Anatomie Block 3_unspezifische Abwehr_Einführung

Anatomie Block 3_unspezifische Abwehr_Einführung

Anatomie Block 3_unspezifische Abwehr_Einführung


K. H.
Diese Lernkarten bieten einen Überblick über die unspezifische Abwehr des Körpers, wobei der Fokus auf Zellen, Gewebe und Mikroorganismen liegt. Sie erklären die Rolle von Immunzellen wie Leukozyten, Granulozyten und Killerzellen, sowie die Bedeutung von Proteinen und Entzündungen. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Medizinstudenten, die sich auf die Grundlagen der Immunabwehr vorbereiten und die komplexen Prozesse der körpereigenen Abwehr verstehen möchten.
Karten
32
Lernende
5
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Andere
Erstellt / Aktualisiert
05.09.2015 / 15.11.2021

Lernkarten

Was versteht man unter unspezifischer Abwehr?

  • Angeboren
  • Antigenunabhängig (=gegen alles Fremde)
  • reagiert sehr schnell

⇒ führt zu Resistenz = Widerstandskraft

Was wird unter spezifischer Abwehr verstanden?

  • erworben
  • Antigenspezifisch (= gegen ein spezielles Antigen gerichtet)
  • braucht beim 1. Kontakt länger zur Immunantwort
  • beim 2. Kontakt aber schnelle Reaktion
  • verfügt über Antigengedächtnis (Gedächtniszellen)
  • grosse Selektivität (Treffsicherheit)

⇒ führt zu Immunität = besondere form der Resitenz = Pathogene ohne Symptome eliminieren

Was bedeutet Antigen?

Anti-Körper-generierend
dies sind quasi alle Stoffe, die bewirken, dass der Körper Antikörper bildet (z.B. Viren, Bakterien, Glykoproteine, entartete Zellen)

Was bedeutet zelluläre Abwehr?

  • Abwehrzellen, die direkt an der Beseitigung von Erregern beteiligt sind
  • Diese Zellen zirkulieren in den Blutgefässen und Lymphbahnen und kommen in den Geweben des Körpers vor

Was bedeutet humorale Abwehr?

= Körperflüssigkeit betreffend

  • "flüssige Bestandteile", die im Gegensatz zu den Abwehrzellen nicht in der Lage sind, aktiv an den Ort einer Infektion zu wandern
  • Eiweissfaktoren und Enzyme, Antikörper

Nenne alle zellulären Bestandteile der unspezifischen Immunabwehr

  • Granulozyten
    • eosinophile
    • basophile
    • neutrophile
  • Monozyten
  • Makrophagen
  • Dendritische Zellen
  • Natürliche Killerzellen

Nenne alle humoralen Bestandteile der unspezifischen Immunabwehr

  • Komplementsystem
  • Zytokine
    • Interferone
    • Interleukine
    • Tumor Nekrose Faktor

Nenne alle zellulären Bestandteile der spezifischen Immunabwehr

  • T-Lymphozyten
    • T-Helferzellen
    • T-Killerzellen
    • T-Gedächtniszellen
  • B-Lymphozyten
    • B-Gedächtniszellen
    • Plasmazellen

Nenne alle humoralen Bestandteile der spezifischen Immunabwehr

  • Antikörper
  • B-Gedächtniszellen mit ihren Antikörpern

1. Abwehrlinie / Verteidigungslinie

Mechanismen und Beispiele

Nicht gegen bestimmte Erreger wirksam, sondern gegen alles Fremde. Äussere Schutzbarriere

Physikalische/Meschanisch:

  • Epidermis der Haut, Hornhaut → Physikalische Barriere gegen Mikroorganismen
  • Schleimhäute → Barriere gegen eindringende Mikroorganismen, wenn auch weniger effektiv als die intakte Haut
  • Schleim → Abfangen von Mikroorganismen im respiratorischen und gastrointestinalen Trakt
  • Haare → Mechanischer Schutz, Herausfiltern von Mikroorganismen und Staub aus der Nase
  • Cilien → Abfangen von Mikroorganismen und Staub aus dem oberen resp. Trakt, in Zusammenarbeit mit dem Schleim
  • Tränen → Verdünnung und Auswaschung reizender Substanzen und Mikroorganismen
  • Speichel →Abspülen von Mikroorganismen von den Zahnoberflächen und den Mundschleimhäuten
  • Urin → Ausspülen von Mikroorganismen aus dem Harnleiter
  • Defäkation und Erbrechen →  Ausscheidung von Mikroorganismen

Chemische Faktoren

  • Säureschutzmantel der Haut
  • Schweiss
  • Bronchialsekret
  • Talg → Schutzfilm au f der Hautoberfläche als Wachstumsbremse für viele Mikroorganismen
  • Lysozym → Antimikrobielles Enzym in Transpirat, Tränen, Speichel, Nasensekret und Gewebeflüssigkeit
  • Magensaft → Zerstörung fast aller Bakterien und Toxine im Magen
  • Vaginalsekrete → Blockade des Wachstums potentiell schädlicher Bakterien durch leicht saures Milieu, Ausspülen von Mikroorganismen aus der Vagina

Funktion und Eigenschaften der Granulozyten

  • gehören zu den Leukozyten
  • gehören zur 2. Abwehrlinie (unspezifische Abwehr zellulär)
  • können Blutbahn verlassen und ins Gewebe wandern
  • haben in ihrem Zellplasma zahlreiche Bläschen (Vesikel oder Granula genannt), die Stoffe enthalten (v.a. Enzyme) it denen Krankheitserreger unshäadlich gemacht werden können

Neutrophile Granulozyten

  • 40-50% der zirkulierenden Leukozyten
  • APZ
  • wandern aus Blutgefässen in entsprechende Gewebe
  • betreiben Phygozytose
  • "überfressene", Abgestorbene, geplatzte neutrophile Granulozyten = Eiter

Eosinophile Granulozyten

  • blau färbbar
  • betreiben Chemotaxis -> wandern durch Blutgefässe in Richtung des Entzündungsortes
  • v.a. bei Parasitenabwehr aktiv
  • (bei Allerigen → Histaminausschüttung)

Basophile Granulozyten

  • rot färbbar
  • enthalten Heparin und Histamin
  • werden vor allem bei Allergien aktiv

Makrophagen

  • gehören zur unspez. zellulären Abwehr
  • gehören zu den Leukozyten
  • APZ
  • Monozyten sind ihre Vorläufer im Blut
  • halten sich im Gewebe auf, erkennen und fressen Erreger
  • Riesenfresszellen → betreiben Phagozytose
  • bekämpfen auch andere schädliche Substanzen und Abfallprodukte wie z.B. Teer aus der Lunge

Was gehört zur 2. Abwehrlinie?

= unspezifische Abwehr

  • Granulozyten → v.a. neutrophile
  • Makrophagen
  • natürliche Killerzellen
  • antimikrobielle Proteine (Komplementsystem und Zytokine)
  • Fieber
  • Entzündung

Was gehört zur 3. Abwehrlinie?

= spezifische Immunabwehr

  • T-Helferzellen
  • T-Killerzellen
  • T-Gedächtniszellen
  • B-Lymphozyten
  • B-Gedächtniszellen
  • Antikörper
  • B-Gedächtniszellen mit ihren Antikörpern

Natürliche Killerzellen

  • gehören zur unspezifischen  zellulären Abwehr
  • Lymphozyten
  • vernichten infizierte Zellen, ohne vorher selbst mit dem Krankheitserreger in Kontakt zu treten
  • Zytotoxische (zellschädigende) Substanz, sog. Zytotoxine fürhen zum Zelltod der infizierten Zelle
  • Zielstrukturen sind: virusinfizierte Zellen und Krebszellen
  • Aktivität von NK Zellen wird durch Interferone oder/und Zytokine gesteigert

Phagozytose

  1. Opsonierung: "würzen" Oberfläche von Fremdzellen (Viren, Bakterien etc.) werden mit Antikörpern und/oder Faktoren des Komplementsystems bedeckt. So können Fremdzellen von phagozytierenden Zellen besser erkannt werden
  2. Chemotaxis: Bewegung/Anlockung der Phagozyten durch chem. Lockstoffe/Botenstoffe von Immunzellen oder von Mikroben.
  3. Adhärenz: Anheften der Phagozyten an Mikroorgansimen
  4. Aufnahme: Mikrobium wird geschluckt/phagozytiert
  5. Verdauuen: Lysosomen (mit Enzym Lysosym) verdaut Partikel
  6. Abtöten: dies geschieht durch Verdauung, was nicht abgetötet werden kann , wind in Restkörperchen eingeschlossen (z.B. Teer in Lunge)

→ Bei Phagozytose werden nicht immer alle Fremdkörper erkannt!

Komplementsystem

  • gehört zur unspez. humoralen Abwehr
  • besteht aus über 20 Plasmaproteinen, davon 9 Komplementfaktoren C1-C9
  • diese werden in Leber als inaktive Vorstufe gebildet
  • Komplementreaktion läuft als Kettenreaktion ab
  • Komplementsystem wird bei Kontakt mit Mikroorganismen und antikörpermarkierten Antigenen aktiviert:
    • Markiert und/oder löchert Mikroorganismen (C5-C9)
    • Fördert Phagozytose → Opsonierung → aktiviert Fresszellen an den Ort der Infektion  zu kommen (Chemotaxis) (C3-C5)
    • Fördert Entzündungsreaktion → Gefässerweiterende Wirkung (C3-C5)

Zytokine

  • vom menschl. Körper produzierte regulatorische Peptide (hormonartige Botenstoffe), die der Steuerung der Immunantwort dienen
  • sie werden von Makrophagen, B-Lymphozyten, T-Lymphozyten, NK und Fibroblasten gebildet. Aber auch ovn virusinfizierten Zellen (IFN)
  • Bsp.:
    • Interleukine IL
      • Kommunikation zw. Leukozyten
      • IL 1 → Fieber
      • Stimmulieren Vermehrung von Immunzellen
    • Interferone IFN
      • fördern Produktion "antiviraler" Proteine, Schutz für noch unbefallene Zellen
      • als Arzneimittel bei MS, Krebs, Leberentzündung, schweren Viruserkrankungen
    • Tumor-Nekrose-Faktor TNF
      • wirkt direkt Zytotoxisch und führt zu Apoptose ("Selbstmord der Zelle ohne Entzündungsreaktion)

CRP Entstehung

= C-reaktives Protein (Calcium-reaktives Protein)

Akute Phase Protein:

  1. Gewebsschädigung (Entzündung, Tumor, Verletzung, Nekrose etc.)
  2. Makrophagen schütten Bottenstoffe = Mediatoren aus
  3. Leber produziert CRP → CRP wird an Blut abgegeben
  4. CRP opsoniert Pathogen ("markiert"/"würzt" → erst so wird Pathogen als körperfremd erkannt)
  5. CRP aktiviert Komplementsystem

CRP Diagnostische Bedeutung

  • unspezifischer Entzündungsparameter zur Beurteilung des Schwergrades entzündlicher Erkankrungen
  • wichtiger Indikator für Entzündungsprozesse, CRP Konzentration im Plasma steigt mit einer Verzügerung von Stunden an und fällt bei Abklingen der Entzündung ebensoschnell wieder ab
  • CRP steigt noch vor den Leukos und vo der Entstehung von Fieber
  • Reagiert v.a. auf bakterielle Infekte, bei viralen Infekten kaum erhöht

Entzündung Ablauf

  1. Noxe → Gewebsschädigung
  2. Freisetzen von Entzündungsmediatoren (Histamin, Prostaglandine etc) aus den geschädigten Gewebszellen und durch Abwehrzellen
    1. Vasodilatation → verlangsamter Blutfluss in geschädigter Region → RÖTUNG, ÜBERWÄRMUNG
    2. gesteigerte Gefässpermeabilität → Wasser, Immunzellen, Proteine und Gerinnungssubstanzen von Blutplasma in Interstitium → SCHWELLUNG 
    3. Druckansteig → Erregung der Schmerzsensoren (auch durch Prostaglandin) → SCHMERZ
  3. Bildung eines Firbinnetzes zur Abschirmung des geschädigten Gewebes, dies verhindert auch Ausbreitung der Mikroorganismen und ihrer Toxine
  4. Phagozytose und spezifische Abwehrmassnahmen
  5. Gewebserneuerung/Wundheilung → wird durch Entzündungsmediatoren eingeleitet

Was sind Mediatoren?

Welcher ist im Bezug auf Schmerz der wichtigste Mediator?

= Botenstoffe, die an einer Zelle biochemische Reaktionen auslösen. Signalstoffe, die bei Entzündungs- und Immunreaktionen gebildet und freigesetzt werden, um den Verlauf zu regulieren.

Prostaglandin → Gewebshormon, dessen Vorstufe die Arachidonsäure und Eicosapentaensäure ist, wird aus entzündetem Gewebe freigesetzt → Verstärkt / Verursacht Entzündungen, steigert die Blutgerinnung und reizt Schmerzrezeptoren → Prostaglandine lösen im Körper die notwendigen Masnahmen aus, um auf eine Verletzung zu reagieren.

Ursachen/Auslöser einer Entzündung

Gewebsschädigung durch Reize/Noxen:

  • Physikalische Reize (Druck, Hitze, Strahlungsenergie, Elektrizität, Verletzung durch scharfe und spitze Gegenstände)
  • Chemische Reize (Säure, Basen, Toxine, Enzyme, Allergene, Autoimmunreaktion)
  • Biologische Reize (Bakterien, Viren, Parasiten und deren Stoffwechselprodukte → chem./phys Reiz)
  • Fremdkörper

Ziele einer Entzündung

  • Zerstörung der Ursache, Vernichten des Erregers und Abbau dessen Abfallprodukte
  • falls Zestörung nicht möglich ist → minimieren der Schädigung, Abbau des nekrotischen Gewebes
  • (Voraussetzungen für Reparaturvorgänge "Heilung" schaffen

Die 5 Kardinalsympthome einer Entzündung

  • Rötung  (Vasodilatation → Verlangsamter Blutfluss der geschädigten Region und Hyperämisation)
  • Schwellung (gesteigerte Gefässpermeabilität, Übertritt von Wasser, Immunzellen, Proteinen, Gerinnungsfaktoren ins Gewebe)
  • Schmerz (Druckanstieg im Gewebe, Prostaglandinausschüttung → Erregung von Schmerzrezeptoren)
  • Überwärmung (Vasodilatation, gest. Gefässpermeabilität, Hyperämisation)
  • Funktionsverlust (Gewebszerstörung, Schmerzen, Schwellung)

Entstehung von Fieber

Fieber tritt v.a. in der Akutphase der Entzündung/Infektion auf

  1. Pyrogene führen zu einer Sollwerterhöhung der Körpertemperatur im Hypothalamus
  2. Fieberanstieg, Ist-Wert muss an Soll-Wert angepasst werden. Fieber entsteht, wenn die Wäremproduktion des Körpers die Wärmeabgabe übersteigt, also muss der Körper die Wärmeabgabe durch verminderte Hautdurchblutung herabsetzen → Kältegefühl, Schüttelfrost
  3. Plateauphase → Soll-Wert ist erreicht
  4. Fieberabfall, Soll-Wert sinkt wieder. Der Ist-Wert ist also nun zu hoch, es muss mehr Wärme abgegeben werden um auszugleichen → verstärkte Hautdurchblutung → Hitzegefühl und starkes Schwitzen

 

Pyrogene

Fieberverursachende Stoffe

  • Exogene Pyrogene: Viruspyrogene, Bakterielle Pyrogene und Pyrogene nicht biologischen Ursprungs wie z.B. Gummiabrieb von Injektionsflaschen. Erregerbestandteile werden durch Komplementsystem opsoniert und von Makrophagen phagozytiert
  • Endogene Pyrogene: Makrophagen schütten Zytokine (v.a. IFN) aus. Aber auch Interleukine regen z.B. Prostaglandinproduktion an, sind die PG im Gehirn → Sollwerterhöhung im Hypothalamus

Nutzen des Fiebers

  • Beweglichkeit der Immunzellen wird besser
  • Phagozytose wird schneller
  • Antikörperbildung wird schneller
  • Stoffwechselaktivität verstärkt = Heilungsprozess schneller, Bakterien werden an Vermehrung gehindert

Nachteile des Fiebers

  • der Energieumsatz des Körpers steigt an = höherer Energieverbrauch
  • Wenn Körpertemp. über 40°C → Denaturierung von Proteinen wie z.B. Enzymen
  • Lebensgefährlich

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