PFH Göttingen


L. B.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über theoretische Ansätze der differentiellen Psychologie auf Universitätsniveau. Sie behandeln zentrale Konzepte wie persönliche Konstrukte, Verhaltensweisen und die subjektive Konstruktion von Erfahrungen. Die Karteikarten beleuchten die Rolle von Konstrukten bei der Vorhersage von Verhaltensweisen und die Bedeutung individueller Unterschiede in der Wahrnehmung von Situationen. Besonders nützlich sind sie für Studierende der Psychologie, die sich mit kognitiven Persönlichkeitstheorien und deren Anwendung in der Praxis vertraut machen möchten.
Karten
187
Lernende
9
Sprache
Deutsch
Kategorie
Psychologie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
18.01.2015 / 02.02.2025

Lernkarten

externale Kontrollüberzeugung (external control of reinforcement)

Erwartung, dass das Eintreffen einer bestimmten Verhaltenskonsequenz außerhalb der eigenen Einflussmöglichkeiten liegt (Zufall,Glück)

Antezedente Bedingungen der Kontrollüberzeugung

- Erfahrungen und Lerngeschichte

-stark kontrollierender Erziehungsstil > wahrscheinlich externale Kontrollüberzeugung

-Zugehörigkeit zu einer höheren sozialen Schicht > stärkere internale Kontrollüberzeugung

Verhaltenskorrelate internale Kontrollüberzeugung

-effizientere Informationsverarbeitung und Problemlösefähigkeit, bessere Leistung beim intentionalen und   inzidentiellen Lernen

-höhere Lebensqualität bei chronischen Erkrankungen

-negativer zusammenhang zwischen Depression und internaler Kontrollüberzeugung

Verhaltenskorrelate externale Kontrollüberzeugung

- ängstlicher, aggressiver, dogmatischer, misstrauischer, unsicherer, weniger leistungsorientiert dafür eher misserfolgvermeidend

-weniger gut bei Informationsverarbeitung

- schlechtere Lebensqualität bei chronischen Erkrankungen

- weniger schwere Depressionen

(positives Selbstbild weil Versagen external begründet werden kann)

5.2 Albert Bandura (geb. 1925)

sozial-kognitive Theorie

kognitive Einflussfaktoren (Person) und soziale Einflussfaktoren (Umwelt) die Lerngegebenheiten bereitstellt oder vorenthält, beeinflusst welches Verhalten mit welcher Folge ausgeführt wird

Vier Teilprozesse des Lernens am Modell

klare Trennung zwischen Erlernen und Üben des Verhaltens (1-3) und tatsächlicher Umsetzung (4.Motivation)

Beispiel: Bobo-doll

1. Aufmerksamkeit

wird durch Merkmale des Geschehens (Komplexität, Zugänglichkeit) und Merkmale des Beobachters Wahrnehmungspräferenzen, Aktivierungsniveu) beeinflusst

2. Speicherung

beeinflusst durch die Art und Weise wie Informationen gespeichert und wie häufig sie abgerufen werden und durch die kognitiven Fähigkeiten des Beobachters

3.Produktion

wird durch mentale Repräsentationen des Verhaltensablaufs, durch Korrekturen des produzierten Verhaltens und durch relevante physisch-motorische Fähigkeiten des Beobachters beeinflusst

4. Motivation

wird benötigt um gelerntes Verhalten in die Tat umzusetzen

beeinflusst durch äußere Anreize oder Verstärker, stellvertretende Verstärkung, Selbstverstärkung und Merkmale des Beobachters (persönliche Standards)

Drei Merkmale haben Schlüsselrolle bei Verhaltensproduktion und -regulation einer Person

Erwartungen, Verhaltenspotential, und ihre Verhaltensstandards

Ergebniserwartung (zwei Arten von Erwartung)

 

Erwartungen im Hinblick darauf mit welchen Konsequenzen Verhalten verbunden ist.

 

 

 

Drei Klassen von Folgen

-körperlich-physische (Wohlbehagen/Unbehagen)

-soziale (Zustimmung von anderen)

-Folgen im Hinblick auf die Selbstbewertung (Erreichung persönlicher Verhaltensstandards)

Die Erwartung von Selbstwirksamkeit (self-efficacy)

Erwartung bestimmtes Verhalten ausüben zu können

nach Banduras Kern des aktiven Menschen

Zentrale Rolle der Selbstwirksamkeit

nimmt auf alle anderen Faktoren im Prozess Einfluss

> welche Aktivität wählt die Person, wie intensiv verfolgt sie diese, welchen Anspruch sie an die eigene Leistungsfähigkeit stellt, welches Wissen sie erwirbt und mit welchem Erfolg vorhandene Kompetenzen umgesetzt werden

Anwendungsgebiete: Verhaltenstherapie, Erfolg von Therapie, Gesundheitsverhalten und Leistungsverhalten

Erfassung von Selbstwirksamkeit

Personen geben an ob und mit welcher Gewissheit sie davon überzeugt sind ein Verhalten realisieren zu können

Quellen der Selbstwirksamkeit (4)

1. "mastery experiences"

das in Frage stehende Verhalten wurde erfolgreich ausgeführt, man glaubt über die entsprechenden Fähigkeiten zu verfügen und der Erfolg ist auf diesen begründet

2. Beobachtung von erfolgreich agierenden Modellen

insb. wenn sie als der eigenen Person ähnlich wahrgenommen werden, können auch Wissen über das Verhalten vermitteln

3. Zutrauen von anderen (du schaffst das schon)

gut zureden und evtl. Gelegenheit schaffen das Verhalten auszuüben

4. eigene körperliche und affektive Reaktionen

gefürchtete Situation ohne Herzklopfen und weiche Knie > höhere Selbstwirksamkeit

Fünf menschliche Fähigkeiten (Bandura)

 

- Fähigkeit Wissen symbolisch zu repräsentieren z.B. Sprache (symbolizing capability)

- Fähigkeit Wissen und Fertigkeiten durch Beobachtung von Modellen zu erwerben (vicarious capability)

- Fähigkeit Verhaltensfolgen zu antizipieren (forethought capability)

- Fähigkeit zur Selbstregulation; Ziele setzten und überprüfen wie weit (self-regulatory capability)

- Fähigkeit zur Selbstreflexion (self-reflective capability)

Triadisch reziproke Verursachung

Umwelt, Person und ihr Verhalten stehen in gegenseitiger Wechselbeziehung

> Menschen sind zugleich Gestalter und Produkte ihrer sozialen Umwelt

5.3 Walter Mischel (geb. 1930)

Kognitiv-Affektives Persönlichkeitssystem (CAPS)

Übertragung der sozial-kognitiven Theorie auf den Bereich der Persönlichkeitspsychologie:

Einfluss von Personmerkmalen auf Lernprozesse und Prozesse der Verhaltensregualtion in Modell der Persönlichkeit integriert

> Zusammenführen von Merkmalen welche in besonderem Maße geeignet sind das Verhalten einer Person zu beschreiben und zu erklären

Fünf Merkmalsbereiche innerhalb des CAPS

1. Enkodierung

Interindividuelle Unterschiede in Konstruktion zur Kategorisierung der eigenen Person, anderer Personen, Ereignisse und Situationen

2. Erwartungen und Überzeugungen

Interindividuelle Unterschiede in den bekannten Erwartungstypen, darunter Selbstwirksamkeitserwartung und Ergebniserwartung

3. Affekte

Interindividuelle Unterschiede in aktuell und habituell erlebten Emotionen einschließlich physiologischer Reaktion

4. Ziele und Werte

Interindividuelle Unterschiede in den Zielen und Projekten, die eine Person verfolgt und in den Wertmaßstäben an denen sie ihr Verhalten ausrichtet

5. Kompetenzen und Pläne zur Selbstregulation

Interindividuelle Unterschiede im Verhaltensrepertoire und in Strategien und Plänen für die Handlungsorganisation und Fähigkeit Informationen zu transformieren (S.90)

Besondere Bedeutung der psychologischen Situation

Verhalten einer Person wird durch die subjektive Konstruktion einer Situation bestimmt und nicht durch ihre objektiven Merkmale

Individuelle Ausprägung in den fünf Personenmerkmalen

Resultat genetisch-biologischer Ausstattung und (sozialer) Lerngeschichte

> Entwicklungen über die Lebensspanne und aktulle Einflüsse der Umwelt sorgen für ständige Dynamik

Betonung des Einflusses von Situationen auf das Verhalten, CAPS stabile Verhaltensprofile, interaktionistisch und personenkonzentriert

5.4 Bewertung

Rotter: erfolgreicher Versuch lerntheorethische Konzepte mit kognitiven Ansätzen zu verbinden, Betonung von kognitiven Prozessen ABER menschliche Verhaltensweisen ausschließlich als gelerntes Verhalten

-eher Prozesstheorie da Aspekte der Veränderung aber keine umfassende Persönlichkeitstheorie

Bandura: richtet Aufmerksamkeit auf interindividuelle Unterschiede in der sozialen Lerngeschichte und in den kognitiven Verhaltensdeterminanten

Mischel: Einbeziehung aller Personenfaktoren insbesondere subjektiv konstruierte, psychologische Situationen als Ausgangspunkt des Verhaltens.

offen für weitere Bestimmungsstücke, aktuell umfassendster theoretischer Rahmen für die Persönlichkeitspsychologie 

Kapitel 6: Kognitive Persönlichkeitstheorien

betonen interindividuelle Unterschiede bei der Art und Weise wie eine Person sich selbst, ihre Erfahrungen und ihre Umwelt konstruiert, sowie die Folgen dieser Konstruktion für ihr Verhalten

6.1 Theorie der persönlichen Konstrukte George A. Kelly (1905-1966)

Persönliche Konstrukte

Ordnungsprinzip (Dimension) nach der Erfahrungen im Hinblick auf die eigene Person und die soziale und materielle Umweltunterschieden und mit Bedeutung versehen werden

-bevorzugt bipolar (anregend vs langweilig)

-können auch präverbal unbewusst oder implizit sein

Grundpostulat

Prozesse einer Person (Erleben und Verhalten) werden durch die Art und Weise wie sie Ereignisse antizipiert, psychologisch vermittelt und geprägt. (z.B. Prüfung als Versagen antizipiert> Einfluss auf Verhalten und Erleben der Situation) 

 

Die 11 Korollarien (Folgesatz, der sich aus einer Prämisse ableitet)

S.95-96

1. Konstruktions-Korollarium, 2. Individualitäts-Korollarium, 3. Organisations- 4. Dichotomie-,5. Wahl- , 6.Bereichs-, 7. Erfahrungs- , 8. Modulations- , 9.Fragmentations- , 10. Ähnlichkeits- , 11. Sozialitäts-Korollarium

 

Individualitäts-Korollarium

Personen unterscheiden sich in ihrer Konstruktion von Ereignissen > Persönlichkeit und Einzigartigkeit resultiert aus dem individuellen Konstruktsystem, der Strukturierung von Erfahrungen und ihren verliehenen Bedeutungen

Sozialitäts-Korollarium

es kommt nur dann ein Austausch zustande, wenn eine Person sich bemüht, die Konstruktionen ihrer Interaktionspartner zu konstruieren

Konstrukte

entstehen aus wiederholten Erfahrungen, bilden Elemente ab die eine Person bei der Wiederholung von Ereignissen als invariant konstruiert

Vorhersage als zentrale menschliche Motivation

Konstrukte dienen vor allem zur Vorhersage künftiger Erfahrungen, es geht nicht um richtig oder falsch sondern um Effektivität (so abgebildet dass Person damit zurecht kommt).

permeable (durchlässige) Konstrukte

Konstruktbereich wird bei neuen Erfahrungen entsprechend erweitert und differenziert > integrativ & flexibel

impermeable Konstrukte

lassen neue Konstrukte nicht zu > es müssen ständig neue Konstrukte gebildet werden

existieren womöglich unverbunden nebeneinander

Lernen