5. Semester - PFO, Schmerz
Osteopathie
Osteopathie
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Lernkarten
Erkläre das Konzept des erleichterten Segments (Segment facilité).
- Das Ursprungskonzept des erleichterten Segments stammt von Prof. I M. Korr (Physiologe). Seine Forschung wurde durch die Beobachtung von S. Denslow initiiert, der feststellte, dass Wirbelsäulensegmente, die sich in Läsion befinden, durch die physiologischen Kriterien der motorischen Aktivität unterscheidbar sind. Das heißt, wenn eine Läsion gefunden wird, gibt es Anzeichen von Muskelverspannungen, Vasokonstriktion/-dilatation und veränderter sympathischer Leistung.
- Die Fasern von kleinem Kaliber spielen eine wichtige Rolle bei den somatischen Dysfunktionen.
- z.B. Coupe de Lapin --> Mikroläsion der Kapsel Zygapophysäre/ Mikro-Risse der paraspinalen Muskulatur/ Anulus fibrosus/... --> Entzündung
- Afferenz kann viszeral oder somatisch sein --> Mode 3
- Stimulation von alpha- & gamma-Motoneurone --> Hypertonie
Beschreibe die Faszilitierung des Ventralhorns.
- Die Wirbelsäulenfazilitation führt zu einem veränderten Abfluss an der ventralen Wurzel (somatisch efferent). Die Alpha-Motoneuronen-Stimulation führt zu einem veränderten Muskeltonus im zugehörigen Wirbelsäulensegment (somato-somatischer Reflex) --> Kontraktion --> akuter reaktiver Spasmus (als Schutz dieser Zone (Immobilisation))
- Wenn die ausschlaggebende Läsion muskulär ist, kontrahiert nicht nur dieser Muskeln, sondern auch die umliegenden.
- Gemäss Korr’s Theorie würde sich die spinale Fazilitation durch die Afferenz der grossen Fasern einstellen. Doch da bei einem Versuch die gesamten dicken Afferenzen durchtrennt wurden und die spinale Fazilitation trotzdem stattfand, erklärt man es sich jetzt durch die Afferenzen der kleinen Fasern (zB C-Fasern)
Beschreibe die Faszilitierung des Lateralhorns.
Die Wirbelsäulenfazilitation führt zu einem veränderten Output am lateralen Horn. Die sympathische präganglionäre Faserstimulation beinhaltet eine Veränderung der Eingeweide (somato-viszeraler Reflex)
Im Allgemeinen kann die Verbindung zwischen viszeral und somatisch entweder neurophysiologisch oder mechanisch sein.
Der Reflex kann in beide Richtungen funktionieren (somato-viszeral, viszero-somatisch):
- SD kann tachykarde Palpitationen auslösen
- Z.B. Verstopfung kann Rückenschmerzen auslösen
Es gibt auch viszerale Phänomene (z.B. Herz und Lunge) die durch die gleichen Segmente innerviert werden.
Beschreibe die akute und subakute Phase der Sensibilisation (Mode 3).
INPUT < OUTPUT --> klinischer Schmerz (mit Läsion!)
Unterschied physiologischer Schmerz: keine Läsion, wenn Stimulus stoppt dann stoppt auch der Schmerz (input = output)
Ursachen der Facilitation: Neuroplastizität (Chronizität)
- Aufforderung/Herabsetzen (sollicitation?) des NMDA-Rezeptores (NMDA = Trouble-Maker!)
- Synthese von Stickstoffmonoxid (NO) (subakut oder Anfang chronisches Stadium)
- NMDA nun «dauergeöffnet», es hat so viel Ca2+ in der postsynaptischen Zelle, dass es nicht nur zu einer verstärkten Depolarisation kommt, sondern dass daraus auch Salpetersäure (Acide nitrique) gebildet wird. Salpetersäure hat die Fähigkeit, die Zelle zu verlassen und sich an das präsynaptische Neuron zu binden, wodurch die Freisetzung von Mediatoren ausgelöst wird --> retrogrades Signal = noch mehr Substanz P und Glutamat-Ausschüttung
- Das Problem liegt dann gar nicht mehr am Läsionsort, sondern beim Neuron.
- NO ist circa noch 4 Wochen nach eigentlicher Verletzung aktiv, obwohl eigentliche Läsion schon verheilt --> ist ein wahrer Partytiger
- Induktion des Gens, das für Proteine wie Dynorphin kodiert. Diese Transkriptionsänderung findet durch Präsenz von acide nitrique statt. Dynorphine ist eigentlich ein endogenes Opiat (gleicht Morphium etc.), jedoch auch ein «faux ami». Er faciliziert die Zelle noch mehr…
Wie funktioniert die zentrale Sensibilität (Laden des NMDA-Rezeptors)?
- Weiterer Schutzmechanismus des Körpers bei starker Läsion (klinisch)
- Umfasst Vorgänge, die man allgemein als synaptische Plastizität umschreibt
- Vor allem bei chronischen Schmerzen, da hier nicht nur die Nozizeptoren peripher sensibilisiert werden, sondern zentral eine Veränderung stattfindet.
- Folge davon: sekundäre Hyperalgesie --> Empfindliche Zone geht über primär erkrankte hinaus. Ziel: betroffenes Gewebe vor weiteren Schäden weiträumig abriegeln, indem es sensibilisiert wird.
Entwicklung eines zentralen Bewusstseins:
- Verletzung oder Trauma führt zu erhöhter Nervenaktivität (signifikante Verletzung)
- Die Substanz P und übermäßige Glutamatmengen werden in den synaptischen Spalt freigesetzt.
- Die Substanz P bindet an NK-1-Rezeptoren (metabotrope --> über G-Proteinkanäle), was zur Freisetzung von Mg2+-Ionen von NMDA-Rezeptoren führt.
- Glutamatmoleküle können sich nun an die AMPA- und NMDA-Rezeptoren binden --> zusätzlicher Kalziumeintrag
- Erhöhte Übertragung des Zustroms auf postsynaptische Neuronen
--> Überreaktion, aber normal: größeres Warnzeichen
Erkläre die Passage zur Chronizität (Mode 4).
INPUT < OUTPUT, chronischer Schmerz, Allodynie
Ursachen der Facilitation:
- Der Sprouting-Prozess der beschädigten Fasern
- Aβ-Fasern (normalerweise propriozeptive Info) spriessen aus zu lamina II (substantia gelatinosa)
- --> Verknüpfung epikritische und protophatische Sensibilität: Bildung von Kollateralen OHNE Interneurone !! – neue Synapsen bilden sich
- --> dies ist Allodynie!
- Apoptose hemmender Neuronen
- Interneurone sind dermassen überlastet durch die ständige Stimulierung, dass sie in ein Burnout gelangen und Selbstmord begehen: weniger makaber und histologisch erklärt : durch den konstanten Ca-Exzess vergiften sich die Zellen und nekrotisieren
- --> unser Inhibitionssystem stirbt ab
- Aktivierung der Gliazellen (Zytokine... = exzitatorisch --> vermehrte Schmerzempfindung)
Was passiert beim Verlust der Inhibitionskontrolle?
Der Verlust der Abwärtsmodulation führt zu übermäßigen Schmerzen aufgrund eines Ungleichgewichts zwischen Aufwärts- und Abwärtssignalen --> Sensibilisierung des 2. Neurons
Was passiert beim Sprouting-Prozess (zentrale Sensibilisierung)?
--> Neuroplastizität
Die Aα/β Neurone, die normalerweise in den Rexed Laminae III, IV und V enden sollten, bilden eine Kollaterale in die Rexed Lamina II, weshalb deren Informationen als schmerzhaft empfunden werden --> Entwicklung einer Allodynie.
es gibt hierbei keine Gewebsschädigung
--> es werden neue Synapsen in anderen Rexed-Laminae gebildet
Sprouting ist eine mögliche Erklärung, aber nicht die einzige für Allodynie
Welchen Einfluss haben die Hirnzentren auf die Tonizität der Muskeln?
Zentrale Reflexerleichterung: nicht nur segmental --> folgende Faktoren haben alle Einfluss auf Tonizität der Muskeln
- Endogenes absteigendes System der Schmerzkontrolle = Verlust Inhibitorisches System
- Limbisches System --> Aktivität auf der emotionalen Seite. Bei Patienten mit chronischen Schmerzen treten neue Synapsen auf der limbischen Ebene auf.
- Die Basalganglien spielen eine Rolle bei der Motorik = direkt/indirekte Bahnen
- Hypothalamisch-hypophysäres Achsensystem = v.a. Katecholamin!