Thromboseprophylaxe

Thromboseprophylaxe, Kompressionstherapie

Thromboseprophylaxe, Kompressionstherapie


M. Z.
Diese Lernkarten thematisieren die Thromboseprophylaxe mit Fokus auf Kompressionstherapie, venösen Rückfluss und deren Wirkmechanismen. Sie erklären die korrekte Anlage von Kompressionsverbänden, die Unterschiede zwischen diversen Strumpfsystemen sowie unterstützende Maßnahmen wie Bewegung und Hochlagern. Pflegekräfte und Betroffene profitieren gleichermaßen, da sie fundierte Handlungsanweisungen für die Praxis erhalten.
Flashcards
11
Students
4
Language
German
Category
Care
Level
Other
Created / Updated
01.06.2026 / 29.07.2026

Flashcards

  1. Schildere eine kurze Fallsituation, in der du eine Patientin betreust, welche an einer tiefen Beinvenenthrombose erkrankt ist. Folgendes muss die Kurzgeschichte enthalten:
  • Drei Ursachen, welche mindestens zwei unterschiedliche Faktoren des Virchow Trias ansprechen (markiere diese rot oder unterstreiche diese).
  • Vier typische Symptome einer venösen Thrombose am rechten US (markiere diese blau oder umkreise sie).

Frau M. ist zuhause gestürzt. Sie wurde vor zwei Tagen operiert. Nach der Operation hat sie zu wenig getrunken und ist nur für eine Stunde am Tag mobil. Zusätzlich leidet sie an einer Herzinsuffizienz.
Als ich ins Zimmer komme, um bei ihr die Körperpflege durchzuführen, klagt sie über einen stechenden, ziehenden Schmerz am US rechts. Als ich diesem ansehe, sehe ich, dass der US ödematös, überwärmt und leicht gerötet ist.
 

Weitere mögliche Ursachen, welche in der Geschichte erwähnt, werden können: Bewegungsmangel lange Reise, Immobilität…), mangelnde Flüssigkeitsaufnahme, Rauchen, Adipositas, SS, Alter, Trauma, Fraktur, Operation, Fieber, Hormonersatztherapien, Veränderte Gefässwände- Arteriosklerose, Diabetiker, Krebserkrankungen, Herzinsuffiziente Personen.

Erkläre die Entstehung der Thrombose, anhand deiner oben geschilderten Fallgeschichte nun differenziert.

Zu wenig Trinken – Dehydratation: Dies hat einen Einfluss auf den Virchow Trias «Erhöhte Gerinnungsneigung». Durch die Abnahme des Blutvolumens steigt der Hämatokrit an. Die Viskosität des Blutes nimmt zu, die Thrombozyten können sich so eher zusammenballen. Durch das verminderte Volumen erhöht sich die Viskosität und dadurch wird der Blutfluss langsamer.

Immobilität aufgrund der Operation: Immobilität- dies führt dazu, dass Frau M. ihre Venen- Muskelpumpe nicht oder ungenügend aktiviert – Trias verlangsamter Blutfluss. Eine Operation ist aber auch eine Gewebsverletzung – Trias Gefässwandschädigung vorhanden.

Frau M. hat eine Herzinsuffizienz: durch die reduzierte Pumpleistung des Herzens ist das Herzzeitvolumen vermindert- somit ist der Blutfluss verlangsamt. Durch den verlangsamten Blutfluss können sich die Thrombozyten besser an den Gefässwänden anheften und Blutgerinnsel entstehen.

Nenne zwei thromboseprophylaktische Basismassnahmen, die du anwenden kannst und begründe deren Wirkung.

Auf genügende Flüssigkeitszufuhr achten à ggf. Trinkprotokoll erstellen. Trias «erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes entgegenwirken». Indem jemand genügend trinkt, sinkt der Hämatokrit wieder und das Blutvolumen nimmt zu.

Bewegung / Mobilisation fördern: Durch die Bewegung wird die Venen- Muskelpumpe aktiviert. Dies wirkt sich auf dem Trias «verlangsamten Blutflusses» entgegen. Begründung: Muskel-Venen-Pumpe: Beim Gehen werden die Beinmuskeln angespannt. Dadurch werden die zwischen den Muskeln liegenden Venen komprimiert. Das Blut wird in Richtung Herz bewegt. Erschlaffen die Muskeln, entsteht ein Sog, der bewirkt, dass das Blut aus den oberflächlichen und tiefen Venen in Richtung der nächstgrösseren Venen fliesst, um bei der folgenden Muskelkontraktion weiter Richtung Herz transportiert zu werden.
Patientin zum tiefen Durchatmen anleiten- dies wirkt sich positiv auf den Trias: verlangsamter Blutstromaus- Das tiefe Einatmen, fördert den venösen Rückfluss- tiefes einatmen führt zu einem kurzfristigen Thorakalen Unterdruck- und beschleunigt so den venösen Rückfluss – aktiviert den Blutfluss.

Eine Patientin entwickelt ein postthrombotisches Syndrom inkl. Ödemen an den unteren Extremitäten. Aus diesen Gründen muss du bei ihr eine Kompressionstherapie anlegen, folgende Fragen stellen sich:

  • Erkläre der Patientin differenziert die Indikation und Wirkung der Kompressionstherapie, bezogen auf das postthrombotische Syndrom.
  • Erkläre der Patientin, warum es wichtig ist, dass sie zusätzlich zur Kompressionstherapie im Gang spazieren geht.
  • Erkläre einer Fachperson, weshalb und wann eine Kompressionstherapie zusätzlich auch in der Nacht anbehalten werden muss.

  • Erkläre der Patientin differenziert die Indikation und Wirkung der Kompressionstherapie, bezogen auf das postthrombotische Syndrom.

Bei einem postthrombotischen Syndrom handelt es sich um einen Folgezustand der tiefen Beinvenenthrombose. Dabei kommt es durch Schäden an den Venen und Venenklappen zu einem dauerhaften Rückstau von Blut im Bein. Die Folge sind Ödeme, Schmerzen, Hautveränderungen und im schlimmsten Fall offene Stellen (Ulcera). Mit dem Kompressionsverband will man dieser Entwicklung entgegenwirken. Der Kompressionsverband umgibt das Bein mit festem Druck, den Anlagedruck, sodass die erweiterten Venen komprimiert werden. Dadurch können sich die Venenklappen wieder besser schliessen bzw. die Klappenfunktion wird verbessert. Damit erhöht sich die Strömungsgeschwindigkeit des venösen Blutes. Mit der verbesserten Rückströmung des Blutes werden aus dem geschädigten Gewebe auch Flüssigkeitsansammlungen und Stoffwechselprodukte abtransportiert. Schwellungen und Ödeme bilden sich zurück und venöse Ulzerationen können abheilen bzw. verhindert werden.

 

 

  • Erkläre der Patientin, warum es wichtig ist, dass sie zusätzlich zur Kompressionstherapie im Gang spazieren geht.

Hier muss eine Erklärung bezüglich des Anlage- und Arbeitsdruck aufgezeigt werden. Kurzzugbinden haben einen kleineren Ruhedruck und sind wirkungsvoller im Arbeitsdruck. Durch die Bewegung aktiviert der Patient die Muskelvenenpumpe diese fördert den venösen Rückfluss. Durch die Kompression/das Widerlager der Bandage wird der venöse Abfluss durch den Arbeitsdruck nochmals verstärkt. Die volle Wirkung wird erst durch die zusätzliche Mobilisation erreicht.

 

  • Erkläre einer Fachperson, weshalb und wann eine Kompressionstherapie zusätzlich auch in der Nacht anbehalten werden muss.

Wenn man den Kompressionsverband während der Entstauungsphase nachts abnimmt, ist kein Anlagedruck mehr vorhanden, die Zwischenzellräume können sich erneut mit Flüssigkeit füllen, die Ödeme nehmen wieder zu. Besonders bei stark ausgeprägten Ödemen, um den Rebound-Effekt (erneutes Anschwellen) während der Nacht zu verhindern und somit das Behandlungsziel effizienter zu erreichen. 

Nenne drei Punkte, welche du beim Anlegen eines Kompressionsverbandes beachten musst, damit er korrekt angelegt wird, unabhängig von der Technik.

  • Binde mit gleichmässigem Druck direkt am Bein entlang führen
  • Binde nicht vom Körper wegziehen und Druckspitzen und Einschnürungen zu verhindern
  • Mindestens zwei Binderollen verwenden (Kniehoch)
  • Die Binde liegt mit dem aufgerollten Teil nach oben. So kann das Einbinden am Bein entlang gewährleistet werden, ohne dass die Binde vom Körper weggezogen wird.
  • Beginn am Grosszehengrundgelenk
  • Der Fuss soll in Funktionsstellung sein (im rechten Winkel zur Wade)
  • Touren mit mind.  ½ bis ⅔ Überlappung

Ein Patient erhält neu einen Kompressionsverband. Nach 10 Stunden Tragedauer klagt er über zunehmende Dyspnoe. Die Pflegefachperson bittet dich, den Kompressionsverband unverzüglich zu entfernen. Erkläre, warum sie diesen zügig entfernen will.

Ein Kompressionsverband fördert den venösen Rückfluss zum Herzen. Dabei wird die interstitielle Flüssigkeit nach intravasal verschoben. Bei einem Patienten mit Herzinsuffizienz kann das Herz das zusätzliche Blutvolumen nicht bewältigen. Es kann zu einer Volumenüberlastung kommen, die sich in der Lunge staut und ein Lungenödem mit zunehmender Dyspnoe auslösen kann.

Die Pflegefachperson möchte den Verband sofort entfernen, um den Kreislauf zu entlasten une eine Verschlechterung der Atemnot zu verhindern.

Erläutere die Unterschiede zwischen medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfen (Anti-Thrombose-Strümpfen), medizinischen Kompressionsstrümpfen, Stützstrümpfen und der intermittierenden pneumatischen Kompression (IPK) hinsichtlich dem Anlagedruck und dem Arbeitsdruck.

  • Thromboseprophylaxestrümpfen: Strumpf entfaltet einen hohen Anlagedruck durch hohe Elastizität. Der Arbeitsdruck ist niedrig, daher werden sie nur bei bettlägerigen, immobilen Patienten eingesetzt während der perioperativen Phase. Für den kurzzeitigen Einsatz konzipiert. Aufgrund der Evidenz werden diese in vielen Spitälern nicht mehr eingesetzt.
  • Medizinische Kompressionsstrümpfe: Anlagedruck ist tief, der Arbeitsdruck hoch, da sie bei Bewegung einen zusätzlichen Druck aufbauen und ihre volle Wirkung erst dann erreichen. Der Druckverlauf ist abnehmend von unten nach oben und daher und für den dauerhaften Einsatz im Alltag gedacht.
  • Stützstrümpfen: Bei langem Stehen oder Sitzen bei gefässgesunden Menschen. Sie haben sowohl einen geringen Anlagedruck als auch Arbeitsdruck und bei chronischer venöser Insuffizienz nicht wirksam und nicht geeignet zur Thromboseprophylaxe.
  • Intermittierenden pneumatischen Kompression: Aktive Förderung des venösen Rückflusses und Lymphabflusses, z. B. bei schwerem Ödem oder Immobilität ersetzt die Arbeit der

Wadenmuskelpumpe beim immobilen Patienten. Der Anlagedruck ist zyklisch und hoch. Der Arbeitsdruck entfällt in klassischem Sinn – die Wirkung entsteht durch den mechanisch erzeugten Druck, nicht durch Muskelarbeit. Sobald die Patienten mobil sind, wird die Therapie eingestellt.

Nenne zwei Massnahmen (ausser der Kompressionstherapie) inkl. Erklärung über die Wirkung, welche du einer Patientin mit chronisch venöser Insuffizienz empfehlen kannst, um den venösen Rückfluss zu unterstützen?

  • Mobilisation / Bewegung: Patient soll sitzen und stehen vermeiden, Laufen (Aktivierung der Venenmuskelpumpe- begünstigt den venösen Rückfluss) und liegen fördern
  • Bewegungsübungen- welche die Venen- Wadenmuskulatur aktivieren (Kreisbewegung der Beine, Fusswippe)
  • Beine hochlagern à durch die Schwerkraft wird der venöse Rückfluss gefördert und die Ödeme bilden sich zurück.
  • Atemübungen, tiefes Ein- und Ausatmen verändert die thorakalen Druckverhältnisse, wodurch der venöse Rückfluss gesteigert wird.

Welche Funktion haben diese unterschiedlichen Materialien bei der Anlage eines Kompressionsverbandes?

  • Polstermaterial (3M Polsterwatte) à Druckausgleich und aufpolstern von Umfangdifferenzen und Knöchelregionen, schützt die Haut vor Druckstellen
  • Schlauchverband à Hautschutz und verhindert das Rutschen des Kompressionsverbandes und reduziert das Schwitzen
  • Kompressionsbinden: Kurzzugbinden erreichen einen tiefen Anlagedruck und hohen Arbeitsdruck und unterstützen so den venösen Rückfluss

Wie lange dauert die Entstauungsphase?

Drei bis vier Wochen.

Wie erreichst du das erwünschte herzwärts abnehmende Druckgefälle beim Kompressionsverband?

Die Binde wird von unten nach oben unter gleichmässigem Zug direkt am Bein entlang geführt. So entsteht automatisch das erwünschte herzwärts abnehmende Druckgefälle.

Study