Ausbildung NFS: respiratorische Notfälle
Nach Thieme Retten Notfallsanitäter
Nach Thieme Retten Notfallsanitäter
-
- 1 / 103
-
Flashcards
Wie handelst du bei der Aspiration von Flüssigkeiten und welche erweiterten Maßnahmen stehen zur Fremdkörperentfernung zur Verfügung?
***Aspiration: Erweiterte Maßnahmen und Flüssigkeiten***
- Erweiterte Maßnahmen -
- VEL-Infusion zum Offenhalten des Zugangs
- Transport in Oberkörperhochlage in geeigente Klinik mit Möglichkeit zur Bronchoskopie
- ggf. Load-and-Go
- Bei Hypoxämie und resp. Erschöpfung Intubation und Beatmung
- Flüssigkeitsaspiration -
- Kopf des Patienten zur Seite drehen
- Mundraum ausräumen
- in Seitenlage absaugen
Wie ist die akute Tonsillitis definiert?
Erkläre die Pathophysiologie der akuten Tonsillitis
***Akute Tonsillitis: Pathophysiologie***
- Durch bakterielle (häufig Streptokokken B) und virale Infektionen kommt es zu einer Entzündung der Tonsillen und des umliegenden Gewebes und zu einer Vermehrung der aktiven Lymphfollikel
- Folge ist ein Anschwellen des lymphatischen Gewebes
- Wird die Rachenenge (Isthmus faucium) durch die beidseits vergrößerten Tonsillen verlegt, kann eine Atemnot entstehen
- Dies kann durch ohne bereits vergößerte Tonsillen (hyperplastische Tonsillen) begünstigt werden
- Bei chronische Tonsillitis kann sich ein Peritonsillarabszess ausbilden. Auch er kann bei entsprechender Größe zu einer Einengung der Atemwege führen.
- Meist sind Jugendliche und Erwachsene betroffen.
Was sind Ursachen der akuten Tonsillitis?
***Akute Tonsillitis: Ursachen***
- virale Infektionen (Adeno-, Rhino-, Corona- oder Influenzaviren) = seröse Entzündung ohne Eiter
- bakterielle Infektionen (Häufig Streptokokken A, Diphterie) = eitrige Entzündung
- Warum Eiter und warum serös? -
- Bakterille Entzündungen mit Eiter verursachenden Bakterien wie z.B. Streptokokken oder Staphylokokken aktivieren das angeborenen Immunsystem und hierbei insbesondere die neutrophilen Granulozyten. Sie sterben ab und bilden zusammen mit den Bakterien und Gewebstrümmern den Eiter
- Virale Entzündungen vermehren sich intrazellulär. Das führt typischerweise eher nicht zur massiven Einwanderung von neutrophilen Granulozyten sondern zu einer Aktivierung von T- und B-Lymphozyten. Die Ausschüttung zytotoxischer Substanzen führt zum Absterben der infizierten Zellen. Es kommt weniger zur Einwanderung von neutrophilen Granulozyten.
Mit welchen Symptomen geht eine akuten Tonsillitis einher?
***Akute Tonsillitis: Symptome***
- Halsschmerzen mit starken Schluckbeschwerden und ggf. Ausstrahlung bis in die Ohren
- Fieber (mit Schüttelfrost) bis 40 °C
- Engegefühl im Rachenbereich
- starkes Krankheitsgefühl
- druckschmerzhafte Halslymphknoten
- Inspektion des Rachenraums -
- stark geschwollene, gerötete Tonsillen ggf. mit weißen Eiterstippchen behaftet
- Bei starker Einengung der Rachenenge ggf. auch insp. Stridor. Dann auch Atemnot.
- Peritonsilliarabszess -
- Häufig ins Ohr ausstrahlende Schmerzen
- druckempfindliche Halslymphknoten meist einseitig
- Gaumenbogen und Uvula zeigen ggf. eine Vorwölbung und sind gerötet
Welche Differenzialdiagnosen müssen bei einer akuten Tonsillitits abhängig vom Alter in Betracht gezogen werden?
***Akute Tonsillitis: Differenzialdiagnosen***
- Säuglinge: Laryngomalazie = Stridor aufgrund eines noch weichen Kehlkopfgerüsts
- Kinder: akute Epiglottitis, Pseudokrupp, Retropharyngealabszess, Mononukleose (Pfeiffer-Drüsenfieber), Diphterie,
- Erwachsene (v.a. ältere Männder): Larynx- und PharynxCA
Welche Basismaßnahmen können bei der akuten Tonsillitis ergriffen werden?
***Akute Tonsillitis: Basismaßnahmen***
- Sicherstellung der Vitalfunktionen nach ABCDE
- Basismonitoring: AF, SpO2, Recap, Puls, RR, KKT
- atemerleichternde Lagerung: Oberkörperhochlage
- i.v.-Zugang und Medikation vorbereiten
- ggf. angepasste SpO2-Gabe
- Kühlung von außen (Kühlpack) oder innen (Eiweißwürfel)
- Nachforderung NA bei hochgradiger Dyspnoe
- Bei Bedarf: Transport in eine Klinik mit HNO-Abteilung
Welche erweiterten Maßnahmen können bei der akuten Tonsillitis ergriffen werden?
***Akute Tonsillitis: erweiterte Maßnahmen***
- Bei akuter Schwellung: Inhalation mit Adrenalin
- Analgesie: z.B. Novalgin
- Glukkokortikoidgabe
- Im Extremfall: Atemwegssicherung mittels Intubation und Beatmung
Wie erfolgt die klinische Behandlung der akuten Tonsillitis und wie ist die Prognose
***Akute Tonsillitis: Klinische Versorgung und Prognose***
- Klinische Versorgung -
- Konservative Behandlung
- bei akute Tonsillitis ohne augeprägte Dyspnoe
- Rachenabstrich bei bakterieller Ursache
- Auswahl des erregerspezifischen Antibiotikums
- Gabe von entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamenten
- Interventionelle Therapie
- Entfernung der Gaumenmandeln
- rezidivierende antibiotikapflichtige Tonsillitiden (ab. 6x pro Jahr)
- Tonsillektomie bei Gefahr der Atemwegsverlegung
- Prognose -
- Gute Prognose bei rechtzeitiger Behandlung
- Komplikationen
- Peritonsillarabszess bei "Verschleppung" der Erkrankung
- Streptokokkensepsis (selten)
- Streptokokkenbedingte Folgeerkrankungen wie z.B. rheumatisches Fieber oder Glomerulonephritis
Wie ist die akute Epiglottitis definiert?
***Akute Epiglottitis: Definition***
- Bei der akuten Epiglottitis handelt es sich um eine akute bakterielle Entzündung des Kehlkopfeingangs.
- Aufgrund der massiven Schwellung der Epiglottitis kann die Erkrankung lebensbedrohlich sein
Welche Bedeutung hat die Akute Epiglottitis für den Rettungsdienst?
***Akute Epiglottitis: Bedeutung für den Rettungsdienst***
- Durch die Impfungen tritt die Epiglottitis im deutschsprachigen Raum nur noch extrem selten auf
- Sie kann aber potenziell lebensbedrohlich sein
- Betroffen sind v.a. Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 7 Jahren
Beschreibe die Pathophysiologie der akuten Epiglottitis
***Akute Epiglottitis: Pathophysiologie***
- Der Kehldeckel (Epiglottis) hat die Aufgabe den Kehlkopf und damit die unteren Atemwege beim Schluckakt zu verschließen und ein Eindringen von Speisebrei in die unteren Atemwege zu verhindern
- Eine akute Entzündung führt zu einer Schwellung der Schleimhaut im Bereich des Kehlkopfeingangs
- Das geschwollene Gewebe der Epiglottis verschließt daraufhin auch außerhalb des Schluckvorgangs den Kehlkopfeingang mehr oder weniger
- Bei vollständigem Verschluss droht ein Erstickungstod
Beschreibe die Ätiologie der akuten Epiglottitis
***Akute Epiglottitis: Ätiologie***
- Erreger der akuten Epiglottitis ist fast immer das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B
- In den meistne Fällen nimmt die Infektion einen septischen Verlauf
- Weitere Errger sind Streptokokken
Wie äußert sich die akute Epiglottitis klinsich?
***Akute Epiglottitis: Klinik***
- Die Erkrankung zeichnet sich aus durch einen plötzlichen Beginn meist aus völliger Gesundheit heraus
- Das Kind nimmt häufig eine Schonhaltung ein (nach vorne gebeugt mit abgestützten Armen)
- Der Mund ist geöffnet und häufig ist die Zunge zu sehen
- Symptome -
- starke Halsschmerzen
- zunehmende Schluckbeschwerden (Nahrungsverweigerung) als Erstsymptom
- hohes Fieber (> 39°C) mit aufgeprägtem Krankheitsgefühlt
- Speichelfluss (Speichel wird nicht mehr geschluckt)
- Zunehmende Dyspnoe mit insp. Stridor und karchelender (schnarchender) Atmung
- kloßige Sprache (nicht immer)
- Zyanose
Welche Differenzialdiagnosen müssen bei v.a. akute Epiglottitis in Betracht gezogen werden?
***Akute Epiglottitis: Differenzialdiagnosen***
- Fremdkörperaspriation (meist Hustenattacken und kein Fieber)
- allergisch bedingtes Kehlkopfödem z.B. durch Nahrungsmittel oder Insektengifte
- Pseudokrupp
- Unterscheidung Epiglottitis und Pseudokrupp -
- Alter
- E: 2-7 Jahre
- P: 6 Monate bis 4 Jahre
- Krankheitsbeginnd
- E: plötzlich
- P: sukzessive
- Jahreszeit
- E: ganzjährig
- P: Häufung in Herbst und Winter
- Tageszeit
- E: ganztägig
- P: besondes nachts
- KKT
- E: hohes Fieber
- P: erhöhte Temperatur
- Stimme
- E: kloßig
- P: leise, z.T. heiser
- Husten
- E: selten
- P: häufig, bellend,
- Schluckbeschwerden
- E: ja
- P: nein
- Speichefluss
- E: ja
- P: nein
- Stridor
- E: insp.
- P: insp.
Wie erfolgt die Basismaßnahmen bei einer akuten Epiglottitis?
***Akute Epiglottitis: Basismaßnahmen***
WICHTIG:
- Besteht bei einem Kind der Verdacht auf eine akute Epiglottitis müssen alle diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen auf das absolut notwendige Minimum beschränkt bleiben um unnötigen Stress für das Kind zu vermeiden
- Stress und Angst erhöhen den Sauerstoffbedarf was die Symptomatik verschlimmert und bis zum Erstickungstod
- Basismaßnahmen -
- Vitalfunktionen nach ABCDE sicherstellen (keine Inspektion des Mund-Rachen-Raumes)
- Monitoring: Stress für das Kind vermeiden, SpO2 beobachten
- Lagerung: erhöhter nach vorne gebeugter Oberkörper (idR nimmt das Kind diese Haltung selber ein)
- Sauerstoffgabe (Achtung Maske vor das Gesicht halten, 4-6l / min)
- Absaug- und Intubationsbereitschaft herstellen
- NA nachfordern (am besten Kindernotarzt)
- Schnelller Transport (ohne SoSi zur Stressvermeidung)
Welche erweiterten Maßnahmen werden bei der akuten Epiglottitis durchgeführt?
***Akute Epiglottitis: erweiterte Maßnahmen***
- Intubationsbereitschaft (Tubusgröße kleiner wählen)
- Auf Injektionen verzichten (Stress)
- ggf. inhalative Epinephringabe (0,5mg / kg KG + 5 ml NaCl über Inhalationsmaske
- Prednisolon 100 mg über Zäpfchen (am besten durch die Eltern)
- Assistierte Beatmung bei zunehmender respiratorischer Erschöpfung
Wie erfolgt die klinische Versorgung der akuten Epiglottitis?
***Akute Epiglottitis: klinische Versorgung***
- zielgerichtete Antibiose
- hochdosierte Glukokortikoidgabe
- Intubation je nach Zustand
- Alternativ transtracheale Kanülierung oder Kontiotomie
- Der Patient ist Intensivpflichtig
- Letalität liegt bei 5-10 %
Wie ist der Pseudokrupp definiert?
***Pseudokrupp: Definition***
- Beim Pseudokrupp handelt es sich um eine virusbedingte entzündliche Erkrankung des Kehlkopf unterhalb der Epiglottis.
- Sie geht mit einer Schwellung der Schleimhäute einher
- Synonyme -
- Laryngitis supglottica
- Laryngitis acuta
- stenosierende Laryngotracheitis
- Akute Laryngopharyngitis
- Krupp-Syndrom
Welche Bedeutung hat der Pseudokrupp im Rettungsdienst?
***Pseudokrupp: Bedeutung für den RD***
- Häufige Erkrankung im Kindesalter
- Betrifft vor allem Kinder zwischen 6 Monaten und 5 Jahren
- Wirkt auf die Eltern häufig sehr bedrohlich
- Tritt häufig in Herbst und Winter und vor allem Abend oder Nachts auf
- Er ist aber nur selten lebensbedrohlich
Erkläre die Pathophysiologie des Pseudokrupps
***Pseudokrupp: Pathophysiologie***
- Durch die Infektion schwillt das Kehlkopfgewebe unterhalb des Kehldeckels an (geförderte Durchblutung, Mediatoren, Immunreaktion)
- Dadurch verengen sich die Atemwege
- Der Pseudokrupp tritt wegen der erhöhten Viruslast und der geschwächten Immunabwehr besonders in Herbst und Winter auf
- Auch Passivrauchen und starke Luftverschmutzung begünstigen das Fortschreiten der Erkrankung
Was sind die Ursachen des Pseudokrupp?
***Pseudokrupp: Ursachen***
- Häufigste Auslöser des Pseudokrupp sind Parainfluenza-Viren
- Auch häufig sind:
- Influenzaviren
- Adenoviren
- RS-Viren (RSV)
- Außerdem möglich sind bakterielle und allergische Reaktionen mit der Symptomatik eines Pseudokrupp
Was sind die Symptome des Pseudokrupp?
***Pseudokrupp: Symptome***
- Typischerweise tritt der Pseudokrupp im Rahmen einer Infektion der oberen Atemwege auf, die shcon seit einigen Tagen besteht
- Häufig sind zudem leichtes bis mäßiges Fieber
- Das Allgemeinbefinden ist gering beeinträchtigt
- Kinder haben häufig Angst (Luftnot)
- Eltern haben Panik
- Bei Kindern ist der Pseudokrupp die häufigste Ursache für das Auftreten eines insp. Stridors
- Charakteristische Symptome -
- trockener bellender Husten (v.a. Nachts)
- Heiserkeit ohne Schluckbeschwerden
- insp. Stridor bis hin zur akuten Atemnot
- Bei zunehmender Atemnot: juguläre, interkostale oder subkostale Einziehungen
- ACHTUNG -
- Tritt der Stridor sowohl inspiratorisch, als auch exspiratorisch auf ist das ein Hinweis auf eine HOCHGRADIGE LEBENSBEDROHLICHER STENOSE der Atemwege
- Achtung: die Lautstärke korreliert nicht mit dem Grad der Stenose
- ACHTUNG: hochgradige Verlegung verursachten einen nur leise wahrnehmbaren Stridor
Wie wird der Pseudokrupp anhand seiner Symptome in welche Stadien eingeteilt?
***Pseudokrupp: Stadieneinteilung***
- Stadium 1: leicht -
- gelegentlich bellender Husten
- Stridor nur bei Belastung oder Aufregung
- keine Einziehungen
- Stadium 2: mittel -
- häufiger bellender Husten
- insp. Stridor in Ruhe wahrnehmbar
- leichte Einziehungen in Ruhe
- Patient leicht aufgeregt
- Stadium 3: Schwer -
- häufig bellender Husten
- ausgeprägter insp. Stridor in Ruhe
- gelegentlicher exsp. Stridor
- aktive Ausatmung
- deutliche Einziehungen
- Tachykardie
- Blässe
- Patient aufgeregt
- beginnende Erschöpfung
- Stadium 4: drohender Atemstillstand -
- sehr leise bellender Husten
- leiser in- und exspiratorischer Stridor in Ruhe (ALARM!)
- kaum wahrnehmbare Einziehungen (Erschöpfung)
- Zyanose
- Bewusstseinseinschränkung
- paradoxer Puls (deutlich abgeschwächte Puls während der Einatmung)
Welche Differenzialdiagnosen müssen bei v.a. Pseudokurpp in Erwägung gezogen werden?
***Pseudokrupp: Differenzialdiagnosen***
- Fremdkörperaspiration (kommt nachts selten vor)
- Epiglottitis (kein Husten, Speichelfluss, schweres Krankheitsgefühl)
- Diphterie (ausgeprägtes Krankheitsgefühl, weißliche Beläge (sog. Pseudomembranen) der Gaumenmandeln mit Übergang auf den Rachenbereich, süßlicher Mundgeruch)
- Anaphylaktische Reaktion (plötzlicher Beginn)
Welche Basismaßnahmen werden zur Versorgung eines Kindes mit Pseudokrupp ergriffen?
***Pseudokrupp: Basismaßnahmen***
- Sicherheit vermitteln (Nimmt man die Angst der Eltern beruhig sich häufig auch das Kind) -> weniger Stress = weniger Sauerstoffbedarf
- Kinder auf dem Arm der Bezugsperson belassen
- Sicherstellung der Vitalfunktionen nach ABCDE
- Monitoring: zunächst nur SpO2
- Kalte & feuchte Luft zuführen z.B. mit dem Kind vor ein offenes Fenster gehen ggf. Dampfbad einlassen und Kind in den Dampf halten (ggf. auch Dusche)
- Sauerstoffgabe bei starker Atemnot und SpO2 < 94% (Achtung: Maßnahme verstärkt meistens die Angst der Kinder ggf. Maske durch Bezugsperson nur vors Gesicht halten lassen)
- i.v. Zugang vorbereiten (Legen meistens nicht nötig)
- Bei insp. Stridor, Atemnot, Zyanose NA nachfordern
- Transport ab Stadium 2 erforderlich (Stridor in Ruhe)
Welche erweiterten Maßnahmen können beim Pseudokrupp ergriffen werden?
***Pseudokrupp: erweiterte Maßnahmen***
- Glukokortikoide
- Ab Stadium 2 100 mg rect. als Zäpfchen
- Stadium 3 und 4 bei mangelnder Besserung Gabe von 2-4 mg / kg KG Prednisolon i.v.
- Ab Stadium 2 Epinpepphrin i.h. über Vernebler
- Stadium 3 und 4 ggf. assistierte Beatmung
- Bei Erstickungsgefahr präklinische Intubation durch NA
Wie ist die Bronchiolitis definiert?
***Bronchiolitis: Definition***
- Die Bronchiolitis ist eine virusbedingte, schwer verlaufende Entzündung der Bronchiolen.
- Sie tritt typischerweise bei Kindern im 1. Lebensjahr auf
- Stichwort: RS-Virus
Welche Bedeutung hat die Bronchiolitis für den Rettungsdienst?
***Bronchiolitis: Bedeutung für den Rettungsdienst***
- Die akute Bronchiolitis ist eine der häufigsten Ursachen für eine notfallmäßige Aufnahme von Kleinkindern ins Krankenhaus weltweit
- Auch im deutschsprachigen Raum ist sie daher ein häufiger Alarmierungsgrund
- Die Bronchiolitis ist die häufigste schwerwiegende Atemwegserkrankung im Säuglingsalter
- Sie tritt v.a. in den Wintermonaten auf
- Schwere Formen treten häufig bei Frühgeburten in den ersten Lebensmonaten auf
- Gerade in den ersten Krankheitstagen kann es hier zu einer letalen Apnoe kommen
Erkläre die Pathophysiologie der Bronchiolitis
***Bronchiolitis: Pathophysiologie***
- Der Erreger (z.B. RS-Virus) gelangt über Tröpfcheninfektion in die Atemwege und dringt bis in die Bronchiolen vor
- In den Bronchiolen kommt es zu einer Entzündungsreaktion mit Schleimhautödem und Hyperplasie der Bronchialwand. Zusätzlich kommt es zu einer Hypersekretion.
- Die kleinlumigen Bronchiolen werden eingeengt bzw. komplett verlegt.
- Folge ist eine obstruktive Ventilationsstörung mit Hypoxämie und Hyperkapnie
- Die Atemarbeit ist massiv erschwert
Was sind Ursachen der Bronchiolitis?
***Bronchiolitis: Ursachen***
- Die akute Bronchiolitis wird überwiegend durch das RS-Virus (= Respiratoriy Syncytial Virus) verusacht
- Selte Ursachen sind:
- Parainfluenzaviren
- Mykoplasmen
- und andere Erreger
Wie äußert sich die Bronchiolitis symptomatisch?
***Bronchiolitis: Symptome***
- Die Erkrankung äußert sich meist durch eine rapide Verschlechterung aus einem zuvor unkompliziert verlaufenden Atemwegsinfekt heraus
- Schon im Vorfeld treten daher mäßiges Fieber, Schnupfen oder Husten auf
- Durch die Verlegung der Bronchiolen kommt es zu einer starken Atemansterngung
- Typische Symptome -
- Tachypnoe
- in- und exsp. Dyspnoe
- Nasenflügeln
- interkostale und suprasternale Einziehungen
- Trinkunlust
- Zyanose
- ggf. endexsp. feinblasige RGs und Giemen
- Verlänger Exsp.
Welche Differentialdiagnosen müssen bei v.a. Bronchiolitis in Betrach gezogen
***Bronchiolitis. Differentialdiagnosen***
- Asthma bronchiale (häufig vorbekannt, vorher idR gesund)
- Fremdkörperaspiration (eher insp. Stridor)
Welche Basismaßnahmen werden bei Bronchiolitis ergriffen?
***Bronchiolitis: Basismaßnahmen***
- ABCDE
- Basismonitoring: SpO2, AF, Recap, Puls, KKT
- Lagerung: sitzend, OHL, Flachlagerung unter Kontrolle der Atemwege
- Sauerstoffgabe bei Dyspnoe oder Hypoxie (SpO2 < 93/)
- i.v. Zugang vorbereiten und (bei kritischem Patienten) legen
- Notart nachfordern wenn vital bedroht
- Transport in pädiatrische Klinik ggf. mit pädiatrischer Intensiv
Welche erweiterten Maßnahmen sollten bei einer Brocnhiolitis ergriffen werden?
***Bronchiolitis: Erweiterte Maßnahmen***
- assisiterte Beatmung bei schwerer Dyspnoe
- B2-Sympathomimetika ggf. in Kombination mit Ipratropiumbromid
- ggf. inhalativ Adrenalin
- ggf. i.v. Kortikosteroide bei schwerer Verlaufsform
- ggf. Intubation und Beatmung
Wie lautet die Definition des Spontanpneumothorax?
***Spontanpneumothorax: Definition***
- Unter einem Spontanpneumothorax versteht man eine Luftansammlung im Pleuraspalt mit (partiellem) Kollaps des betreffenden Lungenflügels
- Er geschieht ohne erkennbare äußere Ursache
Welche Bedeutung hat der Spontanpneumothorax für den Rettungsdienst?
***Spontanpneumothorax: Bedeutung für den Rettungsdienst***
- Der Spontanpneumothorax tritt etwa dreimal häufiger bei Männern als bei Frauen auf.
- Der Pat. ist idR respiratorisch stabil
Erkläre die Pathophysiologie des Spontanpneumothorax
***Spontanpneumothorax: Pathophysiologie***
- Beim Spontanpneumothorax handelt es sich um einen geschlossenen Pneumothorax
- Die Luft, die in den Pleuraspalt gelingt stammt aus der Lunge selbst
- Ursache ist die Ruptur dicht unter der Lungenoberfläche gelegener luftgefüllter Hohlräume
- Durch den Lufteintritt wird der Unterdruck im Pleuraspalt aufgehoben, woraufhin der Lungenflügel der betroffenen Pleurahöhle ganz oder teilweise kollabiert
- Unterscheidung primär / sekundär -
- Primärer Pneumothorax
- Betroffen sind v.a. junge, schlanke, hochgewachsene Männer (20-30), sie prinzipiell lungengesund sind
- häufig Rauchen sie jedoch
- Ursachen sind vermutlich kleine subpleurale an der Lungenspitze gelegene Blasen welche vermutlich angeboren sind.
- Familiäre Häufung
- Sekundärer Spontanpneumothorax
- Er tritt idR bei älteren Menschen mit vorbestehender Lungenerkrankung (v.a. COPD, Lungenemphysem, Lungenfibrose) auf
- Ursache ist die Ruptur einer Emphysemblase
- Durch die Vorerkrankungen bestehen häufig Verklebungen des Lungenfells mit dem Rippenfell
- Daher kollabiert der Lungenflügel ggf. nur Teilweise
Welche Komplikationen können bei einem Spontanpneumothorax auftreten?
***Spontanpneumothorax: Komplikationen***
- Insbesondere bei einem sekundären Pneumothorax kann sich ein Spannungspneumothorax ausbilden
- Die Komplikation ist zwar selten, aber lebensbedrohlich
Welche Symptome können bei einem Spontanpneumothorax auftreten?
***Spontanpneumothorax: Symptome***
- Plötzlich auftretender, stechender, atemabhängiger, einseitiger Thoraxschmerz
- zusammen mit Atemnot (meist gering, Kompensation durch zweiten Lungenflügel)
- Achtung: beim sekundären Spontanpneumothorax ist der zweite Lungenflügel bereits vorgeschädigt sodass die Dyspnoe häufig hochgradig ist
- ACHTUNG: Sekundärer PSP ist durch verinngerte Kompensationsfähigkeit des zweiten Lungenflügels gefährlicher
- Diagnostik -
- Auskultation: abgeschwächtes oder aufgehobenes AG auf der betroffenen Seite
- Ggf. Diagnosestellung durch Arzt präklinisch via Ultraschall
- Evtl. bei Hustenanfall, oder körperlicher Anstrengung
- Komplikation: Spannungspneu -
- Nimmt die Dyspnoe zu
- treten Schocksymptome
- Halsvenenstauung
- Tachykardie oder
- Hypotonie auf muss
- an einen Spannungspneu gedacht werden