Sozialpsychologie - Schlüsselbegriffe

Uni Würzburg - aus Seminaren

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M. I.
Diese Lernkarten behandeln zentrale Konzepte der Sozialpsychologie auf universitärem Niveau und analysieren wie menschliches Verhalten in verschiedenen Kontexten durch Gruppen, Einstellungen und soziale Interaktionen geprägt wird. Im Fokus stehen Prozesse wie Kooperation, Konflikte oder soziale Identität, wobei Schlüsselbegriffe wie Normen, Emotionen oder Vertrauen immer wieder auftauchen. Studierende profitieren von diesem Überblick, um soziale Dynamiken besser zu verstehen und theoretische Modelle in der Praxis anzuwenden.
Karten
179
Lernende
10
Sprache
Deutsch
Kategorie
Psychologie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
15.02.2021 / 26.07.2026

Lernkarten

False Consensus Effect/Falscher Konsens-Effekt nach Ross (9)

Das Ausmaß der Übereinstimmung der eigenen Einstellung und Verhaltensweise mit anderen Menschen wird überschätzt (Konsensüberschätzung). 

Je wichtiger die Beziehung zu anderen ist, desto stärker der Effekt. 

Kognitive Repräsentation  (3)

Im Gedächtnis gespeichertes Wissen über eine Situation, eine Person oder ein Objekt

Mere Exposure Effect  (3)

Häufige Aussetzung eines Reizes (bspw Person), ohne dafür eine Belohnung (bspw Interaktion) erhalten zu haben, die jedoch dazu führt, dass man eine positive Einstellungen des Reizes gegenüber hat.

Salienz  (3)

Ein Cue der in einer Situation die Aufmerksamkeit erregt.

Assoziation  (3)

Eine Verbindung zwischen zwei oder mehr mentalen Repräsentationen.

Verfügbarkeit / Accessibility   (3)

Die Schnelligkeit und Leichtigkeit mit der Informationen abgerufen werden können.

Informativer und normativer Einfluss (9)

Informativ: Gruppennormen werden auch privat akzeptiert, um mithilfe von Informations(-quellen) eine Realitätskontrolle (mastery of reality) zu erreichen/beizubehalten + Streben nach "valuing me and mine"

Normativ: Gruppennormen werden auch privat akzeptiert, um Verbindungen/Zugehörigkeit (connectedness) zu erzielen/beizubehalten und um die soziale Identität zu schätzen (Wenn wir den Respekt anderer Gruppenmitglieder erhalten, wird unser Bedürfnis nach connectedness erfüllt, denn Übereinstimmung drückt die Identität/Werte aus)

 

--> beide Einflüsse können zu Konformität führen

Priming  (3)

Die Aktivierung einer mentalen Repräsentation um deren Verfügbarkeit / Abrufgeschwindigkeit zu erhöhen, um somit die Wahrscheinlichkeit, dass diese verwendet wird zu erhöhen.

Referenzgruppe (9)

Personen, die als geeignete Quellen für Informationen gelten, um etwas zu beurteilen. Diese Personen teilen die Attributonen, die relevant sind, um eine Beurteilung zu treffen.
--> in-groups

--> je mehr sich die Gruppenmitglieder mit der Gruppe identifizieren, deso größer ist der Einfluss der Referenzgruppe

Correspondent Inference  (3)

Das Zuschreiben einer Persönlichkeitseigenschaft, anhand des Verhalten der Person, das beobachtet wurde

Gruppenpolarisierung (9)

Der Prozess, wenn die eigentlich durchschnittliche Position eines Gruppenmitglieds sich in eine Richtung verschiebt (the good gets better, the bad gets worse), d.h. Gruppenentscheidungen fallen extremer aus, als der Mittelwert der Einzelurteile. 

Die Ansichten einer Person sind nach einer Gruppendiskussion häufig extremer/ Wenn die Gruppenmehrheit bereits eine Tendenz hatte, wird diese extremer. 

--> Was berücksichtigen die meisten zu Beginn? Wenn man untenschlossen ist, wird die Meinung meist übernommen

--> kann oberflächlich (sozialer Vergleich, Adaption, Orientierung am "besten" Mitglied) oder systematisch erfolgen 

Correspondence Bias  (3)

Die Tendenz einer Person eine Eigenschaft zuzuschreiben, die aus dessen Verhalten entstand, obwohl andere Gründe für das Verhalten möglich sind.

Gruppendenken (9)

Gruppenentscheidungen, die durch das Bedürfnis nach Übereinstimmung beeinflusst sind, unabhängig davon, wie es zur Konsensbildung kam. 

(Einer Gruppenmeinung anschließen, obwohl man eine andere Meinung hat aufgrund von Harmoniebedürfnis, Streben nach Zugehörigkeit, etc.)

Systematische Verarbeitung  (3)

Eine tiefgehende, gründliche Verarbeitung von Informationen bei der auch andere Gründe und Aspekte in Erwägung gezogen werden

Kausalattribution  (3)

Beurteilung möglicher Gründe für ein Verhalten / Situation

Advocatus Diaboli (9)

Technik, um Gruppendenken zu vermeiden, in dem bewusst widersprochen und kritisiert wird (bewusste Einnahme der Gegenposition) 

Pluralistische Ignoranz (9)

Die Situation, in der eine Mehrheit eine Norm insgeheim ablehnt, jedoch fälschlicherweise davon ausgeht, dass die Mehrheit diese Norm akzeptiert (etwa: „jeder glaubt, dass alle anderen daran glauben, während in Wirklichkeit keiner daran glaubt“).

Kelley Modell  (3)

Beweis für Systematische Verarbeitung

  • Kausalität liegt vor, wenn Ursache und Wirkung gleichzeitig auftreten und verschwinden
  • Verhalten kann an Situation, Reiz oder Akteur liegen

Konsens: Wie reagieren andere (Situation) -> Hoch = Alle reagieren mit dem selben Verhalten auf den Reiz

Distinktheit: Bezieht sich auf Reiz -> Hoch = Verhalten passiert nur bei diesem Reiz

Konsistenz: Bezieht sich auf Akteur -> Hoch = Akteur zeigt Verhalen auf diesen Reiz in verschiedenen Situationen 

 

Hoch - Hoch - Hoch = Attribution des Reizes

Niedrig (Konsens) - Niedrig (Distinktheit) - Hoch (Konsistenz) = Attribution Akteur

Niedrig (Konsens) - Hoch (Distinktheit) - Niedrig (Konsistenz) = Attribution Situation

Discounting  (3)

Reduzieren des Glaubens an einen gewissen Grund für das Verhalten, da andere mögliche Gründe gefunden wurden.

Primacy Effect   (3)

Erste Informationen, die aufgenommen wurden, haben einen größeren Einfluss, als die Folgenden.

Perserverance Bias  (3)

Die Tendenz, dass Informationen auf unsere Beurteilung trotzdem Einfluss hat, obwohl sie schon widerlegt wurde.

Self-fulfilling prophecy  (3)

Der Prozess bei dem die Erwartungen einer Person bewahrheitet werden, da sie bestimmte Verhaltensweisen herausfiltert bzw. provoziert, um die Erwartung zu bestätigen.

Selbstkonzept  (4)

Kognitive Struktur, die das selbstbezogene Wissen einer Person beinhaltet 
Ist die kognitivie Komponente des Selbst

Deindividuation (10)

Der psychologische Zustand, in dem die soziale Identität die individuelle Identität vollständig dominiert, sodass Gruppennormen maximal zugänglich werden (normatives Verhalten ist maximal, kann positiv und negativ sein)

Reziprozität (10)

Gegenseitigkeit/Wechselbezug: Wie du mir, so ich dir!

Individuen haben das Bedürnis, Menschen zu bestrafen, die unfair zu ihnen waren (negative Reziprozität), und Menschen zu belohnen, die großzügig waren oder sich „fair” verhalten haben (positive Reziprozität).

Door-in-the-face-Technik (10)

1. Eine sehr unverschämte Bitte äußern, sodass diese abgelehnt wird.

2. Mit einer kleineren Bitte folgen, die entgegenkommend aussieht, sodass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Person diese Bitte nicht abschlagen kann. 

Soziales Commitment (10)

Die geteilte Ansicht, dass Menschen dazu verpflichtet sind, ihre Versprechungen einzuhalten (ermutigt Menschen, ihren Verpflichtungen nachzugehen)

Bsp.: Auf die Sachen einer Freundin aufpassen, wenn diese auf die Toilette geht

"Don't makes promises you cannot keep"

Low-Ball-Technik (10)

Die Zustimmung einer Anfrage erhalten, aber dann die "Kosten" erhöhen, um das Commitment einzuhalten

Bsp.: "Passen Sie auf meinen Hund auf?" - "Ja." - "Dauert auch nur 30 Minunten."

--> siehe auch: soziales Commitment

Gehorsamkeit (10)

Norm des Gehorsams, siehe auch: Milgrim-Studie

Die Ansicht, dass auf Menschen mit legitimer Autorität gehorcht werden soll (Dozierende)

Reaktanz (10)

Sich Normen widersetzen, indem die Verwendung der Norm/die Beziehung/die Ansichten anderer hinterfragt werden

Das Motiv, ein bedrohtes Gefühl der Verhaltensfreiheit zu schützen/wiederherzustellen

Social Facilitation/Soziale Erleichterung (11)

Anwesenheit anderer sorgt für individuelle Leistungssteigerung bzw. -minderung (abhängig von Komplextität der Aufgabe).

Gegenteil: Social Loafing

Durch die Anwesenheit anderer wird deren Beurteilungsfähigkeit wahrgenommen (und man ist ggf. abgelenkt). Dadurch entsteht ein Zustand der Erregung, sodass verfügbare Reaktionen wahrscheinlicher werden und nicht verfügbare unwahrscheinlicher (dementsprechend steigt oder sinkt die Leistung). 

Selbstwert  (4)

Positive oder negative Beurteilung von sich selbst 

Self-perception Theory  (4)

Theorie, dass Menschen Rückschlüsse von ihrem Verhalten auf ihre Persönlichkeitseigenschaften machen, da die internalen Cues nicht stark genug sind bzw. man sich nicht sicher ist.

 

Interdependenz (11)

Gruppenmitglieder beeinflussen sich gegenseitig in Gedanken, Gefühlen, Handlungen (auch ohne direkte Interaktion möglich)

Face-to-face-Gruppen besitzten bsp. eine hohe Interdependenz

 

 

Kontrasteffekt  (4)

Vergleich einer Person mit konträren Vergleichspersonen, weshalb die Selbsteinschätzung nicht mehr dem Standard entspricht.
Bsp: Vergleich mit Supersportler = Ich bin unsportlich
Vergleich mit Rentner = Ich bin sportlich

Assimilationseffektt  (4)

Ein Vergleich einer Person mit ähnlichen Vergleichspersonen, die die Selbstbeurteilung realistisch machen.
Bspw. mit einer gleich sporlichen Person

Actor-Observer Bias  (4)

Wir attribuieren unser eigenes Verhalten external (situationsbedingt), hingegen attribuieren wir das Verhalten Anderer internal (Persönlichkeit)

Selbstaspekte  (4)

Summe der Wahrnehmungen der Person über sich selbst in verschiedenen Rollen, Aktivitäten, Domänen. 

Aufgabeinterdependenz (11)

Abhängigkeit von anderen Gruppenmitgliedern, um materielle Ergebnisse zu beherrschen (mastery), die sich aus der Gruppenaufgabe ergeben (insb. bei der Arbeit); Ziel: Produktivität/Kontrolle

Arten:

diskunjtiv: Mathe-Aufgaben (Gruppenleistung ist so gut wie die des besten Gruppenmitglieds)

additiv: Tauziehen (individuelle Anstrengung: Ergebnis ist proportional von der Anzahl der Beteiligten und dessen Anstrengung)

konjuktiv: Bergsteigen (jedes Gruppenmitglied nimmt einen Part ein, wobei die Gruppenperformance vom schwächsten Mitglied abhängig ist)

kompensatorisch: Schätz-Aufgaben (Wenn mehrere Gruppenmitglieder ihre Beurteilung abgeben, wird das beste Resultat erzielt durch Mittelwertsbildung, bzw. Ausglätten von Fehlern/Kompensation)

 

--> meist Mischung aus allem (komplexe Aufgaben)

Soziale Interdependenz (11)

Abhängigkeit von anderen Gruppenmitgliedern, um Gefühle der Verbundenheit zu erleben (connectedness), sozial-emotionale Belohnungen zu erhalten und eine positive soziale Identität zu erlangen (insb. in Familien/enge Freunde)

--> kann die Aufgaben-Performance schmälern, wenn diei Gruppe sich "zu gut" versteht, aber auch Probleme innerhalb der Aufgabeninterdependenz lösen (Gruppenkohäsion erhöht i.d.R. Gruppenleistung). 

Lernen