Suizidalität

Careum Block 06

Careum Block 06


S. H.
Diese Lernkarten behandeln das Thema Suizidalität und richten sich an Fachkräfte im medizinischen Bereich. Sie bieten eine umfassende Einschätzung der Suizidalität, einschließlich der Verwendung von Assessment-Instrumenten wie dem Fragebogen nach Pöldinger und dem NGSAR-Assessment. Die Lernkarten behandeln auch die Kommunikation mit Patienten und Angehörigen, sowie die Betreuung von suizidalen Patienten. Sie sind besonders nützlich für Pflegekräfte und Ärzte, die mit suizidalen Patienten arbeiten und eine fundierte Einschätzung der Suizidalität benötigen.
Karten
28
Lernende
7
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Andere
Erstellt / Aktualisiert
14.11.2021 / 13.06.2025

Lernkarten

Definition Suizid

Vollendete Selbsttötung

Definition Suizidalität

Zustand, indem sich jemand mit der Möglichkeit sich das Leben zu nehmen beschäftigt oder dies vorbereitet

Definition Suizidgefahr

Risiko für eine Suizidhandlung, entweder im Moment oder über einen bestimmten Zeitraum

Epidemiologie Suizid -  was ist wichtig zu wissen?

  • Der Suizid ist eine der häufigsten Todesursachen
  • Suizidrate in Grossstädten ist höher als auf dem Land
  • Männer haben eine höhere Suizidrate als Frauen
  • Epochale Schwankungen: In Kriegszeiten abnehmend, bei wirtschaftlichem Niedergang zunehmend
  • Es muss von einer beträchtlichen Dunkelziffer ausgegangen werden (Todesfälle nicht als solche erkennbar - Vertuschung durch Verkehrsunfall)
  • Suizidversuchsrate ist wahrscheinlich 10 x so hoch wie die Suizidrate (keine Statistik)
  • Über 90% aller Suizide sind durch eine psychische Krankheit bedingt
  • Selbsttötung nach reiflicher Überlegung in der Regel mit Hilfe eine Suizidhilfeorganisation

Was sind verschiedene Suizidmethoden?

Harte Methoden
→ Häufiger bei Männern als bei Frauen
→ Häufiger bei Suizid als bei Suizidversuchen
- Erschiessung
- Erhängen
- Sturz aus grosser Höhe
- Vor den Zug werfen

Weiche Methoden
- Überdosierung von Medikamenten
- Einatmen von Kohlenmonoxid
- Verwendung von Giften
 

 

Von welchen Faktoren ist die wahl der Suizidmethode abhängig?

  • Kultur, Religion (Suidiv verboten, wird belohnt → Islam (Jungfrauen)
  • Vorhandensein von Möglichkeiten (legaler Schusswaffenbesitz)
  • Psychische Erkrankungen
  • Suizidale Risikofaktoren

Was sind Motive für Suizidversuche?

  • Apell, Hilferuf
  • Hoffnungslosigkeit
  • Todeswunsch
  • Rache
  • Wahn
  • Halluzination
  • Opfer, für etwas sterben wollen
  • Flucht, Pause
  • Manipulation

Was sind Risikogruppen für Suizide?

  • Psychiatrische Erkrankung
  • Belastende Lebenssituation
    → Schwere Krankheit, Partnerschaftskrisen, Trennungen, soziale Isolation, Flüchtlingsstatus
  • Kritische Lebensereignisse in der Kindheit
  • Suizidale Handlungen in der Vorgeschichte
  • Familiäre Häufung
  • Ankündigung einer Suizidhandlung
  • Alte und vereinsamte Menschen
  • Personen, die bereits einen Suizidversuch in der Anamnese aufweisen

Was sind Risikofaktoren für einen Suizid?

  • Erziehungsstil
  • Leistungsdruck
  • Soziale Isolierung
  • Fehlen von lebenspositiven Werthaltungen
  • Hohe Arbeitslosenquote
  • Imitation von Suizidhandlungen im Umfeld (Medienberichte)
  • Suizidversuche im Umfeld
  • Psychische Erkrankungen (Depression, Schizophrenie, Sucht)
  • Chronische körperliche Erkrankungen
  • Vereinsamung
  • Belastende Lebensereignisse

Was sind akute Risikofaktoren für einen Suizid?

  • Konkreter Suizidplan mit Vorbereitungshandlungen
  • Frühere Suizidversuche („Suizidprogramm“ im Hirn)
  • Suizid im Umfeld (Suizidmodell)
  • Alkohol und Drogen
  • Aktuelle Intoxikation (Enthemmung, beeinträchtigte Urteilsfähigkeit)
  • Mental Pain (unerträgliche psychische Qual)
  • Dissoziation
  • Impulsivität und Unruhe
  • Hoffnungslosigkeit
  • Selbsthass
  • Schlafstörungen

Was sind Warnsignale für einen bevorstehenden Suizid?

  • Rasche Antriebssteigerung
  • Ruhe und Freude
  • Verfassen eines Testaments
  • Verschenken von Sachen
  • Sammeln von Arzneimitteln
  • Aussagen von Sinnlosigkeit
  • Todesphantasien
  • Reden über Suizid

Welche psychiatrischen Störungen haben eine erhöhte Suizidalität?

  • Depression
  • Alkoholismus
  • Angststörung
  • Schizophrenie / Psychosen
  • Drogenabhängigkeit
  • Borderline Persönlichkeitsstörung

    → 90% aller Suidienten leiden an einer psychischen Störung

 

Wie sieht die präsuidiale Entwicklung nach Pöldinger aus?

Erwägung
- Erwägung von Suizid und anderen Handlungsalternativen
- Gute Distanzierungsfähigkeit
- Verdeckte Hinweise

Abwägung
- Stadium der Ambivalenz (manchmal will man sich umbringen, manchmal wieder nicht)
- Distanzierungsfähigkeit geht verloren
- Massive Apelle, evtl. Erpressungsversuche

Entschluss
- Ruhe vor dem Sturm
- Suizidgedanken beherrschen das Denken
- Kommunikation darüber wird eingestellt

Was sind Voraussetzung für eine Pflegende bei der Beteuung von suizidalen Patienten?

  • Empathie
  • Interesse
  • Auf Patient individuell eingehen
  • Aktives Zuhören
  • Zeit haben
  • Nähe - Distanz einhalten
  • Nicht stigmatisieren
  • Patient ernst nehmen
  • Geduld
  • Emotional stabil sein

Was sind mögliche Pflegediagnosen bei Patienten die suizidal sind?

  • Suizidgefahr
  • Beeinträchtigte soziale Interaktion
  • Schlafstörung
  • Hoffnungslosigkeit
  • Gefahr einer selbstgefährdenden Gewalttätigkeit

Was sind Pflegeinterventionen bei Patienten die suizidal sind?

  • Abmachung mit Patient: Soll sich melden, wenn er suizidale Gedanken hat
  • 1:1 Betreuung à Sitzwache in der Nacht (ärztliche Verordnung)
  • Weiterführende Gespräche
  • Interesse zeigen à Fragen stellen
  • Engmaschige Präsenz: Wenn möglich Bezugspflege
  • Suizidgedanken erfragen
  • Kleine Schritte zur Verbesserung anerkennen
  • Spaziergänge mit dem Patienten
  • Gefährliche Gegenstände entfernen
  • Fenster schliessen
  • Überwachte Medikamentenabgabe

Was ist wichtig zu wissen bezüglich Assessment-Instrumente zu Einschätzung der Suizidalität?

  • Ersetzen NIE das Gespräch mit den Betroffenen
  • Beides Leitfäden zum Gespräch mit den Patienten
  • Eine 100%ige Risikoabschätzung ist auch für Experten oder enge Vertraute des Betroffenen nicht immer möglich!

Welche Assessment-Instrumente zur Einschätzung der Suizidalität kennen Sie?

  • Fragebogen nach Pöldinger
  • NGSAR (Nurses Global Assessment of Suicide Risk)

Was sind Merkmale des Fragebogens nach Pöldinger?

  • Einschätzung wie akut die Suizidgefahr ist
  • Fragenkatalog mit 16 Fragen
  • Es müssen nicht alle Fragen gestellt werden → passende Fragen auswählen
  • JA/Nein Antwort
  • Einschätzung je nach Beantwortung der Fragen im Sinne einer Suizidgefahr

Was sind Merkmale des NGSAR-Assessments?

  • Risikoscreeening – Grundscreening
  • Wird in den ersten 3 Tagen bei jedem Pat. gemacht
  • Jede Frage wird gestellt
  • Kann auch ohne den Patienten gemacht werden
  • Einschätzung nach Punktesystem
  • Einzelne Kriterien des sind unterschiedlich gewichtet
    → 3 Punkten für »Hoffnungslosigkeit« und mit 1 Punkt für »Witwe, Witwer«
  • Bei jedem Kriterium kann nur die vorgegebene Punktzahl gegeben werden.
  • Individuelle Einschätzung fliesst ein → Wie wirkt der Patient? →  „komisches Gefühl“
  • Individuelle Einschätzung des Behandlungsteam fliesst ein (Physio, Ergo, usw.)

Was sind mögliche Fragen bei der Einschätzung der akuten Suizidalität?

  • Denken Sie daran sich das Leben zu nehmen?
  • Haben Sie einen Plan, wie Sie sich töte wollen?
  • Haben Sie bereits Mittel oder Waffen, um sich zu töten?
  • Wann wollen sie sich umbringen?
  • Drängen sich Suizidgedanken auf?
  • Haben sie einen Abschiedsbrief geschrieben?
  • Ziehen Sie sich von Ihren Freunde und Bekannten zurück?
  • Haben Sie schon einmal versucht sich das Leben zu nehmen? Was waren damals die Umstände?
  • Wie sind Sie aus der Situation wieder herausgekommen?
  • Was hat Sie bisher am Leben gehalten?
  • Was wäre ein Grund, dennoch am Leben zu bleiben?

Was ist die wichtigste Frage bei dem Gespräch zur Einschätzung der akuten Suizidalität?

Können Sie mir erzählen, wie es so weit gekommen ist?
Ich würde gerne verstehen, welche Geschichte Sie erlebt haben

→ Dem Patienten vermitteln «Ich will durch Ihre Augen sehen»

Wie ist das Vorgehen nach einem erfolgtem Suizid?

  • Prüfen ob Tod vorliegt
  • Evtl. Reanimation
  • Beiziehen Arzt
  • Mithilfe zur Betreuung Mitpatienten
  • Sicherung des Tatortes
  • Verfassen eines Berichts
  • Gespräch mit Angehörigen
  • Gespräch und Betreuung der Mitpatienten
  • Gespräch mit dem Betreuungsteam

Was ist wichtig im Bezug auf die Kommunikation mit Angehörigen nach einem erfolgtem Suizid?

  • Gespräche anbieten, ggf. an Arzt verweisen
  • Auf Wut, Zorn, Beschuldigungen ruhig reagieren, keine Gegenvorwürfe machen
  • Verständnis für Trauer und Wut zeigen
  • Selbstvorwürfe der Angehörigen zerstreuen, deutlich machen, dass sie keine Schuld trifft
  • Eigene Hilflosigkeit eingestehen
  • Hilfsstellen anbieten

Was ist wichtig im Bezug auf die Betreuung der Mitpatienten nach einem erfolgtem Suizid?

  • Suizid nicht verheimlichen, offen Ansprechen → Reaktion kann beurteilt werden
  • Auf Reaktion achten (Angst, Wut, Trauer)
  • Pat. Empfindungen äussern lassen
  • Hilfe anbieten und Gespräche nutzen
  • Tätigkeit mit Patient ausführen, um die Trauer zu bearbeiten. Ergebnis haben, um es bildlich vor sich zu haben.

Was ist wichtig im Bezug auf den Umgang im Betreuungsteam nach einem erfolgtem Suizid?

  • Vorwürfe und Selbstvorwürfe vermeiden
  • Situation analysieren
  • Offenes Gespräch über den richterlichen Verlauf
  • Supervision anbieten

Was löst ein Suizid/Suizidversuch aus bei den Angehörigen?

  • Schuldgefühle
  • Wut, Enttäuschung
  • Schock
  • Nicht wahrhaben wollen
  • Existenzängste
  • Schuldzuweisungen

Was löst ein Suizidversuch aus bei dem Patienten?

  • Scham
  • Schuldgefühl
  • Erleichterung, dass man noch lebt
  • Angst vor den Konsequenzen
  • Psychische und körperliche Erschöpfung
  • Verstärkt vorhandene Depression
  • Verneinen (ich wollte mich nicht umbringen)

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