P2.2, 1.2_Abgasnachbehandlung Diesel
Automobildiagnostiker, P2.2, 1.2_Abgasnachbehandlung Diesel
Automobildiagnostiker, P2.2, 1.2_Abgasnachbehandlung Diesel
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Lernkarten
Welche Schadstoffe im Dieselabgas müssen nachbehandelt werden, und warum?
- NOx
- NOx entstehen vor allem bei hohen Verbrennungstemperaturen, schnellen Druckanstiegen und Luftüberschuss
- gesundheitlich und umwelttechnisch problematisch
- CO
- entsteht durch unvollständige Verbrennung, Luftmangel
- "giftig"
- HC
- unverbrannte oder teilverbrannte Kohlenwasserstoffe
- gesundheitsschädlich
- Partikel
- bestehen vor allem aus Ruß, Asche, Salzen, Rost, Wasser- und HC-Tröpfchen
- gefährlich für Luftwege
- Da Dieselmotor mit Luftüberschuss arbeitet, reicht normaler 3-Wege-Kat nicht aus
Erkläre den Zielkonflikt zwischen NOx und Ruß beim Dieselmotor.
- NOx und Ruß entstehen unter gegensätzlichen Bedingungen.
- Senkt man Verbrennungstemperatur, z.B. durch AGR, steigt Russ-Entwicklung an.
- Daher müssen Motorsteuerung, Einspritzung, AGR, Aufladung und Abgasnachbehandlung zusammenarbeiten
Wie wirkt die Abgasrückführung AGR auf die NOx-Bildung?
- AGR führt bereits verbranntes Abgas zurück in den Ansaugtrakt oder Brennraum.
- Dieses Abgas ist weitgehend inert, also nicht brennbar. Dadurch sinkt der Sauerstoffanteil der Frischladung
- Sauerstoffanteil sinkt = weniger Oxidation
- Temepratunr sinkt = weniger NOx
- Brenngeschwindigkeit sinkt
- Wirkungsgrad kann sinken
- Russ-Risiko steigt = weniger O2, weniger Temperatur
Welche Aufgabe hat der Diesel-Oxidationskatalysator?
- Oxidieren von:
- CO --> CO2
- HC --> H2O, CO2
- Platin löst diese Reaktionen aus, ohne selbst verbraucht zu werden
- Reaktion beginnt etwa ab 170 °C. Die optimale Konvertierungsrate liegt bei etwa 250–350 °C
Erkläre Aufbau und Funktion eines keramischen Dieselpartikelfilters
- keramischer DPF besteht aus einem Wabenkörper aus Siliziumkarbid, Cordierit oder Aluminiumtitanat.
- Er besitzt viele parallele Kanäle.
- Benachbarte Kanäle sind jeweils abwechselnd am Einlass oder Auslass verschlossen.
- Abgas muss durch die porösen Kanalwände hindurch.
- Die gasförmigen Bestandteile passieren die Wand, die Rußpartikel bleiben zurück.
- Filter muss regelmässig regeneriert werden, damit der gespeicherte Ruß verbrannt wird.
Was ist der Unterschied zwischen Rußbeladung und Aschebeladung im DPF?
- Ruß kann bei der Regeneration zu CO₂ verbrannt werden.
- Asche bleibt jedoch im Filter zurück. Sie wird nicht verbrannt und sammelt sich über die Laufzeit an.
- Folgen von Aschebeladung:
- stiegender Abgasgegendruck
- weniger nutzbares Filtervolumen
- steigende Belastung für Motor/Turbo
- Reinigung oder Austausch wird notwendig
Wie erkennt das Motorsteuergerät die Beladung des Partikelfilters?
- Differenzdruck über dem DPF. Dazu misst ein Differenzdrucksensor den Druck vor und nach dem Filter.
- Motorsteuergerät verarbeitet zusätzlich weitere Daten, z. B.
- Abgastemperaturen
- Motorlast
- Fahrprofil
- berechnete Rußmasse.
- Daraus wird der geeignete Zeitpunkt für die Regeneration bestimmt.
Erkläre passive und aktive DPF-Regeneration.
- Passive Regeneration:
- läuft ohne zusätzliche Motormassnahmen ab.
- Sie findet bei höheren Abgastemperaturen statt, etwa 350–500 °C.
- Der Ruß wird dabei vor allem mit NO₂ oxidiert.
- Dieses Verfahren wird im CRT-System genutzt.
- Aktive Regeneration:
- wird vom Steuergerät eingeleitet, wenn die Temperatur nicht reicht.
- Dazu wird die Abgastemperatur künstlich erhöht, z. B.
- durch späte Nacheinspritzung,
- HCI-System (hydro carbon injection)
- elektrische Heizung oder Brenner.
- Ruß bei ca. 600–650 °C mit Sauerstoff zu CO₂ verbrannt
Welche Aufgabe hat ein HCI-System?
- Hyro Carbon Injection
- Dieselkraftstoff vor den Oxidationskatalysator eingespritzt oder verdampft.
- Im Oxidationskatalysator wird dieser Kraftstoff katalytisch verbrannt (Nachoxidation)
- Die entstehende Wärme erhöht die Abgastemperatur und unterstützt die DPF-Regeneration
- ähnliche Wirkung wie eine späte Nacheinspritzung
- aber der Kraftstoff wird nicht im Brennraum, sondern im Abgasstrang genutzt
Worin unterscheiden sich DPF-Systeme mit und ohne Additiv?
- ohne Additiv:
- motornahe Filter
- hohe Abgastemperatur reicht oft aus
- mit Additiv:
- motorferne Filter
- Additiv senkt Russabbrandtemperatur um ca. 100°C
Welche Vor- und Nachteile hat ein Sintermetallfilter?
- Sintermetallfilter besteht aus porösem Metallpulver und einer Trägerstruktur aus Streckmetall. Die Filterwirkung liegt bei ca. 95 %.
- Vorteile:
- grosse Filterfläche
- gutes Gegendruckverhalten
- hohe Gebrauchsdauer
- flexible Anpassung an Bauraum
- gegenüber Keramikfilter längere Standzeit bei Ascheeinlagerung
- Nachteile:
- trotzdem regelmässige Regeneration nötig
- komplexerer Aufbau
- höhere Kosten
- auch hier bleibt Asche langfristig ein Thema
Was heisst sintern?
- Sintern:
- Ein pulverförmiger Werkstoff wird unter Druck und Wärme so weit erhitzt, dass die Pulverteilchen miteinander „verbacken“ bzw. fest verbunden werden — ohne vollständig zu schmelzen.
- Sintermetallfilter:
- Metallpulver wird erhitzt → die einzelnen Metallkörner verbinden sich an ihren Kontaktstellen → es entsteht ein fester, aber poröser Metallkörper.
Erkläre die Beladungsphase des NOx-Speicherkatalysators.
- In der Beladungsphase arbeitet der Motor mager. NOx muss im Katalysator gespeichert werden.
- NO kann nicht direkt gespeichert werden.
- NO wird im Oxidationskatalysator mit Platin zu NO₂ oxidiert.
- NO₂ reagiert mit Bariumcarbonat und Sauerstoff zu Bariumnitrat.
- Das NOx wird dadurch chemisch gebunden. Die optimale Speichertemperatur liegt bei ca. 250–450 °C.
Erkläre die Regeneration des NOx-Speicherkatalysators. (NSC, NOX Storage Catalyst)
- Wenn der NSC voll beladen ist, müssen die gespeicherten Stickoxide wieder entfernt und in Stickstoff umgewandelt werden.
- Motorsteuergerät erzeugt kurzzeitig fettes Abgas
- z. B. durch Späteinspritzung oder Luftdrosselung. Dann stehen CO, H₂ und HC als Reduktionsmittel zur Verfügung
- Bariumnitrat wird reduziert
- NO wird freigesetzt
- NO wird an Rhodium zu N₂ reduziert
- CO wird zu CO₂ oxidiert
- z. B. durch Späteinspritzung oder Luftdrosselung. Dann stehen CO, H₂ und HC als Reduktionsmittel zur Verfügung
- Der NSC arbeitet somit zyklisch: mager speichern, fett regenerieren.
Warum ist Schwefel für den NOx-Speicherkatalysator problematisch?
- Schwefel aus Kraftstoff oder Motoröl oxidiert zu Schwefeldioxid und wird vom Barium im Speicherkatalysator bevorzugt gebunden.
- --> Dabei entstehen Sulfate.
- Sulfate werden bei der normalen NOx-Regeneration nicht ausreichend entfernt.
- Sie blockieren Speicherplätze
- NOx Speicherkapazität sinkt.
- Desulfatisierung nötig
- 650°C
- 3-5 Minuten
- fettes Abgas
- Bei dauerhaftem Sauerstoffmangel kann giftiger Schwefelwasserstoff H₂S entstehen.
Wie funktioniert ein SCR-System mit AdBlue?
- AdBlue wird in den Abgasstrom eingespritzt.
- Es enthält 32.5 % Harnstoff und Wasser.
- Aus dem Harnstoff entsteht durch Thermolyse und Hydrolyse Ammoniak.
- Das Ammoniak reagiert im SCR-Katalysator mit NOx zu Stickstoff und Wasser.
- Ablauf:
- AdBlue wird dosiert eingespritzt.
- Es verdampft und zerfällt. --> NH₃ entsteht.
- NH₃ reduziert NOx im SCR-Katalysator.
- Produkte sind N₂ und H₂O.
- 2 NH₃ + 2 NO + 0.5 O₂ → 2 N₂ + 3 H₂O
Erkläre Thermolyse und Hydrolyse im SCR-System
- Thermolyse:
- zersetzen des Harnstoffs + Bildung NH3 + giftiger Isocyansäure
- Hydrolyse:
- Bilden von Ammoniak + zersetzen der Isocyansäure
- Isocyansäure mit Wasserdampf zu Ammoniak und Kohlendioxid umgewandelt
- Bilden von Ammoniak + zersetzen der Isocyansäure
Welche Aufgabe hat der Ammoniaksperrkatalysator?
- Der Ammoniaksperrkatalysator verhindert, dass überschüssiges Ammoniak aus der Abgasanlage austritt.
- Ein NH₃-Schlupf kann entstehen durch:
- Überdosierung von AdBlue
- plötzliche Lastsprünge
- Temperatursprünge
- volle SCR-Speicherbeladung
- Sperrkatalysator oxidiert überschüssiges NH₃ zu Stickstoff und Wasser.
- wichtig, weil Ammoniak stechend riecht und nicht in die Umwelt gelangen soll.
Welche Eigenschaften von AdBlue sind für Diagnose und Werkstatt wichtig?
- wässrige Harnstofflösung mit 32.5 % Harnstoff.
- Es ist nicht brennbar
- wasserlöslich
- biologisch gut abbaubar und kein Gefahrgut.
- Eigenschaften:
- Gefrierpunkt, ca. - 11.5°
- kristllisiert bei Luftkontakt
- Zersetzung > 30°
- extrem kriefähig (Dichtheit wichtig)
- unverträglich mit Buntmetallen (aggressiv)
Wie kann Diesel im AdBlue erkannt werden, und warum ist das kritisch?
- Diesel im AdBlue kann mit Öltestpapier erkannt werden.
- Das Testpapier wird mehrmals im Tank hin- und hergeschwenkt.
- Eine dunkle Verfärbung zeigt Dieselkraftstoff an
- Diesel im AdBlue ist kritisch, weil Dichtungen quellen können
- Dosiersystem, Pumpe, Ventil oder Leitungen geschädigt werden können.
Wie läuft die Abgasnachbehandlung mit AdBlue im SCR-System ab?
- 1. AdBlue wird eingespritzt
- AdBlue enthält Harnstoff und Wasser.
- 2. Thermolyse
- Durch die hohe Abgastemperatur wird der Harnstoff zerlegt.
- Dabei entstehen Ammoniak (NH₃) und als Zwischenprodukt Isocyansäure.
- 3. Bildung von weiterem Ammoniak
- Die Isocyansäure wird weiter umgesetzt.
- Es entsteht zusätzlich Ammoniak (NH₃).
- 4. SCR-Katalysator
- Das Ammoniak ist das Reduktionsmittel.
- Es reagiert mit den Stickoxiden (NOₓ) im Abgas.
- 5. Ergebnis
- NOₓ wird hauptsächlich zu Stickstoff (N₂) + Wasser (H₂O) umgewandelt.
- Merkkette:
- AdBlue → Harnstoff → Ammoniak → NOₓ → N₂ + H₂O
Wie funktioniert die Speicherung von Stickoxiden im NOₓ-Speicherkatalysator?
- 1. Speicherung:
- Im Katalysator befindet sich Bariumkarbonat.
- Dieses bindet die Stickoxide.
- Dabei entsteht Bariumnitrat.
- 2. Regeneration:
- Das gespeicherte Bariumnitrat wird durch eine chemische Reaktion wieder in Bariumkarbonat zurückgeführt.
- Dadurch kann der Speicher erneut NOₓ aufnehmen.
- Merkkette:
- Bariumkarbonat + NOₓ → Bariumnitrat → Regeneration → Bariumkarbonat