Colitis Ulcerosa

Colitis Ulcerosa

Colitis Ulcerosa


Stefan Schmidt
Diese Lernkarten bieten einen grundlegenden Überblick über die chronisch-entzündliche Darmerkrankung Colitis ulcerosa, ihre Symptome, Diagnose, Therapie und mögliche Komplikationen. Sie eignen sich besonders für Medizinstudierende und Fachpersonal, die sich mit den Grundlagen dieser Erkrankung vertraut machen möchten. Die Karteikarten behandeln auch die Unterschiede zu Morbus Crohn und geben Einblicke in die Ernährungstherapie sowie die medikamentöse Behandlung.
Karten
14
Lernende
0
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Grundschule
Erstellt / Aktualisiert
03.11.2013 / 03.11.2013

Lernkarten

Colitis Ulcerosa - Definition?

Der Begriff Colitis ulcerosa bezeichnet per Definition eine chronische Entzündung der Schleimhaut des Dickdarms, bei der sich nicht heilende Geschwüre bilden:

  • Colitis oder Kolitis bedeutet Dickdarmentzündung (griech. Kolon = Dickdarm bzw. Grimmdarm, -itis = Entzündung)
  • ulcerosa (bzw. ulzerös) heißt geschwürig (lat. Ulkus = Geschwür)

Die Colitis ulcerosa ist somit – ebenso wie der Morbus Crohn – eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED). Bei der Colitis ulcerosa beginnt die Darmentzündung stets im Mastdarm (Rektum) und breitet sich in etwa der Hälfte der Fälle in Richtung des linksseitigen Dickdarms aus. Die Entzündung kann aber auch den gesamten Dickdarm stetig befallen. Ein Übergang der Colitis ulcerosa auf den Dünndarm ist sehr selten. Die fortschreitende und auf den Dickdarm beschränkte Ausbreitung grenzt die Colitis ulcerosa gegenüber dem Morbus Crohn ab.

Colitis Ulcerosa - Häufigkeit?

Die Colitis ulcerosa tritt mit einer Häufigkeit von jährlich 3 bis fast 4 neuen Fällen pro 100.000 Einwohnern auf. Frauen sind geringfügig häufiger betroffen. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, beginnt aber am häufigsten bei jungen Menschen zwischen 16 und 25 Jahren. Bei bis zu einem Viertel aller Betroffenen zeigen sich die ersten Anzeichen der Darmerkrankung vor dem 20. Lebensjahr, vereinzelt sogar schon im Säuglingsalter. Es gibt sowohl eine familiäre Häufung als auch eine ethnische: Weiße erkranken etwa viermal so oft wie Farbige. In den letzten 20 Jahren trat die Colitis ulcerosa, ebenso wie Morbus Crohn, zunehmend häufiger auf.

Colitis Ulcerosa - Ursachen?

Worin die Colitis ulcerosa ihre Ursachen hat, ist nach wie vor unbekannt. Gleiches gilt für den Morbus Crohn, der wie die Colitis ulcerosa zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zählt. Es ist anzunehmen, dass in beiden Fällen mehrere ähnliche Faktoren bei der Entstehung der chronischen Darmentzündung zusammenwirken (sog. multifaktorielle Genese). Zu diesen Faktoren zählen:

Colitis Ulcerosa - Symptome?

Die für eine Colitis ulcerosa wichtigsten Symptome sind:

  • blutiger und schleimiger Durchfall – in schweren Fällen mit bis zu 30 Stuhlgängen pro Tag
  • krampfartige Leibschmerzen

Diese Schmerzen treten bei der Colitis ulcerosa im Dickdarm, in der Mitte des Unterbauchs oder in der Kreuzbeingegend auf. Häufig verspüren die Betroffenen Schmerzen vor oder unmittelbar nach dem Stuhlabgang (Tenesmen). Es kann auch Blut aus dem Darm abgehen, ohne dass die Betroffenen Stuhl ausscheiden. Damit verursacht die Colitis ulcerosa ähnliche Symptome wie eine andere chronisch-entzündliche Darmerkrankung: der Morbus Crohn.

Der mit einer Colitis ulcerosa einhergehende Eiweißverlust über den Darm und die verminderte Nahrungszufuhr führen dazu, dass viele Betroffene Gewicht verlieren und sich müde und abgeschlagen fühlen. Des Weiteren sind Fieber, Blutarmut (Anämie) und eine Zunahme der weißen Blutkörperchen (Leukozytose) bei Colitis ulcerosa relativ häufig. All diese Symptome können aber auch durch andere chronisch-entzündliche Darmerkrankungen entstehen.

Colitis Ulcerosa - Diagnose?

Colitis Ulcerosa - Ausmaß der Aktivität?

  • Zeigt die Colitis ulcerosa eine milde Aktivität, kommt es weniger als 4-mal am Tag zu Durchfall mit wenig Blut und es fehlen Fieber, Blutarmut sowie Entzündungszeichen.
  • Eine mäßig aktive Colitis ulcerosa ist durch 4 bis 6 blutige Durchfälle ohne Fieber, mit leichter Blutarmut, geringen Entzündungszeichen und einem leicht eingeschränkten Allgemeinbefinden gekennzeichnet.
  • Für eine schwere Aktivität der Colitis ulcerosa sprechen mehr als 6 blutige Durchfälle, Fieber, erhöhte Entzündungszeichen, niedrige Hämoglobin-Werte (zeigen eine Blutarmut), oft starke Bauchschmerzen, ein beschleunigter Herzschlag (Tachykardie) und ein beeinträchtigtes Allgemeinbefinden.
  • Eine heftig verlaufende Colitis ulcerosa zeigt zusätzlich zu den Anzeichen einer schweren Krankheitsaktivität weitere Symptome bzw. Komplikationen (wie toxisches Megakolon mit Schmerzen, plötzlich stoppendem Durchfall, Blähungen, Fieber, Schüttelfrost).

Colitis Ulcerosa - Therapie?

Bei der Colitis ulcerosa zielt die Therapie darauf ab, die Beschwerden zu lindern und das Risiko für Komplikationen zu verringern. Die Behandlung kann allerdings nicht die Ursachen der Colitis ulcerosa beheben. Eine vollständige Heilung der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung ist deshalb nicht möglich. In erster Linie besteht die Colitis-ulcerosa-Therapie aus einer individuellen Diät und der Einnahme entzündungshemmender Medikamente.

Colitis Ulcerosa - Medikamente?

Die größte Rolle bei der Colitis-ulcerosa-Therapie spielen Medikamente, die entzündungshemmend wirken. Zur Behandlung eines akuten Colitis-ulcerosa-Schubs stehen verschiedene Mittel zur Verfügung. Die wichtigsten sind:

Colitis Ulcerosa - Ernährung?

Bei der Colitis ulcerosa spielt im Rahmen der Therapie auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Hier gilt allgemein die sogenannte Vermeidungsdiät – das bedeutet: Essen Sie das, was Ihnen bekommt, und meiden Sie alles andere.

Eine spezielle Diät zur Colitis-ulcerosa-Therapie steht nicht zur Verfügung. Solange Ihre Colitis ulcerosa weniger aktiv ist, gilt es allerdings als empfehlenswert, dass die Ernährung ausreichend Eiweiß und Ballaststoffe enthält und blähungsarm ist. Während eines akuten Schubs gelten diese Ernährungstipps jedoch nicht, da in diesem Fall eine derartige schwer lösliche Kost die entzündeten Dickdarmschleimhäute zusätzlich reizen würde

  • Ihren Fleischkonsum auf höchstens eine Mahlzeit pro Woche beschränken (dies gilt nicht für Geflügel u. Fisch),
  • weitgehend auf Alkohol verzichten,
  • zu fettreiche Lebensmittel (z.B. zu viel Schokolade) vermeiden,
  • keine Softdrinks trinken,
  • Obst und Gemüse essen.

Colitis Ulcerosa - OP?

Unter bestimmten Umständen erfordert die Colitis ulcerosa zur Therapie eine Operation: Wenn es nicht gelingt, die Darmerkrankung mit Medikamenten zu kontrollieren, wenn Komplikationen auftreten oder Krebsvorstufen vorliegen, ist es notwendig, den Dickdarm oder Teile des Dickdarms operativ zu entfernen (Kolektomie).

Sie können eine operative Colitis-ulcerosa-Therapie aber auch anstreben, wenn Sie zum Beispiel Dickdarmkrebs vorbeugen oder einfach die Menge Ihrer Medikamente verringern möchten.

Üblicherweise besteht bei der Colitis ulcerosa die Operation darin, den Dickdarm zusammen mit dem Enddarm vollständig zu entfernen; anschließend formt der Operateur aus dem Dünndarm ein als Pouch bezeichnetes Reservoir und verbindet das Ende des Dünndarms mit dem Analkanal (sog. restaurative Proktokolektomie). Es ist also kein künstlicher Darmausgang nötig – man kann nach der Operation weiterhin ganz normal auf die Toilette gehen.

Colitis Ulcerosa - Verlauf?

Die Colitis ulcerosa zeigt einen chronischen und schubweisen Verlauf. Dieser ist individuell sehr unterschiedlich, weshalb eine allgemeine Prognose schwer ist. Grundsätzlich gilt, dass die chronisch-entzündliche Darmerkrankung die mittlere Lebenserwartung der Betroffenen im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung nicht messbar verkürzt. Heilungschancen bestehen bei der Colitis ulcerosa jedoch nicht.

Colitis Ulcerosa - Komplikationen außerhalb des Darms?

Mögliche Komplikationen der Colitis ulcerosa außerhalb des Darms sind:

  • Gelenkentzündungen
  • Entzündungen am Auge
  • Entzündungen der Gallenwege (häufiger bei Männern)
  • Leberschädigungen
  • Hautveränderungen (Erythema nodosum)

Colitis Ulcerosa - Komplikationen innerhalb des Darms?

·Toxisches Megakolon (Darm infolge einer Wandschwäche sowie einer Gasansammlung überdehnt ist, liegt ein sogenanntes toxisches Megakolon vor) ·Darmdurchbruch (Perforation) à lebensbedrohliche Komplikation ·Schwere Darmblutungen à Bluttransfusionen à In seltenen Fällen ist es notwendig, den betroffenen Darmabschnitt zu entfernen (Resektion). ·Narbenbildung (Strikturen) à betroffene Darmabschnitt dauerhaft verengt à geht häufig mit starken, kolikartigen Beschwerden einher. Im Extremfall kann ein Darmverschluss die Folge sein. ·Fisteln und Abszesse (Abszesse sind Eiteransammlungen in nicht vorgeformten Körperhöhlen, die äußerst schmerzhaft sind. Im Vergleich zu Morbus Crohn sind Fisteln und Abszesse im Verlauf der Colitis ulcerosa sehr selten. ·Dickdarmkrebs (nimmt nach langem Verlauf das Risiko für Dickdarmkrebs zu)

Colitis Ulcerosa - Vorbeugung?

Sie können einer Colitis ulcerosa nicht wirksam vorbeugen. Im Gegensatz zum Morbus Crohn ist es jedoch möglich, eine bestehende Colitis ulcerosa prophylaktisch zu behandeln und so weitere Schübe zu verhindern beziehungsweise den Verlauf günstig zu beeinflussen. Diese vorbeugende Behandlung besteht darin, im symptomfreien Intervall über mehrere Jahre täglich ein Salizylat einzunehmen.

Da eine Colitis ulcerosa das Risiko für Dickdarmkrebs erhöht, ist nach einem achtjährigen Krankheitsverlauf einmal jährlich eine Spiegelung des gesamten Dickdarms empfehlenswert. Nur so kann es gelingen, einen möglichen Dickdarmkrebs frühzeitig zu diagnostizieren.

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