Human Factors Grundlagen

Prüfungsvorbereitung

Prüfungsvorbereitung


P. R.
Diese Lernkarten vermitteln Grundlagen der Human Factors mit Fokus auf Informationsverarbeitung, Aufmerksamkeit und Automatisierung im technischen Umfeld. Sie erklären Modelle wie das SEEV- oder das Stufenmodell der Informationsverarbeitung, analysieren menschliche Wahrnehmung, Entscheidungsprozesse und Fehlerquellen sowie Prinzipien für nutzerfreundliche Systemgestaltung. Studierende und Praktiker profitieren davon, da sie fundierte Einblicke in die Interaktion zwischen Mensch, Technik und Aufgabenkontext erhalten.
Karten
179
Lernende
1
Sprache
Deutsch
Kategorie
Psychologie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
21.07.2026 / 23.07.2026

Lernkarten

System-Verstärkung (Gain) Welcher „Gain“ (Verstärkungsfaktor) ist für die meisten Systeme der beste Kompromiss aus Bedienaufwand und Genauigkeit?

Ein mittlerer Wert (middle-gain systems)

Welches Problem tritt bei egozentrischen 3D-Ansichten (Immersed View) oft auf?

Der Keyhole View – man sieht fast nur, was vorne ist; Seiten und Rückraum werden ausgeblendet, was zu Tunneling führen kann.

Wie nennt man das prozedurale Wissen, das beschreibt, wie man von einem Ort zum anderen gelangt (z. B. „An der Kirche rechts“)?

Route knowledge

Systemwertigkeit (Tracking) Welche Art der Systemsteuerung (System Order) verursacht laut Vorlesung den höchsten mentalen Workload?

Systeme höherer Ordnung, die auf Beschleunigung basieren oder komplexere Reaktionen zeigen.

YAH-Maps (Anwendung) Was ist das entscheidende Merkmal einer guten „You-Are-Here“-Karte im öffentlichen Raum?

Sie muss so ausgerichtet sein, dass sie mit der Blickrichtung des Betrachters übereinstimmt, um Mentale Rotation zu vermeiden.

Welche Methoden gibt es, um personengebundene und situationsgebundene Störvariablen zu kontrollieren?

Personen: Randomisieren, Parallelisieren.

Situation: Konstant halten, Eliminieren, Randomisieren, Balancieren

Geschichte der Human Factors (Meilensteine) Welche zwei historischen Phasen waren die größten Wendepunkte für die Entwicklung von HF?

 

1. Weltkriege (Bedarf an Personalzuordnung & Aviation-Technik).

2. Technisierung/Digitalisierung (ab 60er/70er: HCI & Straßensicherheit).

Nenne die 7 spezifischen Maße für die Effektivität (Genauigkeit/Vollständigkeit) einer Interaktion.

1. Aufgabenerfüllung (binär), 2. Fehlerrate, 3. Räumliche Genauigkeit, 4. Präzision, 5. Erinnerungsleistung, 6. Vollständigkeit, 7. Qualität des Ergebnisses (Verständnis).

Welche vier Ansätze werden in der Vorlesung genannt, um die statistische Analyse über den reinen p-Wert hinaus zu verbessern?

1. Power erhöhen, 2. Framing (einseitiges Testen/Vergleiche), 3. Effektgrößen/Konfidenzintervalle statt NHST, 4. Bayes-Statistik.

Welche zwei Arten der Modellierung menschlicher Prozesse werden unterschieden?

  1. Analytische Formeln (einfach, z. B. Fitts’ Law).
  2. Diskrete Event Simulation (DES) (simuliert Abläufe, z. B. SEEV).

Die Evidenzvariable X (Modell) Was beschreibt die Evidenzvariable X im Detektionsprozess und wie entsteht sie?

Sie beschreibt die neuronale Aktivität. Diese ist durch Spontanaktivität (Rauschen) immer vorhanden und steigt an, wenn ein Signal dazukommt.

Determinanten von Beta (Logik) Von welchen zwei Hauptfaktoren hängt die Berechnung des optimalen Antwortkriteriums (βopt) ab?

1. Den Wahrscheinlichkeiten für Signal und Rauschen, 2. Dem Verhältnis von Nutzen und Kosten (Payoffs) der Konsequenzen.

Welche zwei psychologischen Gründe führen dazu, dass Menschen sich oft weniger extrem (konservativer/liberaler) verhalten, als sie sollten?

1. Wunsch nach Abwechslung (nicht zu oft JA/NEIN hintereinander), 2. Fehleinschätzung (Überschätzung) sehr geringer Wahrscheinlichkeiten.

Wie wird der Informationsverlust (Hloss) bei Absoluturteilen definiert?

Hloss=Hs (Information im Stimulus) minus Ht (tatsächlich übertragene Information).

Nenne die drei Arten, wie Reizdimensionen bei Absoluturteilen kombiniert sein können.

 

Orthogonal (unkorreliert, z. B. Haarfarbe & Größe).

Korreliert (redundant, z. B. Farbe & Position bei Ampel).

Konfiguriert (bilden neue Gestalt, z. B. Höhe & Breite bilden Fläche).

 

Welche zwei Arten der Aufmerksamkeit werden unterschieden und wie ist ihre Verarbeitungsweise?

  1. Selektive Aufmerksamkeit: seriell (Herausfiltern von Informationen).
  2. Geteilte Aufmerksamkeit: parallel oder schnelles Switching (Multitasking).

Nenne die vier Faktoren, von denen die Größe des „Useful Field of View“ (UFOV) abhängt.

1. Informationsdichte, 2. Unterscheidbarkeit (Signal/Rauschen), 3. Lebensalter, 4. Übung/Training.

Nenne alle vier Arten von Clutter, die die visuelle Suche behindern können.

1. Numerosity (Anzahl), 2. Proximity/Readout (räumliche Nähe), 3. Disorganizational (Unstrukturierung), 4. Heterogeneous (Hintergrund-Vielfalt).

Von welchen drei Bedingungen hängt es ab, wie wahrscheinlich eine Person den „Gorilla“ (unerwartetes Ereignis) sieht?

1. Aufgabenschwierigkeit/Expertise, 2. Arbeitsgedächtniskapazität, 3. Visuelle Ähnlichkeit zwischen Signal und Gorilla.

Welche zwei fundamentalen Theorienarten dominieren die Forschung zur visuellen Aufmerksamkeit?

  1. Räumliche Theorien (A. ist an einen Ort gebunden, „Spotlight“).
  2. Objektbasierte Theorien (A. ist an Merkmale gebunden, die zu einem Objekt gehören).

Welche drei Ebenen des menschlichen Verhaltens unterscheidet das Rasmussen-Modell?

Fähigkeitsbasiert (Skill-based), Regelbasiert (Rule-based) und Wissensbasiert (Knowledge-based)

Sortiere die sensorischen Modalitäten nach ihrer typischen Verarbeitungsgeschwindigkeit (Rt) von schnell nach langsam.

1. Taktil (~90ms), 2. Auditiv (100-120ms), 3. Visuell (130-170ms)

Das Hick-Hyman-Gesetz (Logik) Was passiert laut diesem Gesetz mit der Wahlreaktionszeit (CRT), wenn die Anzahl der Wahlmöglichkeiten steigt?

Die CRT steigt mit zunehmender Entscheidungskomplexität (Informationsgehalt) an

Speed-Accuracy Trade-off (Definition) Was beschreibt die SAOC-Kurve im Kontext der Handlungsauswahl?

Den funktionalen Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Genauigkeit (schnelleres Handeln führt meist zu mehr Fehlern).

Was ist der Unterschied zwischen statischer und dynamischer Stimulus-Response (S-R) Kompatibilität?

Statisch bezieht sich auf die feste Anordnung von Kontrollen (Ort), dynamisch auf die Übereinstimmung der Bewegungsrichtungen.

Unterscheide einen „Mistake“ von einem „Slip“

Mistake = Denk-/Planungsfehler (falsche Absicht); Slip = Ausführungsfehler (richtige Absicht, aber falsche Handlung)

Was ist ein „Mode Error“?

Eine Handlung, die in der Annahme eines falschen Systemzustands ausgeführt wird (z. B. Beschleunigen im falschen Gang)

Was versteht man unter einer „Affordanz“ (Aufforderungscharakter)?

Eigenschaften eines Objekts, die direkt verdeutlichen, wie es zu bedienen ist (z. B. ein Knopf zum Drücken)

Nenne zwei HF-Maßnahmen, um die negativen Effekte menschlicher Fehler einzugrenzen.

Sichtbarkeit von Feedback und die Reversibilität von Handlungen (z. B. Undo-Button oder Papierkorb).

Warum ist „Knowledge in the World“ für das Design oft besser als „Knowledge in the head“?

Weil Informationen direkt in der Umwelt verfügbar sind und das Gedächtnis entlasten (z. B. Beschriftungen statt Auswendiglernen)

Wie verändert sich die einfache Reaktionszeit (SRT) bei steigender Stimulusintensität?

Die SRT wird kleiner (die Reaktion erfolgt schneller)

as unterscheidet einen „Error of Commission“ von einem „Error of Omission“?

Commission = Falsche Handlung ausgeführt; Omission = Notwendige Handlung wurde vergessen/ausgelassen.

Warrick Principle (Modell-Inhalt) Welche Regel gilt laut diesem Prinzip für die Gestaltung von Displays und Kontrollen?

Ein Kontrollelement sollte sich in die gleiche Richtung bewegen wie das ihm am nächsten liegende Element im Display.

Welche Art der Warnung wurde in Studien zur Fahrzeugautomatisierung gegenüber reinen Tönen bevorzugt?

Eine sprachbasierte (verbale) Warnung wurde gegenüber abstrakten Tönen bevorzugt.

Nenne drei Faktoren des Menschen (Operateurs), die die Reaktionszeit verlängern können.

Steigendes Alter, Müdigkeit und Alkohol.

Wie wird eine Entscheidung aus der Perspektive der Informationsverarbeitung definiert?

Als ein Mapping von vielen Informationen zu einer einzelnen Antwort

Welche drei grundlegenden Eigenschaften kennzeichnen eine Entscheidungssituation?

1. Grad der Ungewissheit (Risiko), 2. Zeit (Druck/Dauer), 3. Expertise des Entscheiders.

Situationsbewusstsein (Modell) Nenne die drei Ebenen des Situationsbewusstseins nach Endsley (1995), die das „Front-End“ der Entscheidung bilden.

1. Wahrnehmung (Perception), 2. Verstehen (Comprehension), 3. Vorhersage (Projection).

MAUT vs. SEU (Zuordnung) Welches normative Modell nutzt man für Entscheidungen unter Sicherheit und welches für Entscheidungen unter Unsicherheit?

Sicherheit = MAUT (Multi Attribute Utility Theory); Unsicherheit = SEU (Subjective Expected Utility).

Heuristiken im Alltag (Definition) Unterscheide kurz die „Satisficing-Regel“ von „Elimination-by-Aspects“ (EbA).

Satisficing = Wahl der ersten Option, die „gut genug“ ist; EbA = Ausschluss von Optionen anhand des wichtigsten Attributs, bis nur eine übrig bleibt

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