Geografie-PHZH | 4: Geomorphologie, Gletscher und Eiszeiten
Geomorphologie, Gletscher und Eiszeiten
Geomorphologie, Gletscher und Eiszeiten
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Flashcards
Geomorphologie / exogene Geologie
Als ein Teilgebiet der Allgemeinen Geografie befasst sich die Geomorphologie (griech. «morphe» = Gestalt) mit den Oberflächenformen der Erde und sucht Erklärungen für deren Entstehen. Da hier exogene Prozesse (griech.,«exogen» = von aussen stammend, von aussen wirkend) auf der Erdoberfläche im Vordergrund stehen, bezeichnet man die Geomorphologie auch als exogene Geologie.
exogene Prozesse
Die Oberfläche der Erde ist hauptsächlich drei geologischen Prozessen ausgesetzt:
Bei der «Verwitterung» wird festes Gestein gelöst und zerkleinert, bei der «Abtragung» wird dieses Gestein transportiert und bei der «Akkumulation» abgelagert.
Verwitterung
Mit Verwitterung bezeichnet man sämtliche Prozesse, die durch Kombination von physikalischer Zerstörung, chemischer Lösung oder biologischer Aktivität zum Zerfall und zur Zerstörung von Gesteinen und Mineralien führen. Die Stärke der Verwitterung ist abhängig vom Klima, den Gesteinseigenschaften und der Zeitdauer, während deren ein Gestein den Einflüssen der Atmosphäre ausgesetzt war.
physikalische Verwitterung
Bei der physikalischen Verwitterung, auch mechanische Verwitterung genannt, werden feste Gesteine und Mineralien durch physikalische Prozesse aufgelockert und zerkleinert, ohne dass eine stoffliche Veränderung auftritt. Dabei entstehen kantige Gesteinsstücke von einigen Millimetern bis zu mehr als einem Meter Durchmesser.
• Temperaturverwitterung
• Frostverwitterung
• Salzsprengung
• Wurzelsprengung
Temperaturverwitterung
Von einer Temperaturverwitterung spricht man dann, wenn sich Gesteine und Mineralien bei Erwärmung ausdehnen und bei Abkühlung zusammenziehen. Häufige, starke Temperaturschwankungen in der Aussenschale des Gesteins führen dort zu Spannungen und damit zur Ablösung und hörbaren Absprengung von einzelnen Gesteinsstücken und dünneren Gesteinsplättchen.
Diesem Vorgang sind besonders Gesteine mit unterschiedlichen Mineralien stark ausgesetzt (z. B. Granit), da sich dunkle und helle Mineralien unterschiedlich ausdehnen und damit der Mineralienzusammenhalt stark geschwächt wird.
In Wüstengebieten und Hochgebirgen ist die Temperaturverwitterung besonders stark, da die Oberflächentemperatur von Gesteinen täglich um bis zu 100°C schwanken kann. Bei so extremen Bedingungen können sich im gesamten Gestein Spannungen aufbauen und grosse Blöcke durch «Kernsprünge» auch mittendurch teilen.
Frostverwitterung
Von einer Frostsprengung bzw. einer Frostverwitterung spricht man, wenn sich das Volumen von Wasser beim Gefrieren um bis zu 11% vergrössert. Dringt Wasser durch sehr feine Klüfte und Gesteinsporen in ein Gestein ein und gefriert. entwickelt sich beispielsweise bei -22°C ein extrem starker Druck von 2200 kg/cm2.
Bei häufigem Auftauen und Gefrieren (Frostwechsel) kann das Gestein mit der Zeit gesprengt werden.
Im Hochgebirge und in polaren Breiten ist Frostsprengung durch das häufige Auftauen am Tag und das nächtlic.he Gefrieren besonders wirksam.
Salzsprengung
Die Salzsprengung tritt vor allem in ariden (trocken, dürr) und semiariden Gebieten mit gelegentlichen Niederschlägen auf. Hier verdunstet das Wasser durch die starke Sonneneinstrahlung an Erd- und Gesteinsoberflächen und scheidet dabei die gelösten Salze in Form von Salzkrusten aus. Fallen Niederschläge, werden die Salze wieder gelöst und dringen in Klüfte und Poren der Gesteine ein. Dort verdunstet das Wasser wieder, wobei die Salze unter einer Volumenvergrösserung von 30 bis 100% auskristallisieren und damit einen erheblichen Druck auf das umgebende Gestein ausüben. Bei erneuter Befeuchtung wandeln sich die Salze unter einer Volumenzunahme von bis zu 300% in Hydrate um und können das Gestein zersprengen.
Wurzelsprengung
Die Wurzelsprengung spielt innerhalb der physikalischen Verwitterung nur eine untergeordnete Rolle. Die Wurzeln von Pflanzen können in feine Klüfte und Poren eindringen und durch ihr allmähliches Wachstum einen starken Druck auf das umgebende Gestein ausüben, dieses lockern und schliesslich auseinandersprengen.
chemische Verwitterung
Von einer chemischen Verwitterung spricht man, wenn Wasser und die in ihm gelösten Säuren, Basen und Salze die Gesteine und Mineralien auflösen und chemisch verändern.
Da die Wirkung der chemischen Verwitterung an Wasser gebunden ist und mit steigenden Temperaturen zunimmt, ist sie in den feuchten und wechselfeuchten Tropen besonders intensiv. Während die physikalische Verwitterung nur wenige Meter tief in die Erdkruste hineinwirkt, kann die chemische Verwitterung bis mehrere Hundert Meter hinunterreichen.
Chemische und physikalische Verwitterungsarten kommen aber oft in Kombination vor und ergänzen und verstärken sich gegenseitig. Die chemische Verwitterung ist umso wirksamer, je weiter der Zerfall und die Auflösung eines Gesteins fortgeschritten ist und dadurch neue Angriffsoberflächen für die Wasserlösungen geschaffen werden.
• Hydratationsverwitterung
• Lösungsverwitterung
• Oxidationsverwitterung
• chemisch-biologischen Verwitterung
Hydratationsverwitterung
Hydratationsverwitterung bedeutet, dass sich Wassermoleküle in Mineralien einlagern, dadurch den Zusammenhalt der Mineralien schwächen und so zu einem Zerfall des Gesteins führen.
Voraussetzungen für die Hydratationsverwitterung sind Klüfte und Poren im Gestein und genügend Regen- und Grundwasser. Dieser Prozess tritt damit fast überall auf der Erde und in praktisch jedem Gestein auf, wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit.
Lösungsverwitterung
Bei der Lösungsverwitterung werden leicht lösliche Gesteine und Mineralien (z. B. Salze oder Gips) vom Wasser teilweise oder ganz aufgelöst und weggeführt. Treten zum Wasser Gase hinzu, vermögen diese aggressiveren Lösungen auch wasserunlösliche Gesteine anzugreifen.
Man unterscheidet zwischen der «Kohlensäure-» und der «Rauchgasverwitterung».
Bei der Kohlensäureverwitterung oder Karstverwitterung wird der wasserunlösliche Kalkstein durch Kohlensäure gelöst.
Kalk besteht hauptsächlich aus Calciumcarbonat. Kohlensäure entsteht in der Atmosphäre durch die Anreicherung des Niederschlagswassers (H2O) mit Kohlendioxid (CO2) oder im Boden, wo von Pflanzenresten weiteres Kohlenstoffdioxid gelöst wird. Die Kohlensäure wandelt das wasserunlösliche Calciumcarbonat in das wasserlösliche Calciumhydrogencarbonat um, das vom Wasser nun leicht verwittert werden kann.
Die Kohlensäureverwitterung ist nur in Gebieten, die überwiegend aus Kalk bestehen, wirksam.
Rauchgasverwitterung
Die vom Menschen verursachte Rauchgasverwitterung ist eine weitere besondere Form der Lösungsverwitterung.
Durch intensive Verbrennung von Öl und Kohle reichert sich in der Luft Schwefeldioxid (SO2) an, welches sich in Verbindung mit Niederschlägen in Schwefelsäure (H2SO4) umwandelt und den sogenannten sauren Regen bildet Diese Säure ist zu schwach, um auf der Haut Ätzungen zu verursachen, zerstört aber in beträchtlichem Masse Bauwerke, Farben, Metalle und Gesteine.
Einige historische Städte in der Schweiz (z. B. Bern) sind aus Sandstein aufgebaut, die als Bindemittel Calziumcarbonat enthalten. Schwefelsäure kann dieses Calciumcarbonat in wasserlöslichen Gips verwandeln, der vom Regen ausgewaschen wird oder abbröckelt.
Die Schwefelsäure kann aber auch in die Poren der Sandsteine eindringen und dort unter Volumenzunahme auskristallisieren und das Gestein oberflächlich absprengen.
Oxidationsverwitterung
Bei der Oxidationsverwitterung lagert sich Sauerstoff in Eisen-, Mangan- und Schwefelmineralien an, was zu einer Volumenzunahme dieser Mineralien und somit zur Auflockerung des Gesteins führt.
Das «Rosten» des Gesteins findet weltweit unter Einwirkung von feuchter Luft oder lufthaltigem Wasser statt. Die Oxidation des Eisens ist leicht am Farbwechsel von dunklen zu helleren (gelblich-bräunlich-rötlichen) Farbtönen erkennbar. Alle «verrosteten» Bereiche des Gesteins lösen sich leicht aus ihrem Verband.
Abtragung
Das durch physikalische und chemische Verwitterung zerteilte und gelöste Gesteinsmaterial wird durch Abtragung vom Verwitterungsgebiet entfernt.
Abtragung ist ein Oberbegriff für sämtliche Verlagerungsprozesse durch die Schwerkraft (Bergsturz, Steinschlag, Rutschung, Bodenfliessen und Solifluktion) und durch Wasser (Erosion, Abspülung, Ausspülungl, Wind (Deflation) und Eis (Glazialerosion).
Art und Ausmass der Abtragung sind von klimatischen Faktoren, aber auch von lokalen Voraussetzungen wie Gesteinsstruktur, Relief und Vegetation abhängig.
Fastebene
Dauern Abtragungsprozesse sehr lange, führen sie zur Einebnung der Erdoberfläche und zur Bildung einer Fastebene (Peneplain).
Erosion
Erosion bezeichnet im engeren Sinn die Abtragung durch fliessendes Wasser; im weiteren Sinn bezieht sich der Begriff «Erosion» auch auf die Abtragung durch Eis und Wind.
Die Erosion (Abtragung) findet vor allem im Oberlauf eines Flusses statt. Bei der Abtragung des Materials spielen das Gefälle und die Wassermenge eine zentrale Rolle. Bei starkem Gefälle und grosser Wassermenge werden grössere Korngrössen erodiert und transportiert als bei geringem Gefälle und kleinerer Wassermenge.
Formenbildung durch Flüsse
Fliessendes Wasser gestaltet Landschaftsformen durch Erosion, Transport und Ablagerung.
Alle drei Vorgänge sind vom Gefälle und von der Wassermenge abhängig. Bei starkem Gefälle und grosser Wassermenge werden grössere Gesteinstrümmer und -mengen erodiert und transportiert. In flacherem Gelände werden zuerst die grösseren Gesteinstrümmer und später die noch lange schwebenden feineren Sedimente abgelagert.
Fluvial oder fluviatil bedeutet «vom Fluss geschaffen», vom fliessenden Wasser abgetragen, transportiert und abgelagert. Im Einzugsbereich eines Flusses formen hauptsächlich Tiefen-, Seiten-, Rückwärtserosion und Hangabtragung die Landschaft.
Tiefenerosion
Die Tiefenerosion ist von der Wassermenge, dem Gefälle, dem Gesteinsuntergrund und der Art und Menge des transportierten Materials abhängig. Einem Fluss auf festem Gestein ohne Transportgut (Sand, Kies) fehlt das Schleifmaterial zur Erosionsarbeit.
Im Oberlauf eines Flusses mit starkem Gefälle und damit hoher Fliessgeschwindigkeit dominiert die Tiefenerosion.
Seitenerosion
Im Mittellauf eines Flusses überwiegt die Seitenerosion gegenüber der Tiefenerosion, da hier das Gefälle geringer ist und die Fliessgeschwindigkeit nachlässt.
Durch diese Seitenerosion im Mittellauf entstehen mehr oder weniger weit ausschwingende Flussschlingen, die einer unregelmässigen Schlangenlinie gleichen und als Mäander (nach dem kleinasiatischen Fluss Mäander, heute Menderes) bezeichnet werden.
Die Krümmungen der Flussschlingen werden im Lauf der Zeit immer stärker, weil an den Aussenseiten, am steilen «Prallhang», die Seitenerosion wegen der höheren Fliessgeschwindigkeit stärker ist und auf der Innenseite, dem flachen Gleithang, das Wasser langsam fliesst und daher Material abgelagert wird. Schliesslich kann es am «Schlingenhals» zu einem Durchbruch kommen, sodass die Schlinge vom fliessenden Wasser abgeschnitten und zu einem «Altwasserarm» wird.
Durch den Abtransport von Material verlegen Flüsse ihr Flussbett talaufwärts, man spricht von Rückwärtserosion. Die zeigt sich deutlich bei Wasserfällen. Bei den Niagarafällen in Nordamerika wird beispielsweise die Kante des Wasserfalls jährlich um einen Meter flussaufwärts verlegt. Ähnliches lässt sich auch beim Rheinfall beobachten.
Transport
Beim Transport erfolgt durch ständige Umlagerung die Zerkleinerung und Rundung des mitgeführten Materials.
Der Transport von Material erfolgt entweder rollend oder springend (saltierend) als Geröll- oder Geschiebefracht auf der Sohle des Flussbetts, als Schwebefracht, die sich aus festen Bestandteilen kleiner Korngrössen zusammensetzt (z. B. Sandl. oder als Lösungsfracht in gelöster (unsichtbarer) Form (z. B. Salz, Kalk).
Auf dem Transportweg wird ständig Material abgelagert und wieder in Bewegung gesetzt.
Gletscher
Die Festlandfläche der Erde ist ungefähr zu 10% von Gletschereis bedeckt. Aufgrund der Grösse und Form lassen sich zwei Grundtypen der Eisbedeckung unterscheiden:
• Inlandeis
• lokalen Eisbedeckung in den Gebirgsräumen
Inlandeis
Das Inlandeis ist eine grossflächige und. mächtige Vereisung einer Landmasse, aus welcher nur einzelne eisfreie Gipfel, die Nunataker oder Nunataks, herausragen. In Grönland und der Antarktis sind beispielsweise über 85% der Landmassen mit Inlandeis überdeckt, das im Zentrum bis zu 300 Meter mächtig ist. Von diesem Zentrum der Eiskappen aus fliesst das Eis zu allen Seiten sehr langsam ab.
Gletscher in der Gebirgsräumen
In den Gebirgsräumen kommt es zur lokalen Eisbedeckung. Das Eis fliesst als Gletscher (Eisstrom) langsam das Tal hinunter, wo das Eis abschmilzt.
Entstehung von Gletscher
Gletscher entstehen dort, wo das Klima so kalt ist, dass ein Massenzuwachs an Eis stattfindet, weil die jährlich gefallene Schneemenge grösser ist als die «Ablation», d. h. grösser als das Verdunsten und Abschmelzen von Schnee und Eis.
Über mehrere Jahre hinweg verdichten sich hier die «Neuschneekristalle» zu körnigem, milchig-weissem «Firn». Unter dem zunehmenden Druck der darüber abgelagerten Schneedecken geht der Firn in das kompakte, grünblaue Eis über.
Eine solche «Akkumulation» von Eis ist im «Nährgebiet» bei Gletschern im Gebirge und in den aufgewölbten Zentren bei Inlandeismassen der Fall.
Gletscherbewegung
Die Eismassen werden bei dieser Akkumulation so schwer, dass sie durch die Schwerkraft zu fliessen beginnen.
Gletscher bewegen sich einerseits durch Gleiten auf dem Untergrund und andererseits infolge von Bewegungen und Deformationen innerhalb der Eismasse. Die Geschwindigkeit der Gletscherbewegung nimmt zu, wenn der Hang steiler oder das Eis dicker wird, und kann im Extremfall mehr als einen Meter pro Tag erreichen.
Einmal gebildetes Eis fliesst damit vom Nährins Zehrgebiet, wo die Ablation grösser ist als die Akkumulation.
Gleichgewichtslinie
Die Gleichgewichtslinie trennt Nähr- und Zehrgebiet und ist meist im Sommer als Grenze zwischen dem weissen firnbedeckten Gletscher und dem unterhalb liegenden blanken oder geröllbedeckten Gletschereis sichtbar.
Sie wird daher auch als Firnlinie oder als Schneegrenze auf dem Gletscher bezeichnet.
Massenhaushalt
Der Unterschied zwischen Eiszuwachs und Eisverlust ergibt den sogenannten Massenhaushalt eines Gletschers. Er bestimmt, ob sich ein Gletscher zurückzieht oder ob er vorstösst.
Gletscherspalten
Durch die Bewegung des Gletschereises bilden sich an der Oberfläche bis zu 20 m breite und maximal 60 m tiefe Gletscherspalten, wobei man Quer-, Rand- und Längsspalten unterscheidet.
Querspalten
Querspalten entstehen oft, wenn die Hangneigung steiler wird.
Randspalten
Randspalten bilden sich auf der Seite des Gletschers, wenn sich das Eis an Fels und Schutt der Seitenwände reibt und sich dadurch dort das Fliesstempo gegenüber der Gletschermitte verlangsamt.
Längsspalten
Längsspalten entstehen in der Regel über Unebenheiten des Untergrunds.
Gletscherbach
Geschmolzenes Eis verschwindet in Spalten und Hohlräumen im Gletscher und fliesst über die Gletscherbäche am Gletscherboden zur Gletscherzunge, wo es aus einem oder mehreren Gletschertoren ausfliesst.
Infolge der Wärme am Gletschergrund durch den Druck, die Reibung und die Erdtemperatur wird dem Gletscherbach ganzjährlich Schmelzwasser zugeführt.
Gletschermilch
Das Schmelzwasser eines Gletscherbachs färbt sich durch feines Gesteinsmehl milchig-weiss und wird daher als Gletschermilch bezeichnet.
Gletscherschliff
Das fliessende Eis mit eingefrorenen Gesteinstrümmern erodiert durch Abschleifen und Herausbrechen das Gestein am Untergrund und an den Talhängen.
Durch diesen Gletscherschliff werden raue Felsoberflächen geglättet und poliert.