Block 6 W23

Vorlesungen W23

Vorlesungen W23


H. B.
Diese Lernkarten decken medizinische Erkrankungen und Störungen auf Universitätsniveau ab, mit Fokus auf genetische Mutationen, deren Auswirkungen und klinische Symptome. Sie behandeln Themen wie Myotone Dystrophie, Morbus Charcot-Marie-Tooth und neurodegenerative Erkrankungen, einschließlich ihrer Pathogenese und Therapie. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Medizinstudenten und Fachkräfte, die ihr Verständnis von genetisch bedingten Krankheiten und deren Behandlung vertiefen möchten.
Karten
57
Lernende
2
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
17.06.2012 / 18.06.2016

Lernkarten

Demenz vs. Verwirrtheit

Verwirrtheit

- schneller, fluktuierender Verlauf (!!)

- Gestörte Wachheit, Aufmerksamkeit, Gedächtnis (!!)

- Häufig Wahrnehmungsstörungen

Demenz

- langsamer, progredienter Verlauf (!!)

- Gestörtes Gedächtnis (!!)

- Lang erhaltene Aufmerksamkeit

- Normale Wachheit (!!)

- Gelegentlich Wahrnehmungsstörungen

Transiente globale Amnesie TGA (amnestische Episode)

- Epidemiologie

- Klinik

- Ätiologie

- Auslösende Faktoren

= Neurologisch Störung des episodischen Gedächtnisses

Epidemiologie:

- 5/100'000/Jahr

- Männer = Frauen

- 75% zwischen 50. und 70. Lebensjahr

Klinische Symptomatik:

- Plötzliches Auftreten meist rasches Verschwinden (meist 1 - 10h, maximal 24h)

- Desorientierheit und Ratlosigkeit

- Retrograde und anterograde Amnesie (während TGA können nur wenige Minuten an Erinnerungen gespeichert werden)

- Keine neurologischen Zeichen oder Defizite

- Vigilanz (Wachheit) und Luzidität (Denken) konstant normal

- Typisch ist beharrliches Verhalten (Wiederholung eines gleichen Inhaltes)

- Keine Langzeitschäden (ausser kompletten Amnesie für TGA-Periode)

Ätiopathogenese: Unklar

- Vaskuläre Hypothese (TGA als Variante der TIA)

- Migräne Hypothese (Assoziation)

- Epilepsie Hypothese (TGA als initialer epileptischer Anfall bzw. Variante der TEA)

Auslösende Faktoren in 42% vorhanden:

- Physische Aktivität

- Schmeren

- Operationen

- Valsalvar Manöver

Transiente globale Amnesie TGA

- Diagnose

- 5 Differentialdiagnose

TGA ist typischerweise eine Ausschlussdiagnostik!

Transiente epileptische Amnesie TEA

- Kürzere Episoden

- Rezidivierung

Transiente ischämische Amnesie TIA

SHT (Commotio cerebri)

Medikamente (Benzodiazepine)

Infektionen (typischerweise persistierend und mit weiteren Ausfällen)

- Herpesencephalitis (Fieber, Kopfschmerzen etc.)

- Limibische Encephalitis (paraneoplastisches Phänomen)

Morbus Alzheimer (Alzheimer Disease AD)

- Epidemiologie

- Pathologie

- Diagnostik

- Differentialdiagnose

Epidemiologie

- 1% der Bev. betroffen

- AD ca. 50- 60% aller Demenzen

- 5-10% familiär und 90 - 95% sporadisch

- 90% Late-Onset und 10% early-Onset

Pathologie:

- Kortikale Atrophie

- Hydrocephalus ex vacuo (kompensatorische Erweiterung)

- Senile Plaques (extrazelluläre Amyloid-β-Peptid-Aggregate)

- Neurofibrilläre Bündel (sog. Tangles = intraneuronale Tau-Aggregate)

Frühdiagnostik:

- Hippocampusatrophie MRI

- Liquordiagnostik (Tau erhöht)

- Genetische Tests (in 10 - 20%)

Klinische DD:

- Akute Verwirrtheit (AD Patient ist aufmerksam)

- Depression

- Amnesie

- Aphasie

Ätiologische DD:

- Lewy-Körper-Demenz

- Parkinson-Demenz

- Vaskuläre Demenz

- Frontotemporale Demenzen

- (...)

Morbus Alzheimer (Alzheimer Disease AD)

- Klinik

= Störung des semantischen Gedächtnisses

- langsamer, progredienter Verlauf

- Gestörtes Gedächtnis

- Lang erhaltene Aufmerksamkeit

- Normale Wachheit

- Gelegentlich Wahrnehmungsstörungen

Klinik:

- Defizite beim Lernen und Gedächtnisleistung

- Störung Sprachverständnis und Wortfluenz

Allgemein Neurodegenerative Erkrankung

- Klinisch-Anatomische Gliederung

ZNS

(1) Demenzielle Erkrankungen (progressive kognitive Dysfunktion) / Deg. Erkrankungen Cortex cerebri

- Morbus Alzheimer

(2) Bewegungsstörung / Deg. Erkrankungen Basalganglien und Hirnstamm

(2.1) Akinetisch-rigide Erkrankungen (Reduktion Willkürbewegung)

- Parkinsonismus

(2.2) Hyperkinetische Erkrankungen (Steigerung unwillkürlichen Bewegung)

- Morbus Huntington

(3) Ataxien (cerebbellär und sensorisch) / Deg. Erkrankungen Kleinhirn und Rückenmark (spinocerebelläre Degeneration)

(4) Motoneuronenerkrankungen / Deg. Erkrankungen der Motoneurone (RM, Hirnstamm, Cortex)

- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

- Spinale Muskelatrophie SMA

- Hereditäre spastische Paraparese HSP

PNS:

(1) Polyneuropaghie

- Degenerative Erkrankungen von Kleinhirn und DM

(2) Myopathien (Muskeldystrophie)

- Spinale Muskelatrophie

ZNS und PNS kombiniert

- Amyotrophe Lateralsklerose

Allgemein Neurodegenerative Erkrankungen

- Ätiologische Gliederung

(1) Hereditäre Faktoren

Mitochondriopathien

Trinukleotid-Erkrankungen (Triplet Repeat Expansionen)

- Friedreichsche Ataxie FRDA1

- Chorea Huntington

- Spinocerebelläre Ataxie SCA

- Myotone Dystrophie

(2) Medikamentös-toxische Faktoren

ZNS-Schädigung durch Alkoholabusus

- Wernicke-Korsakow-Syndrom

- Kleinhirnatrophie

- Fetales Alkoholsyndrom

(3) Alimentäre Faktoren

Vitamin B12 Mangel (Funikuläre Myelose)

Vitamin B1-Mangel (Wernicke-Korsakow-Syndrom)

(4) Infektionen

Prionenerkrankungen

(5) Entzündliche Faktoren

Multiple Sklerose

(6) Systemische Erkrankungen

Allgemein Neurodegenerative Erkrankungen

- Pathophysiologische Grundprozesse

(1) Akkumulation von falschen/toxischen Proteinen:

- Tauopathie (M. Alzheimer)

- Synucleinopathie (M. Parkinson)

- TDP-43 Proteinopathie (ALS)

- FUSopathien (Fronto-temporale Demenz)

(2) Mitochondriale Dysfunktion

(3) Oxidativer Stress (Radikale)

(4) Exzitotoxizität (Überstimulation Glut-R)

(5) Akkumulation von Metallen

- Eisen

- Kupfer (M. Wilson)

(6) Entzündung

(7) Apoptose

(8) Altersbedingte Veränderung des Stoffwechsels (Ineffizienz Proteinabbau)

Wichtig: Dieser pathophysiologischen Mechanismen führen alleine oder in Kombination zu einer selektiven Vulnerabilität von spezifischen Neuronenpopulationen

Allgemein neurodegenerative Erkrankungen

- Definition

Definition: Erkrankungen mit progressiv fortschreitender Dysfunktion und Degeneration von Nervenzellen (Nervenzelltod), teilweise lokalisiert (selektive Vulnerabilität, mögl. durch Pathomechanismus) und stets ohne bekannte Ursache!

Selektive Vulnerabilität!

Morbus Wilson

Morbus Wilson = Hepatolentikuläre Degeneration

- Kupferspeicherkrankheit

- Genetische Erkrankung

Ätiologie: Autosomal-rezessiv vererbte Genmutation (über 250 Mutationen) des ATP7B-Gens (Wilson Gen), eiem Kupfer bindenden Kationen-ATP-Transporter

Pathogenese: Mutation führt zu Störung Kupfer-Ausscheidung über Galle und zu einer Akkumulation bzw. Einlagerung in verschiedenen Organen und kompensatorischer renaler Ausscheidung (Urindiagnostik + Serummarker). Hoher Cu-Gehalt führt zu toxischen Effekten (mögl. Bildung Radikale).

Leber (immer):

- Transaminasen erhöht

- Hepatomegalie

- Hepatitis

- Steatose, Zirrhose

- Karzinom

Augen (häufig betroffen)

- Kayser-Fleischer-Kornealring

ZNS (in Basalganglien bzw. Putamen, Globus pallidus) (ca. 45 %) = Bewegungsstörungen

- Tremor, Dystonie mit Mundöffnen (Parkinson-artig)

- Zuckungen, Zittern (Chorea-ähnlich)

Wichtig ist, dass Krankheit zwar nicht kausal therapiert, eine Neurodegeneration jedoch verhindert werden kann!

Friedreich-Ataxie FRDA1 (Morbus Friedreich)

Epidemiologie:

- 2 / 100'000 Personen

Ätiologie: Autosomal-rezessive Trinucleotiderkrankung des Frataxin-Gens (pleiotropes mitochondriales Gen)

Pathogenese: Durch CTG-Repeat fällt Expression unter 10% der Norm ab. Dadurch kommt es zu Entgleisung des Eisen-Stoffwechsel innerhalb der Mitochondrien bzw. zu vermehrter oxidativen Belastung (Bildung ROS durch freie Eisenione). Oxidativer Stress führt zu progressiver Sklerose und Degeneration in verschiedenen Bereichen:

- Sklerose

- Degeneration

Klinische Symptomatik:

(1) Störung NS

- Tr. spinocerebellaris = Gang-, Stand- und Extremitätenataxie

- Kleinhirn = Dysarthrie, Nystagmus, Ataxie

- Tr. spinothalamicus = Sensibilitätsstörungen (Schmerz, Temperatur, Vibration)

- Hinterwurzel = Areflexie, Miktions- und Defäkationsstörungen

- Pyramidenbahnzeichen, Neuropathie, kognitive Einschränkung

(2) Störung Bewegungsapparat

- Skoliose

- Kyphose

- Pes cavus

(3) Psychiatrische Störung

- Demenz

(4) Kardiomyopathie

Funikuläre Myelose

= Entmarkungskrankheit (wie MS) mit selektiver Vulnerabilität für SEITEN- UND HINTERSTRÄNGE

Ätiologie: Ursache ist Vit. B12 Mangel

- Mangelernährung (Veganer)

- Typ A Gastritis

- Magenresektion (IF-Mangel)

- Ileumresektion

Pathogenese: Vit. B12 ist essentiell für Myelinscheidenbildung, d.h. primär Entmarkung, erst sekundär Degeneration von Nervenfasern (Nervenzelltod). Anschliessend Ersatz mit Gliazellen. Charakteristischerweise auf RM beschränkt (hier Hinter- und Seitenstränge), teilweise auch Befall peripherer Nerven

Klinische Symptomatik:

- Sensibilitätsstörungen (Missempfindung, Propriozeption, Vibrationssinn)

- Paresen

- Störung Bewegungskoordination (spastische Gangstörung)

- Hyper- oder Hyporeflexie, teils pathologische Reflexe (abhängig ob 1. oder 2. Motoneuron befallen)

- Störung Bewegungskoordination (durch Ausfall Propriozeption)

- Teils psychiatrische Symptome (Psychose, Delir, Depression)

Morbus Charcot-Marie-Tooth CMT

= Genetisch bedingte Polyneuropathie

Epidemiologie:

- Ca. 1/2000 Personen

- häufigste neurogenetische Erkrankung

- Manifestation zwischen 20. und 30. Lebensjahr, Variabel

Ätiologie: Autosomal dominant vererbte Mutation auf Chromosom 17, welche zur Schädigung der Nervenzellfortsätze oder der Myelinschicht führt. Durch Schädigung der Nervenfasern klinische Symptomatik. Je nach Mutation unterschiedliche Klassifizierung (Typ 1 - 4)

Klinik:

(1) Neuronale Schädigung

- Symmetrisch-distal betonte Muskelschwäche und Atrophie

- Gangataxie (M. tibialis anterior als erster M. betroffen) = Stepper- oder Storchengang

- Areflexie

- Sensibilitätsstörungen stehen eher im Hintergrund

(2) Bewegungsapparat

- Storchenbeine

- Pes cavus (hohlfuss

Myotone Dystrophie Curschmann-Steinert

= Myotone Dystrophie DM1

Epidemiologie:

- Ca. 1/ 10'000 Personen

- Häufigste Muskelerkrankung im Erwachsenenalter

- Zweithäufigste Muskelerrkrankung (nach Duchenne Dystrophinopathie)

Ätiologie: Autosomal-dominant vererbter CTG-Trrinukleotid-Repeat des Myotonin-Protein-Kinase DMPK Gens auf Chromosom 19

- Hohe Penetranz

- Antizipation

Klassifizierung:

- Kongenitale Form (Erkrankung im Kindesalter, Floppy Infant)

- Adulte Form (Erkrankung im Erwachsenenalter)

Pathogenese: Erkrankung der DMPK führt zu generalisiertem Membrandefekt mit erhöhter Na- und reduzierter Cl-Leitfähigkeit, was zu Schädigungen an Muskelfasermembran und an SERCA-Ca-Pumpen verursacht. Insgesamt kommt es zu einer verzögerten Muskelrelaxation (Myotonie) und Muskelschwäche

Klinik:

- Progressive Myotonie (Muskelerschlaffung verzögert) und Muskelschwäche (Betonung distal und facial)

- Katarakt, Hypogonadismus, Kardiopathie, Tagesschläfrigkeit/Hypersomnie

Einflussebene von Genetik auf Krankheiten (1)

(1) Ätiologie

Mutation eines Gens kann zu Funktionsänderung bzw. Entstehung einer Erkrankung führen

- Genetische Homogenität = Mutation eines Gens --> Krankheit 1 (monogenetische Erkrankungen sind selten)

- Genetische Heterogenität = Mutation mehrere Gene ---> Krankheit 1

- Allelische Heterogenität = Verschiedene Mutationen eines Gens ---> Verschiedene Krankheiten

(2) Prädisposition

Mutation eines Gens / mehrerer Gene prädisponieren für Erkrankung. Ohne zusätzliche Faktoren (Umweltfaktoren) kommt es nicht zur Entstehung der Krankheit

(3) Mechanismus

Mutation kann eine Funktionsstörung verschiedner physiologischer Mechanismen verursachen, welche zur Entstehung bestimmter Krankheiten führen

- Enzym-Defekt

- Rezeptor Defekt

- Strukturprotein-Defekt

- Ionenkanal-Defekt

- Tumorsuppressorgen-Defekt

(4) Krankheitssymptomatik (Syndrome)

Mutationen können zu Störungen physiologischer Mechanismen führen, welche sehr spezifische klinische Syndrome verursachen

Einflussebene von Genetik auf Krankheit (2)

(5) Therapie

Mutationen bzw. genetische Gegebenheiten (keine eigentlichen Genmutationen, sondern lediglich Normabweichungen) können Einfluss darauf haben, wie der Körper auf bestimmte Therapie anspricht (insbesondere Ansprechen auf Medikamente)

(6) Prognose

Je nach genetischer Grundlage verläuft eine Erkrankung unterschiedlich

Zusammenhang Genmutation und Phänotyp

Phänotypische Konvergenz = Verschiedene Unterschiedliche Mutationen in verschiedenen Genen bewirken gleiche Klinik

Phänotypische Divergenz = Verschiedene Mutationen im gleichen Gen führen zu unterschiedlicher Klinik

Lernen