Block 5 W20

Vorlesungen W20

Vorlesungen W20


H. B.
Diese Lernkarten behandeln medizinische Themen auf Universitätsniveau, mit Fokus auf Stoffwechselprozesse, Medikamentenwirkungen und deren Interaktionen. Sie decken Bereiche wie Insulin, Cholesterin, Lipidstoffwechsel, Leberfunktion und Clearance ab, wobei auch spezifische Substanzen wie Colchicin und deren Anwendungen erläutert werden. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Medizinstudenten, die sich auf Prüfungen vorbereiten, da sie komplexe Zusammenhänge verständlich darstellen und praktische Anwendungen verdeutlichen.
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Langue
Allemand
Catégorie
Médecine
Niveau
Université
Créé / Mis à jour
02.06.2012 / 19.06.2016

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Arzneimittelkumulation

Kumulation = progressive Zunahme der Arzneistoffkonzentration im Körper bei wiederholter Gabe und tritt auf wenn pro Zeiteinheit mehr Arzneistoff zugeführt wird als in der gleichen Zeit eliminiert werden kann

Wichtig ist: Kumulation entsteht wenn Dosierungsintervall < Eliminations-HWZ. Für Kumulation entscheidend sind also:

- Dosierungsintervall

- Eliminations-HWZ

Wichtig ist, dass (bei Kinetik 1. Ordnung, also linearem System) mit steigender Plasmakonzentration auch die Elimination zunimmt, bis sich ein Gleichgewicht einstellt.

Nicht-lineares System und Sättigungskinetik

Wichtige Voraussetzung für das definieren einer konstanten Clearance ist das vorhanden sein eines linearen Systems, also einer Kinetik 1. Ordnung. Medikamente müssen grundsätzliche eine Kinetik 1. Ordnung besitzen, weil bei Substanzen mit einer Sättigungskinetik (nicht-lineares System) mit einer kleinen Dosis-Steigerung eine gewaltige Konzentrationsänderung ausgelöst werden kann, was schwierig zu kontrollieren ist.

In therapeutischer Dosierung zeigen sehr wenige Substanzen eine Sättigungskinetik (nicht-lineare Systeme):

- Alkohol

- Phenytoin

- Salicylsäure

Bei Überdosierung zeigen viele Arzneimittel (insbesondere hepatisch eliminierte Stoffe) eine nicht-lineare Sättigungskinetik

Prozesse des Körpers im Zusammenhang mit körperfremden Stoffen

(1) Einlagerung ins Gewebe

(2) Unveränderte Ausscheidung

- Hydrophile Substanzen meist über Niere

- Hydrophobe Substanzen meist über Leber und Galle

(3) Biotransformation von Substanzen, wobei es hauptsächlich darum geht hydrophobe Substanzen hydrophil (= wasserlöslich) zu machen, damit diese renal oder biliär ausgeschieden werden können. Durch Biotransformation kann die Aktivität des Stoffes verändert werden:

- Aktiver Stoff kann Inaktiviert werden

- Aktiver Stoff kann zu aktiven (oder toxischen) Metaboliten umgewandelt werden

- Inaktiver Stoff kann zu aktivem (oder toxischem) Metaboliten umgewandelt werden

Biotransformationen

Ablauf und Funktion

Ablauf:

(0) Carrier-vermittelte Aufnahme (organischer Anionen- und Kationentransporter)

(1) Biotransformation Phase 1 (Oxidation durch CYP450)

(2) Biotransformation Phase 2 (Konjugationsreaktionen)

(3) Weitere Schritte zur Ausscheidung aus den Hepatozyten bzw. später aus dem Körper

(3a) ATP-abhängige Effluxpumpen zur Sekretion mit Galle

(3b) ATP-abhängige Effluxpumpen zum Rücktransport ins Blut bzw. zur renalen Ausscheidung

Biotransformationen dienen der Ausscheidung von Endobiotika (Bilirubin, Steroidhormone) und Xenobiotika (Pharmaka, Konservierungsmittel, synthetische Verbindungen), indem apolare, lipophile bzw. hydrophobe Stoffe in polare, hydrophile Substanzen umgewandelt werden

Biotransformationen laufen grundsätzlich in allen Geweben ab, die Leber hat aber mit Abstand die grösste Kapazität. Die benötigten Enzyme sind zum grössten Teil im gER lokalisiert (insbesondere CYP450 Enzyme)

Zur Exkretion:

- Phase 1 oder Phase 2

- Phase 1 und Phase 2

Phase 1 Reaktionen der Biotransformation

Phase 1 Reaktionen sind grundsätzlich oxidative Umwandlungen und bestehen aus Anknüpfen von polaren oder reaktiven Gruppen (-OH, -NH2, -COOH etc.):

- Hydroxylierung

- Dealkylierung

- Desaminierung

- Oxidative Abspaltung von Seitenketten

Diese oxidativen Reaktionen werden durch mischfunktionelle Oxidasen (syn. Hydroxylasen oder Cytochrom P450) im gER bewerkstelligt

Phase 1 Reaktionen sind hauptsächlich oxidative und wesentlich seltener reduktive Umwandlungen! Wichtig ist, dass im Endeffekt durch Phase 1 Reaktionen polare Substanzen entstehen.

Phase 2 Reaktionen der Biotransformation

Phase 2 Reaktionen bestehen grundsätzlich aus der Konjugation der polaren Substanzen aus Phase 1 Reaktionen mit verschiedenen, gut wasserlöslichen Stoffen:

- Glucuronidierung (UDP-5-Glukuronosyltransferasen)

- Sulfatierung (Sulfotransferasen)

- Acetylierung (N-Acetyl-Transferasen)

- Methylierung (Methyltransferasen)

- Konjugation mit AS

- Konjugation mit Glutathion (Glutathion-Transferasen)

- (...)

Wichtig ist, dass unabhängig von der Art der Phase 2 Reaktion, am Ende eine polare, hydrophile Substanz vorliegt, welche via Blutwege und Nieren bzw. via Galle und GIT ausgeschieden werden kann.

CYP 450 Enzyme

CYP 450 Enzyme (sog. mischfunktionelle Monooxygenasenoder syn. Hydroxylasen) Enzyme aus der Gruppe der Ocisoreductasen, sind für Katalyse von Redoxreaktionen zuständig und kommen haupstächlich in gER und auch in Mitochondrien vor

Cytochrom P450 Enzyme sind insbesondere bei Biotransformation von Medikamenten beteiligt. Wichtig ist, dass Medikamente teilweise durch mehrere, teilweise auch durch einzelne CYP450 metabolisiert werden (eine Mutation hat also unterschiedliche Auswirkung auf Elimination)

Hauptgruppen der CYP450 und wichtige Medikamente, die abgebaut werden

CYP3A4 (ca. 60%)

- Immunsuppressiva

- Viele Chemotherapeutika

- Antimykotika (Azole)

- Antibiotika (Makrolide)

- Antidepressiva

- Benzodiazepine

- Hypnotika

- Statine

- Ca-Kanal-Blocker

- Antiarrhythmika

- Sexualhormon-Agonisten und Antagonisten

- H1-Rezeptor Antagonisten

-(...)

CYP2D6 (ca. 25%)

- Antidepressiva (!!)

- Antipsychotika (!!)

- Opioide

- Antiarrhythmika Klasse 1

- Beta-Blockers

- (...)

CYP2C (ca. 10%), insbesondere CYP2C9 und CYP2C19

- Schmerzmittel (NSAID) (C9)

- Antikoagulantien (C19)

- Antidiabetika (C9)

- Antiepileptika (C19)

- Protonen-Pumpen-Inhibitoren (C19)

Weitere (ca. 5%)

- CYP1A2 = Koffein, Antidepressiva (...)

- CYP2E1 = Paracetamol, Anästhetika, einige toxischen Substanzen (...)

P-Glykoprotein

P-Glykoprotein 1 = Permeabilitäts Glykoprotein = Multidrug resistance Protein 1 MDR1 = ATP-binding cassette Subfamilie B1 ABCB1

P-Glykoprotein ist ein auf verschiedenen Geweben (Gehirn, Darm, Niere, Leber etc.) exprimierter ABC-Transporter, welcher ATP-abhängig ein breites Spektrum an Substanzen aus verschiedenen Zellen pumpen kann (Effluxpumpe).

Dadurch, dass P-GP ein sehr breites Substanzspektrum besitzt, hat es eine Vielzahl von Funktionen:

- Schutzmechanismus der Zellen vor schädlichen Substanzen

- Regulation der Bioverfügbarkeit von Medikamenten

- Entfernung toxischer Metaboliten und Xenobiotica

- Organspezifische Funktionen

-- Sekretion von Substanzen in Galle (Hepatozyten)

-- Sekretion von Substanzen in Urin (Nierentubulus)

-- Keine Aufnahme von Substanzen über GIT (Enterozyten)

-- Keine Aufnahme von Substanzen über Blut-Hirn-Schranke (Gehirn)

Wichtig: Gewisse Tumore können P-GP überexprimieren und resistent gegen Therapie werden!

P-Glykoprotein

Interaktionen

Verschiedene Substanzen sind in der Lage P-GP zu induzieren und dadurch die Bioverfügbarkeit verschiedener Medikamente zu verändern. Insbesondere Stoffe, welche oral eingenommen werden und im GIT Substrat des P-GP sind, können durch eine Induktion der P-GP vermehrt wieder ins Darmlumen sezerniert werden und die Bioverfügbarkeit wird entsprechend vermindert

Substanzen welche P-GP induzieren:

- Johanniskraut (Einsatz gegen Angst und Unruhe, sowie bei leichten bis mittelschweren Depressionen)

- Rifampicin

PXR

Verschiedene Substanzen können über nukleäre Rezeptoren die Transkription von Cytochrom P450 Enzymen (Phase 1), sowie von Konjugations-Enzymen (Phase 2) und von Transportproteinen (Aufnahme und Sekretion) steigern. Solche nukleären Rezeptoren dienen also dazu, das Vorhandensein von fremden toxischen Substanzen zu detektieren und entsprechend die Detoxifikationsmechanismen zu verstärken

Ein wichtiger nukleärer Rezeptor ist PXR (= Pregnane X Receptor oder Steroid and Xenobiotic sensing nuclear receptor SXR oder nuclear receptor subfamily 1, group 1, member 2 NR1I2). PXR wird durch verschiedene Substanzen/Medikamente (Rifampizin, Ritonavir, Phenytoin, Johanniskraut) stimuliert und bewirkt seinerseits eine Induktion von:

- CYP3A4 (Phase 1)

- CYP2B6 (Phase 1)

- Glucuronisyl-Transferase (Phase 2)

- Sulfotransferase (Phase 2)

- MDR1 (P-GP, Effluxpumpe)

Betroffene Substanzen:

- Ca-Kanal-Blocker

- Cyclosporin

- Triazolam

- Erythromycin

- Sildenafil

- Protease-Inhibitoren (HIV)

Induktoren und Inhibitoren von CYP3A4

Induktoren:

Efavirenz, Nevirapine (Anti HIV) (!!)

Barbiturate

Carbamazepin

Glucocorticoide

Modafinil

Phenobarbital

Phenytoin (!!)

Rifampin (!!)

Johanniskraut (!!)

Troglitazon

Oxcarbazepin

Pioglitazon

Rifabutin

Inhibitoren:

CYP3A4 wird durch Grapefruitsaft gehemmt (nicht mehr als 1 Liter pro Tag trinken)

CYP2D6

CYP2D6 gehört zu den mischfunktionellen Oxidasen und das zweitwichtigste Cytochrom P450 Enzym (nach CYP3A4)

CYP2D6 zeigt höchste phänotypische Variabilität aller CYP450 Enzyme, was durch genetische Polymorphismen bedingt ist. Je nachdem ob genetischer Polymorphismus vorhanden ist oder nicht bzw. ob mehrere Kopien des Gens für CYP2D6 vorliegen oder nicht können unterschiedliche Funktionstypen unterschieden werden:

- 10% Poor Metaboliser (aufgrund genetischer Polymorphismus verminderte oder fehlende Funktion)

- 90% Extensive Metaboliser (normale Funktion)

- 1% Ultrarapid Metaboliser (aufgrund mehrerer Gen-Kopien übermässige Funktion)

Wichtig ist, dass ein Polymorphismus bei Poor Metaboliser sowohl eine Verminderung, wie auch eine Zunahme von (erwünschten, wie unerwünschten) Wirkungen haben kann:

- Codein ohne CYP2D6 nicht zu Morphin (keine Sedierung)

- Metoprolol verursacht ohne CYP2D6 mehr Nebenwirkungen (keine Metabolyse)

Polymorphismen von Cytochrom P450 Enzymen

Polymorphismen kommen hauptsächlich vor bei:

- CYP2C (2C9 und 2C19)

- CYP2D6 (am besten untersucht)

Zusammenspiel von CYP-Aktivität:

- Bioverfügbarkeit

- First-Pass-Effekt FPE

- Clearance

Eine Hemmung von CYP führt zu Abnahme des FPE im Darm und zu einer Abnahme der Clearance in Niere/Leber etc., was sich in einer Steigerung der Bioverfügbarkeit wiederspiegelt

Eine Induktion von CYP führt zu Zunahme des FPE im Darm und zu einer Steigerung der Clearance in Niere, Leber etc., was sich in einer Verminderten Bioverfügbarkeit wiederspiegelt

Wichtig ist, dass Stoffe mit einer geringen Bioverfügbarkeit insbesondere bei Hemmung von CYP wesentlich stärkere Schwankungen zeigen als Stoffe mit einer hohen Bioverfügbarkeit. Denn die maximale Bioverfügbarkeit kann nur 100% betragen!

Umgekehrt sind für Untersuchung von Wechselwirkungen insbesondere Medikamente mit einer geringen Bioverfügbarkeit von Nutzen (bsp. Statine mit maximal 30% Bioverfügbarkeit)

Veränderung der Kinetik bei Veränderung der Leberzellmasse

Wichtiges und häufiges Bsp. für die Veränderung der Leberzellmasse ist die Leberzirrhose. 2 Auswirkungen der Leberzirrhose führen zu verminderter heaptischen Clearance und gesteigerter Bioverfügbarkeit:

- Verminderung der Leberzellmasse führt direkt zu Verminderung des Metabolismus

- Veränderung der Durchblutung führt indirekt zu Verminderung des Metabolismus

Wichtig ist, dass initial sind hauptsächlich Phase 1 Enzyme (insbesondere CYP3A4 und CYP1A2) betroffen. Die Phase 2 Reaktionen (bsp. Glukuronidierung) bleiben relativ lange erhalten. Aus diesem Grund sollte bei Patienten mit Leberzirrhose nur Medikamente verabreicht werden, welche über Phase 2 metabolisiert werden

Faustregel bei Leberinsuffizienz

Renale Elimination = unveränderte Dosierung (bzw. je nach Nierenfunktion)

Hepatische Elimination = Dosierung abhängig von Applikationsart bzw. Bioverfügbarkeit

- Hohe parenterale oder enterale Bioverfügbarkeit = normale Initialdosis, anschliessend tiefere Erhaltungsdosis (da hepatische Clearance vermindert)

- Tiefe enterale Bioverfügbarkeit = Niedrige Initialdosis, anschliessend niedrigere Erhaltungsdosis

Achtung: Prodrugs, welche hepatisch aktiviert werden sollten vermieden werden!

Achtung: Bezüglich hepatische Biotransformation sollten vor allem Substanzen, welche über Phase 2 metabolisiert werden eingesetzt werden (weil Phase 2, sowohl bei Insuffizienz der Leber, wie auch im Alter gut erhalten bleibt)

Q(0)-Wert

Q(0) ist die extrarenale Eliminationsfraktion. Es ist ein substanzspezifischer Wert, welcher zwischen 0 und 1 liegt und angibt, welcher Anteil der Elimination über extrarenale Mechanismen läuft.

Q(0) = Anteil der extrarenalen Elimination an Gesamtelimination

1 - Q(0) = Anteil der renalen Elimination an Gesamtelimination

Wichtig ist, je niedriger Q(0), desto wichtiger ist eine Dosisanpassung!

Beeinflussung der renalen Clearance

Eine Beeinflussung der renalen Clearance kann über die Filtration, sowie über die Sekretion geschehen.

Verschiedene Erkrankungen der Niere können die glomeruläre Filtrationsrate (normalerweise 120 ml/min) verändern und dadurch die Clearance beeinflussen.

Bestimmte Medikamente sind in der Lage die Sekretion im Tubulus zu beeinflussen und dadurch die renale Clearance zu verändern (bsp. NSAID, Probenicid, Aminopenicillin hemmen die Sekretion von Methotrexat

3 Phänotypen bei Lipidstoffwechselstörungen

Hypercholesterinämie-Typ

- Cholesterin-Reiche LDL erhöht

- HDL erniedrigt

Hypertriglizeridämie-Typ

- TG-reiche VLDL erhöht

Gemischte Typ (sog. atherogenic Lipid Triad)

- Cholesterin-reiche LDL erhöht

- TG-reiche VLDL erhöht

- HDL erniedrigt

Grundkonzepte der Behandlung einer Hyperurikämie

Anpassung der Ernährung (Reduktion exogener Purine)

Xanthinoxidase-Inhibitoren (Reduktion Abbau von Purinen)

Rekombinante Uricase (Reduktion endogener und exogener Harnsäurespeicher durch Metabolismus)

Urikosurische Substanzen (Erhöhung der Ausscheidung)

Colchicin als antiphlogistisches Medikamen bei akutem Gichtanfall (Entzündung durch Harnsäurekristalle)

Colchicin (= Herbstzeitlose) ist Mitosespindelgift und hemmt Leukozytenbeweglichkeit und Uratphagozytose (erwünscht), allerdings auch toxische Wirkungen wie Durchfall, Haarausfall, KM-Schädigungen (unerwünscht)

Study