Beusmann

Technikfolgenabschätzung

Technikfolgenabschätzung


D. K.
Diese Lernkarten behandeln auf Universitätsniveau die rechtlichen und ethischen Aspekte der Gentechnik, insbesondere im Zusammenhang mit Patenten, Haftungsrecht und Sortenschutz. Sie beleuchten die Unterschiede zwischen den Rechtssystemen der USA und der EU, sowie die Anforderungen an die Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen. Die Lernkarten sind besonders nützlich für Studierende und Fachleute, die sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen und den ethischen Implikationen der Gentechnik auseinandersetzen möchten.
Karten
70
Lernende
1
Sprache
Deutsch
Kategorie
Technik
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
01.06.2015 / 01.06.2015

Lernkarten

Nennen Sie die Kernaussagen der Studie Grenzen des Wachstums des Club of Rome 1972

In einer begrenzten Welt („Raumschiff Erde“) kann es kein unbegrenztes quantitatives Wachstum mit linearer Umwandlung von Rohstoffen über Verarbeitung und Konsum zu Abfallstoffen geben.

Durch welche Strategien kann man die natürlichen Grenzen des Wachstums erweitern bzw. auflösen?

• Wachstum der Grenzen des Wachstums:

durch Innovationen, Kreislaufprozesse und Recycling statt linearer Prozesse

von Produktion und Konsum

• „Qualitatives“ Wachstum:

Entkopplung von Wirtschaftswachstum, Ressourcenverbrauch und

Abfallanfall

• Ersatz endlicher durch erneuerbare Ressourcen:

z.B. Energieträger

• Beyond Growth/De-Growth:

Wachstumsdenken überwinden, steigendes Wohlbefinden bei geringerer wirtschaftlicher Aktivität; Zufriedenheit statt Wachstum; Share Economy

 

 

Welche Ziele verfolgt die UN-Rio-Deklaration von 1992, inwiefern ist sie eine Reaktion auf die Club of Rome Studie?    

Aktionsprogramm für soziale und ökologische Entwicklung Weltbevölkerung und

Welternährung

• Verbindung der sozialen Fragen mit Umweltfragen

• Global und für zukünftige Generationen

• Abbau wirtschaftl. Ungleichheit

• Nachhaltige Entwicklung (Befriedigung heutiger Generation ohne Beeinträchtigung zukünftiger)

    Ziele: ökologisch, sozial (kulturell), ökologisch

 

  1. Was versteht man unter nachhaltiger Entwicklung, in wie weit gehen die Zieldimensionen über quantitatives wirtschaftliches Wachstum hinaus, welche Gerechtigkeitsnorm liegt ihr implizit zugrunde?

• Nachhaltige Entwicklung (sustainable development) soll die Befriedigung der

Bedürfnisse heutiger Generationen global ermöglichen ohne die Möglichkeiten zu beschneiden, dass künftige Generationen ihre Bedürfnisse befriedigen können.

• Gerechtigkeit zwischen heute Lebenden und zwischen ihnen und zukünftigen Generationen

 

Welches sind die drei Hauptstrategien zur Umsetzung nachhaltiger Entwicklung?

Effizienz (gleiche Leistung, weniger Ressourcenaufwand)

Suffizienz (besser leben, weniger Ressourcenverbrauch)

Konsistenz (Ziele miteinander vereinbaren

Welche Aussage hat Malthus 1798 zur Entwicklung von Bevölkerung und Nahrungsmittelangebot gemacht, welche Rolle spielt technischer Wandel für seine Aussagen?

• Die Bevölkerung wächst exponentiell, das Nahrungsangebot wächst linear

• Die Bevölkerung wächst begrenzt weiter, Das Nahrungsangebot wird durch technischen Wandel erhöht

 

Nennen Sie Hauptthemenfelder globaler Herausforderungen für die Menschheit und geben Sie stichwortartige Begründungen!
 

Weltbevölkerung:
Anstieg der Weltbevölkerung auf bis zu 10 Mrd in 2040-2050.
Verstädterung: 2030 ca. 5 Mrd. Menschen in Städten.
Flüchtlinge: 51.2 Millionen Menschen auf der Flucht.
Weltgesundheit und Ernährung:
Fettleibigkeit und Hunger, Konkurrenz zwischen Tank, Teller und Trog.
Fehlende medizinische Grundversorgung.
Klimawandel:
Analyse durch IPCC / Lange Wirkungsverzögerung der Maßnahmen /
Mitigation / Adaptation / Steigen der Kosten bei Zeitverzögerung.
Biodiversität:
Weltweite Verluste an Artenvielfalt, Fehlendes Wissen über Arten und Funktionen.

Was versteht man unter Governance und unter ihren vertikalen und horizontalen Dimensionen?

Governance: Steuerung einer politisch-gesellschaftlichen Einheit nicht nur durch den Staat sondern auch die Privatwirtschaft sowie Vereine und Interessenverbände.
Vertikal: Mehrebenen-Politik: regionale bis Weltebene, Grenzen d. Wirksamkeit nationaler Politik
Horizontal: Regierungsaktivitäten unter Mitwirkung von Interessenverbänden und Nichtregierungsorganisationen (NGOs).

Durch welche Ansätze reagieren die Wissenschaften auf diese Herausforderungen?
 

Kritische Selbstreflexion / Interdisziplinäre Wissenschaft, disziplinüberschreitende Ansätze / Transdisziplinäre Wissenschaft: Erfahrungswissen der Bürger, Austausch Wissenschaft und Gesellschaft.

Was waren die Hintergründe für die Etablierung von Technikfolgenabschätzungen bei Parlamenten und in der universitären Ausbildung?

  1. -Integrations-, Orientierungs- und Transferwissen komplementär zum Spezialwissen der Disziplinen. Ziel: Nachhaltigkeit in der Zukunft.

-Technikkontroversen; Einrichtungen zur Kontrolle und Beratung der Regierenden in gesamtgesellschaftlichen oder großtechnischen Fragen

Worin sehen Sie Parallelen und worin Unterschiede zwischen heutigen Technikkontroversen und früheren wie bei der Einführung mechanischer Webstühle oder der Eisenbahn?

Parallelen: Wirtschaftliche sowie gesundheitliche Sorgen der Menschen.
Neu: Ausmaß und Dimension heutiger Bedrohungen (abc-Waffen, Ozonloch, Klimawandel). Informationswachstum / vernetzte Kritiker.

Erläutern Sie anhand der VDI-Definition für Technikbewertung, welche Anforderungen idealerweise an TA gestellt werden. Worin liegen die Unterschiede z.B. im Vergleich zur naturwissenschaftlichen Wirksamkeitsanalyse eines Pflanzenschutzmittels?

Analyse des Stands einer Technik und deren Entwicklungsmöglichkeiten.
Abschätzung der technischen, wirtschaftl., gesundheitl., ökol., humanen, sozialen Folgen einer Technik.
Beurteilung der Technik aufgrund definierter Ziele und Entwicklungen.
Ableitung von Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten, Begründung von Entscheidungen.

Nennen und erläutern Sie grundlegende Dimensionen einer TA zur Grünen Gentechnik!

Die TA muss eine Gesamtbilanz erstellen und dabei auch Bereiche des (Noch-)Nicht-Wissens sowie der Nicht-Prognostizierbarkeit deutlich machen.
- Chancen für Umwelt und Gesellschaft
- Risiken / Unsicherheiten / Alternativen
- Wahlfreiheit für Wissenschaftler, Züchter, Landwirte, Verbraucher.
- Visionen für die Zukunft der Landwirtschaft und Ernährung.

Welche Grenzen und Hemmfaktoren sehen Sie in der Umsetzung des TA-Ideals in die Realität, nennen Sie Beispiele für Ansätze, wie man mit diesen Herausforderungen umgehen kann.

Komplexität räumlich und zeitlich: Zu geringe Systemkenntnisse erfordern mehr Grundlagenforschung.
Schwierige Prognose in deterministisch, chaotischen Systemen erfordern Simulationsläufe mit verschiedenen Modellen und Bedingungen.
Antizipation: Beeinflussung sozialer Systeme durch sich selbst bestätigende oder verhindernde Prognosen. Ansätze: Szenarien ( best/worst case) / Delphi-Verfahren
Bewertung: quantitativ / qualitativ, gemischte Indikatorenprofile (ökon., ökol., sozial) anstatt Aggregation zu einer Gesamtgröße.
Partizipation: Information und Aufklärung, vertrauensbildende Maßnahmen wie Transparenz, Langfristorientierung, Dialog.

Wie kann man Wirkungen und Nebenwirkungen auf einfache Weise klassifizieren, welche Implikationen ergeben sich aus dieser Einteilung für den Versuch einer Gesamtbilanz?

Erwartet erwünscht / unerwünscht
Unerwartet erwünscht / unerwünscht
Befürworter und Gegner betonen die entsprechenden Wirkungen. Die unerwarteten Wirkungen können nur ex post in die Gesamtbilanz einbezogen werden.

Was ist mit TA als Science about Science gemeint, welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Forschung, Lehre sowie Kommunikation innerhalb der Wissenschaften und zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik?

Wissenschaft als Objekt der Forschung, reflexive Wendung:
- integratives Vernetzungs- und Orientierungwissen
-veränderte Rolle der Wissenschaftler/innen in der Gesellschaft

Welcher Zusammenhang besteht bei normalen Produkten (Gütern, Dienstleistungen) zwischen den Produktionskosten, dem Produktpreis und dem Güterangebot?

Die Grenzkosten (Kosten der letzten produzierten Einheit) steigen (ab einem bestimmten Punkt) proportional mit der produzierten Menge. Das Gueterangebot kann daher solange erhoeht werden, bis die Grenzkosten nicht mehr niedriger sind als der Produktpreis.

Der Produktpreis auf einem idealen Markt entspricht daher den Produktionskosten der letzten produzierten Einheit und somit den Grenzkosten.

Welcher Zusammenhang besteht bei normalen Produkten zwischen dem individuellen Nutzen, dem Produktpreis und der Güternachfrage?

Der Grenznutzen (Nutzen der letzten konsumierten Einheit) sinkt gemaess dem ersten Gossenschen Gesetz (Gesetz des abnehmenden Grenznutzens) mit der konsumierten Menge. Die Gueternachfrage kann daher solange erhoeht werden, bis der Grenznutzen nicht mehr hoeher ist als der Produktpreis.

Der Produktpreis auf einem idealen Markt entspricht daher dem Nutzen der letzten produzierten Einheit und somit dem Grenznutzen.

Erläutern Sie anhand von Lebensmitteln, warum der Grenznutzen einer zusätzlichen Produkteinheit für ein Individuum mit steigender Gütermenge sinkt und was mit dem Begriff Sättigungsmenge gemeint ist!

Gemaess dem ersten Gossenschen Gesetz nimmt der Grenznutzen mit steigender Guetermenge ab. Am Beispiel von Lebensmittel laesst sich das sehr intuitiv demonstrieren, da ein hungriger Mensch nicht beliebig grosse Mengen an Nahrung aufnehmen wird, ganz gleich, wie hungrig er ist. So mag das erste Sandwich ihm noch einen sehr hohen subjektiven Nutzen einbringen, waehrend der des zweiten Sandwiches noch geringer ausfaellt und der des dritten Sandwiches sogar noch geringer.

Sofern es sich bei der Person nicht um Joey Chestnut handelt, wird er dann auch nach wenigen weiteren Sandwiches gesaettigt sein und keine weitere Nahrung aufnehmen wollen. Der Grenznutzen ist an dieser Stelle 0 und die Saettigungsmenge ist erreicht.

Warum macht es für einen Bäcker und seine Kunden keinen Sinn, den Brötchenpreis nach individueller Zahlungsbereitschaft auszuhandeln, warum kann es für Firmen Sinn machen, ihre Produkte einerseits als hochpreisige Markenprodukte abzusetzen, andererseits zu günstigeren Preisen als Marken‐ oder No‐Name‐Produkte von Handelsketten?

Auf einem vollkommenen Markt entspricht der Gleichgewichtspreis exakt den Grenzkosten des Produzenten und dem Grenznutzen des Konsumenten. Der Produzent wird sich mit keinem niedrigeren Preis zufriedengeben, da ansonsten seine Kosten nicht mehr gedeckt waeren und der Konsument wird sich mit keinem hoeheren Preis zufriedengeben, da er sonst keinen seiner Investition entsprechenden Nutzen erhaelt. Auf vollkommenen Maerkten kann also nicht vom Gleichgewichtspreis abgewichen werden.

Auf unvollkommenen Maerkten kann zwischen Grenzkosten und Grenznutzen eine Diskrepanz bestehen. Da jeder Baecker seine Broetchen aber in so einem Fall nur an die Kunden mit der hoechsten Zahlungsbereitschaft verkaufen wuerde, waehrend jeder Kunde nur bei dem guenstigsten Baecker einkaufen wuerde, wuerde sich auch in diesem Fall ein Gleichgewichtspreis einstellen. Da an unvollkommenen Maerkten zudem Transaktionskosten fuer die Preisverhandlungen anfallen wuerden, wuerde sich dadurch die Wohlfahrt verringern. Eine individuelle Preisverhandlung beim Baecker ist also weder auf vollkommenen noch auf unvollkommenen Maerkten sinnvoll.

Da Firmen ihre Produkte nicht unter den Grenzkosten verkaufen, ist davon auszugehen, dass fuer die No-Name-Produkte der tatsaechliche Gleichgewichtspreis anfaellt. Auf einem vollkommenen Markt waeren die Konsumenten indifferent gegenueber dem Austausch von Markenprodukten durch identische No-Name-Produkte, da es sich um perfekte Substitutionsgueter handelt. Auf unvollkommenen Maerkten kann es allerdings vorkommen, dass die irrationalen Konsumenten bereit sind, fuer Markenprodukte einen hoeheren Preis zu zahlen, sodass es fuer das Unternehmen lukrativ ist, seine Produkte zusaetzlich in kleinerer Angebotsmenge fuer eine definierte Klientel weit ueber den Grenzkosten anzubieten, da bei den entsprechenden Konsumenten eine deutlich erhoehte Zahlungsbereitschaft besteht und sich dadurch ein hoeherer Gleichgewichtspreis an diesem Binnenmarkt erzielen laesst.

 

Erläutern Sie die Begriffe Konsumentenrente und Produzentenrente!

Die Konsumentenrente ist die Differenz aus Gesamtnutzen der gekauften Gueter und ihrem Gesamtpreis. Es handelt sich also um den wirtschaftlichen Vorteil, den die Konsumenten insgesamt aus dem Handel ziehen.

Die Produzentenrente ist die Differenz aus dem Gesamtpreis der verkauften Gueter und ihren Gesamtkosten. Es handelt sich also um den wirtschaftlichen Vorteil, den die Produzenten insgesamt aus dem Handel ziehen.

Die Summe aus Produzenten- und Konsumentenrente bezeichnet man als Wohlfahrt.

Wie verändert sich der Produktpreis, die Güterversorgung, die Konsumenten‐ und Produzentenrente sowie die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft durch Einführung einer neuen, kostensenkenden Produktionstechnik?

Die Einfuehrung einer neuen kostensenkenden Produktionstechnik verschiebt die Grenzkosten und damit die Angebotskurve auf der Preisachse in negativer Richtung. Dadurch sinkt normalerweise der Produktpreis, wenn man von einem preiselastischen Angebot ausgeht (auf einem monopolisierten Markt kann es sich anders verhalten).

Wenn die Nachfrage- und Abgebotsfunktion den gleichen Steigungsbetrag (und somit die gleiche Preiselastizitaet haben), profitieren Konsumenten und Produzenten in gleichem Masse von der Kostensenkung. Die zusaetzliche Wohlfahrt ist in diesem Fall maximal. Bei einer preisunelastischen Nachfrage bzw. Angebot profitieren die Konsumenten bzw. Produzenten jeweils staerker. Ihre jeweiligen Renten wachsen dann zwar staerker als im ausgewogenen Fall, der gesamte Zuwachs an Wohlfahrt ist aber geringer.

Wovon hängt es ab, ob die Produzenten oder die Konsumenten relativ stärker von der Einführung einer kostensenkenden Produktionsmethode profitieren?

Von der Steigung bzw. Preiselastizitaet der Angebots- und Nachfragekurve (siehe 22).

Erklären Sie, warum die Zeitpunkte der Übernahme technischer Neuerungen durch Unternehmer und Konsumenten streuen!

Da es sich nie sicher vorhersagen laesst, ob eine neue Technologie langfristige Vorteile bringt, ist ihre Uebernahme stets mit einem Risiko verbunden. Einzelne Produzenten und Konsumenten unterscheiden sich in ihrer individuellen Risikoaffinitaet bzw. -aversion, sodass man sie in sogenannte early adopter oder Pioniere (risikoaffin) und late adopter oder Nachzuegler (risikoavers) einteilen kann.

Was versteht man unter einer Pionierrente, warum und unter welchen Bedingungen führt die Verbreitung einer technischen Neuerung zu einer Erosion von Pionierrenten? Was bedeutet das für die Dynamik der technischen Entwicklung in Marktwirtschaften, wie wird diese Dynamik von unterschiedlichen Individuen und Interessengruppen beurteilt, welcher Zusammenhang besteht zur ökonomischen Globalisierung?

Eine Pionierrente ist der oekonomische Vorteil, den man aus der Uebernahme einer neuen Technologie generiert. Dabei kann es sich z.B. um eine Kostensenkung, eine Efiizienz- oder Qualitaetssteigerung handeln. Ein solcher Vorteil muss selbstverstaendlich immer im Kontext des Marktes betrachtet werden, da eine Kostensenkung weniger vorteilhaft ist, wenn die Kosten der Mitbewerber im gleichen Masse oder vielleicht sogar noch staerker sinken. Je weiter eine neue Technologie also verbreitet wird, desto mehr reagiert der Markt darauf, z.B. durch Preissenkungen, wodurch die Pionierrente erodiert.

Dieser Mechanismus hat zur Folge, dass technologische Neuerungen, sobald sie sich verbreiten, automatisch durch neue Innovationen mit hoeheren Pionierrenten abgeloest werden. Von vielen Volkswirtschaftlern wird dieser Prozess als Motor der Marktwirtschaft gesehen, Cochrane bezeichnet ihn auch als “Tretmuehle technischer Fortschritte”. Eine etwas negativere Konnotation waehlt hingegen Schumpeter, der es als “kreative Zerstoerung” bezeichnet.

In Folge der oekonomischen Globalisierung verbreiten sich neue Technologien immer schneller, sodass die Halbwertszeiten der Technologien abnehmen und die Innovationsrate steigt. Dies resultiert in einem Verdraengungswettbewerb bzw. einem regelrechten Innovationswettlauf.

Nennen sie drei unterschiedliche Zeitrahmen und Erklärungsansätze für den Zusammenhang zwischen Innovationen und Strukturwandel, erläutern sie die Rollen von modernen Biotechnologien und Bioinformatik in diesem Zusammenhang!

Im langfristigen Zeitrahmen wird dieser Zusammenhang durch die Drei-Sektoren-Theorie erklaert, die davon ausgeht, dass mit wachsendem Wohlstand die Nachfrage nach Produkten des ersten Sektors (Landwirtschaft, Bergbau) unterproportional, die des zweiten (Industrie) proportional und die des dritten (Dienstleistungen) ueberproportional waechst. Die Entwicklung des ersten Sektors folgt demnach einer Zerfallskurve, die des zweiten einer Saettigungskurve und die des dritten einer Wachstumskurve.

Mittelfristig laesst sich die Theorie der Kondratieff-Zyklen anwenden, sogenannter langer Wellen, die von einer bestimmten technologischen Innovation begruendet und getragen werden. Beispiele fuer solche Schluesseltechnologien sind die Dampfmaschine, die Eisenbahn, die Elektrotechnik und die Informationstechnologie.

In kurzfristigen Betrachtungen dominieren hingegen die Konjunkturschwankungen, wobei in einem Abschwung eher Prozessinnovationen und in einem Aufschwung eher Produktinnovationen beguenstigt werden.

Moderne Biotechnologien und die Bioinformatik beeinflussen besonders den zweiten und dritten Sektor und sind daher eher fuer Gesellschaften relevant, die bereits sehr wohlhabend sind. Sie haben als Schluesseltechnologien das Potenzial, einen neuen Kondratieff-Zyklus einzuleiten. Kurzfristig werden sich in einem Abschwung eher neue biotechnologische Produktionsverfahren fuer bereits bestehende Substanzen entwickeln sowie bioinformatische Loesungen fuer Probleme, die bisher kostenintensiv im Labor bearbeitet werden mussten, waerend sich in einem Aufschwung eher neue biotechnolgische Produkte im Sinne der synthetischen Biologie bzw. des Bioengineerings entwickeln werden.

Nennen Sie die Haupteigenschaften der 1. Generation gentechnisch veränderter Pflanzen (gvP), Beispiele für die 2. Generation sowie generell Hoffnungen für die Zukunft!

1. Generation: 1-2 Gene/ Eigenschaften etabliert; Herbizidtoleranz dominant, Insektenresistenz; keine spürbaren Vorteile für Verbraucher

2. Generation: verbesserte Inhaltsstoffe, Golden Rice (Vit.A) Beseitigung allergener Proteine

Welche Befürchtungen werden demgegenüber mit gvP assoziiert?

Negative Auswirkungen auf natürtliche Umwelt, auf Tier- und menschliche Gesundheit, Verstärkung neg. Trends, Steigerung der Abhängigkeit von wenigen Industriekonzernen, Einschränkungen der Wahlfreiheit

Erläutern Sie das Spektrum von Visionen für die Zukunft von Landwirtschaft und Ernährung und die Rolle der Grünen Gentechnik in diesem Spektrum!

Vision 1: Techno-Vegetarismus,fettärmere, nährverbesserte Nahrungsmittel, Mirkonährstoff verbesserte Grundnahrungsmittel, im Labor gezüchtete Fleischzellen

Vision 2: Weg zu neuer Agrar- und Esskultur, ökologischer Landbau zentral, weitgehend naturbelassen, aus Region und nach Saison

Vision 3: personalisierte Ernährung, spezifische Ernährung und Medikation für best. Gruppen anhand genetischer Voraussetzungen

 

Worin sehen Sie die Hauptgründe für die hohe/geringe Verbreitung von gvP in den USA/in Europa?

USA: keine Zulassungs- und Kennzeichnungspflicht, geringer Widerstand

EU: Zulassungs- und Kennzeichnungspflicht, Konsumentenakzeptanz gering

Nennen Sie Beispiele für sog. Schwellenländer, in denen gvP angebaut werden.

Brasilien, Argentinien, Bolivien, Südafrika, China, Uruguay, Paraguay

Welches sind die vier Kulturen, die weltweit im Anbau von gvP an der Spitze liegen, welche Bedeutung haben sie für Europa und europäische Lebensmittel?

USA, Argentinien, Brasilien, Indien

Nennen Sie 2 Produktgruppen, die unter Einsatz von Gentechnik hergestellt wurden, aber in der EU nicht gekennzeichnet werden müssen!

Lebensmittel mit gv-Enzymeinsatz (Käse), Tierische Produkte mit gv-Futtermitteln (Eier, Fleisch)

Nennen Sie Beispiele für Dimensionen ökonomischer Folgenabschätzungen!

Ebene des Individuums: Landwirte und Verbraucher

Strukturwandel: in Landwirtschaft und ihren vor- und nachgelagerten Sektionen

Gesetzlicher Raum: Zulassungs- und Genehmigungsverfahren

Ökonomische Bewertung von Umwelt- und sozialen Implikationen

Nennen Sie allgemeine gesellschaftliche sowie ökonomische und soziale Triebkräfte für den Wandel im Sektor Landwirtschaft und Ernährung und erläutern Sie die spezifische Rolle der Grünen Gentechnik!

Gesellschatliche: Globalisierung (Notwendigkeit internationaler Regelungen; einheitliche Zulassungs- und Genehmigungsvorschriften für gvPs), Reform des Sozialstaates (auf Kosten künftiger Generationen gelebt; Folgeabschätzung)

Ökonomisch und sozial: Nachfrage nach Agragprodukten wächst unterproportional zum Einkommen, zwei Nachfragesegmente (Discount & Qualitätssegment), Kostensenkung, Produktivitätssteigerung

-> gvPs zur Effizienzverbesserung

Nennen Sie die beiden wichtigsten Indikatoren für den Erfolg der Grünen Gentechnik aus Sicht landwirtschaftlicher Betriebe!

Schnelle Verbreitung und hohe Anteile von gvP an der Gesamtfläche

Welches sind die Faktoren, die den Naturalertrag einer landwirtschaftlichen Kultur bestimmen, welche Rolle nimmt dabei das Saatgut ein?

Abiotische (Klima, Bodenqualität)

Biotische (Wildkräuter, Insekten)

Saatgut (konventionell, biotechnologisch, gentechnologisch)

Landbausystem (konventionell, integriert, etc.)

Managementqualität

Regelungsrahmen (rechtlich, informell)

-> Saatgut als wesentlicher Faktor

Welche Faktoren sind neben dem Naturalertrag nach den bisherigen Erfahrungen von US-Farmern für den einzelbetrieblichen ökonomischen Erfolg des Anbaus von gvo maßgeblich?

Einfache Anwendung von Glyphosat-Herbiziden

Größeres Zeitfenster für Ausbringung des Herbizids

Übergang zu Minimabodenbearbeitung

Was versteht man unter dem convenience-Effekt der Nutzung von gvP?

Bequemlichkeits-Effekt, Vorteile in der Arbeitserledigung -> Einfache Anwendung von Glyphosat-Herbiziden (Round up, Monsanto), größeres Zeitfenster für Anwendung, Wechsel zu minimaler Bodenbearbeitung-> daher bspw. Anbau von gvP mit Glyphosat-Herbizid Resistenz von Monsanto

Im Anbau von gvP liegen die USA auf dem ersten Platz, Europa weit dahinter. Wie sieht es mit Konzentrationsprozessen im Saatgutsektor in beiden Regionen aus, was sind die Treiber, was mögliche Kontrollmechanismen?

wirtschaftlicher Kontrollmechanismus: hohe Monopolrenten locken Konkurrenten

technischer: Sorten müssen an Standort angepasst sein; weltweite Supersorten unwahrscheinlich

gesellschaftlich: öffentliches Image von Großkonzernen bei Fehlverhalten gefährdet

politisch-regulativer: gesetzliche Eingriffe und Kartellbehörden

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