Differentielle Psychologie
Uni Würzburg
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Flashcards
Intelligenz: Definition
Lebenspraktische Bedeutung von „Intelligenz“
Intelligenz korreliert positiv mit Erfolg in Ausbildung, Erfolg in Beruf, Erfolg in der Partnerschaft, Gesundheit
= die Art der Bewältigung einer aktuellen Situation, Fähigkeit sich unter zweckmäßiger Verfügung über Denkmittel auf neue Forderungen einzustellen, intellektuelle/kognitive Fertigkeiten- the ability to reason, plan, solve problems, think abstractly, comprehend complex ideas, learn quickly and learn from experience. It is not merely book learning, a narrow academic skill, or test-taking smarts. Rather it reflects a broader and deeper
capability for comprehending our surroundings
Ausmaß der Güte von Verhaltensweisen, die sie aus Allgemeiner Psychologie I kennen:
• Gedächtnis (z.B. Menge)
• Sprache (z.B. Qualität, Wissen)
• Wahrnehmung und Aufmerksamkeit (z.B. Reaktionszeiten in Experimenten)
• Denken (z.B. Lösungszeit oder Menge)
-> Fokus liegt dabei auf den Leistungsunterschieden zwischen Probanden
Intelligenz: Skalen und Verteilungen
Binet: gegen sensorische Maße zur Erfassung von Intelligenz, Konstruktion des ersten Intelligenztests zur Diagnostik von Kindern (3-15 Jahre) , „Intelligenzalter“ – Testleistung zum Alter in Beziehung gesetzt -> Intelligenz nimmt irgendwann nicht mehr zu, deshalb Intelligenzalter problematisch
Stern: Einführung des Intelligenzquotienten, der Intelligenzalter und Lebensalter in Beziehung setzt (Intelligenalter/Lebensalter * 100) -> bis zur Adoleszenz brauchbares Maß, dann nimmt Intelligenz nicht mehr zu
Wechsler: Einführung des Abweichungs-IQ: Individueller Testwert wird am Mittelwert und
der Streuung der Testwerte von vergleichbarer Altersgruppe standardisiert
-> weicht von Normalverteilung ab, mehr Personen im oberen und unteren Ende als theoretisch zu erwarten (Erklärungen: prä- und perinatale Schädigungen des Gehirns, monogenetisch bedingte Stoffwechselstörungen (Phenylketonurie), Intelligenzdefekte, gezielte Partnerwahl (deren Kinder treten häufiger auf als Zufall))
Zwei-Faktoren-Theorie (Spearman)
Die von Galton und Wissler verwendeten Testwerte waren unreliabel (= Erklärung für geringe Korrelation) -> in eigenen Daten positive Korrelationen zwischen verschiedenen Tests zur Erfassung von mentalen Fähigkeiten! -> alle messen eine gemeinsame Eigenschaft = die general intelligence (g), jeder Test erfasst eine spezifische Komponente s und zufällige Messfehler e
Testscore = g + s + e (unkorreliert, summiert man über versch, Tests so reduziert sich s und e, relativer Anteil von g erhöht sich)
-> gut bestätigt, g erklärt 50% der Varianz in unterschiedlichsten kognitiven Aufgaben
Faktorenanalyse - grafisch
= identifiziert Gruppen von einander ähnlichen Variablen, ermöglicht Reduktion und Vereinfachung
-> Welche Fragen messen dasselbe Konstrukt?
jede latente Variable/Faktor beeinflusst jede manifeste Variable, jedoch unterschiedlich stark
-> Einfachstruktur: eine Messvariable korreliert dann mit einem Faktor hoch und den anderen niedrig, vereinfachte Darstellung durch Weglassen der niedrigen Korrelationen
Faktoren können untereinander korreliert sein
Graphisch-räumlich: Messvariablen können auch als Vektoren im Faktorenraum betrachtet werden - je näher die roten und blauen Pfeile an den grünen Pfeilen liegen desto höher die Korrelationen
-> wenn zwei Faktoren (Achsen) einen rechten Winkel bilden ist die Korrelation 0, je weiter der Winkel desto negativer die Korrelation
-> wenn Primärfaktoren erneut faktorisiert werden ergeben sich Sekundärfaktoren
Faktorenanalyse: prozedural-softwaretechnisch
Schritte der Faktorenanalyse:
1) Auswahl der zu messenden Variablen und Voraussetzungsprüfung
2) Herstellung einer Korrelationsmatrix der zu messenden Variablen
3) Wahl einer Extraktionsmethode und Berechnung aller Faktoren aus der Korrelationsmatrix
4) Festlegung der Anzahl der zu extrahierenden Faktoren
5) Rotation der Faktoren (verbesserte Interpretierbarkeit der Faktoren) = Komponentenkorrelationsmatrix
6) Interpretation der rotierten Faktorlösung = Mustermatrix
7) Schätzung der Faktorwerte
Die zwei Klausurfragen zur Faktorenanalyse
1. Erklären Sie ganz kurz die sechs wesentlichen Schritte einer Faktorenanalyse
- Auswahl der zu messenden Variablen
- Herstellung einer Korrelationsmatrix der zu messenden Variablen
- Berechnung aller Faktoren aus der Korrelationsmatrix
- Festlegung der Anzahl der zu extrahierenden Faktoren
- Rotation der Faktoren (verbesserte Interpretierbarkeit der Faktoren)
- Interpretation der rotierten Faktorlösung
Faktorenanalyse: was ist Teil davon? gleiche wie bei Altfrage, neu: Interpretation von Eigenwerte
2. Welche der folgenden Aussagen trifft für die oblique/schiefwinklige (Gegenteil von orthogonal) Variante der Faktorenrotation zu?
- Die resultierenden Faktoren (Primärfaktoren) können im Sinne einer hierarchischen Faktorenanalyse erneut faktorisiert werden
- Die Faktoren sind unkorreliert
- Es werden weniger Faktoren extrahiert als bei der orthogonalen Rotation
- Die Faktoren liegen meist dichter an den ursprünglichen Variablen
- Die Faktoren sind korreliert
Zusammenfassung der Entscheidungen als Anwender der Faktorenanalyse
• Extraktionsmethode
– Hauptkomponenten oder Hauptachsenanalyse
• Anzahl der extrahierten Faktoren
– Hypothesengeleitet (vorher annehmen, dass es nur 2 Faktoren sind), Explorativ, Scree (Cattell 1966) oder Kaiser-Kriterium (alle Werte größer 1 werden behalten), Paralleltest (Horn 1965), Statistisch (Faktorisierbarkeit)…
• Rotationsmethode
– orthogonal oder oblique/schiefwinklig (ist die Regel, liegen näher an Daten), siehe Fabrigar et al. 1999
Ablaufschema Faktorenanalyse
- Theoretischer und empirischer Forschungshintergrund einer Studie, man braucht mind. 10 VP, Datenerhebung, für jede Person eine Zeile, für jedes Fragebogenitem eine Spalte
- Korrelationsmatrix berechnen, Zeilen und Spalten sind alle Adjektive die wir betrachten, jede Variable korreliert mit sich selbst zu 1, jede Variable wird mit den anderen korreliert
- Wahl der Extraktionsmethode, durch Matrizenrechnung -> reduzierte Korrelationsmatrix, Hauptkomponentenanalyse (1 nicht mehr da, verloren oder weggeschmissen)
- Auswahl von Faktoren/Anzahl -> welche schmeißen wir weg? Screeplotverfahren oder Kaiser -> Faktorladungsmatrix
- Rotationsproblem: schiefwinklig oder orthogonal, Ziel = Einfachstruktur
- Interpretation der rotierten Faktoren
- Schätzung der Faktorenwerte
Intelligenz: Thurstone
Aus Faktorenanalysen:
sieben Primary Mental Abilities
• Memory (Behalten paarweise gelernter Assoziationen)
• Space (räumliches Vorstellungsvermögen)
• Verbal comprehension (Kenntnis von Wörtern und der Bedeutung)
• Reasoning (Zahlenreihen fortsetzen)
• Number (Zahlenrechnung)
• Perceptual Speed (schnell ankreuzen und auslassen)
• Word fluency (möglichst schnell viele Begriffe produzieren)
Mein Schlauer Vatter Ringt Nach Passenden Worten
IQ = Testprofil, für jeden Faktoren gibts einen Wert und dann gibts ein individuelles Profil wo die Stärken sind
Grundlage der Ergebnisse: Batterie von 57 Tests, 218 College Studenten
• Faktorenanalyse: 9 Faktoren
• spätere Analysen: sieben Primary Mental Abilities
Spearman vs. Thurstone
- Thurstone heterogenere Aufgaben (aber vor allem mit Studierenden, sind sich in der Leistungsfähigkeit ähnlich), Spearman ähnliche Aufgaben
je selektiver die Stichprobe desto geringer die Chance auf Zusammenhänge zwischen Variablen
Spearmans Ergebnisse wurden später mehr repliziert
Gruppenfaktormodell (Burt, Vernon)
Untersuchung mit weiteren Tests
• > einige Tests korrelieren hoch miteinander
• > einige Tests korrelieren niedrig miteinander
• > alle Tests korrelieren positiv
• Erklärung: hierarchische Struktur von Intelligenzfaktoren
6 Primärfaktoren: Fluency, literarische Fäh., linguist. Fähigkeiten, Numerical, inductive, perceptual
-> nochmal faktorisiert: Major-Groupfactors = verbal-educational und spatial-motor (korrelieren immernoch positiv miteinander)
-> dritte Faktorenanalyse = klein g = allgemeine Intelligenz
spekulative Erklärung für major group facts: Hemisphärendominanz
-> Wechsler Intelligenztests
Strukturmodelle: Fluide und kristallisierte Intelligenz (Cattell)
Synthese der Theorien von Spearman und Thurstone, auch g-Faktor und Primärfaktoren, hierarchisches Modell
Wie funktioniert Intelligenz im Lebenslauf?
Fluide Intelligenz = Anpassung an Lebensumstände, stark genetisch bedingt, entwickelt sich sehr viel schneller als kristallisierte, Primärfaktoren: Figurale Beziehungen, Gedächtnisspanne, Induktives Denken
-> bes gut messbar mit "kulturfreien" Tests, rein figural
-> steigt an und dann wieder ab
Kristallisierte/allgemeine Intelligenz = kognitive Fertigkeiten, in denen sich Lernerfahrungen kristallisiert und verfestigt haben
• Voraussetzung: fluide Intelligenz (nutzt man sein ganzes Leben, um kristallisierte I anzuhäufen)
• Primärfaktoren: Verbales Verständnis, Erfahrungsgeleitete Bewertung, Semantische
Beziehungen
-> steigt an je länger man lebt
gehen beide auf fluide historische Intelligenz zurück, haben gemeinsame Varianz, Korrelation 0,5 -> gemeinsamer übergeordneter Faktor gf(h)
Fluide Intelligenz vor allem mit induktivem Denken etc, Kristalline eher mit verbal korreliert
Empirische Belege:
- Zunahme der fluiden I von Kindheit in Jugend, Abnahme über Lebensalter, mögliche Grundlage = Reifung des Gehirns, Maxima grauer Substanz in versch. Gehirnregionen im frühen Jugendalter
- Korrelation mit präfrontaler Gehirnaktivität bei Arbeitsgedächtnisaufgabe
- Leistungsverringerung bei fluider Intelligenz durch Schädigung des frontalen
Kortex (b)
- Fluide Intelligenz vor allem mit präfrontaler und parietaler Gehirnaktivierung und –dichte
assoziiert
-> Faktorenkonzept ist gut replizierbar
Strukturmodelle: Structure-of-Intellect Model (Guilford)
Abkehr von hierarchischen Intelligenzmodellen
• Faktorenanalyse: orthogonale Rotationen, keine Faktoren höherer Ordnung, > kein g-Faktor
• Ziel: intellektuelle Prozesse beschreiben, klassifizieren und erklären
• Modell: Beschreibt Informationsverarbeitung kognitiver Prozesse: Input, Operationen, Output
INPUT:
figural = Information in konkreter Form (z.B. Abbildung)
symbolisch = Information in Form von Zeichen (z.B. Buchstaben, Zahlen)
semantisch = Information in Form von Begriffen/ Konstrukten (z.B. verbales Denken)
verhaltensmäßig = Informationen über menschliche Interaktionen
OPERATION:
Kognition (Erkenntnisvermögen) = schnelles Wiedererkennen von Information
Gedächtnis = Fixierung neuer Information im Speicher
divergente Produktion = Entwicklung (vieler) logischer Alternativen
konvergente Produktion = Entwicklung logischer Schlussfolgerungen
Evaluation = Vergleich von Informationen mit dem Ziel einer Beurteilung (z.B. „korrekt“)
OUTPUT:
Einheiten = abgrenzbare Teile von Informationen (Operation)
Klassen = abstrahierter Oberbegriff zu abgegrenzten Teilen von Informationen
Beziehungen = logische Verbindungen zwischen Informationen
Systeme = Organisierte Ansammlungen von Informationen (Komplexe von sich beeinflussenden Teilen)
Transformationen = Veränderungen von Informationen
Implikationen = zufällige Verbindungen zwischen Informationen
-> man kann viele einzelne Tests durchführen mit diesem Würfel (120 unabhängige Faktoren)
-> jeder Informationsverarbeitungsprozess hat Inhalt, Operator und Produkt und kann im Quader-Modell verortet werden, die unabhängigen Faktoren korrelieren positiv, Modell ist empirisch belastet (passen nicht so ganz zur Realität)
Prozessmodelle Intelligenz
- Kognitiver Korrelate Ansatz:
• Ausgangspunkt: hoch und niedrig intelligente Vpn
• Ziel: Identifikation der kognitiven Prozesse, in denen sich beide Gruppen unterscheiden.
•„What does it mean to be high verbal?“ (Hunt et al., 1975)
- Kognitive-Komponenten-Ansatz (Sternberg)
• Ausgangspunkt: Klasse von Testaufgaben
• Ziel: Identifikation der kognitiven Prozesse, die bei der Lösung der Aufgabe verwendet werden
•„What do intelligence tests test?“ (Pellegrino & Glaser, 1979)
-> Induktives Denken- welche Prozesse gibt es da? Personen mit hohen Testwerten benötigen weniger Zeit für Merkmalsentdeckung, Merkmalsvergleich etc aber länger für die Enkodierung
Neurokognitive Psychometrie: höhere Intelligenz ist mit längeren Laufzeiten von früheren Ereigniskorrelierten Potentialen verbunden und mit kürzeren Laufzeiten der späteren Gehirnreaktionen
-> hohe Intelligenz = stärkere Vernetzung von Gehirnarealen