3 Schmerz Teil 2
Manuel
Manuel
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Cartes-fiches
Wie ist chronischer Schmerz definiert?
- Schmerzwahrnehmung dauert länger als 3-6 Monate an
- Ausmaß entspricht nicht der Gewebsschädigung
- Initiale Ursache kann inflammatorisch, muskoloskeletal (nozizeptiv), neuropathisch und/oder rein psychisch sein
- Erleben wird beeinflusst durch zentralnervöse Prozesse (Emotionen, Wahrnehmung, Lerngeschichte, Schmerzgedächtnis), äußere Reize und Kontext (noziplastisches Schmerzerleben)
Wie ist Schmerz definiert nach IASP?
- Unangenehmes Sinnes- & Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher/drohender Gewebsschädigung verbunden ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird
- Immer persönliche Erfahrung, durch biologische, psychische und soziale Faktoren beeinflusst
- Individuelles Konzept durch lebensgeschichtliche Erfahrungen
- Unfähigkeit sich mitzuteilen schließt nicht aus, dass jemand Schmerz empfindet
Welche Faktoren im BPS sind in "Biologisch" enthalten?
- Entzündungen
- Muskelverspannungen
- Vegetative Störungen
- Nerven- und Gelenksschädigungen
Welche Faktoren im BPS sind in "Psycho" enthalten?
- Hilflosigkeit
- Ängste und Sorgen
- Unterdrückter Ärger
- Niedergeschlagenheit
Welche Faktoren im BPS sind in „Sozial“ enthalten?
- Stress und Konflikte
- Arbeitsunfähigkeit
- Ausgrenzung und Rückzug
Mit welchem Bereich des Schmerzes beschäftigt sich die Psychosomatik und Psychiatrie/Psychotherapie?
- Unangenehmen Gefühlserlebnissen
- belastenden Kognitionen
- dysfunktionalem Verhalten
- der Bewertung des Schmerzes
Mit welchem Bereich des Schmerzes beschäftigt sich die Rheumatologie?
Entzündlichen Faktoren des Schmerzes
Mit welchem Bereich des Schmerzes beschäftigt sich die Orthopädie und Neurochirurgie?
- Degenerative oder strukturbedingte Krankheiten des Bewegungsapparates
- Sind gekennzeichnet durch die Leitsymptome Schmerz und gestörte Funktion
Mit welchem Bereich des Schmerzes beschäftigt sich die Neurophysiologie und Neurologie?
- Nervenweiterleitung des Schmerzes
- Verarbeitung des Schmerzes im ZNS
Mit welchem Bereich des Schmerzes beschäftigt sich die Anästhesie?
Akute Schmerzbekämpfung
Welche Untergruppen von (Schmerz-) Patienten gibt es?
- Psychisch nahezu unauffällig
- Infolge Schmerzerkrankung psychisch belastete Patient*innen ohne zusätzliche psychische (Vor-) Erkrankung
- Pat. Mit zusätzlicher Komorbidität (gehäuft bei schwierigen Heilverläufen)
- Psychische Störung mit Leitsymptom Schmerz (Einzelfälle, zu erwägen bei ungewöhnlichen/komplizierten Verläufen
Was sind Folgen unsicherer Bindung?
- Negative Repräsentation von sich und der Umwelt
- Niedriger Selbstwert
- Geringes Explorationsverhalten
- Dysfunktionale Emotionsregulation
- Externe Kontrollüberzeugungen und geringe Selbstwirksamkeitserwartungen
- --> Höheres Risiko für psychische Störungen
Wie ist Schmerz durch Kontext beeinflusst?
- Schmerz wird in unterschiedlichen Kontexten und Framing anders wahrgenommen
- Bspw. Sport vs. In Stadt angerempelt werden, die Nicht-Erwartung eines Schmerzes verstärkt diesen von Grund auf
Was sind psychiatrische Komorbiditäten bei chronischem Schmerz?
- Depressionen
- Angststörungen
- Traumafolgenstörungen
- Somatoforme Störungen
- Persönlichkeitsstörungen
- Suchterkrankungen
Was sind Hauptsymptome einer Depression?
- Gedrückte, depressive Stimmung
- Interessensverlust, Freudlosigkeit
- Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit
Was sind Zusatzsymptome einer Depression?
- Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
- Vermindertes Selbstwertgefühl & Selbstvertrauen
- Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
- Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
- Suizidgedanken/-handlungen
- Schlafstörungen
- Verminderter Appetit
Wie wird die Depression klassifiziert?
- Leicht
- Mittelgradig
- Schwer
Was tritt bei einer leichten Depression auf?
- Symptome > 2 Wochen
- 2 Hauptsymptome
- 2 Zusatzsymptome
Was tritt bei einer mittelgradigen Depression auf?
- Symptome >2 Wochen
- 2 Hauptsymptome
- 3-4 Zusatzsymptome
Was tritt bei einer schweren Depression auf?
- Symptome >2 Wochen
- 3 Hauptsymptome
- ³ 4 Zusatzsymptome
Welche Kriterien sprechen für eine Angststörung?
- Angst der Situation nicht angemessen
- Angstreaktionen treten häufiger auf und halten deutlicher an als es nötig wäre
- Ausmaß weder erklärbar, beeinflussbar noch bewältigbar
- Führt zu deutlicher Beeinträchtigung des Lebens und zu subjektivem Leiden
- Zunehmendes Vermeidungsverhalten
Was sind die häufigsten Angststörungen nach ICD-10?
- Panikstörung
- Agoraphobie mit/ohne Panikstörung (Angst vor Orten mit beengten Verhältnissen oder mit bei denen im Falle einer Panikattacke eine Flucht schwer möglich ist)
- Generalisierte Angststörung
- Soziale Phobie
- Spezifische (isolierte) Phobie
- Angst und depressive Störung, gemischt
Wie hoch liegt die Schmerzprävalenz bei Personen mit PTBS?
34-80%
Wie hoch liegt die Prävalenz von PTBS bei chronischen Schmerzpatient*innen?
10-50%
Wie ist eine PTBS definiert nach ICD-10?
- Aussetzung einem Ereignis mit außergewöhnlicher Belastung oder katastrophalem Ausmaß, die bei „fast jedem“ eine tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde
- Anhaltende Erinnerung oder intrusives Wiedererleben („flashbacks“)
- Vermeidungsverhalten
- Entweder tlw./vollständige Unfähigkeit, wichtige Aspekte der Belastung zu erinnern oder anhaltende, vorher nicht bestehende Symptome wie Schreckhaftigkeit/Hyperarousal/-vigilanz
Wann werden Schmerzen erfasst?
- Initial bei Eintritt
- Nach einer Veränderung des medizinischen Status
- Vor, während und nach einer Prozedur
Was ist das Ziel eine Schmerzanamnese?
- Erfassung Behandlungsbedarf
- Therapieeffektivität
- Schmerzverlauf
- Komplikationen (Infektionen, Hämatome,…) erkennen
Was ist das Ziel einer Schmerzerfassung?
- Objektivierung
- Nachvollziehbarkeit
- Vergleichbarkeit
- Erleichterung der Diagnosestellung
- --> Therapieplanung
Welche Gesichtspunkte des Schmerzes werden im initialen Assessment erfasst?
- Schmerzdauer
- Intensität bei Bewegung
- Intensität in Ruhe
- Lokalisation
- Qualität
- Auslösende Faktoren
- Verstärkende Faktoren
- Auswirkungen auf das Alltagsleben
Mit welchen Instrumenten kann der Schmerz erfasst werden?
- Numerische Ratingskala (NRS)
- Verbale Ratingskala (VRS)
- Visuelle Analogskala (VAS)
- Gesichter-Skalen
- Behavioural Pain Scale (BPS)
Was ist das differenzierte Assessment beim Schmerz?
- Multidimensionale Methode bestehend aus
- Initiales Assessment
- Schmerzanamnese
Welche Elemente beinflussen das Schmerzassessment?
- Vor-Verständnis (Wahrnehmung und Interpretation)
- Lebenswelt (subjektives Erleben, kontextuelles, soziales)
- Evidenz (wissenschaftliche Erkenntnisse)
- Verstehen (Erfassen der Bedeutung und des subjektiven Erlebens)
Aus welchen Aspekten besteht die Schmerzananmnese?
- Biographie
- Bisherige Schmerzerfahrungen
- Wissen über Schmerzen/Schmerzmanagement
- Bio-psycho-soziale Auswirkungen
- Angehörige
Welche Fragen kann man bei einer Schmerzanamnese stellen in Bezug auf Selbstkompetenz, Erwartungen und Ängste?
- Wer ist diese Person?
- Was sind ihre Stressoren/Ängste?
- Wie interferiert der Schmerz mit dem Leben?
- Welche Haupteinflussfaktoren gibt es?
- Was tut die Person zur Beeinflussung?
- Was möchte/erhofft die Person von uns?
Exkurs: Wann sollte man ein MRT oder CT machen?
Wenn der Schmerz sich verändert, nicht wenn er „nur“ an Intensität zu- und abnimmt