Juristische Methodik
2. Semester
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Cartes-fiches
Nennen Sie Beispiele für Körperschaften im öffentlichen Recht.
- Bund
- Kantone
- Gemeinden
Nennen Sie Beispiele für Anstalten im öffentlichen Recht.
- ZHAW
- SUVA
Wie kann ein Rechtsverhältnis entstehen? Und was bedeutet dies?
- aufgrund Gesetz
- aufgrund Rechtsgeschäft
Ein Rechtsverhältnis zeigt auf, wie die Rechte zwischen Personen geregelt sind.
Aus welchen Elementen besteht ein Rechtsverhältnis?
Eine Berechtigung auf der einen Seite und eine Verpflichtung auf der anderen Seite
Worin kann die Leistung in einem Rechtsverhältnis bestehen?
- Dulden
- Tun
- Unterlassen
Inwiefern begründet das Eigentum an einer Sache ein Rechtsverhältnis?
Der Eigentümer hat eine bestimmte Rechtsposition gegenüber anderen Personen und darf darüber verfügen.
Was unterscheidet die beiden Arten der Entstehung von Rechtsverhältnissen?
- Beim Rechtsgeschäft besteht aus mindesten einer privaten Willensäusserung. (welche auch stillschweigend erfolgen kann)
- Bei Gesetz ist es unabhängig des Willens
Nennen Sie Beispiele für beide Arten von Entstehung der Rechtsverhältnissen.
- Von gesetzes wegen entsteht mit der Geburt eines Kindes ein Rechtsverhältnis zwischen Eltern und Kind.
- Aufgrund eines Rechtsgeschäfts entsteht ein Rechtsverhältnis durch einen geschlossenen Vertrag.
Aus welchen Tatbestandselementen besteht ein Rechtsgeschäft?
Willensäusserung von mindestens einer Person
Gelten für Rechtsgeschäfte Formvorschriften?
Wenn im Gesetz nichts vermerkt ist, gibt es keine.
Was sind einseitige Rechtsgeschäfte? Was zweiseitige? Was mehrseitige?
- Einseitige -> nur eine Partei gibt eine Leistung -> eine Willensäusserung
- zweiseitige -> beide Parteien müssen eine Leistung erbringen -> zwei Willensäusserungen
- mehrseitige -> mehrere Parteien müssen Leistungen erbringen -> mehrere Willensäusserung
Nennen Sie Beispiele von einseitigen Rechtsgeschäften.
- Testament
- Vollmacht
- Errichtung einer Stiftung
- Ausübung von Gestaltungsrechte, wie Annahme einer Offerte, Kündigungen und Rücktritt
Nennen Sie Beispiele für mehrseitige Rechtsgeschäfte.
- Gründung einer Gesellschaft
- Beschlüsse der Mitglieder einer Körperschaft
- div. andere Verträge in welchen mehr als zwei Personen beteiligt sind
Was ist ein einseitiger Vertrag? Was ein zweiseitiger?
Bei einem einseitigen Vertrag wird nur eine Partei verpflichtet, die andere dagegen nur berechtigt.
Bei einem zweistigen Vertrag haben beide Parteien sowohl Pflichten als auch Rechte.
Was ist der Unterschied zwischen Rechtsgeschäften unter Lebenden und von Todes wegen?
- Rechtsgeschäfte unter Lebenden sind dazu bestimmt, zu Lebzeiten der Beteiligten Wirkung zu entfalten.
- Rechtsgeschäfte des Todes wegen gestalten die Nachfolge in eine Erbschaft, sind also dazu bestimmt, auf den Zeitpunkt des Todes einer Partei Wirkung zu entfalten
-> Zeitpunkt, ab wann es gelten soll!
Was ist ein Verpflichtungsgeschäft? Ein Verfügungsgeschäft? Ein Grundgeschäft?
- Verpflichtungsgeschäft: begründen Verpflichtungen und sind somit Schuldverhlätnisse
- Verträge, sind in der Regel zweiseitige Rechtsgeschäfte
- Verfügungsgeschäft: Übergabe des Eigentums -> Änden unmittelbar und endgültig den Bestand oder Inhalt eines Rechts
- Bedarf der Verfügungsmacht
- Bsp.: Erlassvertrag, Forderung wird aufgeboen
- Grundgeschäft: Wenn einem Verfügungsgeschäft ein Verpflichtungsgeschäft (als Grundgeschäft voraus geht.
Bsp.: Detailist und Kunde schliessen einen Kaufvertrag (Verpflichtungsgeschäft) über ein Kilo Tomaten, der sofort durch zwei Verfügungsgeschäfte - Übergabe der Tomaten und Bezahlung des Kaufpreises - vollzogen wird.
Was ist ein Handgeschäft?
Wenn man in einen Laden geht Bsp.: Coop und kann die Produkte gleich auf das Band legen und mitnehmen.
Ist eine amtliche Handlung ein Rechtsgeschäft?
Rechtsgeschäfte sind von amtlichen Handlungen (insbesondere Verfügungen von Behörden) abzugrenzen. Im Gegensatz zum Rechtsgeschäft, darf eine amtliche Handlung nicht aus freien Stücken, sondern nur auf gesetzlicher Grundlage erfolgen (Legalitätsprinzip).
Bsp.: Frau Meier kann das Grundstück X kaufen wenn sie möchte. Die Stadt Zürich darf dieses Grundstück X nur kaufen, wenn eine gesetzliche Grundlage dafür besteht.
Was ist ein "Gemeines Recht"? Was ist ein Partikularrecht?
- Gemein Recht = common law = das traditionell entstandene Gewohnheitsrecht, dass auf Präjudizien (Gerichtsentscheiden) beruht
- Partikularrecht = Territorialrecht, von Region zu Region
Was sind das "Allgemeine Recht"? Was ist das "Sonderrecht"?
Allgemeines Recht gilt für jedermann, Sonderrecht nur für bestimmte Personenkreise, etwa für Ausländer, kaufmännische Unternehmen, Militärpersonen, Jugendliche.
Was ist das "Regelrecht"? Was ist das "Ausnahmerecht"?
Regelrecht ist das ordentliche, im normalen Gesetzgebungsverfahren geschaffene Recht.
Ausnahmerecht dagegen solches, welches bei hoher zeitlicher Dringlichkeit zu einem vereinfachten Verfahren führt.
X, Wirtschaftsstudent meint zu Y, Jus-Student, dass es gar keine Juristen brauche, da man zur Lösung einer Rechtsfrage ja einfach in das Gesetz schauen könne. Was antworten Sie ihm? Begründen Sie Ihre Antwort!
Das Gesetz ist auslegebedürftig.
Es gibt Gesetze die nicht niedergeschrieben sind Bsp.: Gewohnheitsrecht, Culpa in Contrahendo, Persönlichefreiheit usw.
Nennen Sie mindestens drei generell-abstrakte Gesetzesnormen, und begründen und erklären Sie i) den Begriff generell-abstrakt und ii) Ihre Wahl der Gesetzesnormen!
i) Generell-abstrakt -> für eine Vielzahl Personen und Anwendungen
ii) Rechtsstaat hat viele Normen zum Erlassen von Gesetzen. Gegenteil währe eine Diktatur, wo nur einer bestimmt -> StGB, ZGB als Kodifikationen (Gesetze die einen weiten Bereich umfassend und abschliessend regeln. Gegenteil zur Kodifikationen sind Spezialgesetze Bsp.: KVVG)
Der Bundesrat möchte mittels Verordnung einführen, dass alle Arbeitgeber, die ausländische Ar- beitnehmer einstellen, höhere Beiträge an die AHV leisten müssen. Sehen Sie hier formell rechtliche Probleme? Begründen Sie Ihre Antwort!
Normen die Rechten und Pflichten auferlegen wollen gehören in ein Gesetz.
Hierarchiestufe von Verordnung ist nicht so hoch, um solche Entscheide zu erlassen.
Eine allgemeine Bestimmung eines Bundesgesetzes und eine Spezialbestimmung der BV wider- sprechen sich. In einem Verfahren vor Bundesgericht ist strittig, welche Bestimmung anzuwenden ist. Wie geht das Bundesgericht in solchen Fällen vor? Welche Bestimmung wird angewendet? Begründen Sie Ihre Antwort!
4. Allgemeine Bestimmung
3. Spezialbestimmung
2. Bundesgesetze
1. Bundesverfassung
Spezialbestimmung: spezieller Normen geht der Allgemeinen Bestimmung vor.
Bundesverfassung geht den Bundesgesetzen vor.
Art. 190 BV ist eine Ausnahme!
Bundesgericht muss die allgemeine Bundesgesetze anwenden.
Eine Verordnung des Bundesrates enthält eine Bestimmung, deren Verfassungsmässigkeit fraglich ist. Darf das Bundesgericht die Verordnungsbestimmung auf ihre Verfassungsmässigkeit hin überprüfen und sie allenfalls nicht anwenden? Begründen Sie Ihre Antwort.
Verordnungen sind überprüfbar.
Wenn diese gegen Verfassungen verstossen, muss man sie nicht anwenden.
Welche rechtlichen Regelwerke können auf ihre Vereinbarkeit mit der Verfassung überprüft werden und welche nicht? Begründen Sie Ihre Antwort!
Kantonale Gesetze und Verordnungen können überprüft werden.
Kantonale Verfassungen in Ausnahmefällen auch.
Bundesverordnungen sind überprüfbar.
Bundesgesetze und Verfassungen sind nicht überprüfbar.
Ein neues Bundesgesetz enthält eine Bestimmung, wonach Personen, die öffentliche Sportanlässe besuchen, Abgaben zur Finanzierung der Sicherheitskosten leisten müssen. Ist dies zulässig? Darf das Bundesgericht die Frage überprüfen? Begründen Sie Ihre Antwort!
Rechtsnorm ist viel zu ungenau bestimmt.
Was geht alles unter Sportanlässe?
Das neue Bundesgesetz ist nicht zulässig.
Was sind die Vor- und Nachteile der dringlichen Erklärung von Bundesgesetzen? Begründen Sie Ihre Antwort!
dringliche Bundesgesetze: sind Gesetze die nicht den normalen Gesetzgebungsprozess durchlaufen. Gesetz ist dringend und soll schnell erlassen werden.
Nachteile: demokratisch nicht legitim, verstossen gegen Rechtsstaat, d.h.
sollen befristet werden.
Vorteile: es ist einfacher und schneller
Gesetz A widerspricht Gesetz B. Gesetz A ist neuer, das Gesetz B enthält aber die speziellere Regelung. Wie geht das Bundesgericht vor, wenn es entscheiden muss, welche Bestimmung an- wendbar ist? Wie lauten die allgemeinen Regeln die anzuwenden sind, wenn sich zwei Gesetze widersprechen?
2 Regeln:
- Das neuere Gesetz geht im Regelfall vor.
- Spezialegesetz geht dem Allgemeinen vor.
-> Bundesgericht muss den Fall auslegen und entscheiden.
Im Kanton X hält die Kantonsverfassung fest, dass auf öffentlichen Plätzen keine Pflicht besteht, Hunde an die Leine zu nehmen. Im selben Kanton findet sich eine Gesetzesbestimmung, wonach Hunde gewisser Rassen immer an der Leine geführt werden müssen. Albert meint, die Hunde dieser Rassen müssten aufgrund von Art. 190 BV trotzdem auf öffentlichen Plätzen an die Leine genommen werden. Wie meint Albert das? Wie ist seine Aussage zu beurteilen? Begründen Sie Ihre Antwort!
Art. 190 BV gilt nicht für Kantonale Gesetzte.
Kantonsverfassung geht dem Kantonsgesetz vor.
Dürfen die Schweizer Kantone in ihren Kantonsverfassungen vorsehen, dass gegen Änderungen kantonaler Gesetze kein Referendum möglich ist? Begründen Sie Ihre Antwort!
Grundsätzlich darf man das.
Mindestanforderungen der Kantonsverfassung stehen in Art. 51 BV. -> man muss sie revidieren können.
Die BV führt für ein bestimmtes Gebiet eine neue Bundeskompetenz ein, der Bund hat jedoch noch kein Gesetz erlassen. Gilt ein altes kantonales Gesetz, welches Regelungen zu diesem Gebiet enthält noch? Wie sieht die Kompetenzaufteilung zwischen Bund und Kantonen allgemein aus? Begründen Sie Ihre Antwort!
Bis der Bund ein neues Gesetz erlassen hat, gilt noch das alte Gesetz.
Es gibt verschiedene Kompetenzaufteilungen: Bund, Kantone, Gemeinden.
Wer ist in der Schweiz zum Erlass von Gesetzen zuständig? Wer hilft dabei? Wer gibt den Anstoss für ein neues Gesetz?
Die Exekutive hilft bei der Durchsetzung.
Das Parlament ist Gesetzgeber.
Anstoss für neues Gesetz gibt der Bundesrat, Parlament oder Kantone.
Inwiefern unterscheidet sich das IPRG (Bundesgesetz für das internationale Privatrecht) bedeutend von anderen Schweizerischen Gesetzen? Welche Fragen regelt das IPRG? Ist das IPRG ein Spezialgesetz oder eine Kodifikation? Was ist der Unterschied? Begründen Sie Ihre Antwort!
IPRG (Internationales Privatrecht) -> enthält Regeln, welches Recht wann anwendbar ist.
Kodifikation -> verschiedene Bereiche wie Sachenrecht, Persönlichkeitsrecht usw.
Spezialgesetz Bsp.: nur Kaufverträge
Das schweizerische IPRG ist grundsätzlich abschliessend geregelt und versteht sich somit als Kodifikation.
Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen öffentlichem Recht und Privatrecht? Nennen je zwei öffentlich-rechtliche und zwei privatrechtliche Erlasse!
öffentliches Recht gilt zwischen Staat und Privatpersonen
Privatrecht gilt zwischen Privatpersonen
öffentlich-rechtliche Erlasse -> Steuergesetz, Sozialhilfe
privatrechtliche Erlasse -> ZGB, OR
Welche Funktionen hat die Abgrenzung zwischen öffentlichem Recht und Privatrecht?
Die Abgrenzung zwischen öffentlichem und Privatrecht hat unterschiedliche Funktionen:
- Zuständigkeit der Rechtssetzung
- anwendbare Rechtsnorm
- Zuständigkeit der Rechtsmittel
- Rechtsdurchsetzung
Beschreiben Sie – unter Verwendung der Fachbegriffe – die Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland bezüglich Geltung des Völkerrechts! Können Personen in der Schweiz sich vor Gericht immer unmittelbar auf eine Norm des Völkerrechts berufen, um Rechte daraus abzuleiten? Begründen Sie Ihre Antwort!
- monistischen System: In der Schweiz gelten die völkerrechtlichen Regeln automatisch auch innerstaatlich. Staatsverträge müssen nicht zuerst in Bundesgesetze transformiert werden.
- dualistische System: In Deutschland und Grossbritanien wird verlangt, dass völkerrechtliche Regeln in das innerstaatliche Recht übernommen werden, damit sie verbindlich werden.
Nehmen Sie an, die Schweiz hätte mit dem Land Y eine Vereinbarung über den freien Personen- verkehr geschlossen. Nun sieht aber ein Bundesgesetz vor, dass Personen aus Y, die arbeitslos sind, nicht ohne Bewilligung in die Schweiz einreisen dürfen. Nach welchen Kriterien beurteilt sich, welche Regelung der anderen vorgeht? Begründen Sie Ihre Antwort!
Ein zeitlich später in kraft getretene Staatsvertrag geht dem früher erlassenen Bundesgesetz vor.
Ausnahme:
Jüngere Bundesgesetze gehen dann vor, wenn man bewusst dem Staatsvertrag abweichen möchte.
Muss das Bundesgericht aufgrund von Art. 190 BV auch EMRK-widrige Bundesgesetze anwenden? Begründen Sie Ihre Antwort!
Das Völkerrecht geht dem Bundesgesetz vor.
EMRK enthalten Menschenrechtsregelungen die immer anwendbar sind.