Differentielle Psychologie I - Theoretische Ansätze PFH
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Lernkarten
Reaktionsbildung
Individuum handelt genau entgegengesetzt zu seinen unbewussten Impulsen
→Kind mit aggressivem Triebimpuls ggü. seiner kleinen Schwester zeigt ihr ggü. übermäßig beschützendes Verhalten
Verschiebung
Entladung von aufgestauten Triebimpulsen an Personen oder Objekten die weniger gefährlich sind als die, die die Impulse ausgelöst haben.
→Angestellte die vom Chef gerügt wurde, beschimpft zu Hause ihre Kinder
Verleugnung
Unangenehme Tatsachen werden nicht wahrgenommen und durch Phantasien ersetzt.
→Junge der Angst vor seinem großen Bruder hat, erklärt er sei der stärkste Mann der Welt und habe vor nichts Angst
Fixierung
Individuum bleibt auf einer frühen Stufe der psychosexuellen Entwicklung stehen
→Jugendlicher ist immer noch Bettnässer, weil er unbewusst fürchtet im Laufe des Älterwerdens die Liebe seiner Mutter zu verlieren.
Regression
um traumatischen Erfahrungen zu entgehen, zieht sich das Individuum auf einer frühere Stufe der psychosexuellen Entwicklung zurück
→nach der Geburt eines Geschwisterchens wird ein älteres Kind wieder Bettnässer, da es fürchtet die Liebe seiner Mutter zu verlieren.
Identifizierung
Identifikation mit einer anderen Person, um die Bedrohung die von dieser Person ausgeht zu reduzieren
→eine entführte Geisel sympathisiert mit ihren Entführern, um ihre unbewusste Todesangst zu beherrschen
Rationalisierung
um Verhalten zu rechtfertigen, redet Individuum sich ein, sein Verhalten sei rational begründet
→Mutter mit starkem aggressiven Treibimpuls ggü. ihren Kindern bestraft diese oft und sehr streng mit der Begründung, dass sie aus ihnen rechtschaffende Menschen machen möchte
Sublimierung
Gegenstück zu den Abwehrmechanismen
Umwandlung oder Umlenkung von Libido in sozial akzeptierte Betätigung
→Aspekt der normalen Ich-Funktionen, Impulse aus dem Es und Forderungen der Außenwelt möglichst vollständig in Einklang bringen
(Spielen mit Kot zu spielen mit Knete zu Töpfern als Beruf)
2.5 Persönlichkeitsentwicklung: Phasenlehre und Ödipuskomplex
psychosexuelle Entwicklungsphasen
Orale Phase (0-1,5 Jahre)
früh oral-einnehmende Phase (bis ca. 8 Monate)→ Saugen und Schlucken lustvoll
oral- aggressive Phase (nachfolgend)→ Beißen und Kauen als lustvoll
Anale Phase (1,5 bis 3)
anal-expulsive Phase- Lustgewinn durch das Ausscheiden von Kot
anal-retentive Phase-Lustgewinn durch das Zurückhalten von Kot
Phallische Phase (3 bis 5 Jahre)
Genitalien als primäre erogene Zone → wichtigste Phase für die Persönlichkeitsentwicklung nach Freud weil Ödipuskomplex
Latenzphase (6 Jahre bis Pubertät)
fehlen sexueller Triebimpulse → keine nennenswerte psychosexuelle Entwicklung
Genitale Phase (Erwachsensein)
echte Objektwahl→ heterosexuelle Beziehung
-zunehmend durch soziale Orientierung gekennzeichnet
-alle vorangegangenen Phasen erfolgreich durchlaufen
Ausgewählte Persönlichkeitsmerkmale versch. Charaktertypen
durch Fixierung oder Regression kann es zu Manifestation von Persönlichkeitsmerkmalen kommen
oral-einnehmend
wissbegierig,leichtgläubig, übermäßiger Nahrungsgenuss
oral-aggressiv
sarkastisch, streitlustig
anal-expulsiv
kreativ, produktiv, unordentlich, grausam, destruktiv, unkontrolliert, unzuverlässig
anal-retentiv
ordentlich, pedantisch, geizig, eigensinnig
phallisch, Frauen
naiv, kokett, verführerisch, exhibitionistisch
phallisch, Männer
übertriebenes Männlichkeitsbedürfnisse, übertriebenes Erfolgsstreben, Impotenz, Erfolglosigkeit
Ödipuskomplex des Jungen
Junge begehrt seine Mutter sexuell, Vater wird als Rivale erlebt
→Ablehnung, will ihm Mutter wegnehmen, ihn kastrieren
→aus Kastrationsangst verdrängt er die Gefühle für die Mutter, sowie feindselige Gefühle
→Abwehrmechanismus Identifizierung mit dem Vater
→mitempfundene Befriedigung der auf die Mutter gerichteten sexuellen Triebimpulse
→verwandelt sich in Mutterliebe, asexuelle zärtliche Zuneigung
Ödipuskomplex-Psychischer Apparat
Endergebnis des Ödipuskomplex entscheidender Schritt für die Entwicklung des Über Ichs (Integration in die Kulturgemeinschaft)
→Funktion als "Bollwerk" gegen Inzest und Aggression wird verbessert
→durch Identifikation mit dem Vater Übernahme seiner ethisch-moralischen Standards
Ödipuskomplex des Mädchens
ersetzt die Mutter als ursprüngliches Liebesobjekt durch den Vater, aus Enttäuschung dass Mädchen keinen Penis haben (Kastration, Mutter verantwortlich)
Liebe auf Vater übertragen der Penis hat, aber auch Penisneid
→bleibt bestehen, auch in späteren Beziehungen
Bewertung Psychoanalyse
- Indentifikation zahlreicher psychischer Phänomene und Einbettung dieser in einen theoretischen Kontext
- Abwehrmechanismen an sich und Persönlichkeiten teilweise richtig erkannt
- hoher heuristischer Wert, führte zu vielen Diskussionen und Forschung
Kritik:
- sehr pessimistisches Menschenbild, von Impulsen getriebenes Wesen
- nicht empirisch überprüft (Freud lehnte es ab)
- mit aktuellen persönlichkeitspsychologischen Konzepten nicht vereinbar (Freud war sich Beschränktheit bewusst)
-Erklärung fast aller Verhaltensweisen aber immer erst im Nachhinein (wissenschaftlich nicht interessant)
Kapitel 3. Psychoanaltische Ansätze in der Zeit nach Freud
3.1 Die Bedeutung der frühen Beziehung
frühe Beziehungserfahrungen erhalten andere Bedeutung,
Kind und Beziehung zu seiner primären Bezugsperson 8objektbeziehung)→ Folgen für das Selbstkonzept, Selbstwertgefühl und Erwartungen an andere
Individualpsychologie von Alfred Adler (kein Neopsychoanalytiker)
Annahme, dass das Kind bedingt durch völlige Abhängigkeit (unfähig alleine zu überleben) ein Gefühl von Minderwertigkeit und Schwäche erlebt
-> daraus entsteht das Bedürfnis nach Sicherheit, welche durch bestimmte Strategien erreicht wird, diese verfestigen sich zu für diesen Menschen charakteristischen Lebensstil (seinem Charakter)
- nur eine erstrebenswerte Form der Überwindung von Unsicherheit: Einbindung des Einzelnen in die Gemeinschaft in der seine Schwächen aufgefangen werden (andere Strategie: Anhäufung von materiellem Besitz und Geiz)
Krankheitsgewinn der Neurose
Funktionalität der psychischen Störung
erlebte Minderwertigkeit wird durch psychische oder körperliche Symptome (z.B. Ängste oder Zwänge) versucht zu überdecken -> Entzug der Anforderungen der Umwelt
Neurotische Personen bewahren den "Schein des Wollens" können aufgrund der Symptome aber nicht die geforderten Leisitungen erbringen werden geschont und versorgt. (neurotisches Verhalten wird belohnt)
Einfluss des elterlichen Erziehungsstils
zwei Erziehungsstile besonders fatal da sie keine Sicherheit vermitteln sondern das Gefühl von Schwäche fördern
- verwöhnende Erziehung: Kind lernt nicht sich mit Schwierigkeiten auseinanderzusetzen und entwickelt keine Bewältigungsfähigkeiten
- sehr strenge, versagende Erziehung: Gefühl der Minderwertigkeit verstärkt sich
Selbstpsychologie von Heinz Kohut (1913-1981)
Strukturmodell der Persönlichkeit wird um ein unabhängiges, selbstständiges Selbst ergänzt (Abgrenzung zu den Vertretern der Ich-Psychologie)
-als innerpsychisches System verstanden, welches der Person das Gefühl der Einheit und Kohärenz (Koordination, Zusammenhang) verleiht
-Kohut: hatte mit Patienten zu tun deren Leiden nicht mit Freuds Theorie zu erklären war, hatten ein fehlendes oder gestörtes Selbstgefühl
Narzissmus (Kohut)
-eine von der Triebentwicklung unabhängige, eigenständige Entwicklungslinie
-nicht als Störung sondern als normalen Bestandteil der Entwicklung der Persönlichkeit betrachtet >zentral für ein gesundes und stabiles Selbst
primärer Narzissmus (Kohut)
allererste Erfahrungen des Säuglings > Einheit mit der Mutter vermittelt das Gefühl von Größe und Allmacht endet wenn Kind getrennte Einheiten wahrnimmt und die Unvollkommenheit der Pflege und Zuwendung
> wichtig für die Entwicklung von Selbstwert
es bleiben aber:
> das Größen-Selbst oder grandioses Selbst: KInd sieht sich als großartig und mächtig
>ein idealisiertes Bild der Eltern (idealisierte Elternimago) als deren Teil es sich sieht
Quelle für Ehrgeiz und Ideale > Entwicklung von Kompetenzen und Talenten
Narzisstische Störungen (Kohut)
entstehen wenn die Bezugsperson das Kind ablehnt oder selbst aufgrund von gestörten Selbstgefühlen nicht fähig sind den narzisstischen Bedürfnissen des Kindes empathisch zu begegnen
Bindungstheorie von John Bowlby (1907-1990)
verbindet Psychoanalyse, Verhaltensbiologie und evolutionsbiologische Perspektiven
angeborenes Bindungssystem (attachment behavioral system) aktiviert die Suche nach Schutz und Sicherheit indem die Nähe von persönlich signifikanten Bezugspersonen (attachment figures/Bindungspersonen) gesucht wird
geschieht wenn Person ihre Sicherheit bedroht sieht: entweder direkte Nähe oder Rückgriff auf internalisierte Repräsentationen (symbolische Nähe und Schutz), mit zunehenden Alter eher so
Sichere Bindung
Interindividuelle Unterschiede in den Bindungserfahrungenabhängig davon wie sich Bezugspersonen in kritischen Situationen verhalten
-sichere Bindung: neue Umwelten können frei exploriert werden und mit anderen Menschen kann positiv interagiert werden
gibt Selbstvertrauen in die eigene Bewältigungskompetenz als auch die subjektive Gewissheit, dass andere zu Unterstützung willens und fähig sind.
keine sichere Bindung
Bezugsperson verhält sich in kritischen Situationen nicht zuverlässig oder sensibel
> es entstehen Zweifel an der eigenen Fähigkeit, Probleme zu bewältigen und Zweifel an Zuverlässigkeit und gutem Willen der anderen
es wird zu anderen Strategien der Emotionsregulation gegriffen (defensive Reaktion auf fehlende Bindungssicherheit)
Hyperaktivierung
intensive, gesteigerte Bemühungen um die Nähe zu der Bindungsperson und ihre Aufmerksamkeit und Unterstützung
> reagieren üermäßig sensibel auf Zeichen möglicher Zurückweisung und Ablehnung
> andauerndes Grübeln über die eigene Schwächen und mögliche Gefährdung ihrer Beziehungen
Deaktivierung
Bemühen um Nähe und Schutz wird gehemmt, jede Bedrohung die das Bindungssystems aktiviert wird unterdrückt oder negiert
> distanzierte Beziehungen, keine zu große Nähe
> Bemühung um persönliche Stärke und Eigenständigkeit, Unterdrückung von emotional belastenden Gedanken und Erinnerungen
attachment working models
kognitive Schemata (in Kindheit und Jungend entstanden), die zum festen Bestandteil der Persönlichkeit werden
working models of others
mentale Repräsentationen des Verhaltens der Bindungspersonen
> Erwartungen an künftige Interaktionen und Beziehungen
working models of self
mentale Repräsentationen der eigenen Kompetenz
>Erwartungen an eigene Bewältigungskompetez