Arbeit, Organisation und Führung

Bort/Terrier Tu Kaiserslautern

Bort/Terrier Tu Kaiserslautern


J. S.
Diese Lernkarten behandeln auf Universitätsniveau die Themen Organisation, Führung und Mikropolitik in Unternehmen. Sie beleuchten Konzepte wie Taylors Ansatz, Prinzipal-Agent-Beziehungen und politische Spiele, die Machtstrukturen und Entscheidungsprozesse beeinflussen. Die Karteikarten eignen sich für Studierende der Betriebswirtschaftslehre, die verstehen möchten, wie Mikropolitik, Managementkonzepte und organisatorische Strukturen zusammenhängen und welche Folgen sie für Personen und Unternehmen haben können.
Flashcards
88
Students
2
Language
German
Category
Micro-Economics
Level
University
Created / Updated
17.02.2014 / 13.12.2017

Flashcards

Wissenschaft & Praxis: Annahmen

  • Wissenschaft und Praxis sind autonome Systeme
  • Aufeinander angewiesn
  • Haben aber unterschiedl.: Ziele, Rationalitäten und Rhetoriken
  • Kommunikationsbarrieren

System Wissenschaft

Am Kriterium wahr/falsch orientierte Kommunikation

Bezug auf "innerhalb" des "eigenen" Systems

Kernelement: Publikation

Bestimmt ihre Elemente und die Art der Kommunikation selbst

Ethos der Wissenschaft (Merton, 1972)

  • Universalismus
  • Kommun(al)ismus
  • Uneigennützigkeit
  • Organisierter Skeptizismus

Reputation in der Wissenschaft

(Zentrales Kriterium)

Zentrales Kriterium: Wahrheit, Erkenntnisfortschritt

da schwer zu operationalisieren ⇒ Ersatzkriterium: Reputation

  • Veröffentlichungen
  • Zitationen
  • Berufungen
  • Preise
  • Erfolg in der Praxis...

Rhetorik in der Wissenschaft

  • Herausforderung des Intellekts
  • Formalisierung, Methodeneinsat, Fachsprache, Vernetzung ("Fußnotenapparat")
  • Kritik als Motor des Fortschritts
  • Reproduzierbarkeit
  • Sachlichkeit

Unterschiedliche Referenzsysteme

Wissenschaftler

  • Klare Strukturierung und Methodenoffenlegung
  • Probleme durch Lücke in Theorie identifiziert und "gelöst"
  • Nachvollziehbarkeit
  • Sehr spezifisch

Unterschiedliche Referenzsysteme

Praktiker

  • Einfache Theorie, intuitives Entscheiden, politisches Taktieren
  • Probleme entwickeln sich manchmal erst im Entscheidungskontext
  • Muddeling through, surfing on chaos
  • Wenig spezifisch, Annahmen durch Entscheidungen festgelegt

Konsequenzen der Trennung von Praxis und Wissenschaft

Entkopplung

  • Entkopplung von Theorieentwicklung und Lösung praktischer Probleme
  • In anderen Ländern (insbesondere USA) teilweise bereits realisiert
  • Spezialisierung auf Forschung

Konsequenzen der Trennung von Praxis und Wissenschaft

Schnittstellenmanagement

  • Praxisorientierte Lehre
  • Entwicklung praktischer Ansätze und Methoden
  • Breatungsaktivitäten durch Wissenschaftler

 

Konsequenzen der Trennung von Praxis und Wissenschaft

Kritisch

  • Weiterentwicklung von Theorien durch Praxisanwendungen
  • Inszenierung "wissenschaftlicher Diskurse" mit Praktikern

Managementkonzepte: Grundlagen

Organisationslehre (Ziel+Bsp)

Ziel: Versuch Praxis in Regeln zu fassen und allgemein gültige Regeln aufzustellen

Beispiele:

  • Management Leifäden (altes Ägypten, China)
  • Leitfäden zur Arbeitsteilung, Organisation der Arbeit (Merkantilismus)
  • Managementliteratur (deutsche Industrialisierung)

Managementkonzepte: Grundlagen

Kritik an der Organisationslehre

Organisationslehre attraktiv, da Reduktion der Komplexität, aber z.B.:

  • Keine Spezifizierung der Bedingungen, unter denen die Regeln gültig sind
  • Geringer, empirischer Bewährungsgrad
  • Wertgeladenheit ("self-fulfilling")
  • Vergangenheitsorientierung, konservierende Wirkung

Taylors wissenschaftliche Betriebsfürhung

Ausgangsproblem

  • Drückebergerei und Bummeln der Arbeitern
  • Unnötige Resourcenverschwendung im Betrieb
  • Konflikt zwischen Arbeiter und Unternehmer
  • Unökonomische Verausgabung der Arbeiter

Ziele Taylors:

  • Erhöhte Arbeitsleistung
  • Konflikt zw. Arbeitnehmern und -gebern entschärfen

Taylors wissenschaftliche Betriebsfürhung

Taylors Ansatz (& Prinzipien)

  • Wissenschaftliche Betriebsführung
  • Untersuchung zur Optimierung der Organisation

Prinzipien

  • Versöhnung von Arbeitern und Arbeitgebern durch Herrschaft von Experten
  • Trennung von Hand- und Kopfarbeit
  • Pensum und Bonus
  • Auslese und Anpassung der Arbeiter

Kritik an Taylors Ansatz

Spezialisierung

Hochgradige Spezialisierung der Handarbeit nicht in Übereinstimmung mit menschlichen Bedürfnissen

Systematishe Dequalifizierung gefähredet Anpassungsfähigkeit und Motivation

Kritik an Taylors Ansatz

Mangel an Wissenschaftlichkeit

Wissenschaft ohne Theorie: "Hypothesen" in Form nicht überprüfungsbedürftiger Annahmen (z.B. zum Verhalten von Organisationsmitgliedern, zur Ogranisation)

Keine systematishe empierische Überprüfung ("persönliche Erfahrungen" Taylors)

Kritik an Taylors Ansatz

Ideologie

Wirksamkeit kann nicht Abgesprochen werden (Taylorismus/Fordismus)

Ideologie, die sich durch den praktischen Erfolg bestätigte

Kritik an Taylors Ansatz

Weiterentwicklung

Konsequente Weiterentwicklung der aufeinander bezogenen Logiken der industriellen Entwicklung und der Managementlehre

Aktuelle Managementkonzepte in der Tradition Taylors

Zeitmanagement (Definition + Versprechungen)

Methoden und Techniken zur effektiven und effizienten Nutzung der Arbeitszeit

Versprochen werden:

  • Täglich 2 Stunden
  • Aufgabenerledigung mit weniger Aufwand
  • Bessere Organisation der eigenen Arbeit und bessere Arbeitsergebnisse
  • weniger Hektik und Stress
  • besseres Erreichen der Arbeits- & Lebensziele

Aktuelle Managementkonzepte in der Tradition Taylors

Methoden des Zeitmanagements (Ziel, Fragen etc.)

Ziel: Zeitfresser identifizieren

Systematische Tätigkeits- und Zeitanalyse über mehrere Arbeitstage

Tagesstörblatt führen

Tätigkeiten nach Stärken und Schwächen bewerten

Vergleich der eigenen Erwartungen und Zielvorstellungen mit Hilfe folgender Fragen:

  • Tätigkeit notwendig?
  • Zeitaufwand gerechtfertigt?
  • Ausführung zweckmäßig?
  • Zeitpunkt der Ausführung sinnvoll?

Aktuelle Managementkonzepte in der Tradition Taylors

Kritik am Zeitmanagement

  • Konflikte im Zielsystem
  • Fokus auf quantitative Aspekte
  • Mechanistische Annahmen
  • Annahmen über Überflüssige Tätigkeiten
  • Gestaltungsfreiräume

⇒ Tipps wenig hilfreich

Benchmarking

(Optimieren, vergleichen, lernen, konzipieren)

siehe Bild

Aktuelle Managementkonzepte in der Tradition Taylors

Benchmarking

The search for industry best practices that will lead to superior perfomances

Methode der Identifikation der best pratices

Experiment bei Taylor und Benchmarking als Mittel um Verbessungsmöglkeiten drastisch vor Augen zu führen (benchmarking gap)

Aktuelle Managementkonzepte in der Tradition Taylors

Benchmarking - Unterschiede zu Taylor

Nicht einzelne Tätigkeiten, sondern ganze Prozesse/Prozessketten sollen bereinigt und optimiert werden

Vor allem mittlere und obere Managementebenen im Visier

Institutionaliserung des Benchmarking muss mehr in den Köpfen der Mitarbeiter stattfinden als in der Struktur und Organisiation

Probleme mit Benchmarking (BM)

von Wissenschaftlern

Vorgehensweisen, die als unsinnig gelten werden explizit empfohlen

  • Äpfel mit Birnen vergleichen
  • Nur ausgewählte Daten erheben

BM Liefert selektive und beschränkte Wirklichkeitswahrnehmung & -darstellung

Probleme mit Benchmarking

von Praktikern

Vorteil, wenn man von "störenden" situativen Randbedingen abstrahiert

Wissenschaftl Benchmarking dauert zu lange

Es geht nicht um einen wirklichen (realistishen) Vergleih zw. Unternehmen

Wenn die Prozesse wirklich miteinander verglichen werden, dann:

  • werden Unternehmen einander ähnlicher
  • kein Wettbewerbsvorteil! (Kopien selten besser als das Original)

Der Stoff, aus dem  Management Bestseller sind

Annahmen

  • Konzentration auf einen Schlüsselfaktor dessen Anwendung als unausweichl. dargestellt wird und einen radikalen Bruch mit bisherigem Vorgehen bedeutet
  • Appell an zentrale Werte
  • Keine Belehrung der Praxis, Aufdeckug von Spitzenleistungen ("best practice")
  • Personifizierung
  • Zeitgeist

Der Stoff, aus dem Management Bestseller sind

Merkmale

  • Raffinierte Mischung aus Einfachheit und Mehrdeutigkeit
  • Metaphern als Lösungen liefern Interpretationsspielraum
  • Expertentum
  • Ankopplung an Wissenschaft (ohne Theorie & Methoden)
  • Lesbarkeit - kurze Sätze, direkte Rede, Abbildungen, kein akademischer Jargon

Mythos

> Verbindung der Leitbilder mit sagenhaften Managern & Erfolgen

> Grundannahmen + Orientierungen + Buzwword ist das Kondensat der Diskussion in der Arena

> Vagheit des Konzepts

< Kommt Bedürfnis nach/Glauben an Glück entgegen

Arenen der Verbreitung von Managementkonzepten

  • Bestsellerautoren
  • Managementzeitschriftenredakteure
  • Seminare
  • Professoren
  • Kongresse
  • Gesprächskreise
  • Praktiker
  • Foren
  • Unternehmensberater

Je attraktiver die Arena, desto mehr Akteure zieht sie an, desto größer wird sie.

Institutionelle Ansätze zur Erklärung der Verbreitung von Managementkonzepten

Ausgangsbasis

Gängige Argumentation:

→ Strukturen und Konzepte in Organisationen sind Ergebnis der Bemühungen um effiziente Gestaltung von Arbeitsprozessen und Austauschbeziehungen

Vertreter instituionalistischer Ansätze argumentieren:

→ Strukturen und Konzepte in Organisationen spiegeln die Vorstellungen über "rationale" Gestaltung in der Umwelt der Organisation wider

→  Streben nach Legitimität

Institutionalistische Ansätze zur Erkläruing der Verbreitung von Managementkonzepten

Konsequenz

  • Organisationen adoptieren Strukturen und Konzepte, weil sie extern legitimiert sind und weniger wegen der Effizienz
  • Organisationen werden zu "dramatischen Inszenierungen" der Rationailätsmythen, die moderne Gesellschaften durchziehen
  • Isomorphie (Gleichgestaltigkeit)

Aber:

  • Organisationen erhöhen durch die Adoption institutionalierter Elemente ihre Legitimität (sie entsprechen den Vorstellungen über moderne und rationale Organisationen)

Institutionalistische Ansätze zur Erklärung der Verbreitung von Leistungsbeurteilung

Mythos

Die Institutionalisierung des Leistungsprinzips Mitarbeiterbeurteilung als institutionalisierter Rationalitätsmythos

Institutionalistische Ansätze zur Erklärung der Verbreitung von Leistungsbeurteilung

Isomorphie

  • Durch Zwang
  • Mimetische (nachahmende) Prozesse
  • Normative Prozesse

Institutionalistische Ansätze zur Erklärung der Verbreitung von Leistungsbeurteilung

Kritik

  • Notwendigkeit der Mitarbeiterbeurteilung wird nicht mehr hinterfragt
  • Auch Betroffene beurteilen Mitarbeiterbeurteilung häufig positiv
  • Nur 0,2% aller Mitarbeiter wird nicht ausreichende Leistung bescheinigt

Institutionalistische Ansätze zur Erklärung der Verbreitung von Leistungsbeurteilung

Entkopplung

  • Vage Formulierung gibt Handlungsspielraum
  • Beurteilungen und Konsequenzen machen zusätzl. Maßnahmen erforderlich

Kontrolltheoretische Basis zur Erklärung der Verwendung von Konzepten

siehe Bild

Modell zur Erklärung der Verwendung von Konzepten (Grafik)

siehe Bild

Die Verwendung von Konzepten

Discourse Strategy

  • Learning from Others' Experiences
  • Change Management and Power
  • Gaining External Legitimacy
  • Collective Sensemaking

Konzepte und Moden

Konzepte für Manager hilfreich, da

  • suggerieren Fortschrittlichkeit
  • Legen Einsatz von Beratern nahe und vereinfachen deren Auswahl
  • Reduzieren Risiko und Verantwortung
  • Motivation
  • Erleichtern Koordination
  • Argumentaionsmuster

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