Beusmann

Technikfolgenabschätzung

Technikfolgenabschätzung


D. K.
Diese Lernkarten behandeln auf Universitätsniveau die rechtlichen und ethischen Aspekte der Gentechnik, insbesondere im Zusammenhang mit Patenten, Haftungsrecht und Sortenschutz. Sie beleuchten die Unterschiede zwischen den Rechtssystemen der USA und der EU, sowie die Anforderungen an die Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen. Die Lernkarten sind besonders nützlich für Studierende und Fachleute, die sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen und den ethischen Implikationen der Gentechnik auseinandersetzen möchten.
Karten
70
Lernende
1
Sprache
Deutsch
Kategorie
Technik
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
01.06.2015 / 01.06.2015

Lernkarten

Welche Strukturentwicklungen vollziehen sich im Lebensmitteleinzelhandel (LEH), z.B. in Deutschland, wie schätzen Sie den Einfluss von LEH und Nichtregierungsorganisationen auf die Verbreitung von gvP in Europa ein und welches sind die Gründe für ihre Einschätzungen?

?

Erläutern sie den Zusammenhang zwischen den Begriffen Schaden, Schutzgut und Gefährdungspotential!

Schaden = negativ bewertete Auswirkung einer menschlichen Aktivität oder eines Ereignisses

Schutzgut = Dimension, durch einen Schaden als verletzt angesehen

Gefährdungspotenzial = Summe der möglichen Schäden durch Aktivität/ Ereignis ausgelöst

Aus welchen beiden Elementen besteht die wissenschaftliche Risikoanalyse?

Eintrittswahrscheinlichkeit von konkreten Schadensfällen und Wahrscheinlichkeitsfunktion von Schadenausmaßen bestimmen

Durch welche Ansätze versuchen Wissenschaftler, diese Elemente abzuschätzen?

Beobachtung, Modellierung und Szenariobildung

Welche Größen gehen in die Risikowahrnehmung der Bevölkerung ein?

Persönliche Erfahrungen

Vermittelte Informationen

Intuitive Einschätzungen (entstanden aus biologischer und kultureller Evolution)

Welche Probleme ergäben sich, wenn die Risikopolitik sich einseitig und ausschließlich auf die wissenschaftliche Risikoanalyse verließe, welche Probleme dagegen, wenn Politiker nur die Risikowahrnehmung der Bevölkerung als Maßstab für politische Entscheidungen heranzögen?

Nur Risikowahrnehmung: zu wenig wissenschaftlicher Hintergrund, Wahrnehmung subjektiv durch Erfahrungen, Intuitionen geprägt

Nur wissenschaftl. Risikoanalyse: keine Beschäftigung mit Folgen und Auswirkungen auf spätere Generationen; Unverständnis bei den Menschen

Werden Risiken in der Bevölkerung nur negativ beurteilt?

Nein, in unterschiedlichem Maße risikoavers

Welche Risiken kann man dem Individuum überlassen, welche sollte die Gemeinschaft regeln? Nennen Sie auch Beispiele für Abgrenzungsprobleme sowie Beispiele, die in einigen Ländern dem Individuum überlassen werden, in anderen aber der Gesellschaft!

?

Welche besonderen Risikokriterien werden mit der Risikoklasse, die durch die Büchse der Pandora gekennzeichnet ist, angesprochen?

Risiken liegen nicht im Normalbereich

Prioritäre Strategie ist Ersatzstoffe bereitzustellen (Substitution)

Über Eintrittswahrscheinlichkeit ungewiss, Abschätzungssicherheit gering, Schadensausmaß ungewiss, Abschätzungssicherheit gering

Ubiquität, Persistenz, Irreversibilität hoch

Was ist das Besondere an der Risikokommunikation, wodurch kann sie scheitern und wodurch kann sie gelingen?

?

Nennen Sie Beispiele für Risikodebatten mit geringer versus hoher Komplexität, Unsicherheit und Ambiguität!

Stufe 1: Sachinformation und Systemwissen

Stufe 2: Vertrauen in Performanz und Kompetenz der Institutionen (Gesetzeserlassungen bezüglich Gentechnik)

Stufe 3: Weltbilder und Visionen, die mit Risikoquelle verb. sind (Atomenergie, gvPs)

Auf welchen Wegen kann sich genetische Information ausbreiten, vermehren verändern?

  1.  

Vertikaler Gentransfer (von einer Art auf Pflanze derselben / auf andere Art über sexuelle Reproduktion)

Pollentransfer (effektiv, führt zur Bepollung, -fruchtung)

Hybridisierung (Pollentransfer auf Pflanze andere Varietät)

Introgression (Ausbreitung eines Gens in anderer Population)

Horizontaler Gentransfer (nichtsexueller Transfer, charakteristisch für Prokaryonten

Auswilderung von Kulturpflanzen

 

Wie wären in dieser Hinsicht die durch Gentechnik übertragenen Eigenschaften Herbizidtoleranz, Insektenresistenz und Toleranz gegen abiotischen Stress zu beurteilen?

Auskreuzung/ Verbreitung

Horizontaler Gentransfer

Nennen Sie die ökologischen Schutzgüter/ziele!

?

Nennen Sie die wichtigsten Biodiversitätsebenen im Zusammenhang mit gvP!

Ökosystemvielfalt, Biotopvielfalt, Artenvielfalt, Sortenvielfalt, genetische Vielfalt, genetische Homogenität

Erläutern Sie die Begriffe Biosicherheit, Bioprospektierung, Biopiraterie!

Biologische Sicherheit: gentechnisch veränderte Organismen (GVO), die mögliche Risiken für den Menschen, Tiere und die Umwelt beinhalten müssen getestet werden

Bioprospektierung: Erkundung „wilder“ genetischer Ressourcen, d.h. die Suche von Material, das sich in In-situ-Bedingungen befindet, aber nicht kultiviert wurde

Biopiraterie: Entwendung von Wissen und genetischen Ressourcen von lokalen und indigenen Gemeinschaften durch Einzelpersonen oder Institutionen, die exklusive Monopolkontrolle (normalerweise für Patente oder Pflanzenzucht-Rechte) anstreben über diese Ressourcen und dieses Wissen

Welche Managementstrategien unterschiedet man für Ökosysteme und Landschaften?

  1.  

Schutz vor Nutzen

Schutz durch Nutzen

Schutz trotz Nutzen

Nachhaltige Nutzung aquatischer Ökosysteme

Bioregionales Management

 

Welche Eigentumsformen und –rechte gibt es für die Biodiversität?

Öffentliches Gut (niemand von Nutzen ausgeschlossen, gemeinsames Erbe der Menscheit)

Allmendegut (Gemeindewiese, gemeinsame Nutzung durch Gemeindemitglieder)

Clubgut (Nichtmitglieder ausgeschlossen, Eigentum eines Nationalstaates)

Privates Gut (andere Individuen von Nutzung ausgeschlossen)

Definieren Sie ökologische Schäden im weiten und engen Sinne!

Im weiten Sinne: Umweltschaden, durch Umwelteinwirkung herbeigeführte Schädigung an Individualrechtsgütern & jeden ökologischen Schaden

Im engeren Sinne: jede erhebliche & nachhaltig Beeinträchtigung der Naturgüter, die nicht zugleich einen individuellen Schaden darstellt, an Luft, Klima, Wasser etc.)

Erläutern Sie Hardins Idee der „Tragik der Allmende“ und Ostroms Idee einer „Verfassung der Allmende jenseits von Markt und Staat“!

Hardin: Der Anreiz zur Überweidung und Übernutzung gemeinsamer Gemeindewiesen ist größer, als in Ungewissheit auf langfristigen Nutzen zu warten. Kurzfristiger Nutzen ist greifbarer, Vorteil des einzelnen über Vorteil aller

Ostrom: ???

Inwiefern unterscheiden sich Herbizidtoleranz und Insektenresistenz in ihren erwarteten kurzfristigen Wirkungen auf den Pestizideinsatz, worin liegen Parallelen in befürchteten langfristigen Wirkungen auf den Pestizideinsatz?

Erwartete Wirkungen: geringe Bodendrucklasten & Erosion wegen geringer Behandlungshäufigkeit, Ertragssteigerung, Geringere toxikologische Effekte aus Insektizid- und Herbizideinsatz

Befürchtete Wirkungen: Resitenzentwicklung, Nebeneffekte auf Nichtzielorganismen, Auskreuzung

Herbizidtoleranz: Anpassung der Kulturpflanzen & -sorten an ein breit wirksames Herbizid; Kulturpflanzen werden geschont, Wildpflanzen geschädigt;

Insektenresistenz: Einsparen von Insektizideinsätzen

Welche Anforderungen werden an Rechtssysteme national und international gestellt?

National: 1. Gerechtigkeitsvorstellungen erfüllen (Mindestabsicherung der Schwachen, Fairer Ausgleich zwischen Interessengruppen, Nachhaltigkeit etc.)

2. Transperenz (Jede Entscheidung eines Richters ist nachvollziehbar, öffentliche Gerichtsverhandlungen etc.)

3. Effizienz und Suffizienz (Minimierung der Kosten bei dennoch optimaler Erreichung der gesellschaftlichen Gerechtigkeitsvorstellung)

4. Rechtssicherheit und Rechtsentwicklungsfähigkeit (Stabilität und Flexibilität, das Recht muss sich an gesellschaftliche Erziehungen anpassen können z.B. Gentechnik,künstliche Befruchtung etc. -> Resilienz)

 

Intenational (inkl. National 1-4):

5. Festlegung internationaler Regeln (Überbrückung von kulturellen Unterschieden, Gerechtigkeitsvorstellungen, armen und reichen Ländern uvm)

6. Nationale Rechtssysteme als Standortfaktor (im globalen ökonomischen Wettrennen -> Steuersystem, Sicherheit und Schnelligkeit von Genehmigungsverfahren)

Nennen Sie einige Schlagworte zu Gerechtigkeitsvorstellungen und charakterisieren sie diese in Kurzform!

- Mindestabsicherung der Schwachen

        Finanzielle Grundversorgung, jeder ist krankenversichert

- Jedem das Seine vs. Jedem das Gleiche;

        Vor dem Gesetz ist jeder gleich. “Ob “König” oder Bauer”

- Leistungsgerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, Chancengerechtigkeit;

        Das Recht auf Bildung, gleiches Gehalt zwischen Frauen und Männern

- Fairer Ausgleich zwischen Interessengegensätzen (z.B. Schutz- und Nutzungszielen);

    Ein ökologisches Gleichgewicht, die wirtschaftlichen Interessen dürfen nicht     über den Naturschutz gestellt werden, genauso andersherum

- Nachhaltigkeit (Intra- und Intergenerationengerechtigkeit, Schutz der natürlichen Umwelt)  

    Das Denken an nachfolgende Generationen, welche Konsequenzen hat unser     handeln heute für die Generation morgen?

Nennen Sie international relevante Organisationen und Regulationen für den Bereich grüner Gentechnik, Landwirtschaft, Ernährung und Biodiversität!

grüne Gentechnik: FAO (Food and Agriculture Organisation)

Gesundheit: WHO (World Health Organisation)

Landwirtschaft:

Ernährung: Codex Alimentarius (Joint of FAO/WHO Commission, Sicherheit von Lebensmitteln)

Biodeversität: CBD (Convention on Biological Diversity)

Welche Eigentumsrechte gelten traditionell für Grundlagen- und angewandtes Wissen, warum werden die Grenzen fließend?

Traditionell gilt Grundlagenwissen als ein öffentliches Gut, welches nur von öffentlicher Forschung “produziert” bzw. erforscht wird. Angewandtes Wissen, gilt als privates Wissen, welches durch verschiedene Formen geschützt wird (Betriebsgeheimnis bis hin zu Patenten).

Diese Grenzen sind heutzutage fließend, da zum einem private Institute und Firmen auch Grundlagenwissen schaffen und öffentliche Institute (Arbeitsgruppen etc.) produzieren auch angewandtes Wissen. Ein weiterer Faktor ist auch die Zusammenarbeit von privaten und öffentlichen Instituten. Besonderer Streitpunkt ist die Nutzung und der Besitz bei der Biodiversität, Nutzpflanzen, Software uvm.

In welchen Grundzügen unterscheiden sich die Rechtssysteme der USA von denen in Deutschland und der EU?

EU: Zulassungsrecht primär, Patent- und Haftungsrecht sekundär, Gentechnikrecht neuer Rechtsrahmen, Umgang mit Sicherheit precautionary principle

USA: Zulassungsrecht sekundär, Patent- und Haftungsrecht primär, Gentechnikrecht im Rahmen bestehender Gesetze, Umgang mit Sicherheit scientific evidence

Welche Ziele werden mit Patent- und Sortenschutz einerseits, Haftungsrecht andererseits verfolgt?

Patent: zeitlich befristeter Schutz für private Nutzung von Erfindungen durch zeitlich befristetes Monopolrecht; Anreizwirkungen für private Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen; Voraussetzung: hinreichend Konkurrenz und Spielraum

Sortenschutz: Unterscheidbar in min. einem maßgeblichen Merkmal; ???

Haftungsrecht: wer Schaden verursacht, soll dafür haften; privattechnische Risikokontrolle

Nennen Sie die Voraussetzungen für die Erteilung eines Patentes!

Neu, ausreichende erfinderische Leistung, gewerblich anwendbar

Nennen Sie die Anforderungen an eine Sortenzulassung in Deutschland!

Unterscheidbar (in min. einem maßgeblichen Merkmal

Hinreichend homogen

Beständig (Ausprägung nach Vermehrungszyklus unverändert)

Neu (min. ein wichtiges morphologischen / physiologisches Merkmal)

Bezeichnet (eintragsfähige Sortenbezeichnung)

Welche Probleme gibt es mit der Beweislast im Haftungsrecht, wie ging und geht man allgemein damit um, welche Besonderheit gibt es beim Anbau transgener Pflanzen?

Beweislast kann schwer wiegen bei komplexen Ursachen-Wirkungsbeziehungen

Traditionell: im Zweifel für den Angeklagten

Neu: Ansätze zur Beweislastumkehr: gesundheitl. Belastung durch Holzanstriche, Asbest, etc.

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