DkE1 Bariatrie
Bariatrische Chirurgie
Bariatrische Chirurgie
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Lernkarten
Für welche Patienten kommt eine bariatrische OP in Frage?
Auswahl des Verfahrens
- (mit)entscheidend
- Alter
- BMI
- Begleiterkrankungen (Diabetes, Gastroint.)
- Psychosoziale Situation (Charakter, Beruf, Beziehung)
- Möglichkeit für adäquate Nachsorge (Rückkehr ins Heimatland?, Auswanderung?)
- Patientenpräferenz
- Individuelle anatomische Verhältnisse
- Erfahrung/ Möglichkeiten des Chirurgen (und des gesamten Teams)
Wie viele Menschen mit BMI > 35 gibt es in der CH?
Wie hohe Kosten entstehen durch bariatrische OPs?
Menschen mit BMI > 35 in CH
- Bevölkerung Schweiz, 2013: ca. 5.3 Mio (18-65 Jahre)
- Ca. 2% mit BMI ≥35 kg/m2
- Entspricht über 100’000 Personen
- Operation (bariatrische Chirurgie): 12’000-25’000 CHF
- Postoperativ: 3’500 CHF im ersten, 2’500 CHF im zweiten 1’000-1’500 CHF in den Folgejahren
- Eingriff nach 4-5 Jahren “kostendeckend” (?)
Magenbypass
Welche Komplikationen können auftreten?
Magenbypass
- Immer noch Nummer 1
- Magen wird mit Jejunum verbunden --> darum proximaler Bypass
- Komplikationen
- Anastomosen (Verbindung zwischen zwei Hohlorganen/ Gefässen) Stenose 1.6 – 6.3%
- Anastomosen Ulkus > 1%
- Innere Hernien 3 – 6%
- Cholecystolithiasis 50% der Patienten/ 2.7 – 5% OP
- Urolithiasis 7.65%
- Perioperative Mortalität 1.6 Promille
- Schwere Komplikationen bei 2 – 4%
Sleeve Gastrektomie
Welche Komplikationen können auftreten?
Magenband
Welche Komplikationen können auftreten?
Magenband
- In Ausnahmefällen
- Wird in der CH kaum mehr durchgeführt (Spezialindikation: Früh-Adoleszenz). Viele Patienten, die früher operiert wurden, leben aber noch damit
- Grundsätzliches Problem
- Passage wertvoller Lebensmittel wie Gemüse, Früchte, mageres (weisses) Fleisch, Vollkornbrot ist stärker eingeschränkt als die für Süsses und Fettes
- Manche Patienten ändern ihre Ernährung dahingehen und essen eher was «einfach» durchgeht
- Qualität der Ernährung kann darunter leiden, zumal viele Patienten schon vor dem Eingriff nicht gesund gegessen haben, dies aber durch die grössere Menge an Nahrung kompensieren konnten
- Komplikationen
- Band ist zu restriktiv
- Erbrechen
- Lebensmittelauswahl muss (zu) stark eingeschränkt werden
- Normale Bewegung der Speiseröhre wird gestört (Oesophagus – Motilitätsstörung)
- Folgen sind Dilatation, Reflux, Aspirationen
- Band funktioniert nicht mehr richtig
- Es verrutscht, reibt am Magen
- Folge: Pouch weitet sich aus (dilatiert)
- Band = Fremdkörper --> Abwehrreaktionen, Vernarbungen
- Band kann sich durch den Magen bohren
- Nach 6 Jahren hat bei 50% der Patienten das Band versagt
- Folge: Gewichtzunahme, Bandentfernung, andere bariatrische OP
- Mortalität: 0.2 %
- Band ist zu restriktiv
Biliopankreatische Diversion mit duodenalem Switch
Welche Komplikationen können auftreten?
- Sleeve-Gastrektomie mit duodenalem Switch, wie Schlauchmage, jedoch zusätzlicher starker Maldigestion/ -absorption
- Bei Magenbypass mit Pouch: ähnlich wie Magenbypass, allerdings stärkerer Maldigestion/ -absorption
- Vor allem zusätzliche Malabsorption von Kalorienträger
- Bei Personen mit BMI > 50 oder erfolglose anderen bariatrischen Eingriffe
- Komplikationen
- Anspruchsvoll: Operation und Nachbetreuung
- Proteinmalnutrition
Was sind die Ziele der Adipositas-Chirurgie?
Was sind die Risiken und Komplikationen?
Ziele der Adipositas-Chirurgie
- Begleit-Erkrankungen / Krankheitsrisiken mindern
- Gewichtsverlust / -erhaltung nach Gewichtsreduktion
- Gesündere Ernährung / Essverhalten
- Humorale (hormonelle Veränderungen)
- Lebensqualität verbessern durch
- Wegfallende Nachteile des Übergewichts (körperliche, mentale, soziale)
- Verbesserte Gesundheit, reduzierte Risiken
- Bessere Chancen in Berufs- und Privatleben
- Längeres Leben
- idealerweise behinderungsfrei mit guter Lebensqualität
Risiken und Komplikationen
- Operativ (~ 10%)
- Thromboembolie
- Blutung
- Pneumonie
- Stenose/ Struktur
- Ulkus
- Infektion/ Hernie
- Mortalität (0.2 – 1 %)
- Langfristig (~ 20 – 30%)
- Mangel an
- Eisen
- Calcium und Vitamin D
- Vitamin B12
- Vitamin B1, Folsäure
- Eiweiss
- Gallensteine
- Erneute Zunahme
- Zu viel Haut „Fettschürze“
- KK zahlen oft nicht (Kosmetisch)
- Braucht medizinische Begründung (Hautprobleme...)
- Mangel an
Wie kommt die Gewichtsreduktion durch bariatrische Eingriffe zustande?
Grundsätzliche Effekte
- Neuroendokrine Effekte
- Appetit vermindert, deutlich bessere Hunger- Sättigungs-Regulation
- Dadurch allgemein verbessertes Essverhalten
- Obstruktiv
- Vermindertes Fassungsvermögen des Magens
- Verzögerte Magenentleerung
- Dehnung von Magen und Oesophagus
- Maldigestion/-absorption
- Kürzere Kontaktzeit mit Enzymen
- Verminderte Absorption
- Ein Teil der zugeführten Nahrung wird nicht in den Körper aufgenommen, sondern unverdaut über den Stuhl wieder ausgeschieden
- Biliopankreatische Diversion, -Scopinaro/ -DS
- Restriktion (Magenverkleinerung)
- Patienten essen weniger, weil der Eingriff das Fassen und Weitertransportieren der Nahrung mechanisch einschränkt
- Magenband
- Gastroplastie
- Schlauchmagen
- Restriktion & Malabsorption
- Magenbypass
Was sind die neueren Erkenntnisse der Auswirkungen von bariatrischen OP?
- Dauerhafte Veränderungen der Hunger/Sättigungshormone (siehe Bild)
- Magenbypass (und Schlauchmagen?) «gaukeln» vor gegessen zu haben
- Fastenzustand/ Gewichtsverlust
- Hunger
- Nahrungsaufnahme gesteigert
- Portionengrösse steigt
- Mahlzeitenfrequenz steigt
- Vorliebe für Süsses und Fettes
- Ghrelin hoch
- GLP-1/PYY tief
- Reduzierter Energieumsatz
- Belohnungszentrum im Hirn zeigt erhöhte Aktivität
- Postprandial/ Gewichtszunahme
- reduzierter Hunger
- Nahrungsaufnahme vermindert
- Portionengrösse sinkt
- Mahlzeitenfrequenz sinkt
- Verminderte Lust auf Süsses und Fettes
- Ghrelin tief
- GLP-1/PYY hoch
- erhöhter Energieumsatz
- Belohnungszentrum im Hirn zeigt reduzierte Aktivität
- Nach Magenbypass
- reduzierter Hunger
- Nahrungsaufnahme vermindert
- Portionengrösse sinkt
- Mahlzeitenfrequenz sinkt
- Verminderte Lust auf Süsses und Fettes
- Ghrelin tief/normal
- GLP-1/PYY hoch
- erhöhter Energieumsatz
- Belohnungszentrum im Hirn zeigt reduzierte Aktivität
- Fastenzustand/ Gewichtsverlust
- Nahrungsaufnahme (Menge und Qualität) und Essverhalten verbessern sich
- Präferenzen (süss/ fett) können sich verändern / Nachlassen
- Wahrscheinlich leisten die humoralen Veränderungen den grössten Beitrag zur Gewichtsreduktion
Welche Effekte werden durch den Magenbypass ausgelöst?
Effekte Magenbypass
- Humoral: Sättigungs-, Hungerhormone
- Restriktion: mechanische Bremse durch Magen“verkleinerung“ (Pouch)
- Pouch- und Dünndarmdehnung: Stimuliert Dehnungs- Rezeptoren, die via Vagusnerv „Sättigungszentrum“ im Hirnstamm stimulieren
- Maldigestion/-absorption: Weniger Nährstoffe und Energie gelangen in den Körper (relevant?)
- Konditionierung: Fehler werden „bestraft“: Erbrechen, Durchfall, Früh- und Spätdumping
Weitere postulierte Wirkmechanismen
- Erhöhung zirkulierender Gallensäuren
- stimuliert Freisetzung von Sättigungshormonen im Darm (GLP- 1, PYY, Oxontymodulin)
- stimuliert Konversion von T4 zu aktivem T3 im braunen Fettgewebe, was Thermogenese und Energieumsatz erhöht
- Veränderung des Mikrobioms (Darmflora)
- Unterschiede bei Adipösen im Vgl. mit Normalgewichtigen
- Unterschiede vor und nach Adipositaschirurgie
- Darmflora verändert sich nachhaltig nah Sleeve und Bypass Operation
- Möglicherweise nach Bypass mehr positive Damrflora-Veränderungen als nach Sleeve
- Möglicherweise ist verbesserte Insulinsensitivität verantwortlich für Darmflora-Veränderungen
Wie wird das Risiko für NCD's beeinflusst durch bariatrische OP?
Herzinfarkt: - 39%
Krebs: - 42%
Schlaganfall: - 34%
Diabetes: - 83%
Welche Voraussetzungen braucht es für eine bariatrische Intervention?
Bariatrie-Evaluation
- Über den Hausarzt, der von sich aus oder auf Patienten-Wunsch hin überweist
- Alternativ melden sich Patienten via Sekretariat direkt selber an
- Über die konservative Adipositas-Therapie
- Viele Patienten sind vorinformiert, übers Internet (auch Praxis/Spital-Webseiten)
- Ganz wichtig: Mund zu Mund „Propaganda“
- Abklärung BMI
- > 35: Kostenübernahme durch KK sehr wahrscheinlich, 2 Jahre konservative Therapie nachzuweisen
- > 50: nur 1 Jahr konservative Therapie nachzuweisen
- < 35 aber > 33 und Wunsch für Eingriff: Abwarten, Gewicht steigt normalerweise mit der Zeit
- < 35: klären, ob konservative Therapie möglich/ erwünscht
Weshalb ist eine gründliche Vorabklärung und Vorinformation des Patienten wichtig?
Ziel
- Genügend Informationen sammeln um beurteilen zu können, ob PatientIn
- für den Eingriff qualifiziert (Kostenübernahme Krankenkasse)
- geeignet ist dafür (Kontraindikationen?)
- bereit ist dafür (nach gründliche Information
- Entscheidung fällen darüber, welcher Eingriff am geeignetsten ist
- Gründliche Aufklärung des Patienten
Mitwirkung von
- Team Spital
- InternistIn (Hauptansprechsperson)
- ErnährungsberaterIn
- PsychologIn
- ChirurgIn
- Enge Zusammenarbeit mit
- Intern: Anästhesie / Radiologie, Gastroenterologie, Kardiologie
- Extern: betreuende(n) (Haus-)Arzt/Ärztin
Abklärungen
- Typ/Schwergrad und Ursache (sekundär?) der Adipositas
- Folge/Begleiterkrankungen
- Gewichtsentwicklung (Min, Max)
- Bisherige Diäten (Art, Beginn, Zeitdauer, Erfolg, Rebound)
- Ernährungs- und Bewegungsanamnese, Esstyp/ Essstörungen
- Anamnese: Persönlich, Familiär, psychosozial
- Körperliche Untersuchung und Labor
Erstgespräch bei InternistIn
- Abklärung: 2 Jahre erfolglose adäquate Therapie
- Besprechung des ERB-Berichtes / Laboruntersuchung
- Ergänzung Anthropometrie / Körperliche Untersuchung / internistische Anamnese
- Erste Gesamteinschätzung (Chancen, Risiken)
- Aufklärung Zusatzuntersuchungen & über Operation
- Anmeldung zum psychiatrisch- psychologischen Konsilium
- Komorbiditäten: Einschätzung des Operationsrisiko; Zusatzuntersuchungen?
Zweituntersuchung bei InternistIn
- Besprechung Bericht PsychologIn
- Offene Fragen zum Eingriff klären (Methode, mögliche Komplikationen, Spitalaufenthalt, Arbeitsfähigkeit)
- Nochmalige Besprechung Nachsorge (inkl. Patienten-Verpflichtung)
- Anmeldung Gastroskopie / Bauch-Ultraschall
- Anmeldung beim Chirurgen zur definitiven Besprechung und Planung der Operation
Vertrauensverhältnis zum Betreuungsteam wichtig!
Welche Voruntersuchungen gibt es?
Voruntersuchungen
- Gastroenterologie: Gastroskopie, Biopsie, Helikobakter Pylori (HP)? --> Eradikation
- Radiologie: Ultraschall Abdomen (Bauch), spezielle Anatomie? Pathologien?
- Anästhesie: spezielle Risiken? Schlaf-Apnoe? --> Puls- Oxymetrie, Schlaflabor
- Psychologische Beurteilung: Schwere Essstörung? Psychiatrische Erkrankung?
- Kardiologie: bei Risikopatienten mit Herz- Problemen --> Leistungs-EKG, Herz Ultraschall
Was sind Kontraindikationen für bariatrische Eingriffe?
Kontraindikationen
- Kontra = gegen; Indikation = «Angezeigt sein»
- Bedingungen unter welchen die Operation nicht durchgeführt werden darf
- absolute (darf auf keinen Fall durchgeführt werden)
- ungenügende Nierenfunktion (Niereninsuffizienz, Kreatinin > 300 µmol/l)
- koronare Herzkrankheit mit instabiler Angina Pektoris
- fortgeschrittene Leberzirrhose (Child B/C)
- Ernsthaftes nicht auf die Adipositas zurückführendes psychisches Leiden mit rezividierenden Dekompensationen, das weniger als 2 Jahre zurückliegt
- Schwangerschaft
- relative (darf durchgeführt werden, wenn entsprechende Bedingungen erfüllt wurden)
- kürzlich erlittene Herzinfakrt oder Lungenembolie --> Abwarten und gründlich kardiologische/ pneumologisch eAbklärung, erst danach Entscheidung
- Morbus Crohn
- Krebserkrankung, wenn die Heilung mehr als 2 Jahre zurückliegt
- Schwere Essstörung, Kompensierte psychische Störungen
- Alkoholismus, wenn abstinent (> 6 Monate)
- absolute (darf auf keinen Fall durchgeführt werden)
Wie sieht es mit der Compliance bei bariatrischen Eingriffen aus?
Compliance
- Compliance = «Einhaltung», «Befolgung»
- Wie gut folgt der Patient den Vorgaben, konkret:
- kommt er pünktlich zu den Terminen
- kooperiert er gut?
- kann er gut urteilen und hat er ein «rationales Krankheitskonzept»?
- hat er realistische Vorstellungen
- kann er regelmässig und zuverlässig Tabletten einnehmen?
Compliance in der Bariatrie
- Adipöse haben tendenziell eine schlechtere Compliance als die «Normalbevölkerung»
- Compliance ist in der Bariatrie besonders wichtig wegen der lebenslangen Nachbetreuung
- Der Patient Verpflichtet sich (schriftlich) dazu
- Gründliche & intensive Vorabklärung ermöglicht auch die Compliance zu testen
- Ist die Compliance wiederholt und unveränderlich schlecht, spricht das gegen eine Intervention
Welche Einwirkungen haben bariatrische Eingriffe auf die Nährstoffaufnahme?
Normale Anatomie des GIT
- Unterer Oesophagussphincter Magen
- Azidität, Intrinsic Factor, B12
- „Mechanische Verdauung“
- Pylorus: portioniert Brei
- Duodenum
- Gallen- und Pankreassekrete
- Mizellenbildung, Resorption
- Duodenum, Jejunum, Ileum
- Resorption
- Colon
- Fermentation (Bakterien), Wasserentzug
Reduktion der Energiezufuhr und Aufnahme
- Reduktion Aufnahme (Malabsorption): ca. 0 – 10% (je nach Art des Eingriffs)
- Reduktion der Energiezufuhr: erheblich
Welche Mikronährstoffedefizite sind die Folge der einzelnen bariatrischen Eingriffe nach 1 Jahr?
Mikronährstoff-Defizite generell
- Mikronährstoffmangel ist Folge
- reduzierter Nahrungseinnahme (reduzierter Essantrieb, kleines Magenvolumen)
- fehlender Anpassung der Alltagsernährung (mehr Früchte & Gemüse, Alternativen zu rotem Fleisch)
- reduzierter Aktivität des Magens (Säureproduktion, Intrinsic Factor, Portionierung)
- verminderter Verdauung (kürzere Kontaktzeit)
- reduzierter Resorption (abhängig vom «Common Channel»)
- Defizite zunehmend nach unten
- Magenband
- Sleeve Gastrektomie
- Magenbypass
- Biliopankreatische Diversion
- Mikronährstoff-Defizite nach Magenbypass (nach 1 Jahr)
- Vitamin B1, B6: selten
- Vitamin B12: bis 33%
- Folsäure: selten
- Eisen: bis 51%
- Vitamin A: kann vorkommen
- Vitamin D: 32/ 36%
- Vitamin E: selten
- Vitamin K: selten
- Zink: relativ häufig
- Selen: kann vorkommen
- Mikronährstoff-Defizite nach biliopankreatischer Diversion (nach 1 Jahr)
- Vitamin B1, B6: selten
- Vitamin B12: bis 22%
- Folsäure: selten
- Eisen: bis 49%
- Vitamin A: bis 70% nach 4 Jahren
- Vitamin D: häufig nach 1 Jahr
- Vitamin E: selten
- Vitamin K: häufig nach 1 Jahr
- Zink: häufig
Was sind die längerfristigen Folgen einer Mikronährstoffminderversorgung?
Langzeitfolgen nach Magenbypass
- Vitamin B12- Mangel
- Anämie, Neurologische Probleme
- Eisenmangel
- Anämie, Schwäche, Haarausfall, brüchige Nägel, Frieren, Kopfschmerzen, Depression, Hautprobleme
- Zinkmangel
- Hautprobleme (Wundheilungsstörung), Haarproblem
- Infektanfälligkeit
- Störung Geruch- und Geschmacksinn
- Müdigkeit, Stimmungsschwankungen
- Vitamin D (und Kalzium)
- Bei ungenügender Zufuhr baut der Körper Knochenmasse ab
- Dazu bildet der Körper Parathormon (PTH)
- Ist dieses erhöht im Blut, ist dies ein Hinweis auf sekundären Hyperparathyreoidismus
- Negativer Einfluss auf Muskelkraft und –Koordination --> erhöhtes Sturz-/ Frakturrisiko?
Langzeitfolgen nach biliopankreatischer Diversion
- Eiweissmangel
- Ödeme, Anämie, reduzierte Immunabwehr
- Mangel an fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K)
- Nachtblindheit, Osteoporose, Muskelschwäche, Blutungen
Wie lassen sich postoperative Mangelerscheinungen vorbeugen?
Nachbetreuung
- Lebensqualität möglichst hoch halten
- Gewichtsabnahme unterstützen und «zementieren»
- Nährstoffversorgung sichern, Mangelerscheinungen vermeiden
- Komplikationen vorbeugen, früherkennen, behandeln
- Lebenslange Aufgabe, interdisziplinäre Zusammenarbeit nötig
- Häufiges Problem: Compliance
- Kostaufbau: Mikronährstoffdichte erhöhen, d.h. «leere» Kalorien möglichst vermeiden
- Auch auf Eiweisszufuhr achten (Menge & Wertigkeit)
- Kontrollen Ernährung / Essverhalten sowie Ernährungs-Status (mit Labor):
- im ersten Jahr: im Monat 1,3,6,9,12
- im zweiten Jahr: 1⁄2-jährlich
- im dritten Jahr: jährlich
- Internistisch
- Frequenz ähnlich ERB
- Verordnung Labor/Supplemente, Suche/Prävention von Komplikationen
- Chirurgisch
- ein Monat postoperativ, bei Komplikationen/ Problemen mit überschüssiger Haut
- Psychologisch
- bei Bedarf (kennt Pat. von der präoperativen Abklärung)
Supplementierung von Mikronährstoffen
- In erster Linie beim Bypass wichtig, Lebenslang:
- Kalzium / Vitamin D & Multivitamin-Präparat
- Status wird mit Labor kontrollieren
- Nach Bedarf weitere Supplementation
- Auch mit Spritzen/ intravenös (Vitamin B12, Eisen)
- Eisenverlust evtl. vermindern durch Verhütungsmittel (Pille, Spirale, Spritze)
- Auch wichtig, weil Schwangerschaft in den ersten 2 Jahren nach der Operation vermieden werden muss
Erkläre das Dumping-Syndrom nach einem Magenbypass
Dumping-Syndrom nach Bypass
- Dumping = «Abladen»
- Dumping-Syndrom: Sturzentleerung flüssiger und fester Nahrung vom Magen in den Dünndarm
- Da der Pförtner (Pylorus) fehlt, findet keine Portionierung statt
- Der Nahrungsbrei gelangt zu schnell in den Darm
- Der Brei enthält eine zu hohe Osmolarität und/oder zu viel Glukose
- Diese können vom Darm resp. vom Körper nicht richtig verarbeitet werden
- Wenn Patienten zu viel trinken mit dem Essen oder/ und zu KH-reich essen
- Frühdumping
- Innerhalb von 30 min nach Nahrungseinnahme
- Hyperosmolare Brei im Darm zieht Wasser aus dem Blut in Darm
- Blutdruck sinkt --> Schwindel, Übelkeit
- Volumen im Darm steigt (zu) schnell an --> Dehnung des Darms --> Krämpfe
- Symptome: Bauchkrämpfe, Durchfall, Blässe, Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Abnahme des Blutvolumens, BD-Abnahme bis zum Kollaps, Herzrasen, Kopfschmerzen, Schweissausbruch, Müdigkeit, Abgeschlagenheit
- Spätdumping
- Erst nach 1 – 3 Stunden nach Nahrungseinnahme
- Brei zu zuckerhaltig für Darm/ Körper
- Zucker gelangt schnell ins Blut --> löst eine (zu) starke Insulinsekretion aus
- Die (zu) starke Insulinausschüttung senkt den BZ-Spiegel übermässig
- Durch die schnelle Passage des Nahrungsbreis kommt keine Glukose nach --> Hypoglykämie
- Symptome: Hypoglykämie durch innere Unruhe, schwitzen, schneller Herzschlag, Schwäche, Heisshunger, Konzetrations-, Sehstörungen, Bewusstseinseintrübungen bis hin zu, Kollaps (Synkope)
- Vermeiden
- Süssigkeiten, Zucker, Honig, Süssgetränke
- Schnell verfügbare KH mit hohem glykämischen Index und grosser glykämischer Last (teigwaren, weisser Reis, Polenta)
- Früchte wie Bananen, Trauben, Trockenfrüchte
- Behandlung
- Bei Unterzuckerungssymptomen: Einnahme von komplexen Kohlenhydraten mit niedrigem glykämischen Index (Vollkornriegel, -cracker)
- Möglichst frühzeitig nach Eintreten der Symptome reagieren
- Traubenzucker (oder Dextrose) dabei haben, aber nur für Notfälle (drohende Synkope) verwenden
- Besonders wichtig bei Lenkerinnen von LKW, Bus, Taxi, etc.
--> Nicht Trinken während dem Essen! Vorher trinken
Welche weiteren Probleme können nach bariatrischen Eingriffen auftreten?
Nährstoff-Resorption nach Sleeve- Gastrektomie
- Grossteil des Magens (60- 80%) wird entfernt
- Reduktion der Magensäure-Produktion
- Dadurch verschlechtert sich Eisenabsorption und das Vitamin B12 ist weniger verfügbar (bleibt am Eiweiss gebunden)
- Intrinsic factor wird weniger produziert
- dadurch geringere Vitamin B12 Resorption im Ileum
- Andere Konsequenzen (Eiweissverdauung)?
Nährstoff-Resorption nach Magenbypass
- Von der Nahrungspassage ausgeschlossen:
- Magen (Eiweissverdauung, Eisen, B12)
- Ganzes Duodenums
- oberer Teil Jejunum
- Magensäure und Pankreassaft reduziert und wirken erst später im «Common Channel»
- Verminderte «Einwirkzeit»
- Common Channel: Bereich, wo Verdauungssäfte und Nahrung zusammen kommen
- «Koordination» der Verdauung verschlechtert
- Verminderte Absorption, v.a. von Mikronährstoffen
Nährstoff-Resorption nach biliopankreatischer Diversion mit Sleeve
- Grossteil des Magens entfernt
- Von der Nahrungspassage ausgeschlossen:
- Ein Teil des Duodenums
- Das Jejunum, ev. Teile des Ileums
- Kurzer «Common Channel»:
- bis 75% der Fette und bis 25% der Eiweisse werden nicht resorbiert
Auf was muss in der Nachbetreuung geachtet werden?
Themen in der Nachsorge
- Probleme mit der Funktionalität des Eingriffs
- Stenosen (zu stark Verengung von Passagen)
- Vernarbungen / Verwachsungen
- Ulzera (Geschwüre)
- Ungenügende Restriktion
- Gewichtsverlauf, Portionengrösse, Kalorienzufuhr
- Essantrieb/-präferenzen, Verträglichkeit von Nahrungsmitteln, Ernährungsqualität (Mikronährstoffdichte)
- Verdauungsprobleme (Erbrechen, Dumping, Fettstühle mit Durchfall, Blähungen, Schmerzen, Lactoseintoleranz)
- Bakterien
- Überwucherung im Dickdarm
- Mangelnde Abtötung im Magen
- Erhöhtes Risiko für gastrointestinale Infekte
- Hinweise auf Essstörungen (Rezidiv/neu auftretend)
- Einnahme von Supplementen und Laborkontrollen (Compliance)
- Bewegungsverhalten?
- Haarausfall
- Häufig in den ersten 3 Monaten nach Operation
- Meist reversibel
- Kinderwunsch
- Schwangerschaft frühestens nach 2 Jahren nach Eingriff
- Dann meist problemlos
- Nierensteine / Gallensteine