P1, 9_Lenksysteme

Automobil-Diagnostiker, P1, 9_Lenksysteme

Automobil-Diagnostiker, P1, 9_Lenksysteme


C. S.
Diese Lernkarten behandeln Aufbau, Funktionsweise und Vorteile moderner Lenksysteme wie Zahnstangenlenkung, EPS und Aktivlenkung. Sie erklären die Zusammenhänge zwischen Übersetzung, Lenkunterstützung und Fahrdynamik sowie die Rolle von Sensoren und Aktoren. Praktiker und Auszubildende profitieren von den technischen Details zu Komponenten wie Torsionsstab, Elektromotor oder Planetengetriebe.
Karten
20
Lernende
1
Sprache
Deutsch
Kategorie
Mechatronik
Stufe
Andere
Erstellt / Aktualisiert
17.07.2026 / 05.09.2026

Lernkarten

Aus welchen Hauptbaugruppen besteht eine Fahrzeuglenkung?

  • Lenksäule: überträgt Lenkwinkel und Lenkmoment
  • Lenkgetriebe: wandelt die Lenkraddrehung in eine lineare oder schwenkende Bewegung um
  • Lenkgestänge/Spurstangen: übertragen die Bewegung auf die Räder
  • Lenkungsdämpfer: reduziert rückwirkende Schwingungen und Fahrbahnstösse

Welche Faktoren beeinflussen das vom Fahrer aufzubringende Lenkmoment?

  • Reifengrösse und Reifenbauart
  • Reifenfülldruck
  • Reibwert Reifen/Fahrbahn
  • Radlast
  • Lenkgetriebeübersetzung
  • Achs- und Lenkgeometrie
  • Hubarbeit des Fahrzeugaufbaus beim Radeinschlag

Merke: Hohe Radlast, breite Reifen, geringer Luftdruck und hoher Reibwert erhöhen grundsätzlich die erforderliche Lenkkraft.

Wie funktioniert eine Zahnstangenlenkung?

  1. Lenkrad dreht Lenksäule und Ritzel.
  2. Ritzel greift in Zahnstange ein.
  3. Zahnstange wird axial verschoben.
  4. Spurstangen bewegen die Achsschenkel.
  5. Räder werden eingeschlagen.

Ein federbelastetes Druckstück vermindert das Zahnflankenspiel zwischen Ritzel und Zahnstange.

Wie wird bei einer Zahnstangenlenkung eine variable Übersetzung erreicht?

  • Durch eine veränderliche Zahnteilung der Zahnstange
  • Unterschiedliche Bereiche der Zahnstange besitzen unterschiedliche Übersetzungen.
  • Dadurch kann die Lenkung im Fahrbetrieb direkt und bei grossem Einschlag rangierfreundlich ausgelegt werden.

Abgrenzung: Dabei wird kein zusätzlicher Lenkwinkel durch einen Aktor erzeugt.

Wie entsteht die Hilfskraft einer hydraulischen Zahnstangenlenkung?

  1. Fahrer verdreht über das Lenkmoment den Torsionsstab.
  2. Drehschieberventil öffnet die entsprechenden Steuerkanten.
  3. Pumpe beaufschlagt einen Arbeitsraum mit Druck.
  4. Gegenüberliegender Arbeitsraum wird mit Rücklauf verbunden.
  5. Druckdifferenz wirkt auf den Arbeitskolben.
  6. Hydraulische Kraft unterstützt die mechanische Lenkkraft.

Welche Aufgabe hat das Drehschieberventil?

  • Erkennt über die Torsionsstabverdrehung Lenkrichtung und Lenkmoment
  • Leitet Drucköl zum passenden Arbeitsraum
  • Verbindet den gegenüberliegenden Arbeitsraum mit dem Rücklauf
  • Kehrt bei abnehmendem Lenkmoment in Richtung Neutralstellung zurück

Neutralstellung: Keine unterstützende Druckdifferenz am Arbeitskolben.

 Was unterscheidet die elektrohydraulische von der konventionellen Hydrolenkung?

  • Konventionell hydraulisch
    • Pumpe mechanisch vom Motor angetrieben
    • Pumpe läuft weitgehend permanent
    • höherer Energieverbrauch
    • Förderung von Motordrehzahl abhängig
  • Elektrohydraulisch (E-Motor)
    • Pumpe von Elektromotor angetrieben
    • bedarfsgeregelter Betrieb
    • geringerer Energieverbrauch
    • Förderung elektronisch regelbar

Die hydraulische Unterstützung am Arbeitskolben bleibt grundsätzlich gleich.

Wie verändert die Servotronic die Lenkunterstützung

  • Niedrige Geschwindigkeit: hohe Unterstützung, leichtes Rangieren
  • Hohe Geschwindigkeit: geringe Unterstützung, direkteres Lenkgefühl
  • Schnelle Lenkradbewegung: erhöhte Fördermenge für schnellen Druckaufbau

Die Regelung erfolgt über ein elektrohydraulisches Ventil beziehungsweise einen Druckwandler.

Wie funktioniert eine elektromechanische Servolenkung (EPS) ?

  1. Lenkmomentgeber erfasst Fahrerlenkmoment und Richtung.
  2. Lenkwinkelgeber erfasst Lenkradstellung und Bewegung.
  3. Steuergerät berücksichtigt Fahrzeuggeschwindigkeit und weitere Signale.
  4. Kennfeld bestimmt das erforderliche Unterstützungsmoment.
  5. Elektromotor erzeugt die Hilfskraft.
  6. Motor- und Fahrerkraft wirken gemeinsam auf die Zahnstange.

Welche Vorteile besitzt eine EPS gegenüber einer Hydrolenkung?

  • arbeitet nur bei Bedarf
  • geringerer Energieverbrauch
  • keine Hydraulikflüssigkeit
  • weniger Leitungen und Bauteile
  • frei programmierbare Lenkcharakteristik
  • aktive Rückstellung möglich
  • Park- und Spurhalteassistenten möglich
  • automatische Gegenlenkunterstützung
  • softwarebasierte Endanschlagdämpfung
  • Vernetzung mit ABS und ESP

Wie überträgt die achsparallele EPS (APA) die Motorkraft auf die Zahnstange?

  1. Elektromotor treibt einen Zahnriemen an.
  2. Zahnriemen dreht die Kugelumlaufmutter.
  3. Kugelumlaufmutter wirkt auf den spindelförmigen Teil der Zahnstange.
  4. Drehbewegung wird in Axialbewegung umgewandelt.
  5. Motorkraft addiert sich zur Fahrerkraft.
  • Rückführungskanäle sorgen für den Umlauf der Kugeln.

Welche Zusatzfunktionen ermöglicht eine vernetzte APA-Lenkung?

  • aktive Rückstellung
  • Geradeauslaufkorrektur
  • Seitenwindausgleich
  • Schiefziehausgleich beim Beschleunigen
  • Gegenlenkunterstützung bei μ-Split
  • Parklenkassistent
  • Spurhalte- und Spurwechselassistent
  • anpassbare Lenkkennfelder

Merke: Die EPS kann nicht nur Kraft verstärken, sondern auch gezielte Lenkmomente erzeugen.

Welche Aufgabe hat der Lenkwinkelgeber?

Er erfasst:

  • absolute Lenkradstellung
  • Lenkrichtung
  • Winkeländerung
  • Lenkgeschwindigkeit
  • vollständige Lenkradumdrehungen

Der optische Geber im Dossier verwendet:

  • Absolutring
  • Inkrementalring
  • codierte Scheibe
  • Lichtschranken

Wie funktioniert der Lenkmomentgeber der EPS?

  • Lenkwelle und Ritzel sind über einen Torsionsstab verbunden.
  • Das Fahrerlenkmoment verdreht den Torsionsstab.
  • Ringmagnet und Statoren verändern den Magnetfluss.
  • Zwei Hall-Sensoren messen die Verdrehung redundant.
  • Betrag und Richtung des Lenkmoments werden bestimmt.

Typische Signale:

  • Neutral: beide etwa 2,5 V
  • Eine Richtung: A steigt, B fällt
  • Gegenrichtung: A fällt, B steigt
  • Signalbereich ungefähr 0,5–4,5 V

Was ist der zentrale Unterschied zwischen einer Hilfskraft- und einer Aktivlenkung?

  • Hilfskraftlenkung: verstärkt hauptsächlich das Fahrerlenkmoment.
  • Aktivlenkung: erzeugt zusätzlich einen eigenen Lenkwinkel.

Die Aktivlenkung kann deshalb:

  • die Übersetzung verändern
  • Fahrerlenkwinkel addieren oder reduzieren
  • fahrerunabhängige Stabilisierungseingriffe durchführen

Wie verändert die Aktivlenkung die Lenkübersetzung?

Die Lenkung besitzt ein Überlagerungsgetriebe (Planetengetriebe):

Änderung der Übersetzung von 10:1 - 24:1 (ohne 18:1)

  • Eingang vom Lenkrad (Sonnenrad)
  • Eingang vom Elektromotor (Hohlrad
  • Ausgang zum Lenkgetriebe (Planetenträger)

Bei niedriger Geschwindigkeit:

  • Motor dreht gleichsinnig.
  • Zusatzwinkel wird addiert.
  • Lenkung wird direkter.

Bei hoher Geschwindigkeit:

  • Motor dreht gegensinnig.
  • Fahrerlenkwinkel wird teilweise reduziert.
  • Lenkung wird indirekter und stabiler.

Was geschieht bei Strom- oder Systemausfall der Aktivlenkung?

  • Federbelastete Sicherheitssperre blockiert den elektromotorischen Eingang.
  • Planetengetriebe läuft als geschlossener Block (Blockumlauf)
  • Mechanischer Durchtrieb bleibt erhalten.
  • Fahrzeug bleibt mit fester Übersetzung lenkbar.
  • Elektrische Zusatzwinkel stehen nicht mehr zur Verfügung.

Merke: Das Lenkrad bleibt mechanisch mit den Vorderrädern verbunden.

Wie ist eine elektromechanische Hinterachslenkung aufgebaut und wie funktioniert sie?

  • Aufbau: 
    • Elektromotor
    • Spindeltrieb mit Spindelmutter
    • zwei bewegliche Spurlenkeraufnahmen
    • Spurlenker zu den Hinterrädern
    • Lage- beziehungsweise Hallsensoren
  • Funktion: 
    • Der Elektromotor dreht den Spindeltrieb.
    • Die Drehbewegung wird in eine axiale Verschiebung umgewandelt.
    • Die beiden Spurlenker werden entsprechend verschoben.
    • Dadurch verändert sich die Spurstellung der Hinterräder und diese werden gezielt eingeschlagen.
    • Lagesensoren überwachen den tatsächlichen Stellweg und melden ihn zur Regelung zurück.
  • maximaler Aktorhub: ca. ±8 mm
  • maximaler Hinterradlenkwinkel: ca. ±3°
  • selbsthemmender Spindeltrieb (Ausfallsicherung) 

Wie wirkt die Hinterradlenkung bei niedriger und hoher Geschwindigkeit?

  • Bis etwa 60 km/h – gegensinnig:
    • Hinterräder lenken entgegen den Vorderrädern.
    • Virtueller Radstand wird kürzer.
    • Wendigkeit steigt.
    • Wendekreis wird kleiner.
  • Über etwa 60 km/h – gleichsinnig:
    • Hinterräder lenken mit den Vorderrädern.
    • Virtueller Radstand wird länger.
    • Gierreaktion wird geringer.
    • Fahrstabilität steigt.

Wie stabilisiert die Integral-Aktivlenkung bei einer μ-Split-Bremsung?

Ausgangslage:

  • Links und rechts liegen unterschiedliche Reibwerte vor.
  • Bremskräfte sind unterschiedlich gross.
  • Es entsteht ein Giermoment zur griffigeren Seite.

Reaktion:

  • Fahrdynamikregler erkennt die Gierabweichung.
  • Vorder- und Hinterräder werden gezielt gegensinnig gelenkt.
  • Es entsteht ein stabilisierendes Gegenmoment.
  • Höhere Bremskräfte können genutzt werden.
  • Fahrzeug bleibt stabil und der Bremsweg kann verkürzt werden.

Besonderheit: Bei Schneeketten an der Hinterachse muss der aktive Hinterradlenkeingriff deaktiviert werden.

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