Ausbildung NFS: respiratorische Notfälle
Nach Thieme Retten Notfallsanitäter
Nach Thieme Retten Notfallsanitäter
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Flashcards
Welche Differenzialdiagnosen müssen bei v.a. auf einen Spontanpneumothorax in Betracht gezogen werden?
***Spontanpneumothorax: Differenzialdiagnosen***
- Alle Thoraxschmerzen mit Dyspnoe
- z.B.: Herzinfarkt, LAE, COPD-Exazerbation, Aortendissektion
- Wegweisend ist hier ein einseitig vermindertes Atemgeräusch
- Auszuschließen ist zudem ein traumatisch bedingter Pneumothorax
Welche Basismaßnahmen sollten bei Spontanpneumothorax in Betracht gezogen werden?
***Spontanpneumothorax: Basismaßnahmen***
- ABCDE
- Basismonitoring: AF, SpO2, Auskultation, Recap, Puls, RR, EKG
- Atemerleichternde Lagerung je nach Bewusstseinslage
- i.v.-Zugang und ggf. Medikation vorbereiten
- frühzeitige Sauerstoffgabe (Zielwert 92-96% bzw. 88-92% bei Hypoxämierisiko)
- Bei Hypoxämie nachforderung NA
- Transport in Klinik mit Unfallchirurgie
Welche erweiterten Maßnahmen sollten beim Spontanpneumothorax in Betracht gezogen werden?
***Spontanpneumothorax: Erweiterte Maßnahmen***
- Anlage Thoraxdrainage durch NA bei Spontanpneumothorax mit hochgradiger Dyspnoe
- v.a. auf Spannungspneumothorax Thoraxentlastungspunktion durch NFS vor Eintreffen NA
Wie erfolgt die klinische Versorgung eines Spontanpneumothorax und wie ist die Prognose?
***Spontanpneumothorax: klinische Versorgung und Prognose***
- Je nach Ausmaß
- Abwarten, bis Luft aus dem Pleuraspalt resorberit wird oder
- Thoraxdrainage
- ggf. chirurgische Intervention mit videoassistierte Thorakoskopie um Luftblasen auf der Lungenoberfläche zu entfernen
- Prognose -
- Bei jüngeren Patienten < 45 Jahre gut
- Bei älteren Patienten mit begleitenden Erkrankungen ist die Prognose ungünstiger
- Rezidive -
- Abhängig von der gewälten Therapiemethode
- Chirurgische Intervention hat die geringste Rezidivrate
Wie ist die Hyperventilation definiert?
***Hyperventilation: Definition***
- Unter Hyperventilation versteht man eine über den Bedarf hinausgehende, vertiefte und beschleunigte Atmung
- Der Patient ist sich der zu schnellen Atmung nicht bewusst
Welche Bedeutung hat die Hyperventilation für den Rettungsdienst?
***Hyperventilation: Bedeutung für den Rettungsdienst***
- Am häufigsten betroffen sind weibliche Jugendliche
- Die akute Hyperventilation ist ein Notfallbild, dass ohne Gabe von Medikation durch den NFS gut behandelbar ist
Erkläre die Pathophysiologie der akuten Hyperventilation
***Hyperventilation: Pathophysiologie***
- Durch die Abatmung von Kohlendioxid (CO2) reguliert der Körper seinen Säuren-Basen-Haushalt und damit den pH-Wert des Blutes
- Hierfür passt er die Atemfrequenz und das AMV an die jeweilige Stoffwechselsituation an.
- Verstärkt sich nun die Atmung, ohne dass die physiologisch notwendig ist, gerät der Säure-Basen-Haushalt aus dem Gleichgewicht
- Es kommt zur vermehrten Abatmung von CO2 wodurch der Kohlenstoffdioxidpartialdruck (pCO2) sinkt (= Hypokapnie)
- Infolge der Hypokapnie werden auch weniger Bikarbonat-Ionen und damit auch weniger Wasserstoff-Ionen gebildet.
- Um dies zu kompensieren spalten sich Wasserstoffionen von Plasmaproteinen ab, die dann stattdessen freies Kalzium bilden.
- Die Konzentration von freiem Kalizum im Blut sinkt (relative Hypokalziämie)
- Zusätzlich kommt es als Reaktion auf die Hypokapnie zu einer Engstellung von zerebralen und koronaren Arterien (Alkalose senkt die Akvitität von Wasserstoffionen-gesteuerten Kaliumkanälen und fördert die Immigration von Ca2+ in die Muskelzellen der Tunica media
- Kalzium und Muskelzellen -
- Kalzium wirkt membranstabilisierend, senkt also die Erregbarkeit von Muskel- und Nervenzellen
- Durch den Mangel steigt nun die Erregbarkeit der Muskel- und Nervenzellen
Welche Ursachen kann eine Hyperventilation haben?
***Hyperventilation: Ursachen***
- Auslöser einer Hyperventilation sind idR pschische Faktoren wei Angst, akuter Stress oder Panik
- Seltenere Ursachen -
- Seltener ist einer Hyperventilation aufgrund einer metabolischen Azidose
- Der Körper versucht hier die metabolische Azidose mit der Abatmung von CO2 respiratorisch zu kompensieren.
- Ursachen sind hier z.B.
- Ketoazidose
- Urämie
- Andere Ursachen sind:
- Lungenarterienembolie
- Asthma bronchiale
- kardiale Insuffizienz
Welche Symptome kann eine Hyperventilation verursachen?
***Hyperventilation: Symptome**'
- Leitsymptom ist die deutliche Tachypnoe mit schwerer (subjektiv-empfundener) Dyspnoe
- Weitere Symptome -
- Die weiteren Symptome ergeben sich als Folge der Gefäßspasmen und der Hypokalziämie
- Schwindel, Tachykardie und AP-Beschwerden -> Gefäßspasmen
- Kribbeln / Missempfindungen in Händen, Füßen, Mund -> Hypokalziämie
- ggf. Karpfenmund (?)
- Muskelkrämpfe v.a. der Hände (Pfötchenstellung) -> Hypokalziämie
- Erregungszustand, Angst, Blässe, Schwitzen, Zittern -> Adrenerge Stressreaktion?
- ggf. Synkope -> zerebrale Gefäßspasmen als Folge der Alkalose
Welche Differentialdiagnosen müssen bei v.a. Hyperventilation in Betracht gezogen werden?
***Hyperventilaion: Differentialdiagnosen***
- Das klinische Bild ist idR eindeutig
- Bei erstmaligem Auftreten sollten organische Urachen möglichst ausgeschlossen werden.
- Eine Zyanose z.B. deutet auf eine gefährliche Ursache von Atemnot und Tachypnoe hin
- Differentialdiganosen -
- Pneumothorax = idR Atemgeräusch nur einseitig
- Pneumonie = idR pathologische Atemgeräusche oder Fieber
Welche Basismaßnahmen können bei einem Patienten mit Hyperventilation ergriffen werden?
***Hyperventilation: Basismaßnahmen***
- Vitalfunktionen nach ABCDE sicherstellen
- Basismonitoring v.a. SpO2, AF, Rekap, PF, RR, 6-Kanal-EKG und falls verfürgbar Kapnografie
- Lagerung: Aufrecht mit erhöhtem Oberkörper
- Sturzprävention -> Synkope möglich !!!!
- Atmung beruhigen z.B. über Atemkommandos
- Rückatmung in Papier- oder Plastiktüte zur Verringerung der Hypokapnie durch Rückatmung der mit CO2 angereicherten Ausatemluft. Wichtig: Hierbei regelmäßig Frischluft einatment lassen, um Hypoxie vorzubeugen. Der Patient sollte diese Maßnahme zulassen (Atemnot).
- ggf. i.v.-Zugang vorbereiten
- Anamnese zum Ausschluss organischer Ursachen
- Nachforderung NA wenn nach 10 - 15 Minuten keine Besserung eintritt
Welche erweiterten Maßnahmen können bei einer Hyperventilation getroffen werden?
***Hyperventilation: Erweiterte Maßnahmen***
- Ist die Hyperventilation mit den Basismaßnahmen nicht zudurchbrechen, kann der NA eine medikamentöse Therapie einleiten:
- Diazepam 2 - 10 mg i.v. (0,1-0,2 mg/kg KG i.v.)
- Midazolam 1,25 - 2,5 mg i.v. (0,03 - 0,1 mg/kg KG i.v.)
- Lorazepam 1 - 2,5mg p.o.
- Sollte eine medikamentöse Therapie erforderlich werden, sollte der Patient zur Überwachung in eine Klinik transportiert werden.
Wie werden zentrale Atemstörungen definiert?
***Zentrale Atemstörungen: Definition***
- Unter zentralen Atemstörungen oder auch Störungen der Atemregulation werden Veränderungen der Atemfrequenz, des Atemrhytmus oder des Atemzugvolumens zusammengefasst, die auf eine Schädigung bzw. eine Störung des Atemzentrums in der Medulla oblongata zurückzuführen sind.
Welche Bedeutungen haben zentrale Atemstörungen für den Rettungsdienst?
***Zentrale Atemstörungen: Bedeutung für den Rettungsdienst***
- Störungen der Atemregulation sind idR keine eigenen Krankheitsbilder sondern Symptome einer zugrundeliegenden Erkrankung oder Schädigung.
- Die Therapie dieser Grunderkrankung ist im Rettungsdienst selten bis garnicht möglich, sodass sich die präklinische Therapie auf eine Sicherung der Vitalfunktionen beschränkt.
Erkläre die Pathophysiologie bei zentralen Atemstörungen
***Zentrale Atemstörung: Pathophysiologie***
- Die Atmung bzw. genauer die Aktivität der Atemmuskulatur wird grundsätzlich vom Atemzentrum in der Medulla oblongata im Hirnstamm reguliert
- Ist dieses Zentrum gestört (z.B. bei Kompression durch Hirndruckanstieg oder Mediakmente) gerät diese Regulation aus dem Gleichgewicht und Atemfrequenz, Atemtiefe und damit auch Atemzug- und Atemminutenvolumen verändert sich.
- Dies wirkt sich in erster Linie auf die Ventilation aus.
- Folgen sind z.B. eine Tachy- oder Bradypnoe bis hin zur Apnoe
- Bestimmte Störungne können spezielle Atemmuster hervorrufen. Auf der nächsten Karte dazu mehr.
Welche typischen Atemmuster kann eine zentrale Atemstörung hervorrufen?
***Zentrale Atemstörungen: spezielle Atemmuster***
- Kußmaul-Atmung -
- Bei der Kußmaul-Atmung handelt es sich um eine regelmäßige vertiefte Atmung
- Ursachen sind periphere (nicht-zentrale) Störungen wie z.B. eine metabolische Azidose (Dieses Atemmuster sorgt für die vermehrte Abatmung von CO2 und ist eine Extremform der respiratorischen Kompensation)
- Cheyne-Stokes-Atmung -
- Die Cheyne-Stokes-Atmung zeichnet sich aus, durch eine periodische Zunahme der Atemtiefe, bis zum Erreichen eines Peaks.
- Nach dem Peak folgt eine periodische Abnahme bis hin zur Atempause, bevor es wieder zur Zunahem kommt
- Ursachen sind zentrale Störungen wie z.B. die Mangeldurchblutung des Gehirns, oder Vergiftungen
- Biot-Atmung -
- Bei der Biot-Atmung handelt es sich um gleichmäßige tiefe und kräfte Atemzüge
- Dazwischen finden sich längere Atempausen, diese sind besonders charakteristisch
- Ursachen sind ebenfalls zentrale Störungen durch neurologische Schäden.
- Häufig ist hier eine Hirndruckerhöhung die Ursache
- Schnappatmung -
- Bei der Schnappatmung handelt es sich um vereinzelt tiefe Atemzüge
- Dazwischen liegen lange Atempausen
- ACHTUNG -> keine suffizienze Atmung -> Reanimation
- Es handelt sich hierbei um einen agonalen Zustand. Sie tritt meist bei einem Kreislaufversagen mit zentraler Hypoxie kurz vor dem Tod auf.
Welche Ursachen kann eine zentrale Atemstörung haben?
***Zentrale Atemstörung: Ursachen***
- Prinzipiell können alle Erkrankungen des Gehirns, Hirndruckerhöhungen oder entgleiste Stoffwechsel zu einer STörung der Atemregulation führen.
- Besonders wichtig sind jedoch:
- Stoffwechselstörungen (z.B. Azidosen, Alkalosen)
- Hirninfarkt oder ICB im Bereich der Medulla oblongata
- Tumore im Bereich der Medulla oblongata
- SHT
- Intoxikationen besonders mit Opiaten und Benzodiazepinen
Wie äußern sich zentrale Atemstörungen sympotmatisch?
***Zentrale Atemstörungen: Sympotme***
- Gestörte Atemrhythmik betreffende Atemzugvolumen, Atemfrequenz, Atemmuster,
- Begleitsymptomatik -
- In den meisten Fällen liegen Sympotme der Begleiterkrankung vor
- Dabei könnte es sich zum Beispiel um eine Halbseitenlähmung, oder äußere Verletzungen bei einem Schädel-Hirn-Trauma handeln.
- Differenzialdiagnosen -
- Mithilfe dieser Begleitsymptomatik sollte die Ursache der Atemregulationsstörung festgestellt werden
Welche Basismaßnahmen können bei einer zentralen Atemstörung ergriffen werden?
***Zentrale Atemstörung: Basismaßnahmen***
- Sicherstellung der Vitalfunktionen nach ABCDE
- Basismonitoring: AF, SpO2, Recap, PF, RR, 6-EKG
- Lagerung
- OHL 30° - 45° wenn bewusstseinsklar
- OHL 30° wenn bewusstseinsgetrübt (somnolent)
- Flachlagerung wenn bewusstlos unter kontinuierlicher Überwachung der Atemwege und ständiger Absaugberetischaft bei erhöhtem Aspirationsrisiko
- Sauerstoffgabe an SpO2 angepasst (Zielwert 92-96%)
- assistierte Beatmung bei niedrigem Tidalvolumen oder AF < 8
- Beatmungsbereitschaft herstellen
- i.v.-Zugang und VEL vorbereiten bzw. legen
- Nachforderung NA
- SCHNELLEN Transport anstreben unter Schockraumanmeldung
- Erweiterte Maßnahmen -
- idR maschinelle Beatmung
- Weiteres je nach Ursache
Wie ist die Lungenarterienembolie definiert?
***LAE: Definition***
- Unter einer Lungenarterienembolie versteht man den teilweisen oder vollständigen Verschluss einer Lungenarterie bzw. derer Äste durch einen eingeschwemmten Embolus
- Im Prinzip handelt es sich um eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems. Sie veursacht jedoch starke respiratorische Symptome.
Welche Bedeutung hat die LAE für den Rettungsdienst?
***LAE: Bedeutung Rettungsdienst***
- Eine LAE ist im Rettungsdienst nur selten wirklich erkennbar
- Die meisten betroffenen haben nur unspezifische Symptome
- Bei entsprechenden Risikofaktoren und Anzeichen einer Atemstörung und ggf. einer Störung des Herz-Kreislauf-Systems sollte daher immer auch die Verdachtsdiagnose LAE in erwägung gezogen werden.
- LAE können lebensbedrohlich sein.
- Eine frühzeitige Therapie ist entscheidend.
Definiere den Begriff "Embolus"
***LAE: Definition Embolus***
- Bei einem Embolus handelt es sich um körpereigenes oder körperfremdes Material (z.B. Blutgerinnsel, Fett, Fremdkörper), das ein Gefäß verengt, oder komplett verlegt.
Erkläre die Pathophysiologie einer LAE
***LAE: Pathophysiologie***
- Ein Thrombus (ggf. aus den Beinvenen) löst sich und wird als Embolus mit dem Blutsrom ins rechte Herz und von dort in die Lunge geschwemmt.
- Thrombus verlegt jetzt Gefäße je nach Größe (leichte bis lebensbedrohliche Beschwerden)
- Durch den Verschluss steigt der Gefäßwiderstand und damit auch der arterielle Blutdruck in der Lungenstrombahn (= pulm. Hypertonie)
- Gegen diesen erhöhten Druck muss der rechte Ventrikel jetzt anpumpen -> die Rechtsherzbelastung steigt
- Zusätzlich setzt das Endothel vasoaktive Substanzen frei, die auch in eigentlich nicht betroffenen Bereichen zu einer Vasokonstriktion führen (durch mechanische Reizung oder Verletzung durhc den Thrombus)
- Das rechte Herz gleicht dies nun aus -> ggf. vorübergehender Anstieg des Blutdrucks
- Wird die Belastung andauernd oder zu schwer kommt es zur akuten Rechtsherzinsuffizienz besonders bei großen Emboli
- Dadurch reduziert sich die Füllung des linken Ventrikels und die Durchblutung des Myokards und des Körperkreislaufs nehmen ab
- Folgen sind eine Hypotonie und in schlimmen Fällen ein kardiogener Schock
- Durch das sinkende HZV steigt die Sauerstoffausschöpfung in der Peripherie
- Gleichzeitig wird das Blut durch den Verschluss weniger mit Sauerstoff angereichert.
- dadurch sinkt der Sauerstoffpartialdruck im Blut -> Hypoxämie