EP 3.7. Parasitologie

Veterinärmedizin, Uni Bern, Stand 2022

Veterinärmedizin, Uni Bern, Stand 2022


L. T.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über die Parasitologie für Studierende der Medizin. Sie konzentrieren sich auf die Biologie, Diagnose und Bekämpfung von Parasiten wie Flöhen, Hypodermose beim Rind und Gasterophilose beim Pferd. Die Karteikarten behandeln Themen wie Lebenszyklen, Schadwirkungen und Therapien, wobei auch spezifische Parasitenarten und ihre Entwicklungsstadien detailliert beschrieben werden. Besonders nützlich sind sie für Medizinstudenten, die sich auf Parasitologie vorbereiten und ein tiefes Verständnis der verschiedenen Parasiten und ihrer Auswirkungen auf Tiere erlangen möchten.
Flashcards
332
Students
4
Language
German
Category
Medical
Level
University
Created / Updated
20.09.2021 / 07.01.2024

Lernkarten

Erkläre den Zyklus von Dermanyssus gallinae

Zyklusdauer?
Überleben ohne Wirt?

Milben

→ allen Milben gemeinsam sind die Anzahl Stadien: Ei | Larve | Nymphe 1 | Nymphe 2 | Adult

Besonderheit Dermanyssus gallinae: → im Gegensatz zu den anderen Milben-Arten befinden sich Ei und Larve 1 in der Umgebung und nicht auf dem Wirt.

Zyklusdauer: bei 20-25° nur ca. 10 Tage!

Dermanyssus gallinae können ca. halbes Jahr ohne Wirt/Blut überleben!

Zyklus von Cheyletiella spp., Demodex spp., Chorioptes spp., Psoroptes spp., Sarcoptes spp.

Zyklusdauer? 
Überleben ohne Wirt?

→ allen Milben gemeinsam sind die Anzahl Stadien: Ei | Larve | Nymphe 1 | Nymphe 2 | Adult
(auch Dermanyssus gallinae)

Alle in der Frage genannten Milben sind sog. stationär - ihr gesamter Zyklus findet auf dem Wirt statt.

Alle Zyklen der in der Frage genannten Milben dauern ca. 3 Wochen.

  • Cheyletiella spp. - Pelzmilben (Raubmilben):
    • leben oberflächlich auf Wirt/im Fell. Saugt Lymphe. Eier werden an Haaren befestigt.
    • Überlebt einige Tage ohne Wirt (je nach Stadium)
  • Demodex spp. - Haarbalgmilben:
    • Stadien entwickeln sich in Haarbälgen des Wirts. Ernähren sich vom Sekret der Talgdrüsen.

Hauträudemilben:

  • Chorioptes spp. - Nagemilben:
    • Leben oberflächlich, ernähren sich von Hautschuppen.
    • Überlebensdauer ausserhalb Wirt ca. 2  Monate
  • Psoroptes spp. - Saugmilben:
    • Saugen Blut und Lymphe durch Stechen.
    • Überlebensdauer ausserhalb Wirt 1.5 - 2 Monate
  • Sarcoptes spp (scabiei var. xy). - Grabmilben:
    • Adulte W. graben sich bis in Stratum spinosum für Eiablage.
    • Überlebensdauer ausserhalb Wirt 2-3 Wochen

Bedeutung/Biologie, Pathogenese/Klinik der roten Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae)

Milben

  • Bedeutung/Biologie
    • häufigster & schädlichster Parasit in Hühnerbeständen (Prävalenz > 80%); befällt auch andere Vögel, Hd, Msch => Zoonose
    • Nachtparasit (= temporärer Ektoparasit); tagsüber oft in Schlupfwinkeln versteckt; explosionsartige Vermehrung; können sehr lange ohne Blut überleben
  • Pathogenese/Klinik
    • Stiche schmerzhaft, Juckreiz
    • Blutverlust bis hin zu Todesfällen durch Anämie;
    • Leistungsrückgang, Unruhe, Apathie; Geflügel will nachts nicht in Stall

Diagnose und Therapie/Bekämpfung der roten Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae)

Milben

  • Diagnose
    • Nachweis in Schlupfwinkeln mit Klebefallen (Klebeband) oder Wellkarton (nutzen sie als Versteck)
    • Morgen oder nachts auf Flügelunterseite der Hühner
  • Therapie/Bekämpfung
    • Stall sanieren: Einstreu verbrennen, Dampfstrahl; Stall in Leerperioden > 45°C aufheizen
    • Chemikalien: Phoxim (O-Phosphat) oder Spinosad = makrozyklisches Lakton 2x i.A. von 7 Tagen im Stall versprühen, gut in Ritzen etc. CAVE: Resistenzen gg. Pyrethroide und Carbamate!
      Neu: Fluralaner (Exzolt®) übers Trinkwasser 2x i.A. von 7 Tagen (wirkt von innen)
    • Physikalisch: Silikatsand (sorgt dafür, dass Exoskelett verschnitten wird)
    • Biologisch: Raubmilben – gehen nicht auf Hühner, fressen aber Milben

Pathognese/immunologische Situation und Klinik der Demodikose beim Hund (Demodex canis)

  • Pathogenese
    • v.a. junge Hd (squamöse F.), meist ganzer Wurf.
    • Immunsuppression spielt eine Rolle - 50% der Träger sind gesund
  • Klinik
    • Alopezie (Brillenbildung oder generalisiert), Hyperkeratose, Schuppung
    • idR kein Juckreiz ►als einzige Milben-Erkrankung!
    • schuppendes Ekzem mit Haarausfall, meist an Kopf & Gliedmassen (= squamöse Form)
      ⇒ 90% heilen ohne Tx innert 1-2 Mt!
    • daraus kann sich bei bakt. Sekundärinfektion die pustulöse Form entwickeln: eitrige Pusteln -> Geschwüre; faltige, borkenähnliche Haut. Lokal oder generalisiert (min. 5 Stellen/2 Pfoten...) (meist bei erwachsenen Hunden mit Grunderkrankung)
      Septikämie und Tod möglich. Tx langwierig
       
    • andere Formen: Alopezie-Form (nur Brillenbildung), Podo-Demodikose (pustulös, alle 4 Pfoten), Oto-Demodikose (äusserer Gehörgang)

Diagnose und Behandlung der Demodikose beim Hund (bzw. Nachweis von Demodex canis)

Milben

  • Diagnose:
    • Hautfalte quetschen bis Fl. austritt, mit Skalpell tief abschaben (D. canis lebt in den Haarbälgen) → Objktträger -> Mikroskop
    • tiefes Hautgeschabsel mit scharfem Löffel → Histologie. Schnitt aufhellen mit Kalilauge
  • Therapie:
    • Makrozyklische Laktone
    • Isoxazoline (Fluralaner, Sarolaner)
    • →beseitigt Krankheitssympt., aber Tiere bleiben häufig Träger.
    • → erwachsene erkrankte Hunde von Zucht ausschliessen (Immunsuppression kann erbliche Komponente haben)

► Einatz von Kortikosteroiden = Kunstfehler! Da für Erkrankung Immunsuppression eine Rolle spielt, nicht noch zusätzlich Immunsuppressiva!

Demodikose beim Rind (Demodex bovis)

Milben

  • Weltweites Vorkommen, D bis 52% der Rinder
  • Meist chron. Verlauf, v.a. Vorderkörper betroffen; Haarfollikel → subkutanes Bdgw, Talgdrüsen → Haarausfall → Knoten in Haut gefüllt mit Milben. Kein Juckreiz
  • Schäden im Leder
  • Zyklusdauer 3-4 Wo, Übertragung von Tier zu Tier
  • Th: Makrozyklische Laktone

Welches sind die Erreger der Räude beim Rind?

Milben

  • Chorioptes bovis
  • Psoroptes ovis
  • Sarcoptes scabiei var. bovis

Räude bei Schaf und Rind: Welche Erreger sind (hauptsächlich) beteiligt? Pathogenese/Klinik?

Milben

  • Erreger Rind: hauptsächlich Chorioptes bovis (Nagemilbe)
  • Erreger Schaf: Psoroptes ovis (Saugmilbe)
  • Klinik/Pathogenese:
    • Symptome v.a. im Winter
    • Juckreiz → Scheuern → Hautläsionen (Schaf: Verlust der Wolle ► grosse wirtschaftliche Schäden)
    • Krustenbildung
    • Rind: Hautveränderungen, Reaktion auf Stoffwechselprodukt der Milben möglich 

Beim Schaf grosse wirtschaftliche Bedeutung! Verminderte Fleischleistung...

Beim Rind:
- Chorioptes bovis (am häufigsten) → Schwanz- und Fussräude
- Psoroptes: → Körperräude (evtl. Gewichtsverlust)
- Sarcoptes: → Kopfräude

Räude bei Rind und Schaf: Diagnose und Therapie

Milben

  • Diagnose
    • beide: direkter Erregernachweis mit tiefem Hautgeschabsel (am Rand der Läsion tief schaben bis es blutet)
    • Schaf: serologischer Nachweis von Psoroptes ovis mit ELISA
  • Therapie
    • Organophosphate
      • Rind: besprühen/Waschbehandlung
      • Schaf: "Räudebad" → veraltet
    • Makrozyklische Laktone
      • Rind: Injektion s.c. oder pour-on (besser gegen Chorioptes bovis)
      • Schaf: Injektion

bei Schaf Prophylaxe: Behanldung mit ML bei Alpauftrieb (alle Tiere)

Bedeutung und (Pathogenese von Cheyletiella spp. (= Raubmilbe) bei Hund und Katze)

(Pathogenese eig. kein Lernziel)

  • Bedeutung:
    • Prävalenz Kaninchen 80%, Hund und Katze 20%
    • nicht wirtsspezifisch
    • kann eingesetzt werden zur Bekämpfung von Dermanyssus gallinae (rote Vogelmibe)
  • Pathogenese:
    • kaum Symptome bis zu chronischem Ekzem mit Juckreiz & Schuppenbildung möglich
    • Speichel der Milben = Allergen
    • manchmal Kreuzsensibilisierung gegen Hausstaubmilben. In diesen Fällen räudeartige Hautsymptome

Diagnose und Therapie von Cheyletiella spp. (= Raubmilbe) bei Hund und Katze

Milben

  • Diagnose:
    • Klebebandmethode → Stereolupe oder Mikroskop
  • Therapie
    • Makrozyklische Laktone
    • Fipronil nicht für Kaninchen verwenden! Dort Moxidectin

Welche Milbengattungen können Hauträude verursachen?

Milben

  • Chorioptes (Nagemilbe)
  • Psoroptes (Saugmilbe)
  • Sarcoptes (Grabmilbe)
     
  • ?? Otodectes (Ohrmilben)
  • ?? Notoedres

Biologie und Pathogenese/Klinik der Räude des Schweins, verursacht durch Sarcoptes scabiei var. suis

Milben

  • Biologie
    • Übertragung direkt von Tier zu Tier oder über verseuchte Stallungen (Aktionsradius der Milben max. 1m)
    • Überleben ohne Wirt = 10-12d → Stallungen 3 Wochen leer stehen lassen => milbenfrei
    • Tiere aller Altersklassen, Ferkel anfälliger als Adulte. Prädisponierend = Stress, Mangelernährung…
    • Stress, Mangelernährung etc. prädisponierend. Ferkel anfälliger als Adulte.
    • ► alle Sarcoptes-Arten potentiell zoonotisch! (Pseudo-Krätze beim Msch)
  • Pathogenese/Klinik
    • Milben graben sich ein bis in Stratum spinosum der Epidermis
    • Gehörgang als Rückzugsgebiet
    • latent infizierte Bestände (symptomlos) möglich
       
    • Kopf → Bauchunterseite → Schenkelhinterseite → Sprunggelenksbeugen
    • Papulöse Effloreszenzen mit dünner Kruste; Hautverdickung mit Falten- und Borkenbildung; blutiges Exsudat | bakt. sek.Infektion möglich
    • Juckreiz! (nach Sensibilisierung)

⇒ wirtschaftliche Schäden

Diagnose und Bekämpfung der Räude des Schweins, verursacht durch Sarcoptes scabiei var. suis

Milben

  • Diagnose
    • erhöhter "scratch index"
    • tiefes Hautgeschabsel in Hautveränderungen (können dezent sein)
    • Serologie: AK-Nachweis gegen Milben-Antigene (Fuchsräudemilben-Ag)
  • Bekämpfung
    → SGD Betriebe müssen Räude-frei sein
    • Planmässige Bekämpfung (symptomfrei mit Milben leben): Behandlung aller Tiere (Organophosphate oder ML); Kontrolle/Behandlung (+ Quarantäne) von Neuzukäufen; Stallungen reinigen; prädisponierende Faktoren ausschalten (andere Krankheiten, Mangelern., Überbelegung)
    • Tilgung: 1. Tag Behandlung aller Tiere mit ML; 3. od. 4. Tag Reinigung Stallungen und Tiere, anschl. alle Tiere behandeln mit Sebacil®; zw. 2. und 13. Tag einmalige ML-Behandlung aller neugeborenen Saugferkel (2-3d post partum); 14. Tag 2. ML-Behandlung aller Tiere des Bestandes

Fehlerquellen: nicht alle Tiere behandelt (z.B. Eber), ungenügende Herdentrennung (gesund – infiziert), Unterdosierung, nicht ganzer Tierkörper behandelt, verkrustete Tiere, Stallbehandlung (CBM 8 oder Sebacil), Geräte

Welche Milbenarten können bei Hund und Katze Räude verursachen?

Milben

Hund

  • Sarcoptes scabiei var. vulpes
  • Sarcoptes scabiei var. canis
  • Otodectes cynotis

Katze

  • Notoedres cati
  • Otodectes cynotis
  • Sarcoptes scabiei var. cati

Pathogenese/Klinik, Diagnose und Therapie von Sarcoptes scabiei var. vulpes (Verursacht Räude beim Hund)

+ Diagnose und Therapie von Otodectes cynotis

Milben

  • Pathogenese/Klinik:
    • Lokalisation: Kopf (Ohrränder, Nasenrücken, Augenbogen), Unterbauch, Schenkel(innenseite)
    • Knötchen- / Pustelbildung → Schuppung
    • Juckreiz! (beso. in warmen Räumen)
    • Hautverdickung, Faltenbildung, Haarausfall
    • Sekundärinfektionen
  • Diagnose:
    • positiver pinal-pedal Reflex (Hd innen an Ohr berühren – positiv, wenn Pfote Kratz-Reflex zeigt) → schon sehr starker Verdacht
    • Sarcoptes: tiefes Hautgeschabsel
    • Ohrräude (Otodectes cynotis): Otoskopie genügend oder Sekretmasse entnehmen und anschauen
  • Therapie:
    • Makrozyklische Laktone (Cave: Ivermectin) oder Isoxazoline
    • Ohrräude → Reinigung des Gehörganges & ML
    • Umgebungsbehandlung

Pg/K, D und Th natürlich gleich bei Räude der Katze wegen Otodectes cynotis!!!

Pathogenese/Klinik, Diagnose und Therapie von Räude bei Katzenartigen (Notoedres cati, Otodectes cynotis)

Milben

  • Pathogenese/Klinik
    • Notoedres cati:
      • Juckreiz; Knötchen → Krusten → Exsudat → Hautverdickungen mit Faltenbildung → Alopezie
      • an Ohren → Kopf & Nacken → Pfoten → Körper
    • Otodectes cynotis:
      • Pathognese beschränkt auf äusseren Gehörgang
      • Juckreiz
      • Cerumen- und Exsudatbildung (fast pathognomisch);
      • Kratzen → nässende Ekzeme, Hämatom;
      • bei Durchbruch durch Trommelfell → Otitis media
  • Diagnose
    • tiefes Hautgeschabsel
    • Otodectes: Otoskopie, evtl. Sekretmasse aus Gehörgang entnehmen (dies ist ausreichend für Diagnose)
  • Therapie
    • ML oder Isoxazoline
    • Ohrräude: Reinigung Gehörgang & ML oder Isoxazoline |Umgebungsbehandlung

Pg/K, D und Th natürlich gleich bei Räude des Hundes wegen Otodectes cynotis!!!

Beschreibe grob Lebensweise und  Morphologie (Form, Grösse, Eigenheit) der folgenden Milbenarten

  • Dermanyssus gallinae
  • Cheyletiella sp.
  • Demodex canis

Milben

  • Dermanyssus
    • Parasitieren temporär Geflügel, ernähren sich von Blut
    • Eigenheiten: Analplatte vorne abgeflacht, Öffnung hinten
    • Grösse: bis 0.8 mm → von Auge sichtbar
  • Cheyletiella
    • Raubmilbe
    • oberflächlich ("walking dandruff")
    • hat charakteristische Form (fast eckig) und Klauen
    • Grösse: 0.2 - 0.5 mm
  • Demodex
    • wirtsspezifisch! lebt in Haarbälgen
    • langgestreckt/"zigarrenförmig"
    • Stummelbeine, hufeisenförmiges Capitulum
    • Grösse: 0.2 - 0.3 mm → nicht mehr von Auge sichtbar

Beschreibe vergleichend Lebensweise und  Morphologie (Form, Grösse, Eigenheit) der folgenden Milbenarten

  • Chorioptes sp.
  • Psoroptes sp.
  • Sarcoptes sp.

Milben

Grösse: alle ca. 0.5 mm

Morphologie der grossen und kleinen Strongyliden/Pferdepalisadenwürmer (Strongylus sp. und Cyathostominae):

Grösse, Besonderheit Vorderende...

Strongylida

  • Grösse:
    • grosse Strongyliden w = 1.5 - 5 cm
    • kleine Strongyliden w = 0.5 - 2 cm
       
  • Bei Männchen deutlich ausgebildete Bursa copulatrix, dreilappig mit Spicula
  • Mundöffnung, bzw. –kapsel
  • Schneideplatten oder Zähne (ausser S. edentatus, der hat keine Zähne)
  • Oesophagus

Morphologie der Eier und Larven der grossen und kleinen Strongyliden/Pferdepalisadenwürmer (Strongylus sp. und Cyathostominae):

Aussehen Ei, Grösse und Unterscheidungskriterien der Larven 3?

Strongylida

  • Ei bei allen Arten sehr ähnlich.
    • ca. 40x80 Mikrometer
    • enthält mehr als 8 Furchungskugeln
  • Larve 3
    • Arten können unterschieden werden anhand der Anzahl Darmzellen sowie anhand des Körper:Schwanz-Verhältnisses

Bedeutung sowie Epidemiologie/"Weidedynamik" je grosse und kleine Pferdestrongyliden

Strongylida

  • Bedeutung
    • grosse Pferdestrongyliden
      • selten geworden, jedoch schwerwiegende Klinik.
      • Weideparasiten - Infektion erfolgt hauptsächlich auf Weide
      • Dickdarmparasiten
    • kleine Pferdestrongyliden
      • häufigster Endoparasit beim Pferd in der Schweiz! klinisch jedoch weniger relevant als gr. Strongyliden
      • zunehmende Resistenzproblematik
      • Weideparasiten - Infektion erfolgt hauptsächlich auf Weide
      • Dickdarmparasiten
         
  • Epidemiologie
    beide: Überleben auf Weide 1-2 Jahre
    • grosse Pferdestrongyliden
      • eine Generation/Saison
      • Peak auf niedrigem Niveau 2. Hälfte Weidesaison
    • kleine Pferdestrongyliden
      • mehrere Generationen/Saison
      • kontinuierlich hohe Eiausscheidung bei Stuten - Kontamination kumuliert sich -, mehrere Peaks, grösster in 2. Hälfte Weidesaison. Eiausscheidung beim Fohlen zunehmend ab 2. Hälfte Weidesaison

Zyklus der kleinen Pferdestrongyliden (Cyathostominae)

inkl. Präpatenz und Patenz (→ separates Kärtli)

Strongylida

  • exogene Entwicklung:
    • Adulte legen Eier mit Morula, Eier gelangen an Aussenwelt. L1 entwickelt sich und schlüpt aus Ei. Häutung zu L2 und L3. L3 = infektiös. Gelangt auf Gräser und von dort per os in Pferd
  • endogene Entwicklung:
    • L3 gelangt in Dickdarm und dringt in Dickdarmwand ein.
    • Dort Häutung zu L4 (oder Hypobiose als L3)
    • L4 kehrt in Darmlumen zurück und häutet sich zu Stadium 5 (präadulte)
    • Entwicklung im Dickdarm zu Adulten
       
  • Präpatenz: 1.5 - 3 Monate
  • Patenz: bis 2.5 Jahre

Zyklus von Strongylus vulgaris (grosser Strongylid)

inkl. Präpatenz und Patenz (→ separates Kärtli)

Strongylida

  • exogene Entwicklung
    • Adulte legen Eier mit Morula, Eier gelangen an Aussenwelt. L1 entwickelt sich und schlüpt aus Ei. Häutung zu L2 und L3. L3 = infektiös. Gelangt auf Gräser und von dort per os in Pferd
  • endogene Entwicklung
    • L3 gelagt in Dickdarm und dringt in Darmwand ein, Häutung zu L4
    • L4 bricht in Arterien ein und gelangt (retrograd?) in A. mesenterica cranialis.
      • Larven können "ungewollterweise" bis in Aorta gelangen = sog. Irrläufer
    • Dort bildet sich ein Thrombus, in dem sich L4 zu Stadium 5 häutet (möglich ab 90 d.p.i.)
    • Stadium 5 bricht aus Thrombus aus und gelangt mit dem Blutstrom zurück zu/inDickdarm (bevorzugt Caecum)
    • Entwicklung zu Adulten
       
  • Präpatenz: 6.5 - 9 Monate
  • Patenz: 1 -1.5 Jahre

Zyklus von Strongylus equinus (grosser Strongylid)

inkl. Präpatenz und Patenz (→ separates Kärtli)

Strongylida

  • exogene Entwicklung
    • Adulte legen Eier mit Morula, Eier gelangen an Aussenwelt. L1 entwickelt sich und schlüpt aus Ei. Häutung zu L2 und L3. L3 = infektiös. Gelangt auf Gräser und von dort per os in Pferd
  • endogene Entwicklung:
    • L3 gelangt in Dickdarm und dringt in Darmwand ein. Dort Häutung zu L4
    • L4 wandert durch Peritonealhöhle hindurch zur Leber - anschl. mehrere Wochen Leberwanderung. Dann weiter zum Pankreas, dort Häutung zu St5.
    • Stadium 5 wandert zum Caecumkopf
       
  • Präpatenz: 8.5 - 9 Monate
  • Patenz: 1- 1.5 Jahre

Zyklus von Strongylus edentatus (grosser Strongylid)

inkl. Präpatenz und Patenz (→ separates Kärtli)

Strongylida

  • exogene Entwicklung
    • Adulte legen Eier mit Morula, Eier gelangen an Aussenwelt. L1 entwickelt sich und schlüpt aus Ei. Häutung zu L2 und L3. L3 = infektiös. Gelangt auf Gräser und von dort per os in Pferd
  • endogene Entwicklung:
    • L3 gelangt in Dickdarm und dringt in Darmwand ein
    • bricht in V. portae ein, gelangt via Pfortaderblut zur Leber, dort Häutung zu L4
    • wandert via Leberbänder nach subperitoneal, dort Häutung zu Stadium 5
    • St5 wandert via Mesenterium zu Zäkum und vetralem Kolon
       
  • Präpatenz: 10.5 - 11 Monate
  • Patenz: 1 - 1.5 Jahre

Diagnose und Bekämpfung der kleinen und grossen Pferdestrongyliden

Strongylida

  • Diagnose
    • Einachweis mittels Flotation
    • Differenzierung durch Larvenkultur
    • Resistenzabklärung durch Larvenkultur und/oder Eizahlbestimmung (McMaster)
    • via Präpatenz: Verdickte Mesenterialarterie (Rektaluntersuchung) oder Arteriographie (beides praktisch nur bei S. vulgaris)
       
  • Bekämpfung
    • Weidehygiene/Weidemanagement. Einmal pro Woche Kot entfernen!
    • Resistenzsituation im Betrieb überprüfen
    • Regelmässige koprologische Untersuchungen → Reduktion der Behandlungen auf Minimum (min. aber 1x / Jahr!
    • Nicht Unterdosieren
    • Neuzugänge in Quarantäne behandeln
    • Wirkstoffgruppen in jährlichen Intervallen wechseln, falls überhaupt möglich
      • Makrozyklische Laktone (Moxidectin) oder Benzimidazole (Fenbendazol)
  • Behandlungsschema / -strategie
    • adulte (5 j.) gesunde Pferde behandeln, wenn mehr als 200 Eier pro Gramm Kot (EpG)*
    • wichtig: Vorhandensein von grossen Strongyliden abklären! (Larvenkultur oder PCR)
    • wichtig: bei Nachweis von Parascaris, Bandwürmern, Oxyuren, Magendasseln, Strongyloides wird unabhängig der EpG entwurmt.
    • für Pferde ohne Entwurmung in einem Jahr Sicherheitsbehandlung im November (um Zyklus der gr. Strongyliden zu durchbrechen, falls doch vorhanden)
       
    • *McMaster-Zählverfahren: Kot mit best. Menge Flüssigkeit vermischen. Zählkammern füllen, mäander-förmig abzählen. x50 rechnen.
    • Erfolgskontrolle: Kotprobe vor und 1-2 Wo nach Behandlung mit McMaster untersuchen → min. 90% Reduktion! Ansonsten muss von Resistenz ausgegangen werden.
  • Alternative (bei Resistenzen): Bekämpfung der Strongyliden mit Pilzen (Pilzsporen im Kot bilden Hyphen-Netzwerk und immobilisieren und töten Nematoden-Larven ab
     
  • weit verbreitete Resistenz gegen Benzimidazole (und auch teilweise Pyrantel und ML)

Pathogenese/Klinik der kleinen Strongyliden (Cyathostominae)

Strongylida

Klinik proportional zu Infektionsdosis.

  • akute persistierende Diarrhoe
  • Kolik möglich
  • Inappetenz, Apathie, ev. Fieber.
  • Gewichtsverlust, Dehydratation möglich
  • subkutane Ödeme möglich
     
  • Dehydratation und Albuminverlust wegen Schädigung der Dickdarmwand
  • Larvale Cyathostomose: bei gleichzeitigem Auswandern von massenhaft Larven 4 aus Mukosa kann es zu Typhlocolitis, Kolik, Hypalbuminämie und evtl. Tod führen

Pathogenese/Klinik der grossen Strongyliden (Strongylus vulgaris, equinus, edentatus)

gemeinsam + 1 Besonderheit Strongylus vulgaris + 1 Besonderheit Strongylus equinus, edentatus

Welche drei klinischen Befunde sind typisch für einen Pferdestrongyliden-Befall? 

  • akut:
    • Kolik
    • Durchfall (nur bei S. equinus und S. edentatus!)
    • Fieber, Apathie
    • entzündlich veränderte Peritonealflüssigkeit
  • chronisch:
    • Inappetenz, Gewichtsverlust, struppiges Haarkleid, Anämie
    • Hypoalbuminämie,
    • Hyper Beta-Globulinämie
    • Eosinophilie
       
    • Häutung von L3 in Dickdarmwand kann zu sog. Wurmknötchen führen

Diese 3 zusammen extrem typisch für Pferdestrongyliden 

  • Besonderheit S. vulgaris:
    • Thrombenbildung in A. mesenterica cranialis kann zu Aneurisma, lokaler Schwächung der Arterienwand und sogar Ruptur führen
    • sog. Irrläufer (wenn L4 statt bis nur in A. mesenterica cranialis bis in Aorta gelangen) können itermitierendes Hinken (wenn sie nach kaudal gelangen) oder neurologische Symptome (wenn sie nach kranial gelangen) auslösen.
       
  • Besonderheit S. equinus & edentatus:
    • Leberwanderung kann traumatische Hepatitis verursachen

Zyklus und Zyklusdauer von Zecken am Beispiel von Ixodes ricinus

Was gibt es bei versch. Arten für unterschiedliche Wirts-Sezifitäten?

Zecken

  • Stadien
    • Ei
    • Larve
    • Nymphe (Lederzecken haben mehrere Nymphen-Stadien)
    • Adult
  • Blutmahlzeit vor jeder Häutung und vor Eiablage → Zecken sind obligat hämatophage Ektoparasiten
  • und zwar immer auf einem anderen Wirt → I. ricinus = 3-wirtig
    • es gibt auch 1- oder 2- wirtige Zecken....
       
  • Zyklusdauer
    • idealerweise 1 Jahr, oft aber 2-3 Jahre
    • bei 1-wirtigen Zecken Zyklusdauer = ca. 3 Wochen!
       
  • Wirts-Spezifität
    • I. ricinus: unspezifisch! Adulte gehen auf jegliche grössere Säugetiere (Larve auf Mäuse, Vögel, Echsen...)
    • Rhipicephalus sanguineus: = braune Hundezecke → sehr hundespezifisch
    • Ixodes hexagonus: Igelzecke
    • Rhipicephalus microplus: Rind
    • Argas reflexus: Taubenzecke

Zähle Zeckenarten auf, die du kennst.

(v.a. solche, die in der Schweiz für Mensch und Haustiere von Bedeutung sind)

  • Ixodes ricinus / gemeiner Holzbock
  • Rhipicephalus sanguineus / braune Hundezecke
  • Dermacentor recitulatus / Auwaldzecke
     
  • Ixodes hexagonus → Igel
  • Argas reflexus → Tauben

weitere:

  • Dermacentor marginatus / Schafzecke
  • Rhipicephalus microplus → Rind
  • Rhipicephalus bursa
  • Haemaphysalis punctata
  • Hyalomma marginatum (aus Afrika)

Erkläre die Pathogenese von Zecken(-stichen)

Zecken

  • Lokale Läsionen an der Stichstelle
    • geringe Hautreaktionen bis Ulzerationen, Nekrosen, Knötchen-oder Granulombildung; Komplikationen durch Sekundär-infektionen oder Myiasis, Lederfehler durch vernarbte Zeckenstiche
  • Anämie
  • Systemische Effekte    (→ eher weniger von Bedeutung bei Zecken, die es in CH gibt):
    • Toxikose durch Toxine im Zeckenspeichel (v.a. in warmen Ländern) (z.B. Sweating sickness (z.B. Hyalomma truncatum in Südafrika und Indien), Zeckenparalyse (z.B. Dermacentor andersoni, D. variabilis in USA, Ixodes holocyclus in Australien)
  • Vektorfunktion → je nach Erreger

Morphologie der Schildzecken am Beispiel von Ixodes ricinus (inkl. Grösse)

 

Zecken

  • Schildzecken allgemein
    • W. Schild nur vorne, M. Schild über ganzen Rücken
    • Larve und Nymphen sind geschlechtslos - haben Schild nur vorne
    • Larve hat noch keine Genitalöffnung und Analfurche
       
  • Körperbau (nur lesen)
    • Capitulum (syn. Gnathosoma)
      • Basis capituli
        • 2 Pedipalpen
        • 4 Cheliceren
      • Hypostom (unpaares Mundwerkzeug): Stechorgan mit nach hinten gerichteten Zähnen
    • Körper (syn. Idiosoma)
      • 4 Beinpaare (Adulte & Nymphen) bzw. 3 (Larven)
        • Tarsen (distalste Glieder)
          • 1 Doppelkralle, zum Teil mit Haftlappen (Pulvillen)
      • Paarige Stigmenplatten (Adulte und Nymphen): Eingang zum Tracheensystem (L atmen durch Cuticula)
         
  • Grösse (Adulte)
    • W: 3-4 mm (vollgesogen bis 12 mm)
    • M: 2-3 mm

wichtigste Unterschiede Schildzecken - Lederzecken

(bezüglich Morphologie, Geschlechtsdimorphismus, Zyklus, Saugakt, Hungerperioden...)

Zecken

Was bedeutet transovarielle/vertikale und transstadiale Übertragung?

Zecken

  •  transovarielle/vertikale
    • Übertragung eines Erregers via Eierstock bzw. Eizellen von Muttertier auf Nachkommen
  • transstadiale Übertragung
    • Übertragung eines Erregers von einem Entwicklungsstadium auf ein nächstes (z.B. Zecke von Larve bis Nymphe und Adult)

Zecken können entweder Wegelagerer oder Jäger sein. Was bedeutet das?

Zecken

  • Wegelagerer:       warten an «Wegrand», bis Wirt vorbeikommt
     
  • Jäger:                     suchen aktiv gewünschten Wirt auf

Anhand welcher Merkmale (4 Stk.) können Zeckenarten (Schildzecken) unterschieden werden?

Zecken

  • Schild
  • Analfruche
  • Mundwerkzeuge
  • Randplatten («Festoons») (= girlandenartige Einkerbungen an Hinterrand)

Erkläre, wie bei einer Zecke die Blutmahlzeit abläuft.

Wie kann die Zecke ihren Wirt überhaupt als solchen erkennen?

Zecken

Blutmahlzeit

  • Alle Stadien saugen Blut (ausser Männchen bei einigen Zeckenarten)
  • Suche einer geeigneten Stichstelle
  • Setzen der Wunde mit Cheliceren
  • Einstossendes Hypostoms und Einzementierung
  • Speichelabgabe (Anästhesie, Zytolyse, Koagulationshemmung)
    (Machen Teich, dort rein fliesst Blut, koaguliert nicht, d.h. können während Tagen so Blut saugen. Wegen Anästhetikum bemerkt man nichts)
  • Aufnahme grosser Blutmengen während 2-10 Tage
  • Überschüssige Flüssigkeit zurück in Wirt
  • Abfallen vom Wirt

Wirtsfindung

  • Hallersches Organ: mit Sensillen für Vibrationen, Temperatur, Feuchtigkeit, chemische Signale (CO2, Duftstoffe, Pheromone)
  • Lichtsinnesorgane: Augen (Rhipicephalus, Hyalomma, Dermacentor); Photosensillen (Ixodes)
  • Sensillen: Pedipalpen, Tarsen des 1. Beinpaares, Cheliceren: Kontakt

Zähle wichtige Erreger auf, für die Ixodes ricinus/gemeiner Holzbock Vektor ist

  • FSME-Virus
     
  • Borrelia burgdorferi
     
  • Babesia divergens, B. bovis
  • Theileria ovis
  • Rickettsia
  • Ehrlichia
  • Francisella

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