Demenz, Delir, Depression

zur Vorlesung vom 10.05.2016

zur Vorlesung vom 10.05.2016


Z. S.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über Demenz, Delir und Depression, insbesondere für Studierende der Medizin. Sie decken die Diagnostik, Therapie und Risikofaktoren dieser Erkrankungen ab, wobei Schwerpunkte auf den Unterschieden zwischen Demenz und Depression, den verschiedenen Formen der Demenz und den Therapieansätzen liegen. Besonders nützlich sind sie für Medizinstudierende und Ärzte, die sich auf die Diagnose und Behandlung dieser neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen vorbereiten.
Karten
48
Lernende
21
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
18.05.2016 / 21.06.2025

Lernkarten

D-Syndrome

Demenz

Delir

Depression

Def. Delir

(akute) Verwirrtheitszustände und bezeichnet alle psychischen Störungen, die eine organische Ursache haben und mit verändertem Bewusstsein, gestörter Aufmerksamkeit und anderen kognitiven Störungen einhergehen

Synonnyme Delir (2)

  • akuter Verwirrtheitszustand
  • akutes hirnorganisches Psychosyndrom

Delir: Beginn

akut oder subakut

Vigilianzsstufen (5)

  1. wach und andäquat
  2. Benommenheit
  3. Somnolenz
    • weckbar
  4. Sopor
    • nur für kurze Zeit durch starke Reize weckbar
  5. Koma
    • nicht weckbar

formale Denkstörungen

  • Verlangsamung
  • Inkohärenz (leichte Form)
  • Zerfahrenheit (schwere Form)

Abgrenzung des Delir von der Demenz (2)

  1. Bewusstseinszustand gestört? Vigilianzminderung
  2. Begleitsymptome: RR hoch, Schwitzen, Unruhe, Angst, ...

Def. Delirium tremens

Alkoholentzuugssyndrom

Ursachen eines Delir (6)

  • fieberhafter Infekt
  • OP
  • Entzug
  • Exsikkose
  • Elektrolytstörungen
  • Demenz

Bezeichnung postoperatives Delir

Durchgangssyndrom

Mortalität Delir

DD Demenz / Delir

  • Beginn
  • Verlauf
  • Bewusstsein
  • Aufmerksamkeit
  • Halluzinationen
  • psychomotorische Störungen

DD Demenz / Delir

Formen des Delir (3) und deren Inzidenz, sowie ein Beispiel

  1. hyperaktives Delir (15%)
    • Delirium tremens
  2. hypoaktives Delir (25%)
    • Delir bei Medikamentenintoxikation
  3. gemischtes Delir (50%)
    • Delir bei Demenz

Therapie des Delir (3)

  • allgemeine Maßnahmen v.a. Behandlung der Ursache
  • nicht-medikamentöse Therapie v.a. Reizabschirmung ist wichtig
  • medikamentöse Therapie

nicht-medikamentöse Therapie des Delir: ultima ratio

 

Fixierung

medikamentöse Therapie des Delir

möglichst eine Therapie hne Medikamente anstreben, weil sie durch ihre UAW ein hohes Risiko für den Patienten darstellen

  • Neuroleptika
    • niederpotente z.B. Melperon
    • mittelpotente z.B. Pipamperon
    • hochpotente
  • Benzodiazepine
  • Clomethiazol beim Alkoholentzug
  • AChE-Hemmer z.B. Trzepacz

Def.: Demenz

Sammelbegriff für Erkrankungen, die mit einem chronischen progredienten Verlust intelektueller Fähigkeiten enihergehen.

Die Demenz ist eindeutig altersabhängig. Faustregel:

Ab dem 65. Lebensjahr verdoppelt sich alle 5 Jahre das Risiko an Demenz zu erkranken.

Warum ist bei Männern das Risiko an einer Demenz zu erkranken geringer?

Nur 1/3 der an Demenz Erkrankten sind Männer, da Frauen eine höhere Lebenserwartung haben.

Def.: Nihilismus

Verneinung aller positiven Ansätze

Leitsymptom der Demenz

  • zu Beginn
  • im fortgeschrittenen Stadium

fortschreitende Gedächtnosstörung

  • zu Beginn: es fällt schwer, sich neue Informationen zu merken
  • im fortgeschrittenen Stadium: Langzeitgedächtnisstörung mit Verlust von Faktenwissen

Def.: semantische Demenz

Verlust des Sprachverständisses und der Fähigkeit, Gegenstände zu erkennen

Diagnosestellung Demenz

zusätzlich zum fortschreitenden Gedächtnisverlust muss mindestens ein weiteres Merkmal erfüllt sein

  • Beeinträchtigung der Orientierung und des Urteilsvermögens
  • Beeinträchtigung anderer höherer kognitiver Funktionen
    • Aphasie, Apraxie, Agnosie, Alexie
  • Persönlichkeitsveränderungen und andere nicht-kognitive Störungen
    • emotionale Labilität, Depressionen, Halluzinationen, Wahn, ...

Def.: visuelle Agnosie

Alexie

Def.: Ufähigkeit, Dinge zu erkennen

Agnosie

Def.: Unfähigkeit, komplexe Aufgaben zu erfüllen

Apraxie

Def.: Beeinträchtigung der Sprachproduktion

Aphasie

Formen der Demenz (4) und deren Häufigkeit

Formen der Demenz (4) und deren Häufigkeit

Was ist allen Formen der Demenz gemeinsam?

Ablagerung von Proteinen

Diagnostisches Procedere bei Demenz

  • MMST
  • Uhrentest

  • MMST: Mini Mental Status Test
  • Uhrentest: Pat. soll Uhr mit vorgegebener Zeit malen

Diagnostisches Procedere bei Demenz

  • Warum sollte mindestens eine Bildgebund erfolgen?

Warum sollte mindestens eine Bildgebung erfolgen?

  • Ausschlussdiagnose Meningeom oder chronisch-entzündliche Erkrankungen
  • Differentialdiagnose: degenerative vs. vaskuläre Demenz

Diagnostisches Procedere bei Demenz

  • Liquordiagnostik

Liquordiagnostik

  • Tau-Protein-Normbereiche: unspezifisch für Alzheimer-Demenz
  • Aβ-Quotient = Aβ1-42/(Aβ1.40 x 10): spezifisch für Alzheimer-Demenz, wenn <1,0

Aβ-Protein

  • = β-Amyloid
  • entsteht aus dem Amyloid-Precrusor-Protein (APP) durch β- bzw. γ-Sekretase

Tau-Protein

  • Mikrotubuli-assoziiertes Protein
  • pathologische Aggregation durch Phosphorylierung

Protein 14-3-3

  • cytoplasmatisches Protein der Neurone
  • ist vermehrt im Liquor enthalten, wenn Nervenzellen zugrunde gehen

Diagnostisches Procedere bei Demenz

  • MRT-Untersuchung: Alzheimer, vaskuläre Demenz

  • Hirnatrophie v.a. bei Alzheimer
    • Ventrikel erweitert
    • kortikale Atrophie
    • Hippocamusformation und Amygdala degenerieren zuerst
  • subcortikale hypterintensive Läsionen in der T2-Wichtung stützen die Hypothese einer vaskulären Demenz

Diagnostisches Procedere bei Demenz

  • FDG-PET

FDG-PET

  • FDG = Fluordesoxyglucose
  • Messung des regionalen Glucoseverbrauchs

Diagnostisches Procedere

  • PIB-PET

PIB-PET

  • PIB = 6-Hydroxybenzothiazol (6-OH-BTA-1) = „Pittsburgh Compound B“
  • Tracer bindet spezifisch an beta-Amyloid und markiert dieses dadurch

Amyloid-Kaskaden-Hypothese

  • Normalerweise ist die Bildung von P3 aus APP (Amyloidprocusreser Protein) durch die Beta- und Gammasekretase ein physiologischer Prozess.

  • Doch durch einen alternativen Abbauweg kann sich Aβ42 bilden, das seine Konformation ändern kann und dann akkumuliert. Es kommt zur Plaquebildung. Es wird vermutet, dass die Akkumulation im Schnitt 20 bis 30 Jahre vor dem Eintritt der Demenz beginnt.

  • Zudem hat Aβ42 neurotoxische Eigenschaften. Eine immunologische Entzündungskaskade schädigt zusätzlich.

Therapieansätze der Demenz (2)

 

  1. nicht-medikamentös
    • v.a. kreative Ansätze (Musik-, Kunsttherapie, ...)
    • und Verhaltenstherapie
  2. medikamentös
    • cholinerge Hypothese: Durch den massiven Neuronenuntergang kommt es zu einem ACh-Mangel
      • Substitution von ACh in Kombination mit AChE-Hemmer
      • z.B. Rivastigmin, Donepezil
    • Modulierung der glutamatergen Neurotransmission
      • mittels Memantinen
      • z.B. Ebixa, Axura

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