Blutgerinnung
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Lernkarten
Charakterisierung der an der Gerinnung beteiligten Proteine im Blutplasma und auf Membranen der Thrombozyten
Im Blutplasma (inaktive Formen):
- Gerinnungsfaktoren Prothrombin,VII, IX, X, XI, XII, Präkalikrein
- Cofaktoren V, VIII
- Fibrinogen
Auf Membranen der Thrombozyten: haben viele Gamma-Glutamat Reste
- Prothrombin, VII, IX, und X: besitzen Carboxylat-reiche Gla-Domänen, die via Ca2+ an Phospholipide der Thrombozytenmembranen binden
- V und VIII binden ohne Vermittlung von Ca2+
Thrombin: Funktion, Erkennungssequenz
Umwandlung von Fibrinogen zu Fibrin: Fibrin allgemein, Reaktion
Fibrinogen:
• Zymogen (inaktive Enzymvorstufe)
• 2-3% des gesamten Plasmaproteins
• drei Paare homologer Peptidketten: A-α, B-β und γ (über 17 Disulfidbrücken verknüpft)
• Fibrinopeptide A und B (18 bzw. 20 AS) werden von Thrombin zw. Arg-Gly abgespalten
=> Fibrinmonomere (αβγ)2
Fibrin:
1. Die Fibrinmonomere assoziieren (nicht-kovalente Wechselwirkungen!) spontan zu langen, labilen Strängen.
2. Nach Einwirkung von XIII werden kovalente, stabile Längs- und Querverbindungen ausgebildet.
Heparine: WM, Struktur, Antidot, NW
Antikoagulanz: Indirekt wirkender Xa- und Thrombinhemmer
• Mucopolysaccharid-polyschwefelsäureester
• Gemisch linearer, unverzweigter Polysaccharide mit mindestens einer negativen Ladung pro Monosaccharid-Baustein => anionischer Polyelektrolyt
• Bausteine: L-Iduronsäure oder D-Glucuronsäure und D-Glucosamin oder D-Galactosamin in alternierender Anordnung
• α-1,4-glykosidische Verknüpfung (Ausnahme: D-Glucuronsäure)
• Aminogruppen sind meist sulfoniert. -> sehr sauer
• Hydroxylfunktionen sind teilweise sulfatiert => negative Ladungen: Carboxylatgruppen, Monoamide der Schwefelsäure, Schwefelsäurehalbester
• pro Disaccharid: 2-3 Schwefelsäurereste
Naturstoff, produzieren wir auch selber
Antidot: Protamin
NW: Haarausfall etc.
Heparine: Wirkung (phys/molekular), Zusammenhang der Kettenlänge
Heparin verhindert die Blutgerinnung durch:
a) Blockade der Prothrombin zu Thrombin-Umwandlung (Angriff an Xa)
b) Hemmung der Thrombinaktivität (Angriff an Thrombin)
Molekularer Mechanismus: indirekte Hemmung von Xa und Thrombin
a) Antithrombin (AT) III hemmt Thrombin und Xa. Heparin bindet an positive geladene Lysinreste des Antithrombin III, wodurch die hemmende Wirkung des Antithrombin auf Thrombin und Xa verstärkt wird.
-> Hemmung des Xa: Heparin-gebundenes AT interagiert mit Xa
-> Hemmung des Thrombin: Heparin und Heparin-gebundenes AT interagieren mit Thrombin
b) Heparin bindet direkt an Gerinnungsfaktoren, die der Thrombin-Bildung vorangestellt sind.
Zusammenhang zwischen Kettenlänge und Wirkungsmechanismus:
Heparinmoleküle < 18 Saccharideinheiten: hemmen nur Xa Heparinmoleküle
> 18 Saccharideinheiten: Hemmen Xa und Thrombin
Heparine: Gewinnung und Einteilung
• v.a. in Leber aber auch in anderen Organen
• Gewinnung: aus Leber, Lunge und Därmen von Schlachttieren (meist Schweinedarm)
• Fertigarzneimittel: Heparin-Natrium- oder –Calciumsalze (Na- od. Ca- Heparinate)
• Molekulargewichte: 3000 bis 30.000 Da, handelsüblich: 8000 bis 12.000 Da.
• Anzahl und Art der Schwefelsäurereste: unterschiedlich.
Einteilung: nach Molekulargewicht (nieder- und hochmolekular, bzw. fraktioniert und unfraktioniert)
Gewinnung der niedermolekularen (od. sog. fraktionierten) Heparine:
• Anreicherung bzw. Fraktionierung aus nativem Heparin durch Gelfiltration und fraktionierte Ethanol-Fällung
• enzymatische Depolymerisation von nativem Heparin
• chemische Depolymerisation von nativem Heparin
• Totalsynthese -> Starke Unterschiede. Prozeß bestimmt das Produkt!
Was ist der Anti-Xa/Anti-IIa-Quotient?
Da Heparine erst ab >18 Polysaccharideinheiten auch Thrombin (IIa) hemmen, ist dies ein Faktor der angibt, wie gut der Heparin-Antithrombin-Komplex Thrombin hemmen kann, da die Affinität zu Faktor Xa gleich bleibt unabhängig von der Länge
hoher Faktor: >1 =>niedermolekular
niedriger Faktor: <1 = hochmolekular
hochmolekulare und niedermolekulare Heparine: Da, Polydispersität, Anti-Xa/Anti-IIa Quotient
Hochmolekulare Heparine (HMWH = High Molecular Weight Heparin)
• 3000 – 30.000 Da
• durchschnittlich 15.000 Da
• stark polydispers
• Anti-Xa/Anti-IIa = 1
• extra lange Ketten binden sehr unspezifisch an verschiedene zelluläre Strukturen
Niedermolekulare Heparine (LMWH = Low Molecular Weight Heparin)
• 2000 – 9000 Da
• durchschnittlich 5000 Da
• weniger polydispers
• Anti-Xa/Anti-IIa > 1 (1,5 – 6,1)
Vor- und Nachteile der LMWH (low molecular weight heparin) gegenüber HMWH (high molecular weight...)
Vorteile LMWH:
• langanhaltende (selektive) antithrombotische Wirkung
• stärkere Hemmung des Xa
• geringere Hemmung des Thrombins
• geringerer Einfluss auf Thrombozytenaggregation und -adhäsion
• Aktivierung der Lipoproteinlipase schwächer
• längere biologische Halbwertszeit
• bessere Bioverfügbarkeit und
• größere therapeutische Breite
Nachteile LMWH:
• teuer
• ungleichmäßige Qualität wg. chemischer und enzymatischer Depolymerisation
• tierisches Produkt (Infektionsgefahr), Resourcenknappheit.
• Nebenwirkungen: Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) Typ II -> Anzahl der Thrombozyten geht zurück
BV und Applikation Heparine
• polare, geladene Polymer-Struktur:
• keine perorale Applikation
• transdermale Applikation (Salben) ist fragwürdig: gibt aber Mechanismen, die zur Aufnahme führen
• sinnvoll: nur i.v., i.m., und s.c.
Fondaparinux- Natrium: Aufbau, Indikation, Wirkung
Antikoagulanz
• vollsynthetisches Pentasaccharid
• chemisch definiert: 6 freie OH-Gruppen,
• 8 Sulfatreste, 2 Carboxylate -> 10-wertiges Anion
• bindet Antithrombin III (Kd = 36 nM)
• 340-fach stärkere Hemmung des Xa als Heparin (quasi spezifisch für Xa)
• Methylgruppe: stabilisiert und schützt vor unspezifischen Reaktionen mit Proteinen.
• Synthese: 60(!) Stufen.
• Indikation: orthopäd. Chriurgie
Heparinoide: Gewinnung, Unterschiede zu Heparin, Indikation, Vertreter, besonderer Vorteil geg. Heparinen
Synthetisch oder halbsynthetisch gewonnen durch:
1. Veresterung von Polysacchariden mit Schwefelsäure oder durch
2. Polymerisation sulfongruppenhaltiger Monomere
• Unterscheide: N-haltig (nahe verwandt mit Heparin) und N-freie
• Wirkung vergleichbar mit der des Heparins
• therap. Breite geringer
• zur Behandlung von Prellungen, Blutergüssen, Thrombosen etc.
Beispiele:Heparansulfat, Dermatansulfat, Chondroitinsulfat, Pentosanpolysulfat, Danaparoid-Natrium (84% Heparansulfat, 12%Dermatansulfat, 4%Chondroitinsulfat) - Heparinfrei!
Als Antithrombotikum für Patienten die keine Heparintherapie vertragen
- geringerer Sulfatierungsgrad als Heparin.keine Gefahr von HIT2
Direkte irreversible Thrombinhemmer: welche Vertreter, Struktur, Wirkung, Indikation
Hirudin, Lepirudin, Desirudin
• Polypeptide, 65 AS, mit hohem Anteil an Asparaginsäure- und Glutaminsäurerreste
• bilden extrem stabilen (quasi irreversiblen) Komplex mit Thrombin (1:1)
• Hirudin wird von Blutegel (Hirudo medicinalis) sezerniert (verhindert Blutgerinnung beim Aussaugen des Blutes aus Hautwunde)
• Hirudin ist potentester Hemmstoff des Thrombins: irreversibel! -> aber nicht kovalent, sondern ionische WW
• alle drei gentechnologisch herstellbar
• bei Operationen (kardiopulmonaler Bypass)
Argatroban: WM, Applikation, Indikation, Bindung an Thrombin an welcher AS
Antikoagulanz: direkter reversibler Thrombinhemmer
• reversibler, kompetitiver Inhibitor des Thrombins, Bindung im aktiven Zentrum des Thrombins:
→ Argininstruktur bindet an Asp189 im aktiven Zentrum des Thrombins
• im Vgl. zu Vitamin-K.Antagonisten geringeres Interaktionsrisiko mit anderen Arzneimitteln und größere therap. Breite als Vit. K Antagonisten
• positiv geladene Guanidinium-Gruppe, negativ geladene Carboxylat-Funktion => rel. polares Molekül, lediglich parenteral applizierbar!
• zur Prophylaxe thromboembolischer Komplikationen
Dabigatran(etexilat): Bioaktivierung, Indikation, Applikation
Antikoagulanz: direkter reversibler Thrombinhemmer
• reversibler, kompetitiver Inhibitor des Thrombins, Bindung im aktiven Zentrum des Thrombins.
• peroral applizierbar (derzeit einziger peroraler Thrombininhibitor)
•Als Prodrug: Dabigatranetexilat: O-n-Hexylcarbamat und Ethylester der Propionsäure!
• zur Prophylaxe venöser Thromboembolien Hüft- oder Kniegelenksersatzoperationen, aber erst dann, wenn die Wunde nicht mehr blutet.
Bivaluridin: WM, Applikation, HWZ, Indikation
Antikoagulanz: direkter reversibler Thrombinhemmer
• synthetisches Polypeptid; 20 Aminosäuren
• direkter, bivalenter reversibler Thrombinhemmer: Bindung an das aktive Zentrum und die Exosite 1 Region. Diese Hemmung ist reversibel, da das Thrombin das Bivalirudin spaltet und die beiden Fragmente eine geringe Affinität zum Thrombin haben.
• parenterale Applikation!
• Eliminationshalbwertszeit von ca. 25 Minuten -> gut kontrollierbar
• Indikation: Herz-OP mit Herz-Lungenmaschine (extrakorporale Zirkulation)
Rivaroxaban: Wirkung, Applikation, Indikation, Metabolismus
Antikoagulanz: Direkter reversibler Faktor-Xa-Hemmer
• peroraler, direkter Faktor Xa-Inhibitor.
• hochselektive Interaktion im aktiven Zentrum des Faktors-Xa (Ki = 0,4 nM):
Hemmung des intrinsischen und extrinsischen Wegs: Hemmung der Thrombinbildung in der Gerinnungskaskade!
• Thrombinwirkung (Plättchen-vermittelt) bleibt erhalten und damit der primäre Wundverschluß.
• zur Prophylaxe venöser Thromboembolien Hüft- oder Kniegelenksersatzoperationen
• intensiver Metabolismus via CYP3A4
Indirekte Antikoagulanzien: Welche Klasse, WM, Latenzzeit, TDM etc
941: Weidetiere in USA verbluten nach Verzehr von fermentiertem Süßklee (enthält reichlich Coumarin, welches zu Dicoumarol dimerisiert)
• Vit K Antagonisten hemmen die Synthese von Prothrombin, VII, IX und X durch Blockade der γ-Carboxylierung von Glutamatresten.
•Die γ-Carboxylierung der Glutamatreste führt zur Ausbildung einer Malonsäure-Partialstruktur.
• Diese chelatisiert Ca2+-Ionen, welche eine Bindung an saure Phospholipide (negative Ladung!) der Zellmembranen ermöglicht.
• Vitamin-K-Antagonisten (4-Hydroxycoumarine): Binden und hemmen die Vitamin-K-Epoxid-Reduktase (empfindlicher als Chinon-Enzym) und Vitamin-K-Chinon-Reduktase und verhindern damit die γ-Carboxylierung der Glutamatreste d.h. es erfolgt keine Bindung an Phospholipidmembranen.
• Latenzzeit von bis zu einigen Tagen!
• Wirkung gut steuerbar: Bei Überdosierung: Gabe von Vitamin-K
• Regelmäßige Kontrolle (Quick-Test) wegen Blutungsneigung!
haben viele Wechselwirkungen!!!