BWL07 Finanzierung

Detailfragen zu BWL07 stammend aus fernstudenten

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David Reinbold
Diese Lernkarten bieten einen Überblick über Finanzierungsmethoden für Unternehmen, insbesondere im Kontext von Basel II und Ratingverfahren. Sie behandeln Themen wie Eigen- und Fremdkapital, Leasing, Factoring, Mezzanine-Kapital und Asset-Backed Securities. Die Karteikarten sind für Studierende der Betriebswirtschaftslehre an Universitäten geeignet, die sich mit Finanzierung und Kapitalbedarf auseinandersetzen möchten.
Karten
86
Lernende
8
Sprache
Deutsch
Kategorie
Finanzen
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
04.01.2015 / 20.01.2017

Lernkarten

Unterschied von eigenen Aktien und Vorratsaktien

Vorratsaktien werden über den gegenwärtigen Kapitalbedarf der AG hinaus geschaffen und von ei-
nem Dritten oder einem Treuhänder für Rechnung der Gesellschaft übernommen. Sie werden daher
auch als Verwaltungs- oder Verwertungsaktien bezeichnet.

Eigene Aktien: Gesellschaften können aufgrund eines Hauptversammlungsbeschlusses eigene Aktien
bis zu 10% des Grundkapitals schaffen. Aus Vorsichtsgründen musste in der Bilanz in entsprechender
Höhe eine Rücklage gebildet werden.

Erklären Sie, wie man Franchising als langfristige Finanzierung interpretieren kann.

Franchising ist eine vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen rechtlich selbstständig bleiben-
den Unternehmen (Franchise-Geber und Franchise-Nehmer). Im Mittelpunkt von Franchising steht
ein Dauerschuldverhältnis. Der Franchise-Geber bietet dem Franchise-Nehmer ein Paket, das aus
einem Beschaffungs-, Absatz- und Organisationskonzept besteht. Dafür sind eine einmalige Gebühr
und monatlich laufend zwischen 1 bis 3% des Umsatzes an den Franchise-Geber zu entrichten. Au-
ßerdem hat der Franchise-Nehmer auch die Investitionskosten ganz oder teilweise zu tragen.

Inhaber- und Namensaktien erklären
Inhaber vs. Namensaktien - im Rahmen aktueller Entwicklungen beschreiben und jeweils erklären

Inhaberaktien: Auf den Inhaber lautende Aktien, die durch Einigung und Übergabe des Papiers über-
tragen werden. Die Aktien dürfen nur ausgegeben werden, wenn sie voll eingezahlt sind. Übliche Akti-
enform in Deutschland.

Namensaktien Aktien, die auf den Namen des Aktionärs lauten und in das Aktienbuch der Gesell-
schaft eingetragen werden. Namensaktien sind Orderpapiere, die nur durch Indossament und Über-
gabe übertragen werden können. Namensaktien sind in den USA vorherrschend.

Dimensionen der Liquidität erklären

Liquidität 1. Grades (Cash Ratio): flüssige Mittel/ kurzfristige Verbindlichkeiten
Liquidität 2. Grades (Quick Ratio): monetäres Umlaufvermögen/ kurzfristige Verbindlichkeiten
Liquidität 3. Grades (Working Capital Ratio): Umlaufvermögen/ kurzfristige Verbindlichkeiten

Erklärung/ Beschreibung
- Emissionsfähigkeit
- Fremdemission
- Selbstemission

Emissionsfähigkeit: Schuldverschreibungen können nur ausgegeben werden, wenn sie emissionsfähig
sind. Bund, Länder und Gemeinden sind gesetzlich emissionsfähig. Bei anderen Emittenten entschei-
det ein Emissionskonsortium und die Börsenzulassungsstelle über die Emissionsfähigkeit. Maßgeblich
ist dabei die Bonität des Schuldners.

Die Emission einer Schuldverschreibung kann im Wege der Selbst- oder Fremdemission erfolgen. Die
Selbstemission setzt gute Kenntnisse und Kontakte auf dem Kapitalmarkt voraus und ist daher nur bei
Banken, insbesondere bei Landesbanken, Hypothekenbanken und Spitzeninstituten von Banken als
Emittenten verbreitet. Andere Unternehmen und Körperschaften beauftragen ein Emissionskonsortium
mit der Unterbringung der Obligation am Kapitalmarkt (Fremdemission).

Beschreiben von Wandelschuldverschreibung (ausführlich). Warum besonderen Be-
deutung für Unternehmen? Vorteile usw.

Wandelschuldverschreibung ist eine Form der langfristigen Fremdfinanzierung und eine Mischung
aus Kredit- und Beteiligungsfinanzierung. Sie gewähren zusätzlich zu den Rechten normaler
Industrieobligationen noch das Recht auf Umtausch der Papiere in Aktien (Wandel). Macht der
Inhaber von Wandelobligationen von seinem Recht Gebrauch, die Obligationen in Aktien
umzutauschen, spricht man von der Option zur Wandlung. Bei dieser Option werden oft Zuzahlungen
entsprechend dem geschätzten Wertverlauf der Aktie vereinbart (weil Aktien oft höheren Wert als
Obligationen haben). Wandlungsverhältnis, -zeitpunkt und evt., Zuzahlungen sind im Voraus
festzulegen. Kapitalverwässerungsklausel sichert die Rechte der Obligationäre bei Kapitalerhöhungen.
Nach der Umwandlung wird aus Fremdkapital Eigenkapital bzw. aus Gläubigern werden Anteilseigner.

Vorteile für das Unternehmen:

  • Der Kapitalbedarf kann auch in ungünstigen Zeiten gedeckt werden.
  • Niedrigere Verzinsung.
  • Bis zum Umwandlungszeitpunkt bestehen keine Dividendenverpflichtungen sondern nur im Voraus festgelegte Verpflichtungen zu Zinszahlungen.
  • Im Unterschied zu Dividendenzahlungen mindern die Fremdkapitalzinsen das zu versteuernde Einkommen und belasten das Unternehmen nur etwa zur Hälfte.
  • Die Bedingungen für eine spätere Kapitalerhöhung werden bereits früh endgültig festgelegt.

Vorteile für den Kapitalanleger:

  • Bis zum Wandlungszeitpunkt besteht kein Eigenkapitalrisiko.
  • Durch die feste Verzinsung wird ein Mindestertrag gesichert.
  • Durch das Wandlungsrecht ist die zusätzliche Teilnahme an späteren Kurssteigerungen gegeben. Dadurch kann eventuell die Substanzerhaltung der Kapitalanlage gewährleistet werden.
  • Bei ungünstiger Entwicklung der Aktienkurse besteht keine Wandlungsverpflichtung.

Es wird ebenfalls über die Kreditsicherung per Sicherungsübereignung gesprochen.
Was versteht man darunter?

Bei dieser Realsicherheit muss der übereignete Vermögensgegenstand nicht übergeben werden. Die
Übergabe wird durch ein Besitzkonstitut ersetzt. Der Sicherungsgeber kann die sicherungsübereignete
Sache daher weiter benutzen.

Unterschied zwischen Wandelschuldverschreibung/ Optionsanleihe und Schuldschein-
darlehen/ Schuldverschreibung

Optionsanleihe: Sie beinhaltet ein zusätzliches Recht, Aktien oder Obligationen des Unternehmens zu
im Voraus festgelegten Bedingungen zu erwerben. Die ursprüngliche Option bleibt nach der Aus-
übung der Option erhalten.

Bei einer Optionsanleihe kann die Option von der Anleihe abgetrennt und gesondert gehandelt wer-
den. Nachrangige, partialische Darlehen oder Gesellschafterdarlehen besitzen vielfach einen fremd-
kapitalähnlichen Charakter.

Unterschied zwischen Schuldscheindarlehen und Schuldverschreibung:

  • Im Gegensatz zu Schuldverschreibungen werden Schuldscheindarlehen ohne Mitwirkung des organisierten Kapitalmarktes aufgebracht.
  • Schuldscheindarlehen sind keine Wertpapiere.
  • Die Mindestsummen beim Schuldscheindarlehen sind höher.
  • Die Verzinsung beim Schuldscheindarlehen liegt etwas höher als bei Schuldverschreibungen.
  • Die Nebenkosten entfallen beim Schuldscheindarlehen weitgehend.
  • Schuldscheindarlehen ist nicht standardisiert.
  • Beim Schuldscheindarlehen gibt es keinen Börsenhandel.
  • Schuldverschreibungen sind anonyme, Schuldscheindarlehen individuelle Kapitalschuldverhältnisse.

Warum ist Leasing meistens teurer aber wird trotzdem bevorzugt

Die Kosten des Financial Leasings sind in der Regel höher als beim Kauf mit Kreditfinanzierung, weil
die Leasinggesellschaft neben den Refinanzierungskreditkosten Verwaltungskosten, kalkulatorische
Wagnisse und Gewinnaufschläge zu berücksichtigen hat. Es können sich jedoch nicht quantifizierbare
Vorteile ergeben, wie z.B. unbürokratische Kreditfinanzierung zu 100% ohne zusätzliche Sicherheiten,
Übernahme von Verwaltungsarbeiten, Dispositionsspielraum bei starrem Investitionsbudget.

Financial und Operating Leasing erklären

Operating Leasing: Beim Operating Leasing überwiegt das Mietverhältnis. Die Verträge sind unter
Einhaltung gewisser Fristen jederzeit kündbar. Der Leasinggeber trägt das gesamte Investitionsrisiko.

Financial Leasing: Eine bestimmte Grundmietzeit ist unkündbar. Nach deren Ablauf wird dem Lea-
singnehmer in der Regel eine Verlängerungs- oder Kaufoption eingeräumt. Das Investitionsrisiko trägt
der Leasingnehmer. Beim Financial Leasing handelt es sich im Gegensatz zum Operating Leasing
eher um ein Kreditverhältnis.

Steuerliche Handhabe von Leasing, wer hat unter welchen Voraussetzungen zu bilanzieren?

Operating Leasing: Der Leasinggeber ist Vermieter und hat entsprechend zu bilanzieren. Der Lea-
singnehmer bucht die Leasingraten als Aufwand (Mietaufwand).

Financial Leasing: Die Verträge werden häufig so gestaltet, dass der Leasinggeber bilanziert. Dann
hat der Leasingnehmer den Vorteil, dass er die Leasingrate in voller Höhe als Aufwand bzw. Be-
triebsausgabe berücksichtigen kann.
Wenn der Leasingnehmer zu bilanzieren hat, muss die Leasingrate – wie eine Annuität – jeweils in
einen Zins- und Tilgungsanteil aufgeteilt werden. Nur der Zinsanteil und die Abschreibung, die sich für
die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer ergibt, können als Aufwand behandelt werden. Der Leasing-
nehmer wird so behandelt, als ob er den Leasinggegenstand voll auf Kredit gekauft hat.

Leverage Effekt

Die Eigenkapitalrentabilität kann dadurch positiv beeinflusst werden, dass zusätzliches Fremdkapital
zu Kosten aufgenommen wird, die unter der Rendite liegen, die mit dem zusätzlichen Fremdkapital
erwirtschaftet werden kann.

Im Zusammenhang mit Basel II wird das Thema Selbstfinanzierung für die Unterneh-
men immer interessanter. Gehen Sie detailliert auf die offene und stille Selbstfinanzie-
rung ein. Welche Vorteile erwachsen dem U. aus der Selbstfinanzierung? Welche Nach-
teile entstehen?

Offene Selbstfinanzierung: Bei Personenunternehmen werden die Gewinnanteile den Kapitalkonten
der Gesellschafter gutgeschrieben und erhöhen das Eigenkapital. Bei Kapitalgesellschaften wird der
einbehaltene Gewinn einer Gewinnrücklage zugeführt. Offene Gewinnrücklagen werden in gesetzliche
und freie unterteilt. Eine AG muss solange 5% des Gewinns in gesetzliche Rücklagen einstellen, bis
Kapitalrücklage und gesetzliche Rücklage 10% des Grundkapitals ausmachen. Vom Restgewinn kön-
nen bis zu 50% in die freien Gewinnrücklagen eingestellt werden.

Stille Selbstfinanzierung: stille Reserven werden durch Nichtausweis und Unterbewertung von Aktiva
gebildet. Versteckte Reserven entstehen durch zusätzlichen Ansatz bzw. Überbewertung von Passiva.
Im Unterschied zu offenen Rücklagen ist die Lebensdauer von stillen Reserven unsicher

Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten detailliert erläutern

Grundgedanke des Lohmann-Ruchti-Effektes ist, dass Anlagevermögensgegenstände sich selbst
finanzieren, wenn die ihnen jeweils zugeordnete Abschreibung vom Markt über die
Verkaufspreise zurückgeholt werden kann.

Der Lohmann-Ruchti-Effekt besteht insgesamt aus einem Kapitalfreisetzungseffekt und einem Kapazi-
tätserweitungseffekt:

Ersterer besagt, dass Anlagevermögensgegenstände, die der Abschreibung unterliegen, Mittel freiset-
zen, wenn das Unternehmen die Abschreibungsbeträge in die Preise einrechnen und diese Preise am
Markt durchsetzen kann.

Der Kapazitätserweiterungseffekt hingegen folgt dem Kapitalfreisetzungseffekt und besagt, dass die
durch die Abschreibungsgegenwerte in die Unternehmung fließenden Mittel sofort wieder in Anlagegü-
ter gleichen Typs und gleicher Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten reinvestiert werden, so dass
sich die Kapazität des Unternehmens ohne Aufnahme neuer Mittel erweitert.

Grund hierfür ist im Wesentlichen, dass die freigesetzten Mittel früher als zum Ende der Abschreibung
einer Altanlage zur Verfügung stehen.
Voraussetzung ist die Teilbarkeit der Anlagen, d.h., es werden mehrere gleichartige Anlagen betrie-
ben, die einzeln ersetzt oder auch zugekauft werden können.
Bei Abschreibung nur einer einzigen Großanlage gibt es keinen Lohmann-Ruchti-Effekt.
Dieser Erweiterungseffekt ergibt sich in der Regel nur theoretisch. In der Praxis bestehen zahlreiche

Einschränkungen bzw. Bedenken:

  • Selten wird der Erweiterungseffekt mit den betrieblichen Notwendigkeiten übereinstimmen.
  • Es wird völlige Preisstabilität unterstellt
  • Bei einer Erweiterung der Kapazität nimmt in der Regel auch der Kapitalbedarf für das Umlaufvermögen zu. Der zusätzliche Kapitalbedarf wird nicht berücksichtigt.
  • Nur wenn die Abschreibung der tatsächlichen Wertminderung entspricht, ist die Rechnung korrekt.
  • Es wird vorausgesetzt, dass die Abschreibung verdient wurde und die Gegenwerte tatsächlich zugeflossen sind.

Erläutern Sie kurz den Begriff des sogenannten „Sekundärmarktes“.

Auf einem Sekundärmarkt werden bereits im Umlauf befindliche Finanzprodukte gehandelt.

Stellen Sie kurz dar, aus welchen Teilplänen sich die betriebliche Finanzplanung üblicherweise zusammensetzen sollte. Welche Aufgaben haben diese jeweils zu erfüllen?

Der Finanzplan besteht aus dem Kapitalbedarfs- und Kapitaldeckungsplan.

Die Kapitalbedarfsplanung hat die Aufgabe, die zukünftigen finanziellen Bedürfnisse des Unterneh-
mens zu erfassen. Ausgangspunkt für die Berechnung des Kapitalbedarfs ist die Prognose des mögli-
chen Umsatzes.

Der Kapitaldeckungsplan soll zeigen, wie die ermittelten finanziellen Bedürfnisse aus der Kapitalbe-
darfsplanung gedeckt werden.

Bei der sog. „Finanzierung aus Abschreibungen“ wird in der Regel auf den Kapazitätserweiterungseffekt verwiesen. Was ist damit genau gemeint?

Lohmann-Ruchti haben festgestellt, dass sich aus Abschreibungsgegenwerten ein Kapazitätserweite-
rungseffekt nach der Formel 2/ (1 +1/n) ergibt. Z. B. können bei einer Nutzungsdauer von 10 Jahren
aus den Abschreibungsgegenwerten auf die Dauer die 1,82 fachen Anlagen wiederbeschafft werden
(auch: Lohmann-Ruchti-Effekt). Damit sind die verbrauchsbedingten Abschreibungen eine Quelle der
Neuinvestition.

Erläutern Sie den Unterschied zwischen Geldmärkten und Kapitalmärkten.

Auf den Geldmärkten werden kurzfristige Finanzprodukte gehandelt, während es auf Kapitalmärkten
um mittel- und langfristige Finanzierungen geht. Es handelt sich also um eine Einteilung der Finanz-
märkte nach der Fristigkeit der Produkte.

Was besagt die goldene Finanzierungsregel?

Die Goldene Finanzierungsregel (auch als Goldene Bankregel bezeichnet) fordert eine Fristenkon-
gruenz zwischen der Kapitalaufbringung und anschließenden Kapitalrückzahlung (Finanzierung) und
der Mittelverwendung (Investition). Unternehmensexterne können die Einhaltung der fristenkongruen-
ten Finanzierung anhand der goldenen Bilanzregel überprüfen.

Erläutern Sie die goldene Bilanzregel.

Die Goldene Bilanzregel fordert: Langfristig gebundenes Vermögen ist langfristig zu finanzieren. D.h.,
die Finanzierungsdauer soll mit der Kapitalbindungsdauer abgestimmt werden (Fristenkongruenz).
In Abhängigkeit davon, ob man die langfristige Finanzierung ausschließlich in Eigenkapital gegeben
sieht oder ob man auch langfristiges Fremdkapital (z.B. ein 10-jähriges Bankdarlehen) einbezieht,
unterscheidet man den Deckungsgrad 1 sowie den Deckungsgrad 2.

Was ist unter dem Begriff „Venture-Capital-Gesellschaften“ zu verstehen? Inwiefern unterschieden sich diese von den „Kapitalbeteiligungsgesellschaften“?

Venture-Capital-Gesellschaften sind bankähnliche Institute, die kleinen und mittleren Gesellschaften
ohne Börsenzugang von außen Eigenkapital zuführen. Sie beteiligen sich als GmbH- Gesellschafter,
Kommanditisten, typische bzw. atypische stille Gesellschafter oder auch in Form von Genussrechten.

Welche Möglichkeiten stehen einer AG zur Erhöhung des Grundkapitals zur Verfügung?

Kapitalerhöhungen als echte Beteiligungsfinanzierungen sind in drei Formen möglich: ordentliche,
bedingte und genehmigte Erhöhung.

Ordentliche Kapitalerhöhung: Bezugsrecht bei jungen Aktien

Bedingte Kapitalerhöhung: wird von der Hauptversammlung beschlossen, jedoch nur bei Eintritt
einer Bedingung durchgeführt. Der Gesetzgeber nennt drei Fälle:

  • Begebung von Wandelschuldverschreibungen zur Gewährung von Umtausch- oder Bezugsrechten, d. h., der Kapitalanleger hat die Möglichkeit, seine Schuldverschreibung später in Aktien umzuwandeln. Für die dadurch erforderliche Kapitalerhöhung ist rechtzeitig Vorsorge zu schaffen
  • Vorbereitung von Fusionen bzw. Verschmelzungen. -> Bilanzsumme der fusionierten Unternehmen wird addiert und ergibt eine neue Fusionsbilanz
  • Ausgabe von Belegschaftsaktien. Auch hier muss rechtzeitig ein Hauptversammlungsbeschluss gefasst werden, der nur insoweit umgesetzt wird, als Mitarbeiter sich entscheiden, Aktien eventuell im Rahmen einer Gewinnbeteiligung zu übernehmen.

Genehmigte Kapitalerhöhung: Die genehmigte Kapitalerhöhung ist eine Pauschalermächtigung der
Hauptversammlung für den Vorstand, in den nächsten (maximal fünf) Jahren das Grundkapital zu
erhöhen. Hier ergibt sich der Vorteil, dass der Vorstand eine günstige Situation auf dem Kapitalmarkt
ausnutzen kann, ohne dass kurzfristig eine Hauptversammlung stattfinden muss.
Für das Unternehmen ergibt sich in der Bilanz neben der Erhöhung des Grundkapitals eine Zunahme
der Kapitalrücklagen in Höhe des Agios.

Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln: bilanziell handelt es sich nur um eine Umbuchung von
Rücklagen – vor allem Kapitalrücklagen – in Grundkapital. Der Aktionär erhält Gratisaktien in einem
bestimmten Verhältnis. Praktisch bekommt er jedoch „nichts geschenkt“, da sein Anteil am Gesamt-
vermögen der AG gleich bleibt. Der Börsenkurs der Aktien wird sinken und auch die Dividende pro
Aktie.

Keine Veränderung der Bilanzsumme.

Erläutern Sie den Begriff „Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln“.
In welchem Zusammenhang steht dieser Typus mit sogenannten „Gratisaktien“?

Kapitalerhöhungen aus Gesellschaftsmitteln stellen bilanziell nur eine Umbuchung von Kapitalrückla-
gen in Grundkapital dar. Der Aktionär erhält Gratisaktien in einem bestimmten Verhältnis. Praktisch
bekommt er jedoch „nichts geschenkt“, da sein Anteil am Gesamtvermögen der AG gleich bleibt. Der
Börsenkurs der Aktien wird sinken, ebenso die Dividende pro Aktie.

Weshalb wird den Altaktionären ein Bezugsrecht eingeräumt?

Bei einer Kapitalerhöhung erhalten die bisherigen Aktionäre das Recht junge Aktien zu einem meist
günstigeren Kurs zu erwerben. Der Wert des Bezugsrechts richtet sich nach dem Anteil am Grundka-
pital. Das Bezugsrecht wird an der Börse gehandelt.

Berechnung:

\({Kurs der alten Aktien - Kurs der neuen Aktien \over Bezugsverhätnis + 1} = {Ka-Kn \over {a \over n} +1 }\)

Warum gibt der Vorstand Namensaktien aus?
Welchen Stellenwert hat diese Aktiengattung am deutschen Aktienmarkt?
Was bedeutet der Begriff „vinkulierte“ Namensaktie?

Für die AG ergibt sich der Vorteil, dass sie auf Knopfdruck die derzeitige Aktionärsstruktur erfährt und
vor allem eher den Aufkauf von Streubesitz1 erkennt und Maßnahmen gegen sogenannte feindliche
Übernahmen ergreifen kann.

Namensaktien sind in den USA vorherrschend. Die übliche Aktienform in Deutschland sind Inhaberak-
tien.

Die vinkulierte Namensaktie kann nur übertragen werden, wenn die Gesellschaft zustimmt. So soll
verhindert werden, dass die Anteile an unerwünschte Aktionäre verkauft werden.

Stellen Sie dar, welche Absichten Konzerne mit dem „Cash Pooling“ verfolgen.

Durch ein Cash Pooling im Rahmen des Cash Managements eines Konzerns werden eine geringere
dezentrale Kassenhaltung bei den Tochterunternehmen sowie ein zentraler Überblick über die Liquidi-
tät und verbesserte Kreditbedingungen (Zinsoptimierung) aus der Sicht des Konzerns erreicht.

Erläutern Sie bitte die Beziehungen
a) zwischen Finanzplan und Kapitalbedarfsplanung
b) zwischen Finanzplan und Produktionsplan
c) zwischen Finanzplan und Liquiditätsplanung

a) In der Kapitalbedarfsplanung werden erforderliche Investitionen und damit Höhe und Zeitpunkt von
bestimmten Auszahlungen geplant. Umgekehrt zeigt die Finanzplanung, welche finanziellen Mittel zu
welchen Zeitpunkten zur Verfügung stehen.

b) Aus dem Produktionsplan ergeben sich für die einzelnen Planungsperioden die im Produktionspro-
zess gebundenen Mittel für Sachanlagen, unfertige und fertige Produkte. Der Finanzplan hat diese
Mittel entsprechend zu planen.

c) Finanz- und Liquiditätsplanung müssen so aufeinander abgestimmt werden, dass jederzeit ein Min-
destbestand an liquiden Mitteln zur Verfügung steht.

Bestandteile der Factoringkosten nennen

  • Dienstleistungsgebühr
  • Delkrederegebühr
  • Finanzierungskosten
  • die Zinsen für die Bevorschussung der Rechnungsbeträge

Welche nichtmonetären Vorteile bietet Factoring?

  • verbesserte Liquidität
  • Kosteneinsparungen
  • Vermeidung von Verlusten
  • Verbesserung des Bilanzbildes

3 Unterschiede nennen zwischen Factoring und Kreditaufnahme mit Sicherheit Zession

Factorinq

  • Forderungskauf, geregelt durch Kaufvertrag
  • Übergabe der Forderungen zur Erfüllung des Kaufvertrages
  • kein Anspruch auf Rückübertragung der verkauften Forderungen
  • Kredit wird im Allgemeinen nicht umsatzkongruent bereitgesellt

Zession

  • Forderungsabtretung, geregelt durch Kreditvertrag
  • Abtretung von Forderungen zur Absicherung eines Kredites
  • Anspruch auf Rückübertragung der abgetretenen Forderungen
  • Kredit wird nur umsatzkongruent bereitgestellt

Ziele der Finanzierung und Zielbeziehungen

  • Liquidität: 2:1 und 1:1 Regel, positives Net Working Capital, Deckungsgrad B sollte 1:1 sein
  • Rentabilität: Gesamtrentabilität > Finanzierungskosten; positiver Leverage-Effekt
  • Sicherheit
  • Unabhängigkeit
  • Shareholder-Value

Unterschiede zwischen Liquiditätsplanung und kurz-, mittel- und langfristiger Finanzplanung

Langfristig: auch strategischen Finanzplan; Im Rahmen des strategischen Managements legt das
Finanzmanagement die Ziele des Unternehmens fest, die langfristig erreicht werden sollen. Dazu
muss es Stärken und Schwächen des Unternehmens sowie die Anforderungen der Marktpartner un-
tersuchen. Planungshorizont: bis zu zehn Jahre.

Mittelfristig: das Vorgehen, das sich aus den strategischen Ansätzen ergibt, wird im Einzelnen festge-
legen und auf Teilperioden aufgeteilt. Planungshorizont: mehr als ein Jahr bis zu fünf Jahren.

Kurzfristig: bezieht sich auf das folgende Geschäftsjahr und ist aus der mittelfristigen Finanzplanung
abzuleiten. Die mittelfristigen Pläne werden hier weiter konkretisiert, und zwar in Bezug auf das fol-
gende Jahr.

Liquiditätsplanung: kurzfristige Detailplanung, die sich auf eine Woche bis zu einem Monat bezieht.
Die Planungseinheit ist hier der Tag.

In der Regel wird für den Factorkunden die Debitorenbuchhaltung und die Mahnabtei-
lung nicht überflüssig, da Factoringgesellschaften nicht alle Forderungen übernehmen.
Nennen Sie dafür zwei Beispiele.

  • Kredite mit speziellen Ausfallrisiken werden nicht angekauft.
  • Zur Begrenzung von Kreditrisiken werden für jeden Kunden Limits festgelegt, die die Obergrenze für den Forderungskauf darstellen.
  • Forderungen an (End-)Verbraucher werden im Allgemeinen nicht gekauft.
  • Langfristige Forderungen (Zahlungsziel > 90 Tage) sind im Allgemeinen vom Kauf ausgeschlossen.
  • Das gilt auch für Forderungen aus Verträgen mit längerfristigen Gewährleistungsansprüchen.

Vor- und Nachteile für
- Kreditfinanzierung oder
- Mietfinanzierung/ Leasing

Vorteile Leasing:

  • Je nach Gestaltung können bezahlte Leasing-Raten steuerlich sofort und in vollem Umfang als Betriebsausgaben abgezogen werden
  • Durch das Leasing wird eine sichere Kalkulationsgrundlage geschaffen, da die Leasing Raten bereits bei Vertragsabschluss für den gesamten Leasingzeitraum bekannt
  • Da kein Bankkredit aufgenommen muss, werden Eigenkapital und Liquidität geschont. In der Gewinnermittlung werden keine Schulden ausgewiesen.
  • Es sind keine Sicherheiten (z.B. Grundschuld, Objekt, Bürgschaft) erforderlich. Diese stehen somit ggf. für andere Finanzierungsprojekte zur Verfügung.
  • Das Verwertungsrisiko für den Leasinggegenstand trägt nach Ablauf des Leasingvertrages der Vermieter (= Leasinggeber).

Nachteile Leasing:

  • Es wird kein Eigentum am Leasinggegenstand erworben (reine Miete). Nach Ablauf des Leasingvertrages geht das Wirtschaftsgut an die Leasinggesellschaft zurück. Es kann aber ggf. eine Kaufoption vereinbart werden.
  • Die Gesamtkosten sind in der Regel höher, als bei einer Finanzierung über die Bank.
  • Regelmäßig wird dem Mieter (= Leasingnehmer) im Vertrag eine Verpflichtung zur Instandhaltung und Wartung des Mietgegenstandes auferlegt.
  • Eine Kündigung durch den Leasinggeber ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Im Gegensatz dazu ist der Leasingnehmer verpflichtet den Vertrag zu erfüllen.

Vorteile Kreditfinanzierung:

  • ohne viel Startkapital können größere Investitionen getätigt werden schon mit der ersten Rate wird man zum Eigentümer.
  • Bei einem kreditfinanzierten Kauf können die AfA (Abschreibung für Abnutzung) und die bezahlten Schuldzinsen – ohne Tilgung - als Betriebsausgaben und somit steuermindernd berücksichtigt werden.

Nachteile Kreditfinanzierung:

  • Die monatlichen Raten sind bei einem Kredit wesentlich höher als beim Leasing,
  • Bei Kreditfinanzierungen werden häufig Sicherheiten verlangt, die die unternehmerische Verfügungsgewalt einschränken.

Ein zentrales Problem bei der konkreten Ausgestaltung der Finanzplanung verkörpern
die teilweise konfligären Beziehungen finanzwirtschaftlicher Entscheidungskriterien.
Was genau ist damit – und warum – gemeint?
Erläutern Sie diesen Sachverhalt ferner an einem selbst gewählten Beispiel.

Ein Zielkonflikt kann z. B. auftreten zwischen Sicherheit und Rentabilität: Hochrentable Investitionen
sind in der Regel unsicherer, d. h., die Wahrscheinlichkeit hoher Gewinne und hoher Verluste ist
gleichzeitig gegeben. Niedrigere Renditen sind in der Regel sicherer.

Man spricht im Zusammenhang mit dem gestiegenen Kapitalbedarf von Unternehmen
gelegentlich über die Möglichkeiten einer „Off-Balance Finanzierung“.
Erläutern Sie die damit verbundenen Überlegungen am Beispiel des Leasings.
Wie werden Leasinggegenstände bilanziert?

Als sogenannte Off-Balance-Finanzierung sorgt Leasing für Bilanzneutralität und führt zur Verkürzung
der gesamten Bilanzsumme sowie zur Erhöhung der Eigenkapitalquote. Diese Finanzierungsform hat
auch eine liquiditätsschonende Wirkung. Demzufolge kann sich Leasing positiv auf die Ratingnote
auswirken und kann grundsätzlich günstigere Kreditkonditionen zur Folge haben.

Grundsätzlich sind alle Finanzierungen (Eigenkapital oder Fremdkapital) in der Bilanz abzubilden.
Leasing als juristische Mischung aus Miete und Kauf geht hier einen Sonderweg, in aller Regel wer-
den Leasinggegenstände nicht beim Leasingnehmer bilanziert sondern bei der Leasinggesellschaft,
also dem Finanzdienstleister. Damit ist das Leasinggut und der damit verbundene Kapitalbetrag nicht
in der Bilanz des betrachteten Unternehmens, daher der Begriff „off-balance“.

"Bezugsrecht ist ein Geschenk" Stellung zu der Aussage nehmen

Das Bezugsrecht ist kein Geschenk, sondern eine erworbene Vermögensentschädigung.
Grundsätzlich steht den Altaktionären ein Bezugsrecht auf junge Aktien zu. Das Bezugsrecht auf jun-
ge Aktien richtet sich nach dem bisherigen Grundkapital. Altaktionäre sollen hierdurch die Möglichkeit
erhalten, nach der Eigenkapitalerhöhung die gleiche Eigenkapitalquote zu halten wie vor der Eigenka-
pitalerhöhung. Nutzen sie ihr Bezugsrecht auf junge Aktien nicht aus, so stellt das Bezugsrecht einen
Wertausgleich für den inneren Wertverlust der alten Aktien dar. Des Weiteren wird ihnen dadurch die
Möglichkeit eingeräumt, ihren Stimmrechtsanteil und damit ihre Einflussnahme auf das Unterneh-
mensgeschehen gleich zu halten.

ABS ausführlich erläutern (Definition Assed Backed Securities)

Asset Backed Securities (ABS) sind Wertpapiere, die durch zukünftige Zahlungsströme besichert sind.
Es handelt sich dabei um durch Vermögenswerte (Assets) unterlegte (Backed) Wertpapiere (Securi-
ties). Grundsätzlich sieht dieser Finanzierungsweg die Veräußerungen von Forderungen eines Unter-
nehmens, Kreditinstituts oder einer Kommune an eine Finanzierungsgesellschaft vor, die entspre-
chende Wertpapiere emittiert. Der Wertpapierkäufer erwirbt damit quasi einen Anteil an der Zweckge-
sellschaft. Das Wertpapier ist frei handelbar, fest- oder variabel verzinslich und entspricht damit etwa
einer (Staats-)Anleihe.

Besonderheiten der Industrieobligationen im Detail erklären/ beschreiben

Industrieobligationen sind Anleihen privater großer Aktiengesellschaften und GmbHs, die die Voraus-
setzungen für die Börsenzulassung erfüllen (Emissionsfähigkeit und vorgeschriebener Mindestbetrag).
Nennwert, Ausgabe- und Rückzahlungskurs schwanken im Vergleich zu Aktien nur gering. Die durch-
schnittliche Laufzeit beträgt 8 – 15 Jahre. Nach meist fünf tilgungsfreien Jahren werden die Schuld-
verschreibungen ratenweise (Auslosung nach Serien bzw. Wertpapiernummern) getilgt. Für den Kapi-
talanleger sind sie unkündbar. Als Kapitalanleger kann man die Obligation entweder verkaufen oder
auf die Tilgung warten. Als Sicherheiten dienen vor allem Grundschulden. Einmalige und laufende
Kosten sind häufig niedriger als bei entsprechenden Bankkrediten.

Warum müssen KMU bzgl Basel II auf ihr EK achten
Basel II: Stärkung Eigenkapital. Was ist damit gemeint? Mindestens 3 Möglichkeiten
nennen, wie das Eigenkapital gestärkt werden kann.

Eine hohe Ausstattung mit Eigenmitteln verleiht dem Unternehmen finanzielle Stabilität und hilft, Bran-
chenkrisen oder eine schwache Konjunktur länger durchzuhalten. Als ein positives Signal führt eine
hohe Eigenkapitalquote dazu, dass externe Investoren zunehmend dazu bereit sind, Kapital bereitzu-
stellen. Darüber hinaus gewährleistet eine hohe Eigenkapitalquote die Investitionsfähigkeit und die
Unabhängigkeit des Unternehmens und wird somit zum strategischen Erfolgsfaktor.
Welche Eigenkapitalstrategien kann ein Unternehmen in Betracht ziehen?

Strategien, um die Eigenkapitalsituation zu verbessern:

  • stärkere Einbehaltung von Gewinnen
  • Aufnahme neuer Gesellschafter
  • eigenkapitalähnliche Finanzierungsformen (z. B. Mezzanine-Kapital)
  • Erhöhung eigener Einlagen
  • Mitarbeiterbeteiligungen
  • Venture Capital
  • Business Angels etc.
  • bilanzpolitische Maßnahmen wie z.B. Leasing und Factoring

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