BIGR2 Physiologie / Pharmakologie

1. Semester BIG Rettung 2 Grundlagen Physiologie und Pharmokolgie

1. Semester BIG Rettung 2 Grundlagen Physiologie und Pharmokolgie


P. D.
Diese Lernkarten decken physiologische und pharmakologische Grundlagen auf Universitätsniveau ab. Sie konzentrieren sich auf zelluläre Prozesse, Wirkmechanismen von Pharmaka, Rezeptoren und deren Aktivierung, sowie die Applikation und Resorption von Medikamenten. Besonders behandelt werden auch die Auswirkungen von Pharmaka auf den Körper, wie die Behandlung von Hypertonie und die Rolle von Plasmaproteinen bei der Verteilung von Substanzen. Diese Lernkarten sind ideal für Medizinstudenten, die sich auf Prüfungen vorbereiten und ein tiefes Verständnis der Pharmakologie und Physiologie entwickeln möchten.
Flashcards
146
Students
5
Language
German
Category
Medical
Level
University
Created / Updated
15.02.2016 / 30.07.2024

Flashcards

Nennen und beschreiben Sie je ein Beispiel für ein Pharmakon mit einer raschen Transduktionskinetik und einer eher langsamen Transduktionskinetik. 

Rasch: Atropin blockiert direkt die Rezeptoren an denen Acetylchilin angreift.

Langsam: Eiweißsynthese durch Steroidhormone. Es sind mehrere Schritte nötig => längerer Prozess

Wie verhalten sich gewöhnlich die Konzentrationen eines Pharmakons in der Biophase und im Blutplasma zueinander?  Warum kann es interessant sein, die Konzentration eines Pharmakons im Blutplasma zu bestimmen? 

Die Konzentration ist gewöhnlich gleich. Darum wird oft die Konzentration im Blutplasma gemessen und auf die Konzentration in der Biophase geschlossen.

Beschreiben Sie am Beispiel des Lecithins die amphiphilen Eigenschaften einer Doppellipidmembran. 

Lecithin besteht aus einer polaren Kopfgruppe und zwei apolaren Fettsäureketten. Die apolaren  Fettsäureketten zeigen in das Innere der Lipiddoppelschicht. Die äußeren polaren Köpfe machen es geladenen Teilchen schwer durch die Lipiddoppelschicht zu gelangen. Zudem hindern die Fettsäureketten wasserlösliche Teilchen am Durchtritt der Schicht.

Erklären Sie welchen Sinn es besitzt unterschiedliche Ionenkonzentrationen zwischen dem Intrazellularraum (IZR) und dem Extrazellularraum (EZR) aufrecht zu erhalten. 

Es ist die Grundlage dafür, dass ein Aktionspotential ausgelöst werden kann und somit Informationen zwischen den Zellen ausgetauscht werden können.

Erläutern Sie, weshalb es Atropin gelingt die Zellmembranen von Endothelzellen (natürlich auch von anderen Zellen) zu überwinden und Ipratropium nicht hindurch gelangt. 

Ipratropiumbromid hat im Gegensatz zum Atropin positiv geladenen Stickstoff und kann damit auf Grund der geladenen Köpfchen in der Lipiddoppelschicht nicht diffundieren.

Atropin hat ein Dissoziationsgleichgewicht zwischen der geladenen und ungeladenen Form. Die nicht geladene Form kann die Membran ungehindert passieren.

Was versteht man unter einer Kinase und einer Phosphatase? 

Kinasen sind Enzyme, die einen Phosphatrest von einem Nucleosidtriphosphat (z.B. ATP) auf andere Substrate (insbesondere Hydroxygruppen –OH) übertragen.

Phosphatasen sind Enzyme, die durch Wasseranlagerung (Hydrolyse) aus Phosphorsäureestern oder Polyphoaphaten Phosphorsüre abspalten. Sie führen die reverse (umgekehrte) Reaktion der Kinasen durch.

Welchen Weg müssen Teilchen nehmen, die nicht zwischen zwei Zellen hindurchschlüpfen können (z.B. aufgrund dichter Tight Junctions) und welche Eigenschaft dieser Teilchen limitiert ihren Weg? 

Können die Teilchen keinen parazellulären Weg beschreiten, so sind sie darauf angewiesen den transzellulären Weg – Membrantransport - zu gehen. Die Phospholipid-Doppelschicht ist nur für Gase und kleine, ungeladene (hydrophobe) Teilchen durchlässig. Die meisten Substanzen sind hydrophil und damit polar. Es wird demzufolge ein Transportmechanismus benötigt. Dieser limitiert den Durchtritt der Substanzen.

Beispiele für Transportmechanismen: Kanalproteine, Ionen-Pumpe, Transzytose (mit Vesikelbildung, rezeptorabhängig)

Was versteht man unter der Blut-‐Hirn-‐Schranke? 

Das ist eine physiologische Barriere zwischen den Flüssigkeitsräumen des Blutkreislaufes und des Nervengewebes. Die Blutgefäße im Gehirn sind mit einem spezialisierten Endothel ausgestattet, dessen Zellen undurchlässig miteinander verknüpft sind. Zusätzlich ist dieses Endothel mit Enzymen ausgestattet, die zu einem raschen Abbau eingedrungener Substanzen führen. Wasserlösliche Substanzen können diese nicht per Diffusion durchdringen. Es sind eigene Transportprozesse vorhanden für physiologisch benötigte Substanzen

Definieren Sie die Begriffe Applikation und Resorption. 

Applikation ist die Art der Verabreichung eines Medikamentes.

Resorption beschreibt die Aufnahme eines Arzneimittels vom Applikationsort in die Blutbahn.

Nennen Sie die Faktoren von welchen die Resorptionsgeschwindigkeit abhängt und führen Sie anhand von je einem Beispiel aus, wie der jeweilige Faktor die Geschwindigkeit beeinflusst. 

Applikationsort: orale Gabe => First pass Effekt => langsamer, dadurch, dass der Magen-Darm-Trakt erst noch passiert werden muss. Die Dosierung muss höher sein als bei der intravenösen Gabe.

Zubereitungsform: Tablette vs. Brausepulver => Brausepulver wirkt schneller durch das CO2 das sich bildet, es kann besser aufgenommen werden

Physikochemische Eigenschaften: geringe Molekülgröße, mangelnde Polarität etc. führen zu einer schnellen Aufnahme, da das Mittel so die Lipiddoppelschicht besser passieren kann.

Mitwirkung von Transportproteinen: durch sie können Stoffe schneller aufgenommen werden 

Welche Faktoren begünstigen eine Resorption und beschreiben Sie bei jedem Faktor kurz, warum dieser Einfluss auf die Resorption nimmt. 

  • Geringe Molekülgröße: kleine Moleküle können die Tight junctions besser passieren
  • Mangelnde Polarität: die geladenen Köpfchen der Lipiddoppelschicht lassen unpolare Moleküle leichter passieren
  • Gute Fettlöslichkeit: ermöglicht ein leichtes Passieren des inneren Teils der Lipiddoppelschicht, die aus Fettsäureketten besteht und lipophil ist.
  • Starke Durchblutung am Applikationsort : fördert die schnelle Verteilung
  • Gute Permeabilitätsverhältnisse am Applikationsort: fördert die zügige Aufnahme des Stoffes, da kein Carrier genutzt werden muss
  • Evtl. Nutzung eines Transportproteins: kann ein Carrier genutzt werden, so hilft er bei der Überwindung der bestehenden Barrieren

Was versteht man unter der lokalen Applikation eines Pharmakons und was verhindert in der Regel eine systemische Wirksamkeit der topischen Pharmaka? (lesen Sie hierzu auch Box 2.1) 

Lokale Applikation bedeutet, dass ein Medikament dort angewendet wird, wo es wirken soll. Hierzu zählt die bronchiale, die transkutane Applikation, aber auch die Injektion in ein Gelenk. Eine systemische Wirkung wird dadurch verhindert, da die Menge des Arzneimittels das die Blutbahn erreicht nicht ausreicht, um eine entsprechende Reaktion hervorzurufen.

Was versteht man unter einer enteralen Applikation eines Pharmakons? Was ist in diesem Zusammenhang der “First Pass Effekt” und wie nimmt dieser Einfluss auf das applizierte Pharmakon. (Nehmen Sie auch Bezug auf Pharmaka, die als “Prodrug” bezeichnet werden) 

Enterale Applikation bedeutet, dass ein Medikament oral verabreicht wird und den Magen-Darm-Trakt passieren muss, um in die Blutbahn zu gelangen.

Der First-Pass-Effekt beschreibt die präsystemische Ellimination im 1. Leberabschnitt. Das Pfortadersystem sammelt das Blut aus den Unpaarigen Bauchorganen und führt es der Leber zu. In der Leber vergrößert sich der Gefäßquerschnitt, so dass das Blut sehr langsam fließt. Das Arzneimittel kann also abgefangen werden.

Arzneimittel, die als Prodrug bezeichnet werden sind Medikamente, deren Metabolit erst wirkt. Das heißt, erst nach dem Passieren der Leber und dem Umbau/Abbau des Medikamentes entsteht ein wirksames Mittel.

Nennen Sie einen Vorteil und ein Problem der rektalen Applikation von Pharmaka. 

 

Sie gehört zur parenteralen Applikation und kann gut bei Übelkeit oder Krampfanfällen genutzt werden, wenn eine orale Gabe nicht möglich ist.

Die Konzentration eines Medikamentes im Blut ist bei rektaler Gabe nicht vorhersehbar.

Nennen und beschreiben Sie vier Möglichkeiten der parenteralen Applikation.

Intravasal: das Medikament wird intravenös oder intraarteriell verabrecht

Rektal: das Medikament wird rektal eingebracht, z.B. durch Rektiolen oder Zäpfchen

Bronchial: das Medikament wird inhalativ verabreicht, z.B. durch einen Vernebler

Buccal: das Medikament wird in die Wangentasche gegeben und dort durch die Mundschschleimhaut aufgenommen

Nennen Sie außerdem je zwei Vor- und Nachteile der parenteralen Applikation anhand eines selbst gewählten Beispiels. 

Beschreiben Sie, wie sich ein verhorntes Plattenepithel von einem unverhornten Plattenepithel unterscheidet. 

Verhorntes Plattenepithel dient als Diffusionsschutz. In die Interzellularspalten werden Lipide abgesondert. Es werden nur lipophile und kleine Moleküle durch die Haut gelassen.

Nennen Sie ausserdem drei weitere Arten von Epithelien und den Ort ihres Vorkommens. 

Endothel => einschichtig => z.B. Blutgefäße

Zylinderepithel => einschichtig, hochprismatisches Epithel => z.B. Darm

Unverhorntes Plattenepithel => mehrschichtig => z.B. Mundhöhle

Nennen Sie vier unterschiedliche Arten von Kapillarendothelien mit dem Ort ihres Vorkommens und beschreiben deren jeweilige Eigenschaften in Bezug auf ihre Lage bzw. das versorgte Organ. 

Beschreiben Sie anhand je eines Beispiels, wie unspezifische Verteilungsprozesse Einfluss auf die Verteilung von Pharmaka im Organismus nehmen. Welche Bedeutung besitzen hier Plasmaproteine? 

Physikochemisches Löslichkeitsverhalten von entscheidender Bedeutung

  • Rein wasserlösliche Verbindungen werden nach oraler Gabe schlecht resorbiert, sofern kein Transportprotein mitwirkt. Bei der intravenösen Gabe verteilen sich diese Substanzen im extrazellulären Raum. Sie werden rental gut ausgeschieden. Zu ihnen gehören osmotische Diuretika.
  • Rein lipidlösliche Substanzen reichern sich je nach Octanol/Wasser-Verteilungs-Koeffizienten im Körperfettanteil an, z.B. chlorierte Kohlenwasserstoffe wie einige Insektizide. Inhalationsnarkotika reichern sich darüber hinaus noch in den Lipiden der zellulären Membranen an.
  • Amphiphile Pharmaka haben einen hydrophilen und einen hydrophoben Anteil, der nicht zu weit voneinander entfernt ist. Sie lagern sich in zellulären Membranen (Mitochondrien, Kern, ER, Lyosomen, Plasmalemm) an. Eine hydrophobe Interaktion wird durch die Phospholipide der Zellmembranen ermöglicht. Darüber hinaus kommt es durch die polaren Substituenten zu einer elektrostatischen Interaktion. Diese Art der Anreicherung ist für kationisch amphiphile Pharmaka nachgewiesen. Anionisch amphiphile Pharmaka weisen eine eher hohe Plasmaproteinbindung auf. Ihre Anreicherung in der Zellmembran wird vermutlich durch die Abstoßung der negativen  Ladung der Phospholipide und der anionischen Carboxylgruppe erschwert. Amphiphile Pharmaka werden in den neutralen Fetten der Fettzellen gefunden, da sie nicht lipophil sind.

Die Bindung an Plasmaproteine hängt von der Hydrophobie der Pharmakon-Moleküle ab. Der gebundene Teil steht immer im Gleichgewicht mit dem freien Anteil, welcher der aktuell wirksamen Konzentration entspricht. Der Proteingehalt ist im Plasma größer als im Interstitium, dadurch kommt es zu einem Konzentrationsunterschied des Pharmakon. Trotzdem werden die freien Konzentrationen etwa gleich sein.

Weshalb können saure Pharmaka (z.B.: beta-‐Laktam Antibiotika) relativ schnell über die Niere eliminiert werden ohne, dass eine Rückresorption der Substanzen in der Niere stattfindet und in welchem Fall kommt es zu einer Behinderung der Ausscheidung? 

Säuren, die den Körper endgültig verlassen, werde über einen aktiven Säure-Sekretionsmechanismus eliminiert. Der Transportprozess ermöglicht sauren Antibiotika schnell ausgeschieden zu werden. Dieser hat allerdings eine begrenzte Kapazität.

Behindert wird die Ausscheidung, wenn der Säure-Sekretionsmechanismus anderweitig beschäftigt ist (z.B. mit Probenecid).

Wie unterscheidet sich die Kapazität der Säure-‐Rückresorption in den Nierentubuli von der deren Säure-‐Sekretionsmechanismen? 

Die Säure-Rückresorption in den Nierentubuli hat, im Gegensatz zum Säure-Sekretionsmechanismus eine unbegrenzte Kapazität und ist damit sehr leistungsfähig.

Nennen Sie zwei Ursachen eines Harnsäurerückstaus beim Stoffwechselgesunden. 

extreme Ernährung und Pharmaka, wie Thiazide

Nennen Sie zwei mögliche pathologische Folgen eines erhöhten Harnsäurespiegels.

Nierensteine und Gicht

Was ist das “P-‐Glycoprotein”? Wie funktioniert es und welche Bedeutung(en) besitzt es für die pharmakologische Therapie? 

Es ist ein membrangebundenes Transport-Glykoprotein. Es ist in der Lage gegen den Konzentrationsgradienten Substanzen durch die Zellmembran zu transportieren. Gleichzeitig wird ATP gebunden, dieses verändert den Transporter, so dass das Substrat und ADP auf der anderen Seite der Zelle abgegeben werden kann.

 

  • Unwirksamkeit eines Medikamentes, da es ständig wieder aus der Zelle heraus transportiert wird. Die physikochemische Verteilung wird durch den Transportmechanismus modifiziert.
  • Die Ausstattung der Zelle mit P-Glykoproteinen kann induziert werden, so dass die Effektivität dieses Systems stark ansteigt und Medikamente mit der Zeit wirkungslos werden.
  • Konkurrieren mehrere Wirkstoffe um die Bindungsstelle, so kann sich die Pharmakokinetik der betreffenden Pharmaka verändern.

Was ist “Tariquidar” und zu welchem Zweck wurde es synthetisiert?

Tariquidar  ist ein synthetisch produzierter Hemmstoff der P-Glykoproteine. Er ist mechanismusspezifisch, aber nicht zell-/organspezifisch. Dadurch kann es im Moment noch nicht therapeutisch eingesetzt werden. Es unterdrückt auch physiologisch notwendige Transporte.

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