Suizidalität
Careum Block 06
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Lernkarten
Definition Suizid
Vollendete Selbsttötung
Definition Suizidalität
Zustand, indem sich jemand mit der Möglichkeit sich das Leben zu nehmen beschäftigt oder dies vorbereitet
Definition Suizidgefahr
Risiko für eine Suizidhandlung, entweder im Moment oder über einen bestimmten Zeitraum
Epidemiologie Suizid - was ist wichtig zu wissen?
- Der Suizid ist eine der häufigsten Todesursachen
- Suizidrate in Grossstädten ist höher als auf dem Land
- Männer haben eine höhere Suizidrate als Frauen
- Epochale Schwankungen: In Kriegszeiten abnehmend, bei wirtschaftlichem Niedergang zunehmend
- Es muss von einer beträchtlichen Dunkelziffer ausgegangen werden (Todesfälle nicht als solche erkennbar - Vertuschung durch Verkehrsunfall)
- Suizidversuchsrate ist wahrscheinlich 10 x so hoch wie die Suizidrate (keine Statistik)
- Über 90% aller Suizide sind durch eine psychische Krankheit bedingt
- Selbsttötung nach reiflicher Überlegung in der Regel mit Hilfe eine Suizidhilfeorganisation
Was sind verschiedene Suizidmethoden?
Harte Methoden
→ Häufiger bei Männern als bei Frauen
→ Häufiger bei Suizid als bei Suizidversuchen
- Erschiessung
- Erhängen
- Sturz aus grosser Höhe
- Vor den Zug werfen
Weiche Methoden
- Überdosierung von Medikamenten
- Einatmen von Kohlenmonoxid
- Verwendung von Giften
Von welchen Faktoren ist die wahl der Suizidmethode abhängig?
- Kultur, Religion (Suidiv verboten, wird belohnt → Islam (Jungfrauen)
- Vorhandensein von Möglichkeiten (legaler Schusswaffenbesitz)
- Psychische Erkrankungen
- Suizidale Risikofaktoren
Was sind Motive für Suizidversuche?
- Apell, Hilferuf
- Hoffnungslosigkeit
- Todeswunsch
- Rache
- Wahn
- Halluzination
- Opfer, für etwas sterben wollen
- Flucht, Pause
- Manipulation
Was sind Risikogruppen für Suizide?
- Psychiatrische Erkrankung
- Belastende Lebenssituation
→ Schwere Krankheit, Partnerschaftskrisen, Trennungen, soziale Isolation, Flüchtlingsstatus - Kritische Lebensereignisse in der Kindheit
- Suizidale Handlungen in der Vorgeschichte
- Familiäre Häufung
- Ankündigung einer Suizidhandlung
- Alte und vereinsamte Menschen
- Personen, die bereits einen Suizidversuch in der Anamnese aufweisen
Was sind Risikofaktoren für einen Suizid?
- Erziehungsstil
- Leistungsdruck
- Soziale Isolierung
- Fehlen von lebenspositiven Werthaltungen
- Hohe Arbeitslosenquote
- Imitation von Suizidhandlungen im Umfeld (Medienberichte)
- Suizidversuche im Umfeld
- Psychische Erkrankungen (Depression, Schizophrenie, Sucht)
- Chronische körperliche Erkrankungen
- Vereinsamung
- Belastende Lebensereignisse
Was sind akute Risikofaktoren für einen Suizid?
- Konkreter Suizidplan mit Vorbereitungshandlungen
- Frühere Suizidversuche („Suizidprogramm“ im Hirn)
- Suizid im Umfeld (Suizidmodell)
- Alkohol und Drogen
- Aktuelle Intoxikation (Enthemmung, beeinträchtigte Urteilsfähigkeit)
- Mental Pain (unerträgliche psychische Qual)
- Dissoziation
- Impulsivität und Unruhe
- Hoffnungslosigkeit
- Selbsthass
- Schlafstörungen
Was sind Warnsignale für einen bevorstehenden Suizid?
- Rasche Antriebssteigerung
- Ruhe und Freude
- Verfassen eines Testaments
- Verschenken von Sachen
- Sammeln von Arzneimitteln
- Aussagen von Sinnlosigkeit
- Todesphantasien
- Reden über Suizid
Welche psychiatrischen Störungen haben eine erhöhte Suizidalität?
- Depression
- Alkoholismus
- Angststörung
- Schizophrenie / Psychosen
- Drogenabhängigkeit
- Borderline Persönlichkeitsstörung
→ 90% aller Suidienten leiden an einer psychischen Störung
Wie sieht die präsuidiale Entwicklung nach Pöldinger aus?
Erwägung
- Erwägung von Suizid und anderen Handlungsalternativen
- Gute Distanzierungsfähigkeit
- Verdeckte Hinweise
Abwägung
- Stadium der Ambivalenz (manchmal will man sich umbringen, manchmal wieder nicht)
- Distanzierungsfähigkeit geht verloren
- Massive Apelle, evtl. Erpressungsversuche
Entschluss
- Ruhe vor dem Sturm
- Suizidgedanken beherrschen das Denken
- Kommunikation darüber wird eingestellt
Was sind Voraussetzung für eine Pflegende bei der Beteuung von suizidalen Patienten?
- Empathie
- Interesse
- Auf Patient individuell eingehen
- Aktives Zuhören
- Zeit haben
- Nähe - Distanz einhalten
- Nicht stigmatisieren
- Patient ernst nehmen
- Geduld
- Emotional stabil sein
Was sind mögliche Pflegediagnosen bei Patienten die suizidal sind?
- Suizidgefahr
- Beeinträchtigte soziale Interaktion
- Schlafstörung
- Hoffnungslosigkeit
- Gefahr einer selbstgefährdenden Gewalttätigkeit
Was sind Pflegeinterventionen bei Patienten die suizidal sind?
- Abmachung mit Patient: Soll sich melden, wenn er suizidale Gedanken hat
- 1:1 Betreuung à Sitzwache in der Nacht (ärztliche Verordnung)
- Weiterführende Gespräche
- Interesse zeigen à Fragen stellen
- Engmaschige Präsenz: Wenn möglich Bezugspflege
- Suizidgedanken erfragen
- Kleine Schritte zur Verbesserung anerkennen
- Spaziergänge mit dem Patienten
- Gefährliche Gegenstände entfernen
- Fenster schliessen
- Überwachte Medikamentenabgabe
Was ist wichtig zu wissen bezüglich Assessment-Instrumente zu Einschätzung der Suizidalität?
- Ersetzen NIE das Gespräch mit den Betroffenen
- Beides Leitfäden zum Gespräch mit den Patienten
- Eine 100%ige Risikoabschätzung ist auch für Experten oder enge Vertraute des Betroffenen nicht immer möglich!
Welche Assessment-Instrumente zur Einschätzung der Suizidalität kennen Sie?
- Fragebogen nach Pöldinger
- NGSAR (Nurses Global Assessment of Suicide Risk)
Was sind Merkmale des Fragebogens nach Pöldinger?
- Einschätzung wie akut die Suizidgefahr ist
- Fragenkatalog mit 16 Fragen
- Es müssen nicht alle Fragen gestellt werden → passende Fragen auswählen
- JA/Nein Antwort
- Einschätzung je nach Beantwortung der Fragen im Sinne einer Suizidgefahr
Was sind Merkmale des NGSAR-Assessments?
- Risikoscreeening – Grundscreening
- Wird in den ersten 3 Tagen bei jedem Pat. gemacht
- Jede Frage wird gestellt
- Kann auch ohne den Patienten gemacht werden
- Einschätzung nach Punktesystem
- Einzelne Kriterien des sind unterschiedlich gewichtet
→ 3 Punkten für »Hoffnungslosigkeit« und mit 1 Punkt für »Witwe, Witwer« - Bei jedem Kriterium kann nur die vorgegebene Punktzahl gegeben werden.
- Individuelle Einschätzung fliesst ein → Wie wirkt der Patient? → „komisches Gefühl“
- Individuelle Einschätzung des Behandlungsteam fliesst ein (Physio, Ergo, usw.)
Was sind mögliche Fragen bei der Einschätzung der akuten Suizidalität?
- Denken Sie daran sich das Leben zu nehmen?
- Haben Sie einen Plan, wie Sie sich töte wollen?
- Haben Sie bereits Mittel oder Waffen, um sich zu töten?
- Wann wollen sie sich umbringen?
- Drängen sich Suizidgedanken auf?
- Haben sie einen Abschiedsbrief geschrieben?
- Ziehen Sie sich von Ihren Freunde und Bekannten zurück?
- Haben Sie schon einmal versucht sich das Leben zu nehmen? Was waren damals die Umstände?
- Wie sind Sie aus der Situation wieder herausgekommen?
- Was hat Sie bisher am Leben gehalten?
- Was wäre ein Grund, dennoch am Leben zu bleiben?
Was ist die wichtigste Frage bei dem Gespräch zur Einschätzung der akuten Suizidalität?
Können Sie mir erzählen, wie es so weit gekommen ist?
Ich würde gerne verstehen, welche Geschichte Sie erlebt haben
→ Dem Patienten vermitteln «Ich will durch Ihre Augen sehen»
Wie ist das Vorgehen nach einem erfolgtem Suizid?
- Prüfen ob Tod vorliegt
- Evtl. Reanimation
- Beiziehen Arzt
- Mithilfe zur Betreuung Mitpatienten
- Sicherung des Tatortes
- Verfassen eines Berichts
- Gespräch mit Angehörigen
- Gespräch und Betreuung der Mitpatienten
- Gespräch mit dem Betreuungsteam
Was ist wichtig im Bezug auf die Kommunikation mit Angehörigen nach einem erfolgtem Suizid?
- Gespräche anbieten, ggf. an Arzt verweisen
- Auf Wut, Zorn, Beschuldigungen ruhig reagieren, keine Gegenvorwürfe machen
- Verständnis für Trauer und Wut zeigen
- Selbstvorwürfe der Angehörigen zerstreuen, deutlich machen, dass sie keine Schuld trifft
- Eigene Hilflosigkeit eingestehen
- Hilfsstellen anbieten
Was ist wichtig im Bezug auf die Betreuung der Mitpatienten nach einem erfolgtem Suizid?
- Suizid nicht verheimlichen, offen Ansprechen → Reaktion kann beurteilt werden
- Auf Reaktion achten (Angst, Wut, Trauer)
- Pat. Empfindungen äussern lassen
- Hilfe anbieten und Gespräche nutzen
- Tätigkeit mit Patient ausführen, um die Trauer zu bearbeiten. Ergebnis haben, um es bildlich vor sich zu haben.
Was ist wichtig im Bezug auf den Umgang im Betreuungsteam nach einem erfolgtem Suizid?
- Vorwürfe und Selbstvorwürfe vermeiden
- Situation analysieren
- Offenes Gespräch über den richterlichen Verlauf
- Supervision anbieten
Was löst ein Suizid/Suizidversuch aus bei den Angehörigen?
- Schuldgefühle
- Wut, Enttäuschung
- Schock
- Nicht wahrhaben wollen
- Existenzängste
- Schuldzuweisungen
Was löst ein Suizidversuch aus bei dem Patienten?
- Scham
- Schuldgefühl
- Erleichterung, dass man noch lebt
- Angst vor den Konsequenzen
- Psychische und körperliche Erschöpfung
- Verstärkt vorhandene Depression
- Verneinen (ich wollte mich nicht umbringen)