Anne Frank Ergänzungen
Alles was nicht in der Anne Frank Kartei vorkommt
Alles was nicht in der Anne Frank Kartei vorkommt
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Cartes-fiches
Wie sah Annes Weg ins Lager Bergen Belsen konkret aus? Welche Stationen hatte dieser?
Anne wurde zunächst ins Transitlager Westerbork gebracht von welchem sie dann mit dem letzten Zug nach Auschwitz und schließlich mit ihrer Schwester Ende Oktober oder Anfang November nach Bergen Belesen verschleppt wurde.
Wie beschreibt der Literaturwissenschaftler Gero von Wilpert die Funktion eines Tagebuchs?
Er hat die Funktion von Tagebüchern mit den Schlagworten „Selbsterforschung, Betrachtung, Beschreibung“ umrissen. Solche Aufzeichnungen sind somit nicht nur eine Dokumentation der Entwicklung eines Menschen, sondern sie sind Teil dieser Entwicklung, denn mithilfe des Tagebuchs können die Autoren ihre Welt besser verstehen.
Wie verläuft Annes Beziehung zu ihrem Vater?
Annes Verhältnis zu ihrem Vater durchläuft 2 Phasen: Während sie sich im 1. Teil des Tagebuchs immer stärker auf ihn fixiert und in ihm den einzigen Verbündeten sieht, kühlt sich ihre Beziehung mit dem Beginn ihrer Liebe zu Peter ab.
Wie entwickelte sich Annes Beziehung zu Peter?
Auch Annes Beziehung zu Peter ist durch deutliche Wechsel gekennzeichnet. Zunächst ist sie nur wenig von ihrem Mitbewohner angetan, der ihr reichlich langweilig, dumm, faul und hypochondrisch erscheint. Über die Gestalt des Peter Schiff, der ihr im Traum erscheint und zu dem sie ihre Liebe im Tagebuch freimütig bekennen kann, rückt Peter zusehens ins Zentrum ihres Interesses. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Ausbildung ihres Selbstbewusstseins. Mit Peter führt sie erste ernsthafte Gespräche abseits der familiären Konflikte. Schon bald überwindet Anne ihre Verliebtheit zu Peter. Sie wendet sich von ihm ab, diesen Verlust verwindet Anne intelektuell: Genau in dieser Zeit beginnt sie ihr Tagebuch zu überarbeiten. Sie setzt sich stärker mit politischen, religiösen und weltanschaulichen Themen auseinander.
Wie entwickelte sich Annes Beziehung zu Peter?
Auch Annes Beziehung zu Peter ist durch deutliche Wechsel gekennzeichnet. Zunächst ist sie nur wenig von ihrem Mitbewohner angetan, der ihr reichlich langweilig, dumm, faul und hypochondrisch erscheint. Über die Gestalt des Peter Schiff, der ihr im Traum erscheint und zu dem sie ihre Liebe im Tagebuch freimütig bekennen kann, rückt Peter zusehens ins Zentrum ihres Interesses. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Ausbildung ihres Selbstbewusstseins. Mit Peter führt sie erste ernsthafte Gespräche abseits der familiären Konflikte. Schon bald überwindet Anne ihre Verliebtheit zu Peter. Sie wendet sich von ihm ab, diesen Verlust verwindet Anne intelektuell: Genau in dieser Zeit beginnt sie ihr Tagebuch zu überarbeiten. Sie setzt sich stärker mit politischen, religiösen und weltanschaulichen Themen auseinander.
Woher kommt die Anredeform "Liebe Kitty" ?
Im Tagebuch war ursprünglich weiterhin zu lesen: „Liebe Pop, liebe Phien und liebe Conny“. Dies sind keine Namen von Anne Franks wirklichen Freunden. Sie stammen aus einer Bücherreihe für Mädchen mit dem Titelhelden Joop ter Heul von Cissy von Marxveldt. Weiterhin hinterlassen Marxveldts Romane noch andere Echos im Annes Werk. So ist die Struktur des Tagebuchs den Romanen von Joop ter Heul nachempfunden. Als die Bedrohung der Naziverfolgung einen größeren Schatten auf Anne wirft, wendet sie sich der Fiktion zu.
Was macht die kritische Ausgabe aus und was waren die Gründe für deren Erscheinung?
Nicht einmal die voluminöse, textkritische Ausgabe, auf die mittlerweile eine neue, vervollständigte Taschenbuchausgabe zurückgeht, ist gänzlich frei von Zensur.
Einzelne Passagen sind selbst hier noch gestrichen worden, mit dem Verweis auf den Wunsch der Familie Frank und das von Anne Frank „unrichtig“ und „unfreundlich“ vermittelte Bild der Eltern.
Dem Leser werden in dieser Ausgabe jedoch die Quellen klar ersichtlich. In dieser Parallelausgabe werden die Textes der Originalbuchs (A) und die neuverfasste und überarbeitete Version von Anne Frank (B) und die erste herausgegebene Ausgabe (C) nebeneinander gestellt. Im Grunde waren wiederholte Angriffe auf die Glaubwürdigkeit und Authentizität des Tagebuchs die Gründe für die Zusammenstellung und Veröffentlichung der kritischen Ausgabe.
Was ist der offensichtliche Vorteil an der kritischen Ausgabe?
Der offensichtlichste Vorteil der kritischen Ausgabe ist, dass wir nun 3 und nicht nur eine Anne ausmachen können. Die erste ist die fröhliche, junge, intelligente Tagebuchschreiberin, festgehalten in einem Versteck mit manchmal verzweifelten Erwachsenen, die ihre Erlebnisse niederschreibt. Die zweite ist die selbstbewusste und selbstsichere Schriftstellerin, die ihre Erlebnisse in Kunst verwandelt und die dritte ist das Holocaustopfer, die fast zufällig berühmt wurde, weil sie ein vielgelesenes Tagebuch geschrieben hat.
Was hat Alvin H. Rosenfeld gegenüber der Übersetzung von Schütz festgestellt?
Alvin H. Rosenfeld hat in seiner Analyse festgestellt, dass alle Hinweise bei Schütz verloren gehen, dass Anne Frank selbst aus Deutschland stammt und die Franks mit deutscher Kultur stark verbunden waren. So schwindet auch der Hinweis darauf, dass ihre Mutter ihr „Gebete in Deutsch“ zum Lesen in die Hand drückt.
Worin liegt ein ganz allgemeines Problem der Banalisierung von dem Tagebuch? Unabhängig von der Übersetzung?
Ein ganz allgemeiner Fehler würde darin liegen, wenn man den Text ohne seinen Kontext lesen würde. Als ob das Tagebuch nur von der ersten Anne dem munteren und gedankenvollen Teenager geschrieben wurde und nicht auch von der dritten.
Man vergisst vielleicht, dass die Schriftstellerin des Tagebuchs auch die 2. Anne war, diejenige die, bis zu einem gewissen Grad einige Aspekte ihres fiktiven Charakters namens Anne im Achterhuis nach ihrem beliebten Charakter in Joop ter Heul nachgebildet hat.
Die Gefahr eine Banalisierung der potentiellen Bedeutung des Tagebuchs liegt in der Rezeption von Annes Jugendproblemen, Problemen einer Pubertären, die mit trivialen Schwierigkeiten von amerikanischen Mittelklassenjugendlichen verglichen werden.
Was offeriert eine derartige Rezeption dennoch?
Andererseits offeriert eine solche Rezeption eine einzigartige Möglichkeit, mit der Realität des Holocausts konfrontiert zu werden. Wenn eine jugendliche Leserin ihre Alltagsschwierigkeiten mit denen von Anne Frank vergleicht und sich mit ihr identifizieren kann, ist durch diese Identifikation eine Möglichkeit für weiteres Lernen und Verstehen geschaffen.
Welche Anne sah Levin in seiner Rezeption vor? Wieso schrieb er nicht selbst?
Levins Rezeption des Werkes ist eine Antwort auf die 3. Anne, das Holocaustopfer, das die Welt, so hoffte Levin, auf die Naziverbrechen gegen die Juden aufmerksam machen sollte. Meyer Levin wurde klar, dass er nicht in der Lage sein werde, als Außenstehender, eine Geschichte über das Leid der Verfolgten zu schreiben. Er suchte dafür eine Stimme. Levin hat sich für die Anne interessiert, die über den Holocaust schreibt und durch ihr Tagebuch für Millionen von Juden spricht.
Um welche Art von Drama handelt es sich bei Goodrich und Heckett? Was ist die Rahmenhandlung?
Es ist das Drama eines begabten Kindes, das seine jungen Ideale von eben jenen verraten sieht, die ihr gegenüber die Welt der Moral, der Werte und Regeln repräsentieren. Während sich Anne am Ende von Peter zurückzuziehen beginnt, unter dessen Charakterschwäche sie leidet stehen die beiden am Ende des Theaterstücks gemeinsam Arm in Arm am Fenster und schauen in den Himmel. Die Rahmenhandlung des Stücks, Franks Rückkehr nach Amsterdam im Herbst 45, wo er das Tagebuch ausgehändigt bekommt, setzt den Schluss: Otto Frank im Hinterhaus das Tagebuch lesend, beendet seine Lektüre.
Was war der Schlüssel der positiven Wirkung des Tagebuchs in Deutschland? Wo und zwischen wem fand eine kritische Diskussion statt?
Die Übersetzung der Erfahrungen der Anne Frank in einen sich als „universalistisch“ verstehenden Deutungsrahmen scheint gerade zu der Schlüssel zu ihrer Wirkung in Deutschland gewesen zu sein.
Die Amerikanisierung des Tagebuchs war eher eine Eindeutschung mit anderen Mitteln. Sozusagen die Erlaubnis zu einer Manipulation, für die man selbst nicht die Verantwortung übernehmen wollte. Eine kritische Diskussion des Tagebuchs und seiner Editions- und Rezeptionsgeschichte hat es im wesentlichen hingegen nur in den USA überhaupt gegeben und natürlich waren an dieser Debatte v.a. jüdische Autoren beteiligt.
Wie sah die Reaktiona auf das Stück Anne Frank in der BRD aus? Auf was wurde angespielt?
Das Theaterstück wurde im geteilten Deutschland nicht gleichermaßen aufgefasst. So sagt Werner Hess am 24.6.1962: „ Die Zeit der KZ und der willkürlichen zynischen Massenvernichtung, die Zeit der Bombennächte, der Trecks und des Untergangs, die Zeit in der die 4 Besatzungszonen damals 12,5 Millionen sog. Flüchtlinge und Ausgewiesene aufzunehmen hatten. Was hat sich geändert seitdem. Bis zum 13. August 1961 haben 2,6 Millionen Menschen aus der Sowjetzone im Westen die Notaufnahme beantragt und seit die Mauer gebaut ist, knattern die Schüsse der uniformierten Jäger auf das Freiwild Mensch, das das einzige Verbrechen begeht, von seinem deutschen Vaterland in sein deutsches Vaterland hinüberzuwechseln zu wollen. Und wieder hängen in Deutschland Tote in den Stacheldrähten, Unschuldige, Unbekannte, Menschen wie du und ich oder Anne Frank.
Wie reagierte die DDR darauf?
Die immer nur metaphorisch benannte DDR war unterdessen selbst nicht untätig geblieben, um ihre eigene Version der Anne Frank dem Westen entgegenzustellen. Es gab einen Film namens: Ein Tagebuch für Anne Frank. Herausgebracht von der DEFA- Dokumentarfilmabteilung 1958. Dieser Film konzentriert sich v.a. darauf einzelne Täter, die schuld an Anne Franks Tod sind, dingfest zu machen und ihre Nachkriegskarriere in der BRD zu entlarven. Insbesondere die IG Farben spielen natürlich eine Hauptrolle. Für Anne Frank interessieren sich die Autoren Joachim Hellwig und Günther Deicke ebenfalls nur am Rande.
Ebenfalls 1958 erscheint in der DDR der Roman „Nackt unter Wölfen“ von Bruno Apitz. Retrospektiv lässt sich Apitz Roman als Gegenentwurf zu Anne Franks Tagebuch verstehen
Wie sahen direkt nach dem Krieg die Auseinandersetzungen mit der traumatischen Geschichte aus? Was waren die Reaktionen?
Unmittelbar nach Kriegsende hat es sowohl freiwillig als auch unfreiwillig immer wieder zeitweilige Auseinandersetzungen mit der traumatischen Geschichte des 3. Reichs gegeben.
Anfänglich waren diese erzwungen und stießen allgemein auf Widerstand. Bspw. reagierten die meisten Deutschen eher ablehnend auf die Nürnberger Prozesse oder die Dokumentarfilme von Kriegsgäueltaten. Derlei Konfrontationen sollten die Menschen dazu bringen, sich zu den schlimmsten der von ihren Landsleuten begangenen Verbrechen zu bekennen.
Aber in der Nachkriegszeit waren die meisten Deutschen nicht in der Verfassung, sich mit der Schuld ihrer Nation auseinanderzusetzen, insbesondere wenn sie das Gefühl hatten, dass die Siegermächte sie dazu zwingen wollten.
We sah die Anne Frank aus, die die Deutschen in der unmittelbaren Nachkriegszeit bevorzugten?
Die Anne Frank, die die Deutschen in der unmittelbaren Nachkriegszeit bevorzugten, ja, die einzige Anne Frank zu deren Anerkennung sie sich durchringen konnten, war eine, die das Leben bejahte.
Wie sah die Rede von Theodor Heuss aus?
. Präsident Heuss hielt im Oktober 57 eine viel beachtete Rede in München, in der er mit dem Hinweis auf die Auseinandersetzung erwähnte, dass er sich deren Fortdauer wünsche, damit die Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten.
Wie sah der Umgang unmittelbar nach dem Krieg mit der Vergangen der Deutschen aus?
Was macht die erste Legislaturperiode aus?
Unmittelbar nach Kriegsende hatte es sowohl freiwillg als auch unfreiwillig zeitweile Auseinandersetzungen mit der traumatischen Geschichte gegeben. Wenn diese bspw. durch die Alliierten erzwungen waren, kam es nicht selten zu Widerstand.
Die meisten Deutschen waren nicht in der Verfassung sich mit der Schuld ihrer Nation auseinander zu setzen.
Die erste Legislaturperiode (49-53) war geprägt von der gesellschaftlichen Integration von NS Beteiligten und Amnestiegesetzen (Begnadigung). Das 131er Gesetz regelte zudem die Wiedereingleiderung von Beamten, die 45 von den Alliierten aus politischen Gründen entlassen wurden. Der Wiederaufbau stand im Fokus.
Es handelte sich innerhalb der Deutschen Gesellschaft nicht so sehr um ein "Nicht- Wahrhaben- Wollen" als viel mehr um ein "Nicht- genau- wissen- wollen".
Wann kam es zu einer neuen Dramatisierung und was kennzeichnet diese?
Im Jahr 1997 kam Anne Frank wieder auf die Bühne. Diesmal in einer neuen Bühnenfassung von Wendy Kesselmann.,Sie hatte den Auftrag angenommen, weil sie die Wahrheit wieder herstellen wollte.
Die neue Bühnenfassung folgt dem Tagebuch getreuer als die ihrer Vorgänger- Man vernimmt deutlicher Annes Stimme, ihre Intelligenz und ihren Geist.
Annes Gedanken über ihre Körperlichkeit und ihre Erinnerungen, die Brüste eines anderen Mädchens berührt zu haben, sind wiederhergestellt. Die Zuschauer hören die Rundfunkansprache, die Anne dazu bewegte, ihre Einträge zu veröffentlichen.
Die historiscje und religiösen Verhältnisse sind deutlich zu erkennen, und man versteht, was es für die Versteckten verhaftet zu werden. Schließlich erfahren die Zuschauer auch, welches Schicksal Anne und die Untergetauchten des Hinterhauses am Ende erwartete.
Wann begannen die Massentötungen der Nazis?
Die Massentötungen begannen im Juni 41 mit den Massenerschießungen jüdischer Zivilisten wägrend der deutschen Invasion in die Sowjetunion.
Wieso ist Auschwitz eine Metonymie? Welche Gefahr hat diese?
Auschwitz wird zu einer Metonymie, die faktisch weit verstreutes Geschehen an einen Ort konzentriert, sie tendiert dazu, die vielen KZs und Vernichtungslager, die in ganz Europa verteilt waren, vergessen zu machen.
Was meint der Begriff Holocaust ursprünglich?
Er meint die von Gott geforderte Opferung Isaaks durch seinen Vater Abraham.
Was meint der Begriff Shoah ursprünglich?
Der Begriff Shoah wird in der hebräischen Bibel auch verwendet für die Strafen Gottes.
Seit den 70er Jahren spricht man von einer Epedemie des Gedenkens. Was versteht man darunter?
In den 70er Jahren etablieren sich immer mehr Diskussionen über die NS Vergangenheit.
Bspw. Diskussion über die Wehrmachtsaustellung oder die Walser Bubis Debatte.
Was war die Walser Bubis Debatte?
1998 hielt der Schriftsteller Martin Walser anlässlich der Verleihung des Friedensprieses des deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche eine Rede mit dem Titel " Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede", in der er das Holocaust Gedenken als Moralkeule gegen die deutsche Bevölkerung bezeichnete. In den Medien herrsche Dauerpräsentation der Schande.
Diese Rede wurde von hochrangigen Vertretern aus Kultur, Wirtschaft und Politik mit großem Beifall aufgenommen.
Der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden Ignatz Bubis warf Walser geistige Brandstiftung vor.
Wie steht James Young zur Repräsentation des Holocausts?
Er stellt den performativen Charakter von Wahrheit ins Zentrum.
Ruth Klüger: Man erfindet Neues, mit Hilfe des Gewesenen. Die Produkte der Erinnerung unterscheiden sich also zwangsläufig von der vergangenen Geschichte.
Wie sieht Young die Verpflichtung zum Zeugnis, in Bezug auf die Holocaustliteratur?
Zeugnis abzulegen, wie es wirklich gewesen ist, ist eines der bedeutendesten Gesetze des Alten Testaments. (3. Buch Moses) Diese Pflicht bildete einen Hauptimpuls der Überlebenden.
Füw Young besteht kein Zweifel, dass die biblische Verpflichtung zum Zeugnis erheblichen Einfluss auf das Selbstverständnis vieler Opfer und ihre Darstellung hatte.