Human Factors Grundlagen
Prüfungsvorbereitung
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Flashcards
Prospect Theory (Modell-Inhalt) Was besagt die „Verlustaversion“ (loss aversion) über unser Erleben von Gewinnen und Verlusten?
Ein Verlust wird subjektiv deutlich stärker (schmerzhafter) bewertet als ein Gewinn in gleicher Höhe.
Framing-Effekt (Logik) Wie verändert sich das Risikoverhalten, wenn eine Entscheidung negativ (als Verlust) statt positiv (als Gewinn) geframed wird?
Bei Gewinnen handeln Menschen risikovermeidend, bei Verlusten risikofreudig („man lässt es drauf ankommen“).
Nach welchen zwei Kriterien wählen Menschen (oft implizit) ihre Entscheidungsstrategie aus?
Erwarteter Aufwand vs. erwartete Genauigkeit.
Nenne drei Gründe, warum Feedback im Alltag oft nicht zu besserem Entscheiden führt.
Es ist oft verzögert, ambivalent (schlechter Weg führt zufällig zu gutem Ziel) oder wird selektiv wahrgenommen (Confirmation Bias).
Nenne die vier Hauptfehlerquellen bei der Informationswahrnehmung für Entscheidungen.
1. Fehlende Infos, 2. Info-Überflutung, 3. Unterschiedliche Salienz (Reizstärke), 4. Gleiche Gewichtung aller Cues.
Was beschreibt der Begriff „Sluggish Beta“ in Bezug auf die Wahrnehmung von Wahrscheinlichkeiten?
Geringe Wahrscheinlichkeiten werden unterschätzt, weshalb das Antwortkriterium zu langsam angepasst wird.
Wann nutzen Menschen bevorzugt den „Direkten Gedächtnisabruf“ statt abzuwägen?
Bei hoher Expertise in Kombination mit hohem Zeitdruck (z. B. Feuerwehrleute).
Welche Faktoren führen dazu, dass wir Risiken im Alltag falsch einschätzen?
Verfügbarkeitsheuristik (Medien), Angstfaktor (Unkontrollierbarkeit), Unbekanntheit und Grad der Freiwilligkeit
Was ist der Kernunterschied zwischen „Debiasing“ und „Prozeduralisierung“?
Debiasing will Verzerrungen bewusst machen; Prozeduralisierung schreibt normative Wege (z. B. Matrizen) fest vor.
Wie kann Technik in der „Diagnosephase“ der Entscheidung unterstützen?
Durch Entlastung des Arbeitsgedächtnisses (Aufzeichnung) oder aktive Generierung von Vorhersagen (Expertensysteme).
Wie wird Mentaler Workload (MWL) im Kern definiert?
Als das Verhältnis zwischen den für eine Aufgabe benötigten kognitiven Ressourcen (Demand) und den tatsächlich verfügbaren Ressourcen (Supply)
In der Analogie zur Blechbiegeprobe: Was entspricht der „Belastung“ (äußere Kraft) und was der „Beanspruchung“ (innere Verformung)?
Die Aufgabe/Umwelt ist die Belastung; die Reaktion des Menschen darauf (z. B. Konzentration, Physiologie) ist die Beanspruchung.
Die „Red Line“ (Modell-Inhalt) Ab welchem Prozentsatz der zeitlichen Auslastung (benötigte Zeit / verfügbare Zeit) steigt die Fehlerwahrscheinlichkeit massiv an?
Bereits ab 80 % (nicht erst bei 100 %)
MWL-Zustände (Unterscheidung) Was ist der Unterschied zwischen Overload und Underload in Bezug auf die Aufmerksamkeit?
Overload: Zu viele Reize führen zu falschem Information-Sampling.
Underload: Zu wenige Reize führen zum „Out-of-the-Loop“-Phänomen (z. B. Tagträumen).
Die 3 Mess-Metriken (Nennen) Nenne die drei grundlegenden Kategorien von Metriken zur Erfassung des MWL.
1. Leistung (Primär-/Sekundäraufgaben), 2. Subjektive Bewertungen (Fragebögen), 3. Physiologische Indikatoren
Nenne drei gängige Fragebögen zur Erfassung des subjektiven Workloads.
NASA-TLX, RSME (Rating Scale Mental Effort) und SWAT (Subjective Workload Assessment Technique)
Dissoziation (Denkaufgabe) Was bedeutet „Dissoziation“ bei der MWL-Messung?
Dass objektive Leistungsmaße und subjektives Empfinden unterschiedliche Ergebnisse liefern (z. B. Leistung bleibt stabil, aber Anstrengung wird als extrem hoch bewertet).
Welchen Zusammenhang beschreibt das Yerkes-Dodson-Gesetz zwischen Stress (Arousal) und Leistung?
Eine umgekehrte U-Funktion: Die beste Leistung wird bei mittlerem Stress erreicht; zu wenig oder zu viel Stress verschlechtert die Leistung.
Nenne drei spezifische Auswirkungen von Stress auf die Kognition.
1. Narrowing (Tunnelblick der Aufmerksamkeit), 2. Verringertes Arbeitsgedächtnis, 3. Perseveration (Festhalten an falschen Strategien).
Welche zwei Schlüsselkomponenten bestimmen laut Modell den internen Umgang mit Stressoren?
Appraisal (Bewertung der Ressourcen) und Choice (Wahl einer Strategie, z. B. mehr Aufwand investieren oder Aufgabe ändern).
Von welchen drei Faktorenkomplexen hängt die Höhe des Mentalen Workloads ab?
1. Aufgabencharakteristika (Zeitdruck), 2. Operateureigenschaften (Fähigkeiten), 3. Umwelteigenschaften(Lärm, Temperatur).
Nenne vier physiologische Parameter, die zur MWL-Messung genutzt werden können.
Herzrate/-variabilität, Pupillendilatation, EEG (Gehirnaktivität) und EDA (Hautleitfähigkeit).
Wofür steht das MTO-Konzept bei der soziotechnischen Systemgestaltung?
Mensch – Technik – Organisation. Es fordert die gemeinsame Optimierung dieser drei Teilsysteme.
Nenne zwei Möglichkeiten, wie man einem kognitiven Overload gestalterisch entgegenwirken kann.
Nutzung unterschiedlicher Ressourcen (Wickens-Modell), Automatisierung oder Operatortraining.
Was ist die Ursache von „Technostress“?
Einbußen in der Produktivität und psychische Belastung durch die permanente Einbindung in die digitale Informationswelt.
Was wird in Multitasking-Studien primär untersucht?
Die Leistungsminderung bei der Ausführung eines Aufgaben-Sets (Dual-Task-Dekrement) im Vergleich zur Einzelausführung.
Multiple Resource Theory (MRT) Nenne die vier allgemeinen Mechanismen, die für die Variabilität der Multitasking-Leistung verantwortlich sind.
1. Aufwand (Ressourcenbedarf), 2. Ähnlichkeit der Ressourcen, 3. Relative Priorität, 4. Ähnlichkeit der spezifischen Information/Zuordnung.
Leistungs-Ressourcen-Funktion (Matching) Was kennzeichnet eine „datenbeschränkte“ Aufgabe (Kurve C im PRF-Modell)?
Die Leistungsgrenze liegt unter dem Maximum; selbst voller Ressourceneinsatz führt nicht zu perfekter Leistung, da die Signalqualität (z. B. Hörschwelle) limitiert.
Nenne die vier dichotomen Dimensionen, entlang derer Ressourcen im Wickens-Modell getrennt werden.
1. Verarbeitungsstufen, 2. Verarbeitungscodes, 3. Wahrnehmungsmodalitäten, 4. Visuelle Kanäle (fokal vs. ambient).
Warum ist eine modalitätsübergreifende Zeitaufteilung (visuell + auditiv) effizienter als eine intramodale?
Weil getrennte Ressourcen genutzt werden; bei zwei Aufgaben im selben Kanal (z. B. zwei visuelle Reize) kommt es schneller zur Ressourcenkonkurrenz.
Unterbrechungsmodell (Zuordnung) Was bedeuten die Abkürzungen OT, IT und S1/S2 im Kontext des Aufgabenmanagements?
OT = Ongoing Task (Hauptaufgabe), IT = Interruption Task (Unterbrechung), S1/S2 = Wechselzeiten zwischen den Aufgaben.
Warum wird bei einer auditiven Hauptaufgabe (OT) seltener zu einer Nebenaufgabe gewechselt als bei einer visuellen?
Weil auditive Information flüchtig ist und nicht permanent zur Verfügung steht (kein „Nachlesen“ möglich).
Wann sollte eine „Adaptive Automation“ Unterbrechungen idealerweise zulassen, um Fehler zu minimieren?
Erst wenn eine (Unter-)Aufgabe vollständig abgeschlossen wurde
Welche spezifische Fähigkeit nimmt bei Personen über 60 Jahren in Multitasking-Situationen besonders ab?
Die Flexibilität in der Aufmerksamkeitszuwendung und die exekutive Kontrolle.
Stützt die wissenschaftliche Datenlage das Stereotyp, dass Frauen Multitasking besser beherrschen als Männer?
- ein, die Befunde sind inkonsistent; teils zeigen Männer sogar leichte Vorteile in der Reaktionsauswahl.
Was passiert, wenn eine Unterbrechungsaufgabe (IT) eine sehr geringe Salienz (Auffälligkeit) hat?
Sie wird oft ignoriert, da die Bearbeitung rein auf dem prospektiven Gedächtnis (Knowledge in the head) basiert.
Was beschreibt die Zeitspanne S2 im Unterbrechungsmodell?
Den „Resumption Lag“ – die Zeit, die für den Rückwechsel und den Wiedereinstieg in die Hauptaufgabe benötigt wird.
Warum empfinden Experten Multitasking-Situationen oft als weniger belastend?
Durch einen höheren Grad an Automatizität benötigen ihre Aufgaben weniger Ressourcen, wodurch mehr Kapazität für Nebenaufgaben bleibt.
Box-Task-Studie (Anwendung) Was war das zentrale Fazit der Studie von Buchholz et al. (2023) zur Fahrerablenkung?
Die Methode „BT+tDRT“ ist deutlich sensibler für die Messung gemeinsamer Ressourcennutzung als die klassische Okklusionsmethode
Was ist der Kerngegenstand der Verkehrspsychologie?
Das Erleben und Verhalten von Menschen in Verkehrs-, Transport- und Mobilitätssystemen sowie die zugrundeliegenden psychischen Prozesse.