2.11 Sozialversicherungen

2.11 Sozialversicherungen (Claude)

2.11 Sozialversicherungen (Claude)


D. S.
Diese Lernkarten vermitteln Grundlagen zu Sozialversicherungen in der Schweiz, insbesondere AHV/IV/EO, ALV, BVG, UVG, EL und Familienzulagen. Sie erklären Beitragspflichten, Grenzwerte, Rentenberechnungen, Leistungsansprüche sowie spezifische Regelungen wie Splitting, Freizügigkeit oder Vorsorgeausgleich. Ideal für Arbeitnehmende, Arbeitgebende und Selbstständige, die sich zu Pflichten, Rechten und Optimierungsmöglichkeiten informieren möchten.
Karten
116
Lernende
3
Sprache
Deutsch
Kategorie
Finanzen
Stufe
Andere
Erstellt / Aktualisiert
13.07.2026 / 13.09.2026

Lernkarten

Wie lautet die Prüfungsreihenfolge bei jedem sozialversicherungsrechtlichen Fall?

1. Unterstellung: WO ist die Person versichert? (Völkerrecht vor Landesrecht) – 2. Beitragspflicht: OB / WER (erwerbstätig USE/SE oder nichterwerbstätig)? – 3. Bemessung: WIEVIEL?

Welche Rangfolge gilt bei den Rechtsquellen der Unterstellung?

Vorrang des Völkerrechts: 1. VO (EG) 883/2004 (CH–EU/EFTA) – 2. bilaterale Länderabkommen – 3. Landesrecht (AHVG Art. 1a). Die VO 883/2004 gilt in der CH wie Landesrecht (Art. 153a AHVG).

Was besagt das Ausschliesslichkeitsprinzip?

In grenzüberschreitenden Verhältnissen ist eine Person nur in EINEM Staat sozialversichert (Art. 11 Abs. 1 VO 883/2004) – anders als im Steuerrecht, wo Einkünfte auf die Staaten ausgeschieden werden.

Nach welchem Recht wird entschieden, ob eine Tätigkeit selbständig oder unselbständig ist?

Nach dem Sozialversicherungsrecht des Staates, in dem sich der Sachverhalt abspielt (Art. 1 lit. a und b VO 883/2004). Beispiel: VR nach CH-Recht unselbständig; beherrschender Gesellschafter nach D-Recht selbständig.

Wo findest du die Antwort, wenn Gesetz und Verordnung keine präzise Antwort zur Qualifikation eines Lohnbestandteils geben?

Wegleitung über den massgebenden Lohn (WmL); für Selbständige/Nichterwerbstätige: Wegleitung über die Beiträge der Selbständigerwerbenden und Nichterwerbstätigen (WSN). Verwaltungsweisungen haben keinen Gesetzesrang.

Wer ist nach Art. 1a Abs. 1 AHVG obligatorisch versichert?

lit. a: wer Wohnsitz in der Schweiz hat; lit. b: wer in der Schweiz erwerbstätig ist; lit. c: Auslandtätigkeit für Bund/bestimmte Organisationen.

Was ist eine 'unzumutbare Doppelbelastung' (Art. 1a Abs. 2 lit. b AHVG)?

Befreiungsgrund von der obligatorischen CH-Versicherung, wenn jemand im Ausland ebenfalls beitragspflichtig ist. Praxis: Belastung des Arbeitnehmers über ca. 15% des Erwerbseinkommens; wird nur selten angenommen.

Wann kann jemand der freiwilligen AHV beitreten (Art. 2 AHVG)?

Nur bei Wohnsitz AUSSERHALB der EU/EFTA (z.B. Thailand), nach mind. 5 Jahren ununterbrochener Versicherung, Beitritt innert 1 Jahr. Innerhalb der EU/EFTA ist die freiwillige Versicherung ausgeschlossen.

Was ist ein ANobAG?

Arbeitnehmer ohne beitragspflichtigen Arbeitgeber (Art. 6 AHVG / Art. 6 AHVV): Der Arbeitnehmer rechnet die vollen (paritätischen) Beiträge selbst mit der Ausgleichskasse ab – typisch bei ausländischem Arbeitgeber.

Welche 5 Sachverhaltselemente brauchst du für die Beurteilung der internationalen Unterstellung?

1. Staatsangehörigkeit – 2. Wohnsitz – 3. Art der Tätigkeit(en) (selbständig/unselbständig) – 4. Ort der Tätigkeiten – 5. Ausmass der Tätigkeiten (Pensum/Entgelt), insb. im Wohnsitzstaat.

Was regelt Art. 11 Abs. 3 lit. a VO 883/2004?

Erwerbsortsprinzip: Bei nur einer Erwerbstätigkeit ist die Person im Staat der Erwerbstätigkeit unterstellt – unabhängig vom Wohnsitz.

Was regelt Art. 13 Abs. 3 VO 883/2004?

Beim Zusammentreffen von unselbständiger und selbständiger Tätigkeit in verschiedenen Staaten erfolgt die Unterstellung im Staat der UNSELBSTÄNDIGEN Tätigkeit.

Was regelt Art. 13 Abs. 5 VO 883/2004?

Fiktion: Wer in einem Staat unterstellt ist, wird so behandelt, wie wenn er sein GESAMTES Erwerbseinkommen dort erzielt hätte. Folge: auch die ausländischen Erwerbseinkommen sind dort zu verabgaben.

Wann liegt bei mehreren unselbständigen Tätigkeiten die Unterstellung im Wohnsitzstaat?

Wenn im Wohnsitzstaat ein WESENTLICHER Teil der Tätigkeit ausgeübt wird (Art. 13 Abs. 1 lit. a VO 883/2004). Wesentlich = mindestens 25% von Arbeitszeit oder Entgelt (Art. 14 Abs. 8 VO 987/2009).

Wo ist jemand unterstellt, der in zwei Staaten AUSSERHALB seines Wohnsitzstaates für zwei verschiedene Arbeitgeber arbeitet?

Im Wohnsitzstaat (Art. 13 Abs. 1 lit. b iv VO 883/2004) – die Unterstellung 'kippt' zurück in den Wohnsitzstaat, obwohl dort nicht gearbeitet wird.

Was gilt für Beamte in der internationalen Koordination?

Art. 13 Abs. 4 VO 883/2004: Unterstellung im Staat der beschäftigenden Verwaltungseinheit – und zwar für ALLE Einkünfte. Beispiel: ETH-Professor mit Wohnsitz in D ist vollständig in der Schweiz unterstellt.

Was ist eine marginale Tätigkeit und welche Folge hat sie?

Tätigkeit mit weniger als 5% der Arbeitszeit/des Entgelts (Art. 14 Abs. 5b VO 987/2009). Sie bleibt für die Bestimmung der anwendbaren Rechtsvorschriften UNBERÜCKSICHTIGT – die Unterstellung ändert sich nicht.

Wie lange darf eine Entsendung im Verhältnis CH–EU/EFTA dauern und welches Formular braucht es?

Maximal 24 Monate (Art. 12 VO 883/2004). Der entsendende Arbeitgeber beantragt in seinem Staat das Formular A1 (in der CH elektronisch über ALPS). Ablösung einer bereits entsandten Person ist rechtlich nicht zulässig.

Was regelt Art. 21 VO 987/2009?

Abs. 1: Ein Arbeitgeber ohne Sitz im Unterstellungsstaat muss dort trotzdem abrechnen. Abs. 2: Er kann diese Pflicht (Deklaration und Zahlung) vertraglich auf den Arbeitnehmer übertragen – der gängige Praxisfall.

Was regelt Art. 16 VO 883/2004?

Ausnahmevereinbarung: Die zuständigen Behörden der beteiligten Staaten können im Einzelfall eine abweichende Unterstellung vereinbaren.

Wie wirkt sich Homeoffice eines Grenzgängers auf die Unterstellung aus?

Ab 25% Tätigkeit im Wohnsitzstaat (ca. 1.25 Tage/Woche) kippt die Unterstellung in den Wohnsitzstaat. Ausnahme: Multilaterale Telearbeits-Vereinbarung (seit 7/2023) erlaubt bis unter 50% Telearbeit mit Verbleib im Sitzstaat des Arbeitgebers – nur mit A1/Antrag und nur für echte Telearbeit.

Was sind die Folgen, wenn ein CH-Arbeitnehmer wegen Homeoffice neu in Deutschland unterstellt wird?

Der CH-Arbeitgeber muss in D über den ganzen Lohn abrechnen (oder Art. 21 Abs. 2 VO 987/2009 an den AN übertragen). In der CH fällt er aus allen Sozialversicherungen: kein BVG, keine UV/NBU, keine CH-Lohnfortzahlungsdeckung. Arbeitsvertrag anpassen, Kompensation prüfen.

Gilt eine serielle (nacheinander) ausgeübte Beschäftigung in zwei Staaten als Mehrfachbeschäftigung?

Ja – Art. 14 VO 987/2009 erfasst sowohl parallele als auch serielle Mehrfachbeschäftigung. Beurteilt wird eine hypothetische Perspektive von 12 Monaten (Saisonnier-Fall).

Ein Drittstaatsangehöriger (z.B. Türke, US-Amerikaner) arbeitet grenzüberschreitend CH/EU. Was gilt?

Die VO 883/2004 ist nicht anwendbar (persönlicher Geltungsbereich: CH-/EU-Staatsangehörige, Flüchtlinge, Staatenlose). Prüfen: bilaterales Länderabkommen. Sonst gilt reines Landesrecht – mit dem Risiko einer Doppelunterstellung.

Was besagt der 'sachliche Anwendungsbereich' eines Abkommens? Beispiel?

Er legt fest, welche Versicherungszweige koordiniert werden. EU: alle beitragsfinanzierten Zweige (AHV/IV/EO, ALV, UV, KV, BVG-Obligatorium, FAK). Abkommen CH–USA: nur AHV/IV – UV, BVG und KV müssen separat geregelt werden.

Wie werden VR-Honorare aus einem Nichtvertragsstaat (z.B. Ägypten) behandelt?

Art. 6ter lit. b AHVV: Einkommen als Organ einer juristischen Person in einem Nichtvertragsstaat ist von der Beitragserhebung ausgenommen – trotz Wohnsitz und Versicherung in der Schweiz.

Wo erhalten Grenzgänger-Familien die Kinderzulagen?

Vorrang hat der Wohnsitzstaat der Kinder, wenn dort ein Elternteil erwerbstätig ist. Die Schweiz leistet nur eine Differenzzahlung, wenn die CH-Zulage höher ist (Art. 68 VO 883/2004).

Welches Wahlrecht haben Grenzgänger in der Krankenversicherung?

Optionsrecht: Sie können sich innert 3 Monaten von der CH-Krankenversicherung befreien lassen und im Wohnsitzstaat versichert bleiben. Wird die Frist verpasst, gilt CH-Recht.

Was gehört zum massgebenden Lohn (Art. 5 Abs. 2 AHVG)?

Jedes Entgelt, das wirtschaftlich mit dem Arbeitsverhältnis zusammenhängt – ob geschuldet oder freiwillig, in Geld oder Naturalien, auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses –, soweit es nicht ausdrücklich vom Gesetz ausgenommen ist.

Sind Spesen AHV-pflichtig?

Echter Auslagenersatz (Unkosten bei der Ausführung der Arbeit) ist beitragsfrei (Art. 9 AHVV). Aufwendungen für allgemeine Lebenshaltungskosten (Arbeitsweg, Verpflegung, Wohnen) sind hingegen Lohn – das AHV-Recht kennt keine 'Gewinnungskosten'.

Lohnfortzahlung bei Krankheit vs. weitergeleitetes Krankentaggeld – wie ist die AHV-Pflicht?

Lohnfortzahlung des Arbeitgebers = AHV-pflichtiger Lohn (Art. 7 lit. m AHVV). Weitergeleitete Taggelder der KTG/UV = beitragsfrei (Art. 6 Abs. 2 lit. b AHVV). Zahlt der AG weiterhin vollen Lohn und behält das Taggeld, ist alles beitragspflichtig.

Wie wird eine vergünstigte Dienstwohnung behandelt?

Naturallohn: AHV-pflichtig ist die Differenz zum marktüblichen Mietzins (Art. 7 lit. f AHVV). Beispiel: Miete 900, marktüblich 1'400 → 500/Monat aufrechnen.

Wie hoch ist der Privatanteil für ein Geschäftsfahrzeug?

0.9% des Kaufpreises (exkl. MWST) pro Monat = 10.8% pro Jahr; AHV-pflichtiger Naturallohn (Art. 7 lit. f AHVV). Alternativ effektive Ermittlung mit Bordbuch.

Ist ein vom Arbeitgeber bezahltes Streckenabonnement (Arbeitsweg) AHV-pflichtig?

Ja – Kosten des Arbeitsweges sind AHV-rechtlich Lebenshaltungskosten, also Lohn. Ein gegen Beleg erstattetes Halbtax-Abo ist hingegen AHV-frei (vgl. Wegleitung zum Lohnausweis).

Wie werden freiwillig höhere Familienzulagen des Arbeitgebers behandelt?

Familienzulagen im orts-/branchenüblichen Rahmen sind beitragsfrei (Art. 6 Abs. 2 lit. f AHVV). Der übersteigende Teil ist Lohn. WmL Rz. 2171: freiwillige Kinderzulage höchstens in Höhe der Ausbildungszulage, Geburtszulage höchstens 5x Ausbildungszulage.

Anerkennungsprämie für eine bestandene Berufsprüfung – AHV-pflichtig?

Beitragsfrei nur bis CHF 500 je Ereignis (WmL Rz. 2157). Wird die Limite überschritten (z.B. Uhr im Wert von 800), ist der GANZE Betrag beitragspflichtig (Art. 5 Abs. 4 AHVG, Art. 8 lit. c AHVV).

Jubiläumsgeschenke an Mitarbeitende – wann beitragsfrei?

Nur bei Firmenjubiläen ab 25 Jahren Bestehen (danach im Abstand von mind. 25 Jahren), im üblichen Rahmen und grundsätzlich für alle Mitarbeitenden (WmL Rz. 2155). Ein 20-Jahr-Jubiläumsbonus ist daher voll beitragspflichtig.

Wie hoch ist der beitragsfreie Lohnnachgenuss an Hinterlassene?

Bis zu 3 Monatslöhne beitragsfrei (Art. 8 lit. c AHVV).

Wie werden Sozialplanleistungen bei Umstrukturierungen behandelt?

Art. 8ter AHVV: beitragsfrei bis 4.5 x maximale jährliche einfache Altersrente (2026: 4.5 x 30'240 = CHF 136'080). Was darüber liegt, ist AHV-pflichtiger Lohn.

Wie wird eine Überbrückungsrente des Arbeitgebers AHV-rechtlich behandelt?

Leistung bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses = Lohn (Art. 7 lit. q AHVV). Sie wird bei der ERSTEN Auszahlung für die ganze mutmassliche Laufzeit kapitalisiert (Tabellen der WmL) und darüber abgerechnet – auch wenn sie monatlich fliesst.

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