Manuel

Diese Lernkarten beleuchten die komplexen Zusammenhänge zwischen chronischem Schmerz, psychischen Faktoren wie Depressionen und Angststörungen sowie dem bio-psycho-sozialen Modell. Im Fokus stehen Schmerzanamnese, Assessment-Methoden und die Rolle von Kontext und Komorbiditäten. Besonders relevant ist die Unterscheidung zwischen akuten und chronischen Schmerzen sowie die interdisziplinäre Betrachtung aus medizinischer, psychologischer und sozialer Perspektive. Ideal für Mediziner, Psychologen und Therapeuten, die ihre Diagnose- und Therapieansätze bei Schmerzpatienten erweitern möchten.
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Langue
Allemand
Catégorie
Médecine
Niveau
Autres
Créé / Mis à jour
17.08.2026 / 12.09.2026

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Wie ist chronischer Schmerz definiert?

  • Schmerzwahrnehmung dauert länger als 3-6 Monate an
  • Ausmaß entspricht nicht der Gewebsschädigung
  • Initiale Ursache kann inflammatorisch, muskoloskeletal (nozizeptiv), neuropathisch und/oder rein psychisch sein
  • Erleben wird beeinflusst durch zentralnervöse Prozesse (Emotionen, Wahrnehmung, Lerngeschichte, Schmerzgedächtnis), äußere Reize und Kontext (noziplastisches Schmerzerleben)

Wie ist Schmerz definiert nach IASP?

  • Unangenehmes Sinnes- & Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher/drohender Gewebsschädigung verbunden ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird
  • Immer persönliche Erfahrung, durch biologische, psychische und soziale Faktoren beeinflusst
  • Individuelles Konzept durch lebensgeschichtliche Erfahrungen
  • Unfähigkeit sich mitzuteilen schließt nicht aus, dass jemand Schmerz empfindet

Welche Faktoren im BPS sind in "Biologisch" enthalten?

  • Entzündungen
  • Muskelverspannungen
  • Vegetative Störungen
  • Nerven- und Gelenksschädigungen

Welche Faktoren im BPS sind in "Psycho" enthalten?

  • Hilflosigkeit
  • Ängste und Sorgen
  • Unterdrückter Ärger
  • Niedergeschlagenheit

Welche Faktoren im BPS sind in „Sozial“ enthalten?

  • Stress und Konflikte
  • Arbeitsunfähigkeit
  • Ausgrenzung und Rückzug

Mit welchem Bereich des Schmerzes beschäftigt sich die Psychosomatik und Psychiatrie/Psychotherapie?

  • Unangenehmen Gefühlserlebnissen
  • belastenden Kognitionen
  • dysfunktionalem Verhalten
  • der Bewertung des Schmerzes

Mit welchem Bereich des Schmerzes beschäftigt sich die Rheumatologie?

Entzündlichen Faktoren des Schmerzes

Mit welchem Bereich des Schmerzes beschäftigt sich die Orthopädie und Neurochirurgie?

  • Degenerative oder strukturbedingte Krankheiten des Bewegungsapparates
  • Sind gekennzeichnet durch die Leitsymptome Schmerz und gestörte Funktion

Mit welchem Bereich des Schmerzes beschäftigt sich die Neurophysiologie und Neurologie?

  • Nervenweiterleitung des Schmerzes
  • Verarbeitung des Schmerzes im ZNS

Mit welchem Bereich des Schmerzes beschäftigt sich die Anästhesie?

Akute Schmerzbekämpfung

Welche Untergruppen von (Schmerz-) Patienten gibt es?

  • Psychisch nahezu unauffällig
  • Infolge Schmerzerkrankung psychisch belastete Patient*innen ohne zusätzliche psychische (Vor-) Erkrankung
  • Pat. Mit zusätzlicher Komorbidität (gehäuft bei schwierigen Heilverläufen)
  • Psychische Störung mit Leitsymptom Schmerz (Einzelfälle, zu erwägen bei ungewöhnlichen/komplizierten Verläufen

Was sind Folgen unsicherer Bindung?

  • Negative Repräsentation von sich und der Umwelt
  • Niedriger Selbstwert
  • Geringes Explorationsverhalten
  • Dysfunktionale Emotionsregulation
  • Externe Kontrollüberzeugungen und geringe Selbstwirksamkeitserwartungen
  • --> Höheres Risiko für psychische Störungen

Wie ist Schmerz durch Kontext beeinflusst?

  • Schmerz wird in unterschiedlichen Kontexten und Framing anders wahrgenommen
  • Bspw. Sport vs. In Stadt angerempelt werden, die Nicht-Erwartung eines Schmerzes verstärkt diesen von Grund auf

Was sind psychiatrische Komorbiditäten bei chronischem Schmerz?

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Traumafolgenstörungen
  • Somatoforme Störungen
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Suchterkrankungen

Was sind Hauptsymptome einer Depression?

  • Gedrückte, depressive Stimmung
  • Interessensverlust, Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit

Was sind Zusatzsymptome einer Depression?       

  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl & Selbstvertrauen
  • Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
  • Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Suizidgedanken/-handlungen
  • Schlafstörungen
  • Verminderter Appetit

Wie wird die Depression klassifiziert?

  • Leicht
  • Mittelgradig
  • Schwer

Was tritt bei einer leichten Depression auf?

  • Symptome > 2 Wochen
  • 2 Hauptsymptome
  • 2 Zusatzsymptome

Was tritt bei einer mittelgradigen Depression auf?

  • Symptome >2 Wochen
  • 2 Hauptsymptome
  • 3-4 Zusatzsymptome

Was tritt bei einer schweren Depression auf?

  • Symptome >2 Wochen
  • 3 Hauptsymptome
  • ³ 4 Zusatzsymptome

Welche Kriterien sprechen für eine Angststörung?

  • Angst der Situation nicht angemessen
  • Angstreaktionen treten häufiger auf und halten deutlicher an als es nötig wäre
  • Ausmaß weder erklärbar, beeinflussbar noch bewältigbar
  • Führt zu deutlicher Beeinträchtigung des Lebens und zu subjektivem Leiden
  • Zunehmendes Vermeidungsverhalten

Was sind die häufigsten Angststörungen nach ICD-10?

  • Panikstörung
  • Agoraphobie mit/ohne Panikstörung (Angst vor Orten mit beengten Verhältnissen oder mit bei denen im Falle einer Panikattacke eine Flucht schwer möglich ist)
  • Generalisierte Angststörung
  • Soziale Phobie
  • Spezifische (isolierte) Phobie
  • Angst und depressive Störung, gemischt

Wie hoch liegt die Schmerzprävalenz bei Personen mit PTBS?

34-80%

Wie hoch liegt die Prävalenz von PTBS bei chronischen Schmerzpatient*innen?

10-50%

Wie ist eine PTBS definiert nach ICD-10?

  • Aussetzung einem Ereignis mit außergewöhnlicher Belastung oder katastrophalem Ausmaß, die bei „fast jedem“ eine tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde
  • Anhaltende Erinnerung oder intrusives Wiedererleben („flashbacks“)
  • Vermeidungsverhalten
  • Entweder tlw./vollständige Unfähigkeit, wichtige Aspekte der Belastung zu erinnern oder anhaltende, vorher nicht bestehende Symptome wie Schreckhaftigkeit/Hyperarousal/-vigilanz

Wann werden Schmerzen erfasst?

  • Initial bei Eintritt
  • Nach einer Veränderung des medizinischen Status
  • Vor, während und nach einer Prozedur

Was ist das Ziel eine Schmerzanamnese?

  • Erfassung Behandlungsbedarf
  • Therapieeffektivität
  • Schmerzverlauf
  • Komplikationen (Infektionen, Hämatome,…) erkennen

Was ist das Ziel einer Schmerzerfassung?

  • Objektivierung
  • Nachvollziehbarkeit
  • Vergleichbarkeit
  • Erleichterung der Diagnosestellung
  • --> Therapieplanung

Welche Gesichtspunkte des Schmerzes werden im initialen Assessment erfasst?

  • Schmerzdauer
  • Intensität bei Bewegung
  • Intensität in Ruhe
  • Lokalisation
  • Qualität
  • Auslösende Faktoren
  • Verstärkende Faktoren
  • Auswirkungen auf das Alltagsleben

Mit welchen Instrumenten kann der Schmerz erfasst werden?

  • Numerische Ratingskala (NRS)
  • Verbale Ratingskala (VRS)
  • Visuelle Analogskala (VAS)
  • Gesichter-Skalen
  • Behavioural Pain Scale (BPS)

Was ist das differenzierte Assessment beim Schmerz?

  • Multidimensionale Methode bestehend aus
    • Initiales Assessment
    • Schmerzanamnese

Welche Elemente beinflussen das Schmerzassessment?

  • Vor-Verständnis (Wahrnehmung und Interpretation)
  • Lebenswelt (subjektives Erleben, kontextuelles, soziales)
  • Evidenz (wissenschaftliche Erkenntnisse)
  • Verstehen (Erfassen der Bedeutung und des subjektiven Erlebens)

Aus welchen Aspekten besteht die Schmerzananmnese?

  • Biographie
  • Bisherige Schmerzerfahrungen
  • Wissen über Schmerzen/Schmerzmanagement
  • Bio-psycho-soziale Auswirkungen
  • Angehörige

Welche Fragen kann man bei einer Schmerzanamnese stellen in Bezug auf Selbstkompetenz, Erwartungen und Ängste?

  • Wer ist diese Person?
  • Was sind ihre Stressoren/Ängste?
  • Wie interferiert der Schmerz mit dem Leben?
  • Welche Haupteinflussfaktoren gibt es?
  • Was tut die Person zur Beeinflussung?
  • Was möchte/erhofft die Person von uns?

Exkurs: Wann sollte man ein MRT oder CT machen?

Wenn der Schmerz sich verändert, nicht wenn er „nur“ an Intensität zu- und abnimmt

Étudier