BKo-B15 Seiten 215-226


T. B.
Diese Karteikarten bieten einen umfassenden Überblick über die Grundlagen der Corporate Governance auf Universitätsniveau. Sie behandeln zentrale Konzepte wie die Principal-Agent-Theorie, Agency-Verluste und die Bedeutung von Transparenz und Compliance im Unternehmensmanagement. Besonders relevant sind die Vorteile einer gut strukturierten Corporate Governance für Unternehmen, sowohl intern als auch extern, sowie die verschiedenen Systeme der Unternehmensführung. Ideal für Studierende der Betriebswirtschaftslehre, die sich mit den Prinzipien und Praktiken der Unternehmenssteuerung vertraut machen möchten.
Karten
24
Lernende
4
Sprache
Deutsch
Kategorie
BWL
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
11.12.2015 / 11.07.2016

Lernkarten

Wo ist die Corporate Governance im St. Galler Managementmodell verankert? (S. 215)

Managementprozesse

Was bedeuten die beiden Begriffe "corporate" und "governance" im Deutschen? (S. 216)

  • corporate = Körperschaft (Unternehmen)
  • governance = Führung, Steuerung, Kontrolle

Für was steht "Corporate Governance" ganz allgemein? (S. 216)

Bezeichnet sämtliche Verhaltensregeln, die bei der Führung und Kontrolle eines Unternehmens zu berücksichtigen sind.

Durch wen können solche Verhaltensregeln geschaffen werden? (S. 216)

  • Gesetzgeber
  • Eigentümer
  • Mitarbeitende
  • Aufsichts-/Verwaltungsrat
  • Management
  • und weitere

Wem wird die Verantwortung für die Einhaltung der Corporate Governance übertragen? (S. 216)

Gemäss Art. 716a, Ziffer 5 OR:

Dem Verwaltungsrat

Was bedeutet in diesem Zusammenhang "Compliance"? (S. 216)

  • Übereinstimmung des Verhaltens/der Handlungen eines Unternehmens mit den geltenden Rechts- und Ethiknormen
  • Verhinderung von Gesetzesverletzungen und Regelverstössen

Welche negativen Folgen kann das Nichteinhalten der Corporate Governance haben? (S. 216)

  • Rechtsverletzungen: Prozesse, administrativer Aufwand, Verurteilung, Geldverlust
  • Ethikverletzungen: Reputationsschäden, Umsatzeinbrüche, Verluste

Was bedeutet Dualität? (S. 216)

Zweiteilung zwischen Eigentümer und Management (z.B. CEO) = zwei verschiedene Personen

> tritt häufig bei AGs auf, da die gegenseitige Kontrolle zwischen CEO und VR als sehr wichtig gilt

Welches Verhältnis beschreibt die Principal-Agent-Theorie? (S. 217)

Verhältnis zwischen dem Auftraggeber = Principal (z.B. GV / VR in einer AG) und der beauftragten Partei = Agent (z.B. Management in einer AG)

> kann aber auch Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer beschreiben.

Beschreibe das Verhältnis zwischen Principal und Agent. (S. 217)

Prinzipal > Agent: Übertragung von Aufgaben und Entscheidungskompetenzen

Agent > Prinzipal: Ausführung der übertragenen Aufgaben, Leistungserbringung gemäss OR und Statuten

Gegenseitig besteht eine Vertragsbeziehung.

Von welchen Grundannahmen geht die Principal-Agent-Theorie aus? (S. 218)

  • Individuelle Nutzenmaximierung: Principal nach Unternehmenserfolg, Umsatz, Rendite  / Agent nach Gehalt, persönliche Entfaltung, Verwirklichung
  • Unvollständige Informationen: beide Akteure sind nur unvollständig informiert, insbesondere bezüglich Absichten der jeweiligen Gegenpartei
  • Informationsgefälle: Prinzipal kennt die Absichten und Aktivitäten des Agenten nie genau. Agent ist viel näher am Geschäftsgeschehen.

Was beschreibt die Principal-Agent-Theorie mit den "Agency-Verlusten"? (S. 218)

Da Agent und Principal i.d.R. ihren eigenen Nutzen maximieren wollen und eigene Ziele verfolgen, führt das Informationsgefälle (Agent > Principal) häufig zu Agency-Verlusten.

Beispiele für Agency-Verluste:

  • Verborgene Eigenschaften: Da der Prinzipal nicht alle Eigenschaften des Agenten kennt, entscheidet er sich unter Umständen schon bei Vertragsabschluss für den falschen Partner.
  • Verborgenes Handeln/Informationen: Der Prinzipal kann den Agenten nicht lückenlos kontrollieren und andererseits die Qualität des Handelns seines Agenten nicht richtig einschätzen

Mit welchen Gegenmassnahmen können Agency-Verluste vermieden werden? (S. 219)

  • Interessensausgleich (Eigennutz senken/ausgleichen)
  • Einführung von Informationssystemen (z.B. elektronische Zeiterfassung, Zielvereinbarungen)
  • Bürokratische Kontrolle (Handeln und auch Ergebnisse werden vom Principal kontrolliert)
  • Informationsverbesserung (Prinzipal soll das Informationsgefälle zu reduzieren versuchen)

Gegenmassnahmen verursachen jedoch sogenannte Garantie-, Steuerungs- und Kontrollkosten

Was bedeutet der Begriff "Checks and Balances"? (S. 220)

Macht soll aufgeteilt werden und einer Kontrolle unterliegen (Checks), damit ein Interessensausgleich hergestellt werden kann (Balances).

Welche beiden Orientierungen stehen sich in der Corporate Governance gegenüber? (S. 220)

Verständigungsorientierung (eher VR-Anspruch) vs. Ergebnisorientierung (eher Management-Anspruch)

> Bei beiden Orientierungen sollten Übertreibungen vermieden werden. Bei der Verständnisorientierung sollte folglich eine zu hohe Weisungsabhängigkeit, bei der Ergebnisorientierung hingegen eine zu grosse Eigenmächtigkeit vermieden werden.

Nenne die drei wichtigsten Funktionen und Organe einer Aktiengesellschaft. (S. 221)

  1. Eigentümer (höchstes Organ) > Generalversammlung
  2. Kontrolle/Überwachung > Verwaltungsrat, Revisionsstelle, Ausschüsse
  3. Führung/Leitung > Verwaltungsrat und Geschäftsleitung

Zwischen welchen zwei Systemen der Unternehmensführung einer AG wird unterschieden? (S. 221)

 

  • Dualistisches System: Kontrollorgan und Geschäftsleitungsmitglied dürfen z.B. nicht dieselber Person sein
  • Monistisches System:  Kontrollorgan und Geschäftsleitungsmitglied dürfen die gleiche Person sein (sehr umstritten)

Was sehen Befürworter des monistischen Systems als Vorteil daran? (S. 221)

schnellere Abläufe und tiefere Kontrollkosten

Gibt es Richtlinien im Rahmen der Corporate Governance? Wenn ja, wo sind diese festgehalten? (S. 223)

  • Grundsätzlich bestimmt das Unternehmen einen grossen Teil davon selbst (Prinzip der Selbstregulierung)
  • Einige Vorschriften sind allerdings im OR geregelt und daher rechtlich verpflichtend
  • Oftmals enthalten viele andere Regelwerke nur Empfehlungen, die aber in der Wirtschaft grosse Beachtung gefunden haben (z.B. der Swiss Code of Best Practice)
  • Börsenkotierte Gesellschaften müssen in jedem Fall bestimmte Informationen zur Corporate Governance im Anhang ihres Geschäftsberichts veröffentlichen

Nenne die wichtigsten Inhaltspunkte der Corporate Governance. (S. 224)

  • Kommunikation und Kooperation zwischen allen Anspruchsgruppen
  • Möglichst wenige Informationslücken: z.B. Einsichtsrechte der Anteilseigner/VR gegenüber Unternehmensleitung
  • Informationstransparenz: Offenlegung relevanter Informationen für Investoren und Öffentlichkeit, z.B. Vergütungen der Geschäftsleitung und des VR, Interessenskonflikte des Managements durch monistisches System
  • Ad-hoc-Publizität: wichtig für börsenkotierte Unternehmen > sieht eine umgehende Publikation potenziell kursrelevanter Tatsachen vor aufgrund Aspekt der Gleichbehandlung aller Investoren resp. Schutz vor Insider-Trading

Welche Vorteile erlangt ein Unternehmen mit einer geregelten Corporate Governance aus interner Sicht? (S. 225)

  • Entwicklung effizienter Prozesse
  • klare Festlegung der Verantwortlichkeiten und Kompetenzen
  • Ausgewogene Machtaufteilung als Voraussetzung für ein gutes Risikomanagement
  • Richtlinien bieten dem Management eine wichtige Sicherheit und Unterstützung beim Treffen von Entscheidungen

Welche Vorteile erlangt ein Unternehmen mit einer geregelten Corporate Governance nach aussen? (S. 225)

  • Schutz der Aktionäre
    • genauerer Einblick in die Geschäftsangelegenheiten fördert das Vertrauen
  • Vertrauen gegenüber allen anderen Anspruchsgruppen
  • Wahrung eines guten Unternehmensimages auf dem Kapitalmarkt

Im Endeffekt trägt eine gute Corpoarte Governance wesentlich zum Erfolg eines Unternehmens bei.

Was ist notwendig, damit die Ziele und Vorteile einer guten Corporate Governance erreicht werden können? (S. 225)

Eine kompetente und möglichst unabhängige Revisionsstelle

Nenne noch einmal den elementarsten Punkt der Corporate Governancen. (S. 226)

Transparente Informationspolitik

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