Neurologische Störungen
Akut ischämische Schlaganfall, Meningitis und Encephalopathie, Bewusstseinsstörungen, Neuromuskuläre Erkrankungen
Akut ischämische Schlaganfall, Meningitis und Encephalopathie, Bewusstseinsstörungen, Neuromuskuläre Erkrankungen
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Lernkarten
Ischämisch vs Hämoragisch Stroke
• Klinisch kann NICHT unterschieden werden zw. ischämischer und
hämorrhagischer Genese
• Therapeutisch und prognostisch relevant
• Keine Therapie vor Bildgebung (CT, MRI)
• Rascher Transport in Institution mit Behandlungsauftrag
• Spitäler ohne Behandlungsauftrag sollen nur angefahren werden bei kardiorespiratorischen
Instabilitäten, die keine Weiterfahrt zulassen
• keine primäre Bildgebung im Regionalspital, damit keine Zeit-Verzögerung
• Stroke kann in jedem Alter auftreten (auch bei Kindern)
Ursachen Iscämisch vs Hämorrhagische Stroke
• Ischämischer Stroke
• Thrombose
• Embolie
• Systemische Hypoperfusion
• Hämatologische Erkrankungen
• Atherosklerose von grossen Gefässen
• Speziell: Sinusvenenthrombose
• Hämorrhagischer Stroke
• Spontane intrazerebrale parenchymatöse Blutung (ICB)
• Atraumatische bzw. aneurysmatische Subarachnoidalblutung (aSAB)
Massnahmen im Rettungsdienst
• Sicherung der Vitalfunktionen
• Grossvolumige venöse Zugänge kubital
• Rascher Transport in geeignete Institution
• Anamnese, Fremdanamnese, Medikamente
• «last time seen normal»
• Keine Antithrombotika, zurückhaltend BD-Behandlung (nicht wenn <220mmHg
systolisch)
Innerklinische Phase in der NFZ
• Ausmass der Klinik --> NIHSS
• Ischämie vs. Blutung --> CT oder MRI
• Penumbra --> Perfusions-CT oder MRI
• Kontraindikationen gegen die IV-Lyse bzw. mechanische Revaskularisation
--> Anhand der Gesamtkonstellation wird die primäre Therapie definiert
Penumbra
Penumbra: wie viel Hirngewebe ist bereits irreversibel infarziert und wie
viel ist noch ischämisch und damit potentiell reversibel?
• Perfusions-CT oder MRI
• Anhand bestimmter Parameter (CT: cerebraler Blutfluss, Blutvolumen,…; MRI: PWI,
DWI) wird zwischen «ischemic core» (also irreversibel) und «ischemic field» (also
reversibel) unterschieden
• Die Differenz entspricht der Penumbra, also dem potentiell «rettbaren Gewebe»
Kontraindikationen für die systemische Trombolyse
Akute oder subakute intrakranielle Blutung in aktueller Bildgebung
Rasche Regression der Symptome bis zu einem Grad, der nicht mehr obige Indikationskriterien für eine akute Revaskularisation erfüllt
Symptome oder Zeichen für eine sehr wahrscheinliche aktuelle Subarachnoidalblutung
Frühere Subarachnoidalblutung mit unbekannter oder unvollständig behandelter Blutungsquelle
Riesen-Aneurysma > 25 mm; grosse arteriovenöse Malformationen mit/ohne Fistel; grosses Kavernom; Kavernom mit früherer Blutung und unvollständig behandelter Blutungsquelle; mehrere Kavernome
Aktive bösartige intrakranielle Tumoren (z. B. Glioblastom, Metastase)
Intrakranielle oder intraspinale Intervention < 14 Tage (ausser Lumbalpunktion)
Mittleres bis schweres Schädel-Hirn-Trauma < 6 Wochen
INR > 1.7 oder aPTT > 40 Sek. (spontan oder mit Antikoagulanzien)
Antikoagulation (dem Labor die Substanz und Zeitpunkt der letzten Einnahme bekanntgeben):
wenn Blutspiegel nicht unmittelbar verfügbar oder bei Überschreiten folgender Blutspiegel → direkte EVT.
Ansonsten Obergrenzen für IVT:
Für alle Antikoagulanzien: INR > 1.7 und/oder aPTT > 40 Sek.
Therapeutische Dosen von Heparin (unfraktioniert oder niedermolekular): anti-Xa > 0.2 Units/ml
Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban: anti-Xa > 100 ng/ml
Dabigatran: Thrombin Time (TT) > 80 sec. oder anti-IIa (= Hemoclot® e-dTT) > 100 ng/ml
→ Möglichkeit der Thrombolyse 10 min. nach Praxbind® 5 mg IV erwägen (ohne die Gerinnung nachzukontrollieren)
Endokarditis, Perikarditis, Vaskulitis des Zentralnervensystems (bekannt oder starker Verdacht)
Symptomatisches Aortenaneurysma (ausser wenn vollständig behandelt)
Relative Kontraindikationen für eine systemische Trombolyse
Hoher vorbestehender Behinderungsgrad (z. B. modified Rankin Score ≥ 4) und/oder schwere Komorbiditäten
Klinischer subakuter ischämischer Hirnschlag (< 6 Wochen, mit IVT/EVT behandelt oder nicht)
Stummer (nur bildgebend nachgewiesener) subakuter ischämischer Hirnschlag
Frühere hypertensive intrazerebrale Blutung (IVT erwägen wenn jetzt gut eingestellter Blutdruck)
Früheres oder aktuelles Subduralhämatom
Asymptomatisches intrakranielles Aneurysma 10–25 mm
Kleinere intrakranielle arterio-venöse Malformation, meningeale Fistel, isoliertes kleineres Kavernom oder intrakranielle Dissektion (mit Neuroradiologen diskutieren)
Grosse Anzahl asymptomatischer Microbleeds (Risiko beginnt ab etwa 10 anzusteigen) oder ausgedehnte nicht-traumatische chronische oberflächliche Hämosiderose
Bösartige intrakranielle Tumoren in Remission
Epileptischer Anfall zu Symptombeginn (IVT erwägen wenn akute Ischämie durch Bildgebung nachgewiesen)
Blutzucker < 2.7 oder > 22 mmol/l (IVT erwägen wenn akute Ischämie durch Bildgebung nachgewiesen)
Bekannte Thrombozytopenie < 100 G/l (nicht auf Labor warten wenn keine kürzliche Blutung)
Therapie mit Ticagrelor oder Prasugrel in Kombination mit anderen Antithrombotika
Medikamentös nicht kontrollierbarer Blutdruck deutlich über 185/110 mmHg bei Therapiebeginn
Grosser chirurgischer Eingriff < 14 Tage (mit Spezialisten diskutieren)
Ophthalmologischer Eingriff < 14 Tage (mit Ophthalmologen diskutieren)
Erkrankung mit erhöhtem Blutungsrisiko (mit Spezialisten diskutieren)
Innere Blutung (gastrointestinal, urologisch, aktive Metrorrhagie, etc.) < 14 Tage oder Biopsie eines inneren Organs < 14 Tage (mit Spezialisten diskutieren)
Schweres Körpertrauma < 6 Wochen (mit Spezialisten diskutieren)
Schwangerschaft (Abwägen des Therapieeffekts bei Mutter und des Risikos für den Fötus)
Keine Kontraindikation für eine intravenöse Thrombolyse (IVT)
Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern in Monotherapie oder Kombination von Azetylsalizylsäure und Clopidogrel
Vitamin-K-Antagonisten sofern INR ≤ 1.7
Direkte orale Antikoagulanzien und:
Letzte Einnahme > 48 Std. (> 24 Std. und normale Nierenfunktion)
und/oder tiefe Blutspiegel für spezifische Tests (z. B. anti-Xa ≤ 100 ng/ml oder anti-IIa ≤ 100 ng/ml)
und/oder nach Gabe von spezifischem Antidot
Frühere Subarachnoidalblutung falls die Blutungsquelle bekannt und vollständig behandelt ist (z. B. vollständig behandeltes zerebrales Aneurysma)
Anamnestisch vorausgehende transiente ischämische Attacke
Hygrom (asymptomatisch, nicht durch Subduralblutung bedingt)
Geringe Anzahl von (asymptomatischen) Microbleeds (z. B. weniger als 10) oder von (asymptomatischer) oberflächlicher Hämosiderose
Asymptomatisches intrakranielles Aneurysma < 10 mm
Gutartige intrakranielle Tumoren
Aktive extrakranielle onkologische Erkrankung (falls gastro-intestinale Teilnahme: mit Spezialisten diskutieren)
Bekanntes asymptomatisches Bauchaortenaneurysma
Status nach kleineren chirurgischen Eingriffen an einem leicht zugänglichen Ort
Status nach zerebraler oder koronarer Angiographie oder perkutaner koronarer Revaskularisation
(wenn aggressive Antithrombotika: siehe Kontraindikationen in Tabellen 7 und 8)
Status nach Lumbalpunktion oder arterieller Punktion (auch vor wenigen Stunden)
Bekannte frühere und genügend behandelte innere Blutungen (gastrointestinal, urologisch, etc.)
Menstruation
* Über die Sicherheit und Nutzen einer IVT nach Gabe von Ondexxya® bei Einnahme von anti-Xa-Antikoagulanzien liegen noch keine Daten vor.
Mögliche Therapie
Intravenöse Fibrinolyse
Endovaskuläre Therapie
Voraussetzungen zur Therapie Ischämische Stroke
• Radiologischer Nachweis eines ischämischen Hirnschlags
• Behinderndes Defizit (Ausnahme: spezifische Verschlusslokalisationen, bspw.
Basilaris, ACI, M1)
• Ausschluss Kontraindikationen
• Siehe oben: Blutung,…
• Patientenspezifisch: Lebenserwartung <3 Mo, schwere vorbestehende Behinderung,
sehr schlechte Lebensqualität
Innerklinische Phase in der Stroke Unit bzw. ICU
• Grundsätzliches Monitoring und Therapieziele
• Allgemeine Komplikationen
• Komplikationen nach IV-Lyse
• Komplikationen nach endovaskulärer Therapie
• Posteriores Stromgebiet
• Maligner Mediainfarkt
• Maligner Kleinhirninfarkt
Monitoring und Therapieziele
Neurologisch
• Monitoring: GCS, Pupillen, Mini-NIHSS, NIHSS
Kardiovaskulär
• Monitoring: EKG-Monitoring, BD invasiv/nicht-invasiv (mmH)
• Nicht nur obere, auch untere Limite: MAP 70-90 mmHg
• Pauschale BD-Ziele schwierig, individuell zu definieren (abhängig von Patient,
Erfolg der IV-Lyse bzw. endovaskulären Therapie, Vor-Erkr,…)
• Zu aggressive BD-Senkung (bspw. <120mmHg systolisch) ist mit schlechterem
Outcome verbunden
• Wichtig ist vor allem:
• Vermeide Hypotonie
• Vermeide starke BD-Schwankungen
BD Medikamentöse Therapie
• Therapie einer Hypertonie: Ebrantil, Trandate, Cleviprex
• Therapie einer Hypotonie: Flüssigkeit, Noradrenalin
Monitoring und Therapieziele Pulmonal
Pulmonal
• Monitoring: SpO2, (PO2, PCO2)
• Ziele: SpO2 94-98%
• Falls nötig Intubation und mechanische Ventilation
• «lung-protective ventilation»: wie immer
• «brain-protective ventilation»:
• engere PCO2-Limiten (4.5-6.0 kPa)
• vorsichtig mit PEEP >8, Recruitment-Manövern, Bauchlage (Abwägung, ggf. unter ICP-
Monitoring)
Weaning, Extubation
• «asap» bzw. oberste Priorität hat die klinisch-neurologische Beurteilbarkeit
• Überdurchschnittlich häufiges Extubationsversagen
• Atemdrive
• Hustenreflex, Schluckreflex, Sekretmanagement
• Atemweg offen halten
• VISAGE-Score: 90% Erfolgsrate, falls ≥3 Punkte
• Alter <40y
• GCS >10
• Blickfolge mit den Augen
• Schlucken (spontan oder auf Aufforderung)
Tracheotomie
• 2 Szenarien:
• Stroke mit schwerer Dysphagie
• Stroke mit Bewusstseinsstörung oder Atemstörung
• Wie immer: Entscheidung «früh» (<5-7d) vs. «spät»
Renal, Gastrointestinal, Infektiös
• Diurese >0.5 ml/kg/h
• Elektrolyte im Normbereich, v.a. Natrium (eher hoch- als tiefnormal)
• Ernährung, Dysphagie-Abklärung, Stuhlgang
• Glucose im Normbereich, v.a. Vermeiden von Hypo’s)
• Normothermie (falls Fieber, dann Fokussuche und symptomatische Therapie)
Gerinnung
• 0-24h nach IV-Lyse:
• pneumatische Kompressionsstrümpfe
• KEINE antithrombotische Therapie
• >24h und keine Kontraindikationen in der Verlaufsbildgebung:
• ASS (+/- Plavix)
• Medikamentöse Thromboseprophylaxe (LMWH oder UFH)
Allgemeine Komplikationen
• Krampfanfall
• Delir
• Neurologische Verschlechterung:
• Abfall motorischer GCS ≥2
• Zunahme NIHSS ≥2-4 Punkte
• Systemische Komplikationen (Hyperglykämie, Fieber, Dyselektrolytämien,…)
Neurologische Verschlechterung
(«neuroworsening»)
• Erneute oder progressive Ischämie (insuffiziente Reperfusion, Re-Okklusion,
Thrombus-Propagation, Reduktion der Penumbra)
• Sekundäre Einblutung
• Relevant, wenn: NIHSS ≥4 Punkte, konfluierend oder raumfordernd im CT, über
Infarkgrenze hinaus im CT
• Maligne Transformation (siehe weiter unten)
Komplikationen nach IV-Lyse
• Blutung (ZNS, GIT, Zunge, periphere Zugänge,…)
• Diagnostik: grosse Gerinnung
• Therapie: situativ
• Wirkung lässt meist rasch nach (trotz persistierend veränderter Gerinnungswerte)
• ggf. FFP
• ggf. TXA
• ggf. Fibrinogen
Komplikationen nach endovaskulärer Therapie
• Leiste: Blutung, Aneurysma spurium, Dissektion
Posteriores Stromgebiet
• Hinteres Stromgebiet versorgt: occipitaler
Cortex, Thalamus, Mittelhirn, Hirnstamm und
Kleinhirn
• Ca. 15-20% aller Strokes, 1-4% davon durch
Verschluss der Basilaris
• Sehr viele Symptome möglich, teilweise
schwer, teilweise auch sehr gering oder on-off
• Wichtigster prognostischer Faktor ist auch hier: Zeit bis das Gefäss wieder
offen ist
• Outcome fast immer schlecht, wenn >4h tief komatös
• Primär CT-Angiographie +/- Perfusion (Interpretation im hinteren Stromgebiet
und v.a. Hirnstamm schwierig), bei Zweifel notfallmässiges MRI zur Beurteilung
des Stroke-Ausmasses
Maligner Mediainfarkt («supratentoriell»)
• Schwellung von Hirngewebe über das Infarktareal hinausgehend
• Typischerweise Tag 2-5
• Typischerweise bei grossem Media- und Anterior-Infarkt
• RF für maligne Transformation
• >20 Pkt im NIHSS, >50% des Mediastromgebietes, Mitbeteiligung der Stammganglien,
proximaler Verschluss (M1, ACI), Hirndruckzeichen im CT
• Therapie: dekompressive Kraniektomie (DC)
• Je schwerer das Defizit, desto grösser der potentielle Nutzen
• Ziel ist DC, wenn Hinweise in CT, aber noch keine schwere Klinik (also präemptiv, <24-
48h)
• Wenn bereits schweres Defizit (Koma, Hirnstammreflexe ausgefallen), dann
potentieller Nutzen gering
• Rettet Leben und verbessert neurologisches Outcome, ABER meistens trotzdem
gewisse Residuen! (bei >60y überleben mehr, aber v.a .die schwer Behinderten)
Kontraindikationen
• Bilaterale lichtstarre Pupillen mit Koma
• >3 ungünstige Faktoren:
• >50-60y
• Infarkt über das Mediastromgebiet hinausgehend
• Unilaterale Pupillenerweiterung
• GCS <8
Indikationen
• Alter <60 (-70y)
• Symptombeginn vor weniger als 24h (ggf. auch später)
• Infarktzeichen, die >50% des Mediastromgebietes umfassen im CT/MRI
• Einverständnis Patient oder Angehörige
Maligner Kleinhirninfarkt («infratentoriell»)
• Ziel ist DC, wenn Hinweise in CT,
aber noch keine schwere Klinik
(also präemptiv)
• Hinweise im CT:
• Erweiterung der Temporalhörner
• Verlegung der Zisterna quadrigemina
• Verlegung bzw. Verlagerung des
lateralen Recessus zur Seite
• RF für maligne Transformation
• Jüngeres Alter
• PICA- oder SUCA-Infarkt (Posterior-Inferior-Cerebellar-Art.; Superior Cerebellar Art.)
• Hämorrhagische Transformation
• Primäre Hirnstammbeteiligung
• Therapie: occipital Dekompression + externe Ventrikeldrainage (EVD)
Kontraindikationen
• Klinische oder radiologische Zeichen einer irreversibeln Hirnstamm-Ischämie
• Schwere Komorbiditäten
Indikationen
• Zeichen einer progressiven Druckerhöhung im Hirnstammbereich
• Radiologisch sichtbare Raumforderung
• Einverständnis Patient/Angehörige
Mittel- und langfristiges Management
Antithrombotische Therapie (ASS, Plavix, OAK)
• Statin
• Optimale Behandlung der kardiovaskulären Risikofaktoren
• Abklärung der Stroke-Ursache (Rhythmusüberwachung, TTE, MRI Schädel,
Gerinnung,…)
• Rehabilitation
Take Home Message
• Präklinisch Erkennung – Anmeldung – Anfahrt Stroke Unit/Center
• So wenig Verzögerungen und Therapien wie möglich
• Nur mittels Bildgebung kann zw. Ischämie und Blutung unterschieden werden
• Therapeutische Implikationen!
• Je rascher die Therapie, umso besser der Therapieerfolg
• Auch bei sehr alten Patienten
• Differentialdiagnose des «neuro-worsening»
• IPS-Support v.a. wichtig bei schweren Strokes
• «Euboxia»
Sinusvenen-Thrombose
(CVT: cerebral venous thrombosis)
Epidemiologie
• Seltene Ursache eines Stroke
• Schwierig zu diagnostizieren (daran denken, entsprechendes Protokoll fahren)
• Inzidenz 1-2 pro 100’000/Jahr
• F>M (3:1)
• Medianes Alter 37y, nur 8% sind älter als 65y
Risikofaktoren Sinusvenenthrombose
Risikofaktoren Transient
o Infektionen
o SS, Postpartum
o Dehydratation
o SHT
o LP
o Neurochirurgie
o ZVK-jugulär thrombosiert
o Medikamente (Orale Kontrazeptiva, Hormone, Androgene, Tamoxifen, Steroide)
Risikofaktoren permanent
o Kollagenosen, Vaskulitiden,
Chronisch-entzündliche
Darmerkrankungen, Sarkoidose
o Malignome
o Thrombophilie (Protein C-
Defizienz, Protein-S-Defizienz,
Antithrombin-Defizienz, Faktor-V-
Leiden-Mutation, G20210A-
Prothrombin-Gen-Mutation,
Antiphospholipid-Ak-Syndrom,
Nephrotisches Syndrom)
Klinik Sinusvenenthrombose
• Kopfschmerzen (90%, diffus, meistens mässig stark, aber variabel)
• Übelkeit, Erbrechen
• Fokale neurologische Ausfälle (je nach Lokalisation)
• Bewusstseinsstörung bis Koma
• Krampfanfälle
Diagnostik undn Therapie Sinusvenenthrombose
Diagnostik
• Wichtig ist DARAN DENKEN und DANACH FRAGEN!
• Anamnese: RF, Symptome, Medikamente
• CT oder MRI mit Venographie (explizite Fragestellung)
• Je nach vermuteter Ursache ggf. weiterführende Abklärungen
Therapie
• Antikoagulation (UFH, LMWH), auch wenn es eine ICB hat
• ggf. endovaskuläre Therapie (nur als Rescue-Massnahme)
• Hirn-protektive Therapie («wie immer»)
Nomenklatur, Definitionen Krampfanfall
• Epileptischer Anfall: kurzzeitige Unterbrechung der normalen Hirnfunktion
aufgrund einer exzessiven pathologischen neuronalen Aktivität
• Epilepsie: Zustand des Gehirns mit andauernder Bereitschaft epileptische
Anfälle zu generieren
• Diagnose kann gestellt werden bei
• ≥2 unprovozierten epileptischen Anfällen
• ≥1 unprovozierter epileptischer Anfall mit hohem Rezidivrisiko (bspw. Hirntumor oder ETP’s im EEG)
Status epilepticus und weitere Verlaufsformen
• Kontinuierliche epileptische Aktivität (Klinik oder EEG)
• ODER
• Rezidivierende Aktivität ohne zwischenzeitliche Erholung
RSE und SRSE
• Refraktärer Status Epilepticus (RSE): SE persistiert trotz mind. 2 IV-
Antiepileptika
• Super-Refraktärer Status Epilepticus (SRSE): SE persistiert trotz 24h
Allgemeinanästhesie und mind. 2 IV-Antiepileptika
Primäre Diagnostik SE
• Anamnese, Fremdanamnese (Symptome, Medi-Compliance, pro-epi-Medis,…)
• Labor Blut: Elektrolyte (Na), Glucose, Niere, Leber, TSH, evtl. AED-Spiegel
• Tox-Screen (Triage-8 oder erweitert, je nach Verdacht)
• Cerebrale Bildgebung (primär Angio-CT, im Verlauf ggf. MRI)
• Evtl. LP
Erweitere Diagnostik (v.a. wenn nicht rasch sistiert, also RSE und SRSE)
• Labor Blut: Autoimmun-Antikörper, Onko-neurale Antikörper
• MRI Schädel
• …a lot more….
• …je nach Verlauf ggf. Wiederholung gewisser Diagnostika
Wichtig bei Status epilepticus, RSE und SRSE
• «time ist brain»
• T1 und T2….5min bzw. 30min sind rasch vorbei
• Trifft der RD präklinisch bei einem krampfenden Patienten ein, ist das bereits ein
Status epilepticus
• Taste den Puls (Kammerflimmern kann zu hypoxischen Anfall führen!)
Therapie beim klassischen Status epilepticus, RSE und SRSE
Benzodiazepine
• Lorazepam IV, Clonazepam IV, Midazolam IV/IM/IN, Diazepam IV/rektal
• Kein klarer Vorteil einer Substanz
• Wichtiger ist rasche Gabe in genügend hoher Dosierung
• Eine adäquate Dosierung reduziert das Risiko eines respiratorischen
Versagens
Antiepileptika
• Levetiracetam, Valproinsäure, Lacosamid
• Kein klarer Vorteil einer Substanz, Wahl in Abhängigkeit des Patienten und
seinen Vorerkrankungen
• Wichtig ist v.a. die genügend hohe Dosierung mittels Ladedosis
• Phenytoin wird kaum mehr verwendet (gleich effektive Alternativen mit weniger
Nebenwirkungen)
Nach 30-60min erfolgloser Therapie
• Besteht eine «intention to treat» aggressive Behandlung in der IPS
• Intubation und Allgemeinanästhesie
• Ratio: Unterdrückung der Krampfaktivität und gleichzeitig Wirkaufbau der AED
• Substanzwahl: Propofol, Midazolam
• Midazolam grundsätzlich zu bevorzugen (stärkere antiepileptische Potenz)