) Sterberate (crude death rate)

CDR = D/P × 1'000

 

D = Zahl der Sterbefälle im betrachteten Kalenderjahr

P = Bevölkerungszahl zur Jahresmitte 

Altersspezifische Sterberate

für das Alter x geltende Sterberate (2) 

 

  • Um Kennziffern der Sterbeintensität zu haben, die unabhängig vom Altersaufbau sind, wird die altersspezifische (z.T. in Verbindung mit der geschlechtsspezifischen) Sterberate untersucht

  • Bildung von Altersgruppen und Errechnung der spezifisch für das Alter x geltenden Sterberate

 

Säuglingssterblichkeit

Todesfälle vor Vollendung des 1. Lebensjahrs auf 1 ́000 Lebendgeburten im selben Kalenderjahr

Kindersterblichkeit   

Todesfälle vor Vollendung des 5. Lebensjahr auf 1 ́000 Lebendgeburten im selben Kalenderjahr

Lebenserwartung   

Gute Vergleichbarkeit, aber kompliziert zu berechnen !!

Berechnung der Lebenserwartung

Generationen- oder Längsschnittsterbetafel 

Beobachtung der Sterblichkeitsverhältnisse einer Generation oder Geburtenjahrgangsgruppe über ihren gesamten Lebensablauf; eine Geburtskohorte wird tatsächlich über 100 oder 120 Jahre ihres Lebens verfolgt 

Perioden- oder Querschnittsterbetafel

Beobachtung der Sterblichkeitsverhältnisse in einem Beobachtungsjahr; aus Querschnittsdaten über alle vorhandenen Altersklassen wird aus der Zahl der Todesfälle bzw. der Überlebenden die Sterbewahrscheinlichkeit für eine Alterklasse berechnet 

Physiologische Fertilität

Biologisch bedingte Fertilität der Frau, d.h. Anzahl der Kinder, die eine Frau in ihrer Fertilitätsphase theoretisch haben könnte 

Reale Fertilität 

Fertilität nach Einbezug kultureller und sozioökonomischer Einflüsse (Heiratsalter, Vorstellungen bezüglich Geschlechtsverkehr, Verhütung, Abtreibung, AIDS-Prävention; Zugang zu Verhütungsmitteln etc.) 

Fruchtbarkeitsmasse
Allgemeine (rohe) Geburtenrate (crude birth rate) (3)

Gibt das Verhältnis der Zahl der Lebendgeborenen in einem Jahr je 1’000 Menschen in einer regionalen Einheit an:

CBR = B / P ×1'000

B = Zahl der Geburten im betrachteten Kalenderjahr

P = Bevölkerungszahl zur Jahresmitte

  • Nur bedingt aussagekräftig, denn Geburtenzahl wird zur Gesamtbevölkerung und nicht zu einer bestimmten Altersgruppe oder Kohorte in Beziehung gesetzt
  • Anteil der Frauen im gebärfähigen Alter wird nicht berücksichtigt 

 

Fruchtbarkeitsmasse

Allgemeine (weibliche) Fruchtbarkeitsrate (general fertility rate) (2)

 

  • •  Bezieht sich nur auf Frauen im gebärfähigen Alter

  • •  Zahl der Lebendgeborenen innerhalb eines Jahres auf 1’000 Frauen im gebärfähigen Alter von 15-45 oder 15-49 Jahren

 

Gesamtfruchtbarkeitsrate / Zusammengefasste Geburtenziffer (total fertility rate - TFR) 

Standardisierte zusammenfassende Kennziffer; gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens durchschnittlich bekommen würde, wenn die für den gegebenen Zeitpunkt massgeblichen altersspezifischen Fruchtbarkeitsverhältnisse der betrachteten Population als konstant angenommen werden. 

Geburtenüberschuss 

Zahl der Geborenen - Zahl der Gestorbenen (B – D)

Geburtenüberschussziffer (rohe Rate des natürlichen

Bevölkerungswachstums)

 

Geburtenrate - Sterberate (CBR – CDR) 

Demographische Umsatzziffer 

Geburtenrate + Sterberate (CBR + CDR) 

Demographische Umsatzziffer Wachstumstypen (4) 

  • Wertepaare aus hohen Geburten- und Sterberaten

  • Wertepaare aus hohen Geburten- und niedrigen Sterberaten

  • Wertepaare aus niedrigen Geburten- und Sterberaten

  • Wertepaare aus niedrigen Geburten- und hohen Sterberaten 

 

Mobilität

“... Wechsel eines Individuums zwischen definierten Einheiten eines Systems” (Mackensen et al. 1975: 8) 

Soziale Mobilität 

  • Vertikale Mobilität

  • Horizontale Mobilität

 

Räumliche Mobilität (2)

Zirkulation (zirkuläre Mobilität)

• Pendeln zwischen Wohnung und Arbeits-/ Ausbildungsstätte, versorgungsorientierte Raumbewegungen, Nomadismus, Transhumanz etc.

Migration (residenzielle Mobilität)

• Permanenter oder vorübergehender Wohnsitzwechsel aus einer administrativen Raumeinheit in eine andere

 

Binnenwanderung (interne Migration)

Ortsveränderung innerhalb eines Staates oder einer Region / Stadt

Aussenwanderung (internationale Migration)

  • Ortsveränderung über Staatsgrenzen hinweg

–  Emigration: Auswanderung aus einem Staat

–  Immigration: Einwanderung in einen Staat 

 

Ritmessen

siehe Bild

Wanderungsvolumen (V) (Bruttowanderung) 

  • Gesamtzahl von Zu- und AbwanderInnen an einem Ort, in einer Region oder in einem Land
  • V = It+n + Et+n
  • 100+10=110 /1‘000+910=1‘910 

 

Wanderungsbilanz (B)

(Wanderungssaldo / Nettowanderung)    

  • Bevölkerungszu- oder -abnahme infolge von Wanderungsgewinnen oder - verlusten in einem Gebiet

  • B = It+n – Et+n

  • 100-10=90 /1‘000–910=90

  • Positiv = Zuwanderungsüberschuss / Wanderungsgewinn / Nettozuwanderung

  • Negativ = Wanderungsverlust, Nettoabwanderung 

 

Mobilitätsziffer

Wanderungsvolumen (V) auf 1‘000 Einwohner bezogen    

Zuwanderungsrate   

Zugewanderte gemessen an der Gesamtbevölkerung (‰)

Abwanderungsrate

Abwandernde gemessen an der Gesamtbevölkerung (‰)

Wie werden Migrationsentscheide gefällt?

  • Disparitäten zwischen Herkunfts- und Zielgebiet

  • Stärke des Informationsflusses vom Ziel- und Herkunftsgebiet

  • Distanz zwischen dem Herkunfts- und dem Zielgebiet 

 

Einfachster Erklärungsansatz:

Push - Pull Modell 

 

  • Push-Faktoren: Ereignisse oder Bedingungen, die eine Person veranlassen, ihren bisherigen Wohnort zu verlassen

  • Pull-Faktoren: Ereignisse oder Bedingungen, die eine Person veranlassen, an einen bestimmten Ort oder in eine bestimmte Region zu wandern 

 

Migration ist wesentlich komplexer (5)   

  • Subjektive Ansichten eines Individuums über Herkunfts- und Zielgebiet (idealisierte Wunschvorstellungen)

  • Individuelle, wirtschaftliche, soziale Umstände

  • Soziale Netzwerke

  • Arbeitsvermittlung (manpower agencies)

  • Tradition

 

Lebensumstände von Migrierenden (6)

  • Multilokale Lebensform / Haushalte

  • Situation der nicht migrierten Familienmitglieder

  • Rimessen

  • Staatsangehörigkeit, Aufenthaltsstatus

  • Sans papiers

  • Integration 

 

Früher gab es auch Mobilität! (4)

  • Fehlendes Bürgerrecht

  • Vaganten, Armutsmobilität

  • Söldner, Pilger, Mönche, Kreuzfahrer, Künstler

  • Seit dem 18. Jh. Auswanderung der Armen der Schweiz nach Nord- und Südamerika, Russland, Australien 

 

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