Block 6 W23
Vorlesungen W23
Vorlesungen W23
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Lernkarten
Demenz vs. Verwirrtheit
Verwirrtheit
- schneller, fluktuierender Verlauf (!!)
- Gestörte Wachheit, Aufmerksamkeit, Gedächtnis (!!)
- Häufig Wahrnehmungsstörungen
Demenz
- langsamer, progredienter Verlauf (!!)
- Gestörtes Gedächtnis (!!)
- Lang erhaltene Aufmerksamkeit
- Normale Wachheit (!!)
- Gelegentlich Wahrnehmungsstörungen
Transiente globale Amnesie TGA (amnestische Episode)
- Epidemiologie
- Klinik
- Ätiologie
- Auslösende Faktoren
= Neurologisch Störung des episodischen Gedächtnisses
Epidemiologie:
- 5/100'000/Jahr
- Männer = Frauen
- 75% zwischen 50. und 70. Lebensjahr
Klinische Symptomatik:
- Plötzliches Auftreten meist rasches Verschwinden (meist 1 - 10h, maximal 24h)
- Desorientierheit und Ratlosigkeit
- Retrograde und anterograde Amnesie (während TGA können nur wenige Minuten an Erinnerungen gespeichert werden)
- Keine neurologischen Zeichen oder Defizite
- Vigilanz (Wachheit) und Luzidität (Denken) konstant normal
- Typisch ist beharrliches Verhalten (Wiederholung eines gleichen Inhaltes)
- Keine Langzeitschäden (ausser kompletten Amnesie für TGA-Periode)
Ätiopathogenese: Unklar
- Vaskuläre Hypothese (TGA als Variante der TIA)
- Migräne Hypothese (Assoziation)
- Epilepsie Hypothese (TGA als initialer epileptischer Anfall bzw. Variante der TEA)
Auslösende Faktoren in 42% vorhanden:
- Physische Aktivität
- Schmeren
- Operationen
- Valsalvar Manöver
Transiente globale Amnesie TGA
- Diagnose
- 5 Differentialdiagnose
TGA ist typischerweise eine Ausschlussdiagnostik!
Transiente epileptische Amnesie TEA
- Kürzere Episoden
- Rezidivierung
Transiente ischämische Amnesie TIA
SHT (Commotio cerebri)
Medikamente (Benzodiazepine)
Infektionen (typischerweise persistierend und mit weiteren Ausfällen)
- Herpesencephalitis (Fieber, Kopfschmerzen etc.)
- Limibische Encephalitis (paraneoplastisches Phänomen)
Morbus Alzheimer (Alzheimer Disease AD)
- Epidemiologie
- Pathologie
- Diagnostik
- Differentialdiagnose
Epidemiologie
- 1% der Bev. betroffen
- AD ca. 50- 60% aller Demenzen
- 5-10% familiär und 90 - 95% sporadisch
- 90% Late-Onset und 10% early-Onset
Pathologie:
- Kortikale Atrophie
- Hydrocephalus ex vacuo (kompensatorische Erweiterung)
- Senile Plaques (extrazelluläre Amyloid-β-Peptid-Aggregate)
- Neurofibrilläre Bündel (sog. Tangles = intraneuronale Tau-Aggregate)
Frühdiagnostik:
- Hippocampusatrophie MRI
- Liquordiagnostik (Tau erhöht)
- Genetische Tests (in 10 - 20%)
Klinische DD:
- Akute Verwirrtheit (AD Patient ist aufmerksam)
- Depression
- Amnesie
- Aphasie
Ätiologische DD:
- Lewy-Körper-Demenz
- Parkinson-Demenz
- Vaskuläre Demenz
- Frontotemporale Demenzen
- (...)
Morbus Alzheimer (Alzheimer Disease AD)
- Klinik
= Störung des semantischen Gedächtnisses
- langsamer, progredienter Verlauf
- Gestörtes Gedächtnis
- Lang erhaltene Aufmerksamkeit
- Normale Wachheit
- Gelegentlich Wahrnehmungsstörungen
Klinik:
- Defizite beim Lernen und Gedächtnisleistung
- Störung Sprachverständnis und Wortfluenz
Allgemein Neurodegenerative Erkrankung
- Klinisch-Anatomische Gliederung
ZNS
(1) Demenzielle Erkrankungen (progressive kognitive Dysfunktion) / Deg. Erkrankungen Cortex cerebri
- Morbus Alzheimer
(2) Bewegungsstörung / Deg. Erkrankungen Basalganglien und Hirnstamm
(2.1) Akinetisch-rigide Erkrankungen (Reduktion Willkürbewegung)
- Parkinsonismus
(2.2) Hyperkinetische Erkrankungen (Steigerung unwillkürlichen Bewegung)
- Morbus Huntington
(3) Ataxien (cerebbellär und sensorisch) / Deg. Erkrankungen Kleinhirn und Rückenmark (spinocerebelläre Degeneration)
(4) Motoneuronenerkrankungen / Deg. Erkrankungen der Motoneurone (RM, Hirnstamm, Cortex)
- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
- Spinale Muskelatrophie SMA
- Hereditäre spastische Paraparese HSP
PNS:
(1) Polyneuropaghie
- Degenerative Erkrankungen von Kleinhirn und DM
(2) Myopathien (Muskeldystrophie)
- Spinale Muskelatrophie
ZNS und PNS kombiniert
- Amyotrophe Lateralsklerose
Allgemein Neurodegenerative Erkrankungen
- Ätiologische Gliederung
(1) Hereditäre Faktoren
Mitochondriopathien
Trinukleotid-Erkrankungen (Triplet Repeat Expansionen)
- Friedreichsche Ataxie FRDA1
- Chorea Huntington
- Spinocerebelläre Ataxie SCA
- Myotone Dystrophie
(2) Medikamentös-toxische Faktoren
ZNS-Schädigung durch Alkoholabusus
- Wernicke-Korsakow-Syndrom
- Kleinhirnatrophie
- Fetales Alkoholsyndrom
(3) Alimentäre Faktoren
Vitamin B12 Mangel (Funikuläre Myelose)
Vitamin B1-Mangel (Wernicke-Korsakow-Syndrom)
(4) Infektionen
Prionenerkrankungen
(5) Entzündliche Faktoren
Multiple Sklerose
(6) Systemische Erkrankungen
Allgemein Neurodegenerative Erkrankungen
- Pathophysiologische Grundprozesse
(1) Akkumulation von falschen/toxischen Proteinen:
- Tauopathie (M. Alzheimer)
- Synucleinopathie (M. Parkinson)
- TDP-43 Proteinopathie (ALS)
- FUSopathien (Fronto-temporale Demenz)
(2) Mitochondriale Dysfunktion
(3) Oxidativer Stress (Radikale)
(4) Exzitotoxizität (Überstimulation Glut-R)
(5) Akkumulation von Metallen
- Eisen
- Kupfer (M. Wilson)
(6) Entzündung
(7) Apoptose
(8) Altersbedingte Veränderung des Stoffwechsels (Ineffizienz Proteinabbau)
Wichtig: Dieser pathophysiologischen Mechanismen führen alleine oder in Kombination zu einer selektiven Vulnerabilität von spezifischen Neuronenpopulationen
Allgemein neurodegenerative Erkrankungen
- Definition
Definition: Erkrankungen mit progressiv fortschreitender Dysfunktion und Degeneration von Nervenzellen (Nervenzelltod), teilweise lokalisiert (selektive Vulnerabilität, mögl. durch Pathomechanismus) und stets ohne bekannte Ursache!
Selektive Vulnerabilität!
Morbus Wilson
Morbus Wilson = Hepatolentikuläre Degeneration
- Kupferspeicherkrankheit
- Genetische Erkrankung
Ätiologie: Autosomal-rezessiv vererbte Genmutation (über 250 Mutationen) des ATP7B-Gens (Wilson Gen), eiem Kupfer bindenden Kationen-ATP-Transporter
Pathogenese: Mutation führt zu Störung Kupfer-Ausscheidung über Galle und zu einer Akkumulation bzw. Einlagerung in verschiedenen Organen und kompensatorischer renaler Ausscheidung (Urindiagnostik + Serummarker). Hoher Cu-Gehalt führt zu toxischen Effekten (mögl. Bildung Radikale).
Leber (immer):
- Transaminasen erhöht
- Hepatomegalie
- Hepatitis
- Steatose, Zirrhose
- Karzinom
Augen (häufig betroffen)
- Kayser-Fleischer-Kornealring
ZNS (in Basalganglien bzw. Putamen, Globus pallidus) (ca. 45 %) = Bewegungsstörungen
- Tremor, Dystonie mit Mundöffnen (Parkinson-artig)
- Zuckungen, Zittern (Chorea-ähnlich)
Wichtig ist, dass Krankheit zwar nicht kausal therapiert, eine Neurodegeneration jedoch verhindert werden kann!
Friedreich-Ataxie FRDA1 (Morbus Friedreich)
Epidemiologie:
- 2 / 100'000 Personen
Ätiologie: Autosomal-rezessive Trinucleotiderkrankung des Frataxin-Gens (pleiotropes mitochondriales Gen)
Pathogenese: Durch CTG-Repeat fällt Expression unter 10% der Norm ab. Dadurch kommt es zu Entgleisung des Eisen-Stoffwechsel innerhalb der Mitochondrien bzw. zu vermehrter oxidativen Belastung (Bildung ROS durch freie Eisenione). Oxidativer Stress führt zu progressiver Sklerose und Degeneration in verschiedenen Bereichen:
- Sklerose
- Degeneration
Klinische Symptomatik:
(1) Störung NS
- Tr. spinocerebellaris = Gang-, Stand- und Extremitätenataxie
- Kleinhirn = Dysarthrie, Nystagmus, Ataxie
- Tr. spinothalamicus = Sensibilitätsstörungen (Schmerz, Temperatur, Vibration)
- Hinterwurzel = Areflexie, Miktions- und Defäkationsstörungen
- Pyramidenbahnzeichen, Neuropathie, kognitive Einschränkung
(2) Störung Bewegungsapparat
- Skoliose
- Kyphose
- Pes cavus
(3) Psychiatrische Störung
- Demenz
(4) Kardiomyopathie
Funikuläre Myelose
= Entmarkungskrankheit (wie MS) mit selektiver Vulnerabilität für SEITEN- UND HINTERSTRÄNGE
Ätiologie: Ursache ist Vit. B12 Mangel
- Mangelernährung (Veganer)
- Typ A Gastritis
- Magenresektion (IF-Mangel)
- Ileumresektion
Pathogenese: Vit. B12 ist essentiell für Myelinscheidenbildung, d.h. primär Entmarkung, erst sekundär Degeneration von Nervenfasern (Nervenzelltod). Anschliessend Ersatz mit Gliazellen. Charakteristischerweise auf RM beschränkt (hier Hinter- und Seitenstränge), teilweise auch Befall peripherer Nerven
Klinische Symptomatik:
- Sensibilitätsstörungen (Missempfindung, Propriozeption, Vibrationssinn)
- Paresen
- Störung Bewegungskoordination (spastische Gangstörung)
- Hyper- oder Hyporeflexie, teils pathologische Reflexe (abhängig ob 1. oder 2. Motoneuron befallen)
- Störung Bewegungskoordination (durch Ausfall Propriozeption)
- Teils psychiatrische Symptome (Psychose, Delir, Depression)
Morbus Charcot-Marie-Tooth CMT
= Genetisch bedingte Polyneuropathie
Epidemiologie:
- Ca. 1/2000 Personen
- häufigste neurogenetische Erkrankung
- Manifestation zwischen 20. und 30. Lebensjahr, Variabel
Ätiologie: Autosomal dominant vererbte Mutation auf Chromosom 17, welche zur Schädigung der Nervenzellfortsätze oder der Myelinschicht führt. Durch Schädigung der Nervenfasern klinische Symptomatik. Je nach Mutation unterschiedliche Klassifizierung (Typ 1 - 4)
Klinik:
(1) Neuronale Schädigung
- Symmetrisch-distal betonte Muskelschwäche und Atrophie
- Gangataxie (M. tibialis anterior als erster M. betroffen) = Stepper- oder Storchengang
- Areflexie
- Sensibilitätsstörungen stehen eher im Hintergrund
(2) Bewegungsapparat
- Storchenbeine
- Pes cavus (hohlfuss
Myotone Dystrophie Curschmann-Steinert
= Myotone Dystrophie DM1
Epidemiologie:
- Ca. 1/ 10'000 Personen
- Häufigste Muskelerkrankung im Erwachsenenalter
- Zweithäufigste Muskelerrkrankung (nach Duchenne Dystrophinopathie)
Ätiologie: Autosomal-dominant vererbter CTG-Trrinukleotid-Repeat des Myotonin-Protein-Kinase DMPK Gens auf Chromosom 19
- Hohe Penetranz
- Antizipation
Klassifizierung:
- Kongenitale Form (Erkrankung im Kindesalter, Floppy Infant)
- Adulte Form (Erkrankung im Erwachsenenalter)
Pathogenese: Erkrankung der DMPK führt zu generalisiertem Membrandefekt mit erhöhter Na- und reduzierter Cl-Leitfähigkeit, was zu Schädigungen an Muskelfasermembran und an SERCA-Ca-Pumpen verursacht. Insgesamt kommt es zu einer verzögerten Muskelrelaxation (Myotonie) und Muskelschwäche
Klinik:
- Progressive Myotonie (Muskelerschlaffung verzögert) und Muskelschwäche (Betonung distal und facial)
- Katarakt, Hypogonadismus, Kardiopathie, Tagesschläfrigkeit/Hypersomnie
Einflussebene von Genetik auf Krankheiten (1)
(1) Ätiologie
Mutation eines Gens kann zu Funktionsänderung bzw. Entstehung einer Erkrankung führen
- Genetische Homogenität = Mutation eines Gens --> Krankheit 1 (monogenetische Erkrankungen sind selten)
- Genetische Heterogenität = Mutation mehrere Gene ---> Krankheit 1
- Allelische Heterogenität = Verschiedene Mutationen eines Gens ---> Verschiedene Krankheiten
(2) Prädisposition
Mutation eines Gens / mehrerer Gene prädisponieren für Erkrankung. Ohne zusätzliche Faktoren (Umweltfaktoren) kommt es nicht zur Entstehung der Krankheit
(3) Mechanismus
Mutation kann eine Funktionsstörung verschiedner physiologischer Mechanismen verursachen, welche zur Entstehung bestimmter Krankheiten führen
- Enzym-Defekt
- Rezeptor Defekt
- Strukturprotein-Defekt
- Ionenkanal-Defekt
- Tumorsuppressorgen-Defekt
(4) Krankheitssymptomatik (Syndrome)
Mutationen können zu Störungen physiologischer Mechanismen führen, welche sehr spezifische klinische Syndrome verursachen
Einflussebene von Genetik auf Krankheit (2)
(5) Therapie
Mutationen bzw. genetische Gegebenheiten (keine eigentlichen Genmutationen, sondern lediglich Normabweichungen) können Einfluss darauf haben, wie der Körper auf bestimmte Therapie anspricht (insbesondere Ansprechen auf Medikamente)
(6) Prognose
Je nach genetischer Grundlage verläuft eine Erkrankung unterschiedlich
Zusammenhang Genmutation und Phänotyp
Phänotypische Konvergenz = Verschiedene Unterschiedliche Mutationen in verschiedenen Genen bewirken gleiche Klinik
Phänotypische Divergenz = Verschiedene Mutationen im gleichen Gen führen zu unterschiedlicher Klinik