Biopharmazeutika

Grundlagen Gentechnik, Herstellung Proteinwirkstoffe

Grundlagen Gentechnik, Herstellung Proteinwirkstoffe


N. K.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über Biopharmazeutika auf Universitätsniveau. Sie decken Themen wie Zellen, Gene, Proteine, Viren und ihre Übertragung sowie Therapien und Wirkungen ab. Die Karteikarten behandeln auch spezifische Konzepte wie PCR, Operons, Polymorphismen und deren Auswirkungen auf die Arzneimittelwirkung. Sie sind besonders nützlich für Studierende und Forscher, die sich mit der Entwicklung und Anwendung von Biopharmazeutika beschäftigen, da sie komplexe biologische Prozesse und deren klinische Relevanz verständlich darstellen.
Karten
412
Lernende
3
Sprache
Deutsch
Kategorie
Biologie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
16.07.2016 / 28.08.2021

Lernkarten

Was versteht man unter IPSC?

induced pluripotent stem cells

Vorgehensweise bei der Herstellung induzierter pluripotenter Stammzellen aus adulten Stammzellen

Mit welcher analytischen Methode bestimmt man die Reinheit von Proteinen?

Protein-Gelelektrophorese

Mit welchen analytischen Methoden bestimmt man die Identität von Proteinen?

immunbiochemische Methoden (z.B. Western-Blot)
Peptid-Fingerabdruck (MALDI-TOF-MS)
Proteinsequenzierung
Glykosylierungsmuster

Mit welchen analytischen Methoden kann man die biologische Aktivität eines Proteins bestimmen?

o Ligand-Bindungs-Tests
o zellbasierte Testsysteme

Stabilitätsanforderungen, denen ein AS während seiner gesamten Haltbarkeitsdauer genügen muss

• chemische Stabilität
o der Wirkstoff muss innerhalb der festgelegten Grenzen chemisch unversehrt und aktiv bleiben (kann zu kovalenten Modifikatinoen der Peptidstruktur, Oxidationen, Hydrolysen, Deamidierungen, Isomerisierungen und Disulfidumlagerungen kommen)
• physikalische Stabilität
o der Wirkstoff muss seine ursprünglichen Eigenschaften wie Aussehen, Gleichförmigkeit, Freisetzung und Suspendierfähigkeit unverändert erhalten ( Denaturierung, Aggregation, Assoziation, Präzipitation[Agggegate über 50μm, visuell sichtbar) und Oberflächenadsorption möglich)
• mikrobiologische Stabilität
o Sterilität bzw. Resistenz gegenüber Mikroben müssen über die gesamte Haltbarkeitsdauer den Spezifikationen entsprechen
o eventuell zugegebene Konservierungsmittel müssen innerhalb der festgelegten Parameter aktiv bleiben
• therapeutische Stabilität
o die therapeutische Wirksamkeit muss unverändert bleiben
• toxikologische Stabilität
o die Toxizität von Wirk- und Hilfsstoffen darf sich nicht verändern

Vorgehensweise bei der Findung einer optimalen Proteinformulierung

Vor- und Nachteile der Gefriertrocknung zur Trocknung von Proteinen. Wodurch werden Qualitätsverluste verursacht?

• Vorteile:
o Standard-Prozess
o im industriellen Maßstab gut durchführbar
o schonendste Methode zur Trocknung von Proteinen
o Hilfsstoffe und Prozessbedingungen sind so einstellbar, dass Aktivitätsverluste durch Einfrieren und Wasserentfernung vermieden werden


• Nachteile:
o zeitaufwendig (mehrere Tage)
o energieaufwendig (Entfernung von >>90% der Komponenten)
o teuer
o Batch-Prozess (begrenzte Chargengröße, Scale-up Probleme)
o begrenzte physikochemische Stabilität des Produktes (der amorphe Zustand muss erhalten werden)
o Lyophilisate reagieren hygroskopisch


• Qualitätsverlust durch
o inhomogenen Wärmetransfer
o Kollaps (Zusammenbruch)
o "Blow-out" des Lyophilisats
o Brechen der Vials durch Vakuum
o Brechen der Vials beim Verschleißen
o allmähliche Hydratisierung des Lyophilisats (undichte Vials)

Was sind Primärpackmittel von Proteinen für die Gefriertrocknung?

Vials (Durchstechflaschen)

Aufbau der Vials und benötigte Validierungen

• Aufbau:
o Gummistopfen
o Glasvial (Typ I Glas: Borosilicatglas)
o Bördelkappe (Originalitätsverschluss)


• Stopfen
o Lyo-Stopfen (Lyophilisat/Sublimationstrocknung- Stopfen: Butyl-, EPDM-, Naturgummi-, Nitril- und Silikonausführung)
o Liquid-Stopfen
o RTS = Ready-to-sterilize
o RTU = Ready-to-use
o Silikonisierung, Teflonisierung
• Validierungen, z.B.
o Extraktionsstudien
o Kompatibilitätsstudien
o Permeabilität/Dichtigkeit

Unter welchen Bedingungen werden die Vials für die Gefrietrocknung abgepackt?

Reinraum-Klasse A

Wann wird die Gefriertrocknung von Proteinen angewendet?

Wenn das Protein in flüssiger Formulierung nicht ausreichend stabil ist

Unter welchen Bedingungen werden die Vials geschlossen?

Nach Abschluss der Gefriertrocknung wird der evakuierte Innenraum des Gefriertrockners mit steriler Luft oder Stickstoff begast. Daraufhin werden die Vials unter partiellem Vakuum oder Atmosphärendruck verschlossen

Welche Wechselwirkungen sind am Stopfen möglich?

Was ist beim Eprex Zwischenfall geschehen?

Eprex, ein Epoetin-Präparat von Johnson & Johnson, ein Biosimilar, hat bei vielen Patienten Pure Red Cell Aplasia (PRCA), dauerhafte Blutarmut) verursacht. 

Ursache:  Herauslösen von Bestandteilen des Stopfens durch Polysorbat 80 nach Umstellen auf diesen Stabilisator

Gehaltsbestimmung von Proteinen erfolgt mittels...

HPLC

UV-Photometrie bei 280 nm

Welchen Grenzwert dürfen Biopharmazeutika-Präparate beim Bioburden-Test nicht überschreiten?

Bioburden-Test: Test auf lebensfähige Mikroorganismen

Grenze: max. 10 KBE/100mL

Stabilitätstests an Proteinen

• Thermischer Stress (Langzeitstabilität)
o ICH-Vorschriften:
o 4, 8, 13, 26, 39, 52, 78, 104, 130, 156 Wochen
o (-170°C, -70°C), -20°C, 2-8°C, 25°C/60%rh, 30°C/65%rh, 40°C/75%rh


• Mechanischer Stress
o Agitations-induzierte Denaturierung und Adsorption (durch Schütteln, Bewegung)


• Licht
• Sauerstoff
• Adsorption an Oberflächen
• Einfrieren/Auftauen
• Stabilität im Primerpackmittel

Was ist bei der i.v.-Applikation von Biopharmazeutika zu beachten bzgl. Lagerung, Lyophilisate und Anwendung?

o korrekte Lagerung der Arzneimittel durch geschultes Personal
o bei Lyophilisaten Notwendigkeit der aseptischen Vorbereitung in der Praxis bzw. Klinik
o nur beim Arzt möglich (ambulant, stationär)
o Nachbeobachtung durch den Arzt möglich

Was ist bei der s.c.-Applikation von Biopharmazeutika zu beachten bzgl. Lagerung und Anwendung?

o oft Eigenanwendung zu Hause möglich
o möglicherweise falsche Lagerung der
o Medikamente zu Hause (Beratung!)
o Beratung zur korrekten Anwendung
o häufig Schmerzen an der Einstichstelle
o keine Nachbeobachtung durch einen Arzt

Welche Applikationsart (i.v. oder s.c.) hat eine schlechtere Compliance?

s.c., weil es zuhause durch den Patienten selbst angewendet werden kann

Ab wann ist der Apotheker für eine korrekte Lagerung der Biopharmazeutika verantwortlich?

Ab Anlieferung

Was ist der Unterschied zwischen "kühl lagern und transportieren" und "im Kühlschrank lagern"?

Die Kennzeichnung „Kühl lagern und transportieren“ darf aber im zentralen Zulassungsverfahren nur ausnahmsweise verwendet werden, wenn das Arzneimittel unter keinen Umständen die vorgegebene Temperatur verlassen darf. Deshalb gilt für die meisten nur "im Kühlschrank lagern" auch wenn diese bei Transport kühl gehalten werden müssen, weshalb die Bezeichnung "Kühlkette" oft verwendet wird damit es nicht zu einer versehentlichen Lagerung bei Raumtemperatur kommt

Wodurch können Instabilitäten wie Adsorption und Aggregation bei der Applikation vermieden werden?

• Adsorption wird minimiert durch
o Minimierung der Grenzflächen
o Auswahl geeigneter Grenzflächen (Behältnisse, Stopfen, Schläuche,
Filtermaterialien)
o Stabilisierende Zusätze


• Aggregation wird minimiert durch Vermeidung von
o Schütteln
o Wärme
o Kontakt mit hydrophoben Grenzflächen
o Scherkräften
o Einfrier/Auftau-Zyklen (egal ob versehentlich oder absichtlich)

Mit was für einer Trägerlösung ist Trastuzumab inkompatibel?

5%-Glukose-Lösung

Für eine sachgerechte Applikation von Biopharmazeutika ist was zu beachten?

• die richtige Wahl der Trägerlösung, z.B. ist Trastuzumab inkompatibel mit 5% Glukoselösung; Aldesleukin ist inkompatibel mit 0,9% NaCl; manche Wirkstoffe reagieren sensibel auf den Zusatz von oberflächenaktiven
Substanzen (z.B. Polysorbat)
• Beachtung bekannter Kompatibilitäten mit PE-, PP- oder PVC-Behältnissen und des Applikationssystems (Schläuche)
• Vermeidung von Schaumbildung
• Benutzung von Inline-Filtern 5 µm mit geringem proteinbindenden Potenzial (z.B. Polyamid)
• ggf. Verwendung stabilisierender Zusätze (z.B. HSA)
• Reihenfolge der Zugabe beachten falls notwendig
• ggf. Lichtschutz
• Biologika niemals mit anderen Infusionslösungen mischen (es sei denn, die Kompatibilität des Proteinwirkstoffs mit der Infusionslösung wurde bestätigt)

Sind Biosimilars aus pharmazeutischer Sicht (laut Winkler zumindest) austauschbar mit dem Originalpräparat?

Nein, weil der Herstellprozess das Produkt definiert

Welche Krankheiten sind unter dem metabolischen Syndrom zusammengefasst?

abdominelle Adipositas führt zu
o Diabetes mellitus Typ 2
o Dyslipidämie
o Hypertonie
o Blutgerinnungsstörungen

Normbereich Glucosewerte im Blut

3-5,55 mmol/L => 0,5-1 g//L

Insulin: wichtigste Zielorgane und wichtigste Insulinwirkungen bzgl. Glukose, Fett und Aminosäuren

• wichtigste Zielorgane
o Muskeln (M)
o Fettgewebe (F)
o Leber (L)


 wichtigste Insulinwirkungen:
o Glukose (fördert Abbau)
Förderung der Aufnahme von Glukose (M, F)
Stimulation der Glykogensynthese (M, F, L)
Hemmung der Glykogenolyse (M, F, L) und Glukoneogenese (L)
Stimulation der Glykolyse (M, F, L)
o Fett (fördert  Aufbau)
Förderung der Lipogenese (F, L)
Hemmung der Lipolyse (F, L)
o Aminosäuren (fördert Aufbau)
Förderung der Aufnahme von Aminosäuren (M, F)
Förderung der Proteinsynthese (M, L)
Hemmung des Proteinabbaus (M, L)

Aussehen des Fettgewebes: braun vs. weiß

Funktion von abdominalem Fettgewebe

(Abdominales) Fettgewebe ist ein endokrines Organ, das Adipokine produziert

Adipokine Definition, Bsp.

Verbindungen, die vom Fettgewebe produziert und sezerniert werden und als Signalmoleküle wirken

Diabetes Mellitus Definition nach WHO

metabolische Erkankung multipler Genese, bei der durch Defekte in der Insulinsekretion, der Insulinwirkung oder einer Kombination beider Ursachen eine chronische Hyperglykämie mit Schädigungen im Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinmetabolismus hervorgerufen wird. Er verursacht Langzeit-Schädigungen und Dysfunktionen verschiedener Organe

Diabetes Epidemiologie Deutschland

 

ca. 10% der Bevölkerung betroffen => 8 Mio.

Wo wird Insulin im Körper ausschließlich produziert?

in den β-Zellen der Langerhans-Inseln in der Pankreas

Wie ist der Aufbau des Insulin unterteilt?

es ist ein Präproprotein, wobei die Prä-Sequenz eine Signalsequenz darstellt und das Propeptid aus der A- und B-Kette und dem C-Peptid besteht.

Funktion des C-Peptids, wann abgespalten

Das C-Peptid zwingt das Insulin in eine Konformation, wo die Ausbildung der korrekten drei Disulfidbrücken optimiert ist. Es wird erst ganz zum Schluss, also kurz vor der Sekretion mittels spezifischen Proteasen entfernt

Woraus besteht das aktive Insulin?

A-Kette mit 21 AS und B-Kette mit 30 AS, die durch zwei Disulfidbrücken miteinander verbunden sind

Was dient in erster Linie als Signal für die Insulinfreisetzung?

Blutzuckeranstieg (meist nach dem Essen)

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