Biopharmazeutika

Grundlagen Gentechnik, Herstellung Proteinwirkstoffe

Grundlagen Gentechnik, Herstellung Proteinwirkstoffe


N. K.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über Biopharmazeutika auf Universitätsniveau. Sie decken Themen wie Zellen, Gene, Proteine, Viren und ihre Übertragung sowie Therapien und Wirkungen ab. Die Karteikarten behandeln auch spezifische Konzepte wie PCR, Operons, Polymorphismen und deren Auswirkungen auf die Arzneimittelwirkung. Sie sind besonders nützlich für Studierende und Forscher, die sich mit der Entwicklung und Anwendung von Biopharmazeutika beschäftigen, da sie komplexe biologische Prozesse und deren klinische Relevanz verständlich darstellen.
Karten
412
Lernende
3
Sprache
Deutsch
Kategorie
Biologie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
16.07.2016 / 28.08.2021

Lernkarten

Erythropoetin: Abkürzung, Aufbau, Bildungsort, Glykosylierungen

EPO

• 34 kDa Protein (165 Aminosäuren als reifes Protein)
• 40% Kohlenhydratanteil
• 3 N-Glykosylierungsstellen
• 1 O-Glykosylierungsstellen
• 2 Disulfidbrücken
• gebildet in der Niere

Blutgerinnungswege: Ablauf der intrinsischen und extrinsischen Blutgerinnung

Welche Krankheiten sind unter den Hämorrhagische Diathesen zu verstehen?

• Hämophilie A (Faktor VIII-Mangel)
• Hämophilie B (Faktor IX-Mangel)
• von-Willebrand-Krankheit (vWF-Mangel)
• Hämophilie C, Rosenthal-Syndrom (FXI-Mangel)
• Hypoprokonvertinämie (kongenitaler FVII-Mangel)
o angeborener Mangel an "sonstigen" Blutgerinnungsfaktoren,
betroffene Gene u.a. Faktor V, X

Hämorrhagische Diathesen : Schweregradeinteilung  nach Aktivität des Blutgerinnungssystems

schwer bis Subhämophilie

Woraus werden Gerinnungsfaktor-Konzentrate gewonnen?

Blutspenden (aus Vollblut oder Plasmapherese)

Cohn-Fraktionierung von Blutplasma

Was sind gängige Virusreduktionsmaßnahmen für Blutprodukte?

o Pasteurisierung (Erhitzen auf 60°C)
o Detergentienbehandlung
o Dampfbehandlung

Was ist PPSB und wofür wird es verwendet?

Prothrombinkomplex-Konzentrat aus Faktor II (Prothrombin), Faktor VII (Proconvertin), Faktor X (Stuart-Prower-Faktor) und Faktor IX (Antihämophiles Globulin B)

lebensbedrohliche Blutungen mit Mangel an Prothrombinkomplex (schwere Leberschäden, Überdosierung von Antikoagulanzien, Vitamin-K-Mangel)

Wann wird Fibrinogen gegeben?

lebensbedrohliche Blutungen mit Fibrinogenmangel

Wann wird Faktor VIII gegeben?

lebensbedrohliche Blutungen mit FXIII-Mangel

Wobei werden FVIII und vWF zusammen gegeben? Wofür steht vWF?

von-Willebrand-Faktor

Blutungen und Blutungsrisiken bei Hämophilie A und von-
Willebrand-Syndrom

Was ist der von-Willebrand-Faktor?

Der von-Willebrand-Faktor wird von Endothelzellen und Megakaryozyten synthetisiert und zirkuliert im Blutplasma im Komplex mit dem Faktor VIII, der dadurch vor Proteolyse geschützt wird. Er kann sowohl an die Proteine der subendothelialen Matrix als auch an den von-Willebrand-Rezeptor (Glykoprotein Ib/IX) auf der Oberfläche der Thrombozyten binden. So schafft er als sog. Adhäsivprotein eine Verbindung zwischen den Thrombozyten und der verletzten Gefäßwand und aktiviert die Thrombozyten (primäre Hämostase). Der von-Willebrand-Faktor gehört zu den Akute-Phase-Proteinen. Er bildet im Plasma spontan Multimere, d.h. immer länger werdende Ketten

Wann wird FIX gegeben?

Blutungen und Blutungsrisiken bei Hämophilie B

Wann wird FVII gegeben?

Blutungen und Blutungsrisiken bei Mangel an FVII (angeboren oder erworben) und Hemmkörperhämophilien

Was versteht man unter Hemmkörperhämophilien? Therapieoptionen?

Die Hemmkörperhämophilie ist eine seltene Gerinnungsstörung, die durch Antikörper gegen Gerinnungsfaktoren verursacht wird. Tritt meist erst im hohen Alter, ist eine Art Autoimmunerkrankung

alternativ: Hämophilie A/B-Erkrankte bilden AK gegen therapeutische FVIII /IX aus
• Symptome: Blutungen trotz prophylaktischer Gabe von FVIII oder FIX; Nichtansprechen auf Blutungsbehandlung
• betroffen sind 10-30% der Hämophilie-A- und 1-3% der Hämophilie-B- Patienten
• solche Patienten werden therapieresistent
• schwerwiegendste Komplikation der Hämophilie-Therapie
• Therapieoptionen:
o Factor VIII Inhibitor Bypassing Agents, FEIBA: plasmatisches Multikomponenten-Präparat (FII, FVII, FIX, FX)
o rekombinanter FVIIa

Hämophilie A: Krankheitsursache, Epidemiologie, Symptome

• betroffen: Gen für Faktor VIII defekt
• X-chromosomal rezessiv vererbt
• weibliche, heterozygote Träger sind gesund
• Inzidenz: 1:5000 (männliche Neugeborene)
• nur männliche Individuen erkranken
• Risiko einer Vererbung ist 25% (50% für männliche Nachkommen)
• Häufigkeit und Schweregrad von Blutungen abhängig und vom Ausmaß der FVIII-Verminderung
• bei [FVIII] < 1% regelmäßig schwere spontane Blutungen in die Gelenke und Muskulatur

Hämophilie A Therapie

• Therapie:
o FVIII-haltige Plasmakonzentrate
o rekombinanter FVIII
o prophylaktisch oder nach Bedarf
o Gefahr der Bildung von "Hemmkörpern"

von-Willebrand-Jürgens-Krankheit

• betroffen: Gen für von-Willebrand-Faktor (vWF)
• vWF wird von Endothelzellen gebildet
• häufigste erbliche Bluntungskrankheit
• Prävalenz ~1%
• unterschiedliche Verlaufsformen
o milde Verlaufsform >80% der Patienten
o moderate Verlausform 15-20% der Patienten
o schwere Verlaufsform 1% der Patienten
• Therapie:
o Desmopressin
o vWF-haltige Gerinnungskonzentrate

Eigenschaften Faktor VIII

• Vitamin K-abhängige γ-Carboxylierung verschiedener Glutaminsäurereste
• Aktivierung über proteolytische Spaltung durch Thrombin
• wird im Plasma stabilisiert durch Bindung an von-Willebrand-Faktor

• Bezeichnung FVIII:C = Factor VIII coagulant activity
• Genlänge 186.000 bp
• kodierender Bereich 26 Exons (~9000 bp mRNA)
• Protein: 2.351 Aminosäuren (MW 267 kDa)
• 25 potenzielle Glykosylierungsstellen (MWnativ >300 kDa)

Hämophilie B: Krankheitsursache, Vererbung, Epidemiologie, Therapie

• betroffen: Gen für Faktor IX
• X-chromosomal rezessiv vererbt
• weibliche, heterozygote Träger sind gesund
• Inzidenz: 1:25000 (männliche Neugeborene)
• nur männliche Individuen erkranken
• Risiko einer Vererbung ist 25% (50% für männliche Nachkommen)
• Häufigkeit und Schweregrad von Blutungen abhängig vom Ausmaß der IX- Verminderung

Therapie:

o FIX-haltige Plasmakonzentrate
o rekombinanter FIX
o prophylaktisch oder nach Bedarf
o Gefahr der Bildung von "Hemmkörpern"

1 Internationale Einheit (I.E.) von Gerinnungsfaktoren entspricht was?

1 I.E. entspricht der Aktivität des jeweiligen Faktors in einem Milliliter eines großen Plasmapools (= 100% Aktivität)

Faktor IX Eigenschaften

• Genlänge 34.000 bp
• kodierender Bereich 8 Exons (~1.400 bp cDNA-Länge)
• Protein: 461 Aminosäuren (MW ~52 kDa)
• Serin-Protease, aktiviert Faktor X
• verschiedene potenzielle Glykosylierungsstellen
• Vitamin K-abhängige γ-Carboxylierung verschiedener Glutaminsäurereste

Wofür steht das "dhfr-" bei CHO-Zellen? Was für eine Auswirkung und Funktion hat das?

CHO Zellen ohne Dihydrofolatreduktase: ist immanent wichtig für das Herausfinden einer erfolgreichen Transfektion => die CHO-Zellen ohne DHFR benötigen Thymidin, Hypoxanthin und Glycin zum Wachsen. In das Genom dieser CHO dhfr- Zellen wird der gewünschte Genabschnitt kloniert, welches ein Gen für DHFR enthält. Wenn man dieses rekombinante Produkt nun auf einen thymidinfreien Selektionsagar aufträgt, so können nur die erfolgreich transfizierten Zellen wachsen)

Wofür steht PACE-SOL? Was steckt dahinter?

paired basic amino acid cleaving enzyme => eine Serin-Protease, die z.B. mit einer verkürzten, löslichen Form mit dem Blutgerinnungsfaktor Faktor IX zusammen transfiziert, da PACE-Sol für die Aktivierung des Blutgerinnungsfaktors nötig ist (spaltet Pro-Sequenz ab)

Was ist FEIBA?

Factor VIII Inhibitor Bypassing Agents, FEIBA: plasmatisches Multikomponenten-Präparat (FII, FVII, FIX, FX)

Wofür steht FCS?

fetal calp serum (fetales Kalb-Serum)

Durch welche Arzneistoffklassen kann eine antithrombotische Therapie erfolgen? Jeweils Beispiele nennen

• Beeinflussung der Plättchenaggregation (Thrombozytenaggregationshemmer)
o Inhibitoren der Cyclooxygenase (z.B. ASS)
o ADP-Rezeptorantagonisten (z.B. Clopidogrel)
o Inhibitoren des GP-IIb/IIIa-Rezeptors (Abciximab)


• Hemmung der plasmatischen Blutgerinnung (Antikoagulanzien)
o Vitamin-K-Antagonisten
o Heparin
o rekombinantes Antithrombin (Antithrombin alfa)
o rekombinantes Protein C (Drotrecogin alfa aktiviert)
o rekombinantes Hirudin (Lepirudin)


• Auflösung bereits gebildeter Thromben (Fibrinolytika)
o rekombinanter Gewebe-Plasminogenaktivator (Alteplase)

Wo greifen Antithrombin und Heparin in der Gerinnungskaskade ein?

Antithrombin: Aufbau, Wirkung, Anwendung

• 432 Aminosäuren, 50 kDa
• 6 N-Glykosylierungsstellen
• 3 Disulfidbrücken
• Serinprotease-Inhibitor (Serpin)
• inhibiert Enzyme der Blutgerinnungskaskade, z.B. Thrombin, IXa, Xa, XIa, XIIa
• Bindung von Heparin verstärkt inhibitorische Wirkung 1000-fach
• Anwendung: erblicher ATIII-Mangel

Was sind Serpine? Was ist ihre Aufgabe?

eine Familie an Plasmaproteinen, die für die Regulation von Proteasen zuständig sind. Viele von ihnen inhibieren z.B. Serin-Proteasen (Antithrombin)

Erblicher ATIII-Mangel

• autosomal-dominant vererbt (muss nur auf einem Allel sein)
• Prävalenz 1:2.000 bis 1:5.000
• geschätzte 175.000 Patienten in Europa
• Plasmaspiegel 40-70%
o Typ I (zu wenig ATIII gebildet)
o Typ II (funktionsgestörtes ATIII gebildet)
• Substitution nur bei erhöhtem Risiko (z.B. Operationen)

Autosomen Bedeutung, wieviele gibt es?

Chromosomen, die nicht zu den Gonosomen (Geschlechtschromosomen) gehören 

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Hirudin

Protein aus dem Blutegel Hirudo medicinalis

• Therapie kontrolliert über aPTT: aktivierte partielle Thromboplastinzeit (Für den Test wird im Labor zuvor ungerinnbar gemachtes Citratblut verwendet. Die Blutgerinnung wird durch Zugabe von Phospholipiden (sog. partielle Thromboplastine), Calciumionen und oberflächenaktiven Substanzen (Aktivatoren, z. B. Kaolin) in Gang gesetzt und die Zeit bis zum Eintreten der Gerinnselbildung gemessen)
• kein bekannter Hirudin-Inhibitor verfügbar 

• bildet 1:1 Komplex mit Thrombin (direkter Thrombin-Antagonist)
• keine Affinität zu Faktor Xa
• Wirkung unabhängig von ATIII
• Thrombin aktiviert auch FV, FVII, FVIII, FXI. FXIII (verstärkt dadurch die Gerinnungskaskade)

Gewebe-Plasminogenaktivator (tPA): Wirkstoffklasse, Funktion, therapeutische Konzentration, rekombinante Produkte

• indirektes Fibrinolytikum (Thrombolytikum)
• 527 Aminosäuren (65 kDa Glykoprotein)
• Serin-Protease
• spaltet auch Fibrinogen, Faktor VIII und Faktor V
• spezifische Bindung an Fibrin (also an Thromben), dadurch 100- bis 1000-fach erhöhte Affinität zu Plasminogen
• therapeutische Konzentration 1.000-fach höher als physiologische
• rekombinante Produkte:
o Alteplase (Actilyse®)
o Reteplase (Rapilysin®)
o Tenecteplase (Metalyse®)

Impfstoffe: Funktion, Wer wird geimpft? Relevanz?

• Impfungen sind in der Regel keine therapeutischen, sondern prophylaktische Maßnahmen
• Impfungen konditionieren den Organismus für den Fall einer späteren Infektion mit einem bestimmten Erreger (ohne Erreger kein Impfstoff!)
• Impfstoffe werden gesunden Personen appliziert, was besondere Sorgfalt bei der Nutzen-Risiko-Abwägung erfordert
• In der Regel ist das Gesundsein die Voraussetzung für eine Impfung
• Impfungen sind die wichtigsten prophylaktischen Maßnahmen gegen Infektionskrankheiten

Was ist unter Herdenimmunität zu verstehen? Warum sind hohe Durchimpfungsraten erstrebenswert?

 bei ausreichendem Impfstatus einer Bevölkerung (>95%) werden auch nicht geimpfte Personen geschützt => besonders wichtig für Menschen, die nicht geimpft werden können! Neugeborene, Menschen, die Immunsuppressiva einnehmen etc!!!!

• Impfungen erfordern Einsicht und Disziplin, weshalb der Impfstatus einer Bevölkerung häufig zu wünschen übrig lässt
• Pathogene, deren einziges Reservoir der Mensch ist, können durch Impfungen ausgerottet werden!

Wofür werden bei Impfstoffen Adjuvanzien wie z.B. Al3+ benötigt?

Damit die Antigene im Impfstoff besser in antigenpräsentierende Zellen eindringen

Verlauf der Antikörpertiter bei der Immunisierung

passive Immunisierung

o Applikation spezifischer Immunglobuline (Antikörper) nach bereits erfolgter Exposition mit einem Erreger oder Toxin
o Sofortiger, aber kein anhaltender Schutz => hängt auch von der HWZ der AK ab

 

aktive Immunisierung

o Applikation eines von Pathogenen oder Toxinen isolierten Antigens vor einer Exposition (prophylaktisch)
o Impfstoffe müssen die volle Antigenität des Erregers haben, dürfen aber selbst keine Krankheit auslösen
o im Idealfall Aktivierung von B- und T-Zellen
o Reaktion des Immunsystems des Patienten baut lang anhaltenden Schutz auf (immunologisches Gedächtnis!)

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