P1, 4_Bremskraftverteilung / ABS

Diagnostiker, P1, 4_Bremskraftverteilung / 4.1_ABS

Diagnostiker, P1, 4_Bremskraftverteilung / 4.1_ABS


C. S.
Diese Lernkarten erklären die Bremskraftverteilung und das Antiblockiersystem (ABS), die für Fahrstabilität und Bremsweg entscheidend sind. Sie behandeln Regelstrategien wie Individualregelung oder Select-Low, hydraulische Abläufe im ABS-Regelzyklus sowie Unterschiede zwischen offenem und geschlossenem Hydraulikkreislauf. Mechanische Helfer wie EBV und Einflüsse wie Achslastverlagerung werden ebenfalls erläutert. Ideal für Mechatroniker, die Systeme zur Bremsoptimierung verstehen müssen.
Karten
23
Lernende
2
Sprache
Deutsch
Kategorie
Mechatronik
Stufe
Andere
Erstellt / Aktualisiert
03.04.2026 / 21.08.2026

Lernkarten

Warum ist eine Bremskraftverteilung notwendig?

  • Wegen der Achslastverlagerung beim Bremsen
  • → Hinterachse wird entlastet und würde sonst blockieren.

Welche Achse muss zuerst blockieren und warum?

  • Vorderachse, um Fahrzeugstabilität zu gewährleisten.
  • Überbremst Hinterache, wird das Fahrzeug instabil → dreht sich um die Hochachse (Heck bricht aus).

Nennen Sie Einflussfaktoren der Achslastverlagerung

  • Radstand
  • Schwerpunktlage
  • Schwerpunktshöhe
  • Verzögerung

Was ist der Unterschied vom Bremskraftbegrenzer vs. Bremskraftminderer?

  • Begrenzer: HA-Druck bleibt konstant
  • Minderer: HA-Druck steigt reduziert weiter an
    • (Treppenstufenanstieg)

Wie erkennt die EBV, dass sie eingreifen muss?

  • Über Schlupfunterschiede zwischen Vorder- und Hinterachse.

Wie reagiert die EBV bei zu hohem Schlupf an der Hinterachse?

  • Schliesst Einlassventil
    • → Druckanstieg wird verhindert bzw. reduziert.

Warum ist EBV mechanischen Systemen überlegen?

  • Dynamische Anpassung
  • Berücksichtigung von Beladung, Kurvenfahrt und Fahrzustand
  • Näher an idealer Bremskraftverteilung

Erkläre mir das Kräfte-Parallelogramm?

  • Beim Bremsen wirken Gewichtskraft nach unten und Trägheitskraft nach vorne.
  • Diese Kräfte bilden ein Kräfteparallelogramm, dessen Resultierende nach vorne verschoben ist.
  • Dadurch erhöht sich die Radlast an der Vorderachse und verringert sich an der Hinterachse, was die Grundlage für die Bremskraftverteilung darstellt.

Warum benötigt ein Fahrzeug ABS?

  • Damit die Räder nicht blockieren.
  • Dadurch bleiben Lenkfähigkeit, Fahrstabilität und ein möglichst kurzer Bremsweg erhalten.
  • ŷ-Split Tauglichkeit ermöglichen

Welche drei Druckzustände kennt das ABS?

  • Druckaufbau
  • Druckhalten
  • Druckabbau

Warum verwendet das ABS eine Referenzgeschwindigkeit? Woher nimmt es diese Geschwindigkeit? 

 

  • Der Bremsschlupf kann nicht direkt gemessen werden.
  • Deshalb berechnet das Steuergerät eine Referenzgeschwindigkeit als Vergleichsgrösse für die Raddrehzahlen.
  • Gemessen aus: 
    • Raddrehzahlsensoren (X-Messung) 
    • Beschleunigungssensor

Welche Aufgabe übernimmt die Rückförderpumpe?

  • Sie fördert die beim Druckabbau abgeführte Bremsflüssigkeit wieder zurück in den Bremskreis und hält dadurch den Regelvorgang aufrecht.
  • Sie baut niemals Bremsdruck auf. Dies erfolgt immer durch das Bremspedal

Was versteht man unter einer μ-Split-Fahrbahn?

  • Eine Fahrbahn mit unterschiedlichen Reibwerten links und rechts,
    • z. B. Asphalt auf einer Seite und Eis auf der anderen.

Warum wird an der Hinterachse häufig Select Low eingesetzt und was ist das? 

  • Um Giermomente zu reduzieren und die Fahrstabilität zu erhöhen.
    • Regelung der ABS-Bremsung orientiert sich am Rad mit schlechterem Haftwert
    • Generell eine Hinterachs-Regelung

Welche Vorteile bietet die Individualregelung (IR)?

  • Jedes Rad wird optimal geregelt, wodurch der kürzeste Bremsweg erreicht wird.

Warum wird bei Fahrzeugen mit kurzem Radstand MIR oder GMA verwendet?

  • Um den Giermomentaufbau zu reduzieren und das Fahrzeug besser beherrschbar zu halten.

Was ist der Unterschied zwischen offenem und geschlossenem Hydraulikkreislauf?

  • Beim geschlossenen Kreislauf wird die Bremsflüssigkeit über Niederdruckspeicher und Rückförderpumpe in den Bremskreis zurückgeführt.
  • Beim offenen Kreislauf fliesst sie zunächst in den Vorratsbehälter zurück und wird von einer Förderpumpe wieder eingespeist.

Erkläre den geschlossenen Bremskreislauf. 

Erkläre den offenen Regelkreis. 

  • Offen: Rücklauf geht in Ausgleichsbehälter
    • Pedal senkt sich 2-3cm
    • ABS Pumpe fördert BFK vom Ausgleichsbehälter zurück in Hochdruckkreis

Erkläre den ABS-Regelzyklus anhand der einzelnen Phasen. Was geschieht hydraulisch in den Phasen Druckaufbau, Druckhalten und Druckabbau?

  • Phase 1: Der Bremsdruck steigt kontinuierlich an, bis die Radverzögerung die erste Schlupfschwelle erreicht.
  • Phase 2: Das Einlassventil wird bestromt und schliesst. Der Druck wird gehalten.
  • Phase 3: Erreicht das Rad den maximal zulässigen Schlupf, öffnet das Auslassventil. Der Bremsdruck wird abgebaut und das Rad kann wieder beschleunigen.
  • Phase 4: Das Rad beschleunigt wieder. Der Druck wird weiterhin gehalten.
  • Phase 5: Das Auslassventil schliesst, der Druck wird wieder aufgebaut.
  • Phase 6: Der Druck wird nochmals gehalten, bis sich das Rad wieder im optimalen Schlupfbereich befindet.
  • Phase 7: Der Bremsdruck wird nun langsamer und stufenweise aufgebaut, um Achsschwingungen zu vermeiden.
  • Phase 8: Der nächste Regelzyklus beginnt. Da die Rückförderpumpe bereits läuft, startet dieser direkt mit einer Druckabbauphase.

Welche ABS-Regelarten kennst du und warum werden unterschiedliche Regelstrategien verwendet?

  • Individualregelung (IR)
    • Jedes Rad wird einzeln geregelt.
    • Vorteil: kürzester Bremsweg.
    • Nachteil: grosses Giermoment bei μ-Split.
  • Select-Low-Regelung (SLR)
    • Beide Räder einer Achse erhalten den Bremsdruck des Rades mit dem kleineren Reibwert.
    • Vorteil: hohe Fahrstabilität.
    • Nachteil: längerer Bremsweg.
  • Modifizierte Individualregelung (MIR)
    • Das High-Rad wird bei früh einsetzender Regelung des Low-Rades in seiner Bremskraft begrenzt.
    • Dadurch wird das Giermoment reduziert.
  • Giermomentaufbauverzögerung (GMA)
    • Der Bremsdruck am High-Rad wird zeitlich verzögert aufgebaut.
    • Dadurch erfolgt der Giermomentaufbau langsamer und das Fahrzeug bleibt leichter beherrschbar.
  • ➡ Ziel aller Regelarten ist es, den besten Kompromiss zwischen kurzer Bremsstrecke und Fahrstabilität zu erreichen. 

Welche Regelstrategie wird bei Fahrzeugen mit langem bzw. kurzem Radstand eingesetzt und weshalb?

  • Fahrzeug mit langem Radstand
    • Vorderachse: --> Individualregelung (IR)
    • Hinterachse: --> Select-Low-Regelung (SLR)
    • Der längere Radstand vergrössert den Hebelarm zwischen Vorder- und Hinterachse. Dadurch wirkt das Giermoment weniger stark und kann vom Fahrer einfacher korrigiert werden.
  • Fahrzeug mit kurzem Radstand
    • Vorderachse: --> Modifizierte Individualregelung (MIR) oder Giermomentaufbauverzögerung (GMA)
    • Hinterachse: --> Select-Low-Regelung (SLR)
    • Da Fahrzeuge mit kurzem Radstand deutlich schneller auf Giermomente reagieren, muss der Bremsdruck an der Vorderachse angepasst werden. Durch MIR oder GMA wird der Giermomentaufbau reduziert oder verzögert, wodurch das Fahrzeug auch bei μ-Split-Bremsungen beherrschbar bleibt. 

Warum wird an der Hinterachse praktisch nie eine Individualregelung eingesetzt?

  • Weil eine Individualregelung an der Hinterachse bei μ-Split-Bremsungen ein sehr grosses Giermoment erzeugen würde.

  • Mit der Select-Low-Regelung wird zwar ein etwas längerer Bremsweg in Kauf genommen, dafür bleibt das Fahrzeug deutlich stabiler und für den Fahrer besser kontrollierbar.

  • Diese Priorisierung der Fahrstabilität ist insbesondere an der Hinterachse entscheidend.

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